Interferon alfa-2a

Allgemeines

Interferon alfa-2a wird in der Krebstherapie und der Therapie von Leberentzündungen (Hepatitis) vom Typ B und C zur Steigerung der körpereigenen Abwehr eingesetzt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • schwere Virusinfektionen abwehren
  • Verlauf bestimmter Blutkrebsformen abschwächen
  • Abwehrkräfte bei Krebserkrankungen steigern
  • Hepatitis behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Interferon alfa-2a im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Interferon alfa-2a nicht verwendet werden?

Interferon alfa 2-a darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen gentechnisch hergestelltes Interferon alfa-2a
  • bestehenden Herzerkrankungen oder solchen in der Vorgeschichte des Patienten, weil die Nebenwirkungen von Interferon alfa-2a die Erkrankung verschlimmern können
  • schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung
  • schwerer Beeinträchtigung der Knochenmarksfunktion bei der Blutbildung
  • unbehandelten Anfallsleiden oder sonstigen Beeinträchtigungen der Gehirnfunktion
  • chronischer Leberentzündung mit fortgeschrittenem Zerfall der Leber oder bei Patienten mit chronischer Leberentzündung, die kürzlich Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems erhalten haben oder noch erhalten sowie bei Leberzirrhose
  • AIDS mit einer CD4-Zahl (bestimmte Zellen der Immunabwehr) von weniger als 250 Zellen pro Milliliter Blut oder zusätzlichen Begleitkrankheiten, weil solche Patienten wahrscheinlich nicht auf die Therapie mit Interferon alfa-2a reagieren.
Nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Überwachung darf Interferon alfa-2a gegeben werden bei:
  • Transplantat-Patienten beispielsweise nach Übertragung von Niere oder Knochenmark, weil Interferone auch eine das Immunsystem anregende Wirkung ausüben können und damit möglicherweise die Abstoßung des neuen Organs hervorrufen
  • Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen, weil es auch schon bei seelisch Gesunden durch die Therapie mit dem Wirkstoff zu Depressionen, Selbstmordgedanken, Selbstmordversuch und Selbstmord kommen kann
  • Patienten mit schwerer Beeinträchtigung der Knochenmarksfunktion
  • begleitender Infektion mit dem HI-Virus
  • Augenerkrankungen, da der Wirkstoff auch bei Augen-Gesunden Schäden an der Netzhaut mit Minderung oder Verlust des Sehvermögens verursachen kann
  • Zuckerkrankheit - eventuell muss einer durch die Interferon-Behandlung verursachten Blutzuckersteigerung durch Dosisanpassung der blutzuckersenkenden Medikamente begegnet werden
  • Neigung zu Autoimmun-Erkrankungen, weil die Behandlung mit Interferon solche begünstigt
  • leichten bis mäßigen Funktionsstörungen der Nieren, der Leber oder des Knochenmarks. Bei schwerem Schwund des Knochenmarks kann da Interferon alfa-2a die Bildung von weißen Blutkörperchen (insbesondere Granulozyten) und von Blutplättchen unterdrücken.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es noch keine ausreichenden Erfahrungen mit der Anwendung des Wirkstoffes in der Schwangerschaft beim Menschen. Im Tierversuch kam es zu einer erhöhten Rate von Fehlgeburten, wenn auch keine Missbildung an den Jungen auftraten. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass Interferon alfa-2a beim Menschen das Ungeborene schädigt. Da außerdem der Verdacht besteht, dass Interferon alfa-2a die Samenqualität negativ beeinflusst, müssen Patienten und Patientinnen, die mit dem Wirkstoff behandelt werden, für eine wirksame Empfänfnisverhütung sorgen.

Es ist unbekannt, ob Interferon alfa-2a in die Muttermilch übertritt. Der Arzt wird also je nach der medizinischen Bedeutung des Medikaments für die Mutter entscheiden, ob das Stillen unterbrochen oder die Behandlung ganz abgesetzt werden soll.

Eine zusätzliche Gefahr bei der Interferon-Behandlung während Schwangerschaft und Stillzeit besteht darin, dass der Wirkstoff eine bestehende Autoimmunerkrankung verschlechtern könnte.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern und Heranwachsenden, die jünger als 18 Jahre sind, gibt es zu Wirkung und Verträglichkeit von Interferon alfa-2a bisher noch keine hinreichenden klinischen Studien. Daher wird eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung durch den behandelnden Arzt empfohlen.

Welche Nebenwirkungen kann Interferon alfa-2a haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Interferon alfa-2a. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Weiße-Blutkörperchenmangel, Essensverweigerung, Übelkeit, Durchfall, Blut-Calciummangel (schwach), Haarausfall (vorübergehend), vermehrtes Schwitzen.

Häufige Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel, Blutarmut, Übelkeit und Erbrechen, Geschmacksstörung, Herzrhythmusstörungen, Herzklopfen, Blaufärbung der Haut, Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Brustschmerzen, Wassereinlagerung ins Gewebe (Ödeme), Gewichtsverlust.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Austrocknung, Mineralmangel, Depressionen, Angst, Verwirrtheit, Verhaltensstörungen, Nervosität, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Verminderung des Tastgefühls, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Benommenheit, Zittern, Bindehautentzündung, Sehstörungen, Schwindel, Herzklopfen, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Schuppenflechte, Schuppenflechte-Verschlechterung, Juckreiz, Urin-Eiweißausscheidung, Urin-Zellenausscheidung, Blut-Leberwerteanstieg (GPT, alkalische Phosphatase, Transaminasen).

Seltene Nebenwirkungen:
Lungenentzündung, Herpes-Infektionen, Granulozyten-Fehlen, Blutarmut durch Blutzellzerstörung, Autoimmunerkrankungen, Überempfindlichkeitreaktionen (Nesselsucht, Bronchialkrampf, Gefäßschwellungen), Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion, Blut-Überzuckerung, Selbstmordgedanken, Selbstmordversuch, Selbstmord, Bewusstlosigkeit, Schlaganfall, Krämpfe, vorübergehende Erektionsstörungen, Netzhautdurchblutungsstörung, Herzstillstand, Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche, Wasseransammlung in der Lunge, Hautblaufärbung, Blutgefäßentzündung, Atemnot, Husten, übermäßige Darmbewegung, Verstopfung, Blähungen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Leberfunktionsstörung, Leberentzündung, Leberversagen, Hautausschlag, Nasenbluten, Nasenlaufen, trockene Schleimhäute, trockene Haut, Lupus erythematodes, Gelenkentzündung, Nierenfunktionsstörung, Nierenversagen (hauptsächlich bei nierenkranken Krebspatienten), Blutnierenwerte-Erhöhung (Kreatinin, Harnsäure, Harnstoff), Blut-LDH-Werterhöhung, Blut-Bilirubinwerterhöhung.

Sehr seltene oder vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:
Unterhautblutungen, Sarkoidose (eine Bindegewebserkrankung), Zuckerkrankheit, Fettstoffwechselstörungen, Sehnervstörung, Netzhautgefäßverstopfung, Netzhautblutung, Wasseransammlungen in und unter der Netzhaut, Magengeschwürwiederauftreten, Magen-Darm-Blutung (harmlos), Hautveränderungen an der Einstichstelle, Gewebszerstörung an der Einstichstelle.

Besonderheiten:

Einige Patienten bilden bei der Behandlung mit Interferon alfa-2a Antikörper gegen den Wirkstoff. Wahrscheinlich hat dies jedoch keine Auswirkung auf die Behandlung.

Welche Wechselwirkungen zeigt Interferon alfa-2a?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Alfa-Interferone verändern den Zellstoffwechsel, was auch die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen kann. Bisher sind jedoch nur vereinzelte Wechselwirkungen von Bedeutung festgestellt worden.

So kann Interferon alfa-2a Abbau und Ausscheidung des Asthma-Medikaments Theophyllin verringern, was sich in einer Verstärkung der Theophyllin-Wirkung bemerkbar macht.

Da Interferon alfa-2a die Gehirnfunktion beeinflussen kann, verändert es bei gleichzeitiger Gabe möglicherweise die Wirkung von Medikamenten, die ebenfalls dort angreifen.

Werden vor oder gleichzeitig mit Interferonen Medikamente mit schädlichen Nebenwirkungen auf das Nervensystem, das Blut oder das Herz verabreicht, können sich diese Effekte verstärken. Das gilt auch für den Wirkstoff Ribavirin, mit dem zusammen Interferon alfa-2a bei Patienten mit chronischer Hepatitis C eingesetzt wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Therapie mit dem Medikament sind empfängnisverhütende Maßnahmen einzuhalten.
  • Vor und auch während der Behandlung mit dem Medikament sind regelmäßige ärztliche Blutbildkontrollen notwendig.
  • Eine Verschlechterung des Sehvermögens erfordert sofortige augenärztliche Kontrolle und gegebenenfalls den Abbruch der Behandlung mit dem Medikament.
  • Alle Patienten sind während der Behandlung mit dem Medikament vom Arzt auf das Auftreten von Depressionen hin zu beobachten. Gegebenenfalls muss dann die Therapie abgebrochen werden.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament muss die Leberfunktion ärztlich überwacht werden, um bei Auftreten einer Autoimmunerkrankung die Therapie abzubrechen.
  • Das Medikament sollte bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nur nach strenger ärztlicher Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden.
  • Möglicherweise schränkt die Gabe des Medikaments das Reaktionsvermögen ein, so dass Autofahren und das Führen von Maschinen gefährlich sind.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Interferon alfa-2a?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Interferon alfa-2a enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Interferon alfa-2a

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Interferon alfa-2a. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen virenhemmende Mittel, Immunstärkende und -schwächende Mittel, Interferone, zu welcher der Wirkstoff Interferon alfa-2a gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Interferon alfa-2a

Interferon alfa-2a wird in der Krebstherapie und der Therapie von Leberentzündungen (Hepatitis) vom Typ B und C zur Steigerung der körpereigenen Abwehr eingesetzt.

In der Krebstherapie ist sein Einsatz bei folgenden Krebsarten üblich : Leukämie, Hautkrebs, Nierenkrebs und Kaposi-Sarkom bei AIDS-Patienten.

Zur Anregung der Abwehr wird es bei der Behandlung der chronischen Hepatitis B und C bei erwachsenen Patienten (siehe auch Leberentzündung, sonstige Lebererkrankungen) eingesetzt. Bei der Behandlung von Hepatitis C wird fast ausschließlich nur in Kombination mit Ribavirin eingesetzt, um die Wirkung zu steigern. Ein alleiniger Einsatz erfolgt nur, wenn Ribavirin nicht vertragen wird oder nicht angewendet werden darf.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Interferon alfa-2a sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Interferon alfa-2a

Interferon alfa-2a ist ein gentechnisch hergestellter körperidentischer Abwehrstoff, der zur Wirkstoffgruppe der Immunologika und dort zur Untergruppe der Interferone zählt. Wie alle Interferone wird auch Interferon alfa-2a von Tierzellen (also auch menschlichen Zellen) im Rahmen der Immunantwort auf Infektionen mit Viren und auf andere biologische Reize hin gebildet. Interferone wirken gegen Viren, dämmen das Zellwachstum ein (antiproliferativ) und stärken die körpereigene Abwehr (immunmodulierend).

Interferon alfa-2a entwickelt seine biologische Wirkung durch Anheftung an spezielle Bindungsstellen (Rezeptoren) auf der Oberfläche der menschlichen Zellen. Diese Bindung leitet eine umfangreiche Reaktion der Zelle ein, bei der zahlreiche Interferon-typische Stoffe produziert werden.

Die antivirale Wirkung von Interferon alfa-2a kommt dadurch zustande, dass der Wirkstoff die Zellen gegen Infektionen mit Viren widerstandsfähiger macht und spezielle Fresszellen des Immunsystems so aktiviert, dass sie Viren ausschalten oder virusinfizierte Zellen vernichten.

Wie Interferon alfa-2a gegen Krebszellen wirkt, ist noch nicht vollständig bekannt. Anscheinend verändert der Wirkstoff menschliche Tumorzellen jedoch so weit, dass die Produktion des zur Vermehrung nötigen Krebszellenerbgutes behindert wird. Es konnte gezeigt werden, dass Interferon alfa-2a im Laborversuch eine wachstumshemmende Wirkung auf eine Vielzahl menschlicher Krebsgeschwüre ausübt. An betroffenen Patienten ist der wachstumshemmende Einfluss von Interferon alfa-2a auf Brustkrebs, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs nachgewiesen worden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.