Capecitabin

Allgemeines

Capecitabin wird nach der Operation zur Behandlung von Dickdarmkrebs als Einzelwirkstoff und auch in Kombination mit Cisplatin eingesetzt. Es ist auch zur Therapie geeignet, wenn ein Dick- und Enddarmkrebs bereits Tochtergeschwulste gebildet hat (metastasiertes Kolorektalkarzinom).

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • metastasierenden Dickdarmkrebs behandeln
  • metastasierenden Brustkrebs behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Capecitabin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Capecitabin nicht verwendet werden?

Capecitabin darf nicht eingesetzt werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen 5-Fluorouracil besteht oder schon einmal nach Behandlung mit dessen chemischen Verwandten (Fluoropyrimidinen) eine schwerwiegende allergische Reaktion auftrat.

Gleiches gilt für den Mangel am Enzym Dihydropyrimidin-Dehydrogenase, welches den Wirkstoff abbaut.

Außerdem darf Capecitabin nicht verwendet werden von Patienten mit schweren Leber- und Nierenfunktionsstörungen oder wenn bereits eine schwere Verringerung der Zahl an Blutzellen wie Leukozyten und Thrombozyten vorhanden ist.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Herpesmitteln vom Typ Brivudin oder dessen chemischen Verwandten wie beispielsweise Sorivudin ist eine Behandlung mit Capecitabin verboten. Gleiches gilt für Behandlungen mit dem Epilepsie-Mittel Phenytoin.

Nur nach sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung sollte der Wirkstoff eingenommen werden bei schweren Herzerkrankungen wie Myokardinfarkt, Herzmuskelschwäche, Kardiomyopathie, Herzrhythmusstörungen, einer Verminderung des Kalziumspiegels (Hypokalzämie) oder Kalziumüberschuss (Hyperkalzämie), Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems wie zum Beispiel Hirnmetastasen oder Neuropathien, der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus sowie Störungen im Elektrolythaushalt.

Ganz Allgemein müssen Patienten besonders ärztlich überwacht werden, bei denen die Aktivität des Enzyms Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) eingeschränkt ist. Dieses Enzym baut Fluorouracil ab und sein Mangel führt zu schweren Nebenwirkungen wie Durchfall, Schleimhautentzündungen, Störungen der Blutbildung und Nervenschäden. Zur Vermeidung schwerer Nebenwirkungen, die durch einen erblichen DPD-Mangels verursacht sind, wird eine Testung vor Therapiebeginn empfohlen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Anwendung von Capecitabin ist für den Zeitraum der Schwangerschaft und Stillzeit ausdrücklich verboten, da es zu schweren Schädigungen des Kindes kommen kann.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Wirkstoff nicht geeignet.

Welche Nebenwirkungen kann Capecitabin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Capecitabin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Lymphozytenerniedrigung, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Mundschleimhautentzündungen, Hand-Fuß-Syndrom, Hautentzündungen, Abgeschlagenheit, Bilirubinerhöhung, Nahrungsverweigerung.

Häufige Nebenwirkungen:
Verstopfung, Verdauungsstörungen, Oberbauchbeschwerden, Mundtrockenheit, Blähungen und dünner Stuhl, Haarausfall, Hauttrockenheit, Juckreiz, Nagelstörungen, Hautschuppungen, Fieber, Schwäche, Kraftlosigkeit, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Kribbeln, Geschmacksstörungen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Überempfindlichkeit (neurologisch), Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen, Hämoglobinerniedrigung, Blutzellenabnahme (Thrombozytopenie, Leukozytopenie, Neutrozytopenie), alkalische Phosphatase-Erhöhung, Überzuckerung, Dehydrierung, Atemstörungen, Tränen der Augen, Bindehautentzündungen, Appetitverlust, Nasenbluten, Gewichtsverlust, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Depressionen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Fieber durch Neutropenie, Knochenmarkschädigungen, Panzytopenie, Angina Pectoris, Herzinfarkt.

Seltene Nebenwirkungen:
Speiseröhrenentzündungen, Magenschleimhautentzündungen, Zwölffingerdarmentzündungen, Dickdarmentzündungen, Magen-Darm-Blutungen, Radiation-Recall, Nagelablösungen, spröde Nägel, Nagelverfärbungen, Nagelwachstumsstörungen, Hautfissuren, Hirnschädigungen (Enzephalopathie), Kleinhirnstörung, Herzmuskelschwäche, Herzstillstand, Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathie), plötzlicher Herztod, Herzschlagbeschleunigungen, Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Extrasystolen des Herzmuskels, Leberfunktionswerte-Veränderungen, Gelbsucht, Leberfunktionsstörungen, Gallenverschluss, Brustschmerzen, Muskelschmerzen, Augenreizungen, Husten, schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse).

Besonderheiten:
Der Arzt beobachtet die Blutzellenbildung im Knochenmark (und hier die Zahl der Neutrophilen Blutzellen). Danach richtet sich, ob Therapie gestartet wird und ob sie während eines Therapiezyklus´ beendet werden muss.

Kommt es bei der Therapie mit Capecitabin zu schweren Hautreaktionen, muss die Behandlung sofort abgebrochen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Capecitabin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei gleichzeitiger Einnahme der Blutgerinnungsmittel wie Warfarin und Phenprocoumon aus der Gruppe der Antikoagulantien oder bei Behandlung mit Fluoropyrimidinen verändern sich die Blutungseigenschaften. Es können verlängerte Blutungszeiten sowie Blutungskomplikationen wie Blut im Urin (Hämaturie), Nasenbluten, Erbrechen von Blut (Hämatemesis) und Blutstuhl auftreten.

Weiterhin erhöht Capecitabin die Konzentration des Antiepileptikums Phenytoin im Blut. Ist eine solche Kombination nicht zu vermeiden, kann es zu erhöhten Konzentrationen von Phenytoin im Blut kommen mit der Gefahr einer Phenytoinvergiftung. Daher ist bei solchen Patienten die Phenytoinkonzentration ärztlich zu überwachen. Die verstärkten Wirkungen von Phenytoin äußern sich in Augenzittern (Nystagmus), Gangunsicherheit, Sprechstörungen sowie Zittern, Übelkeit und Schlaflosigkeit.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Folsäure beziehungsweise Folinsäure werden Wirksamkeit und Giftigkeit von Capecitabin verstärkt. Ausgeprägte Essensverweigerung, Erbrechen, schwerer Durchfall, Knochenmark- und Blutbildschäden sowie herzschädigende Effekte können auftreten.

Im Gegensatz dazu führt die Wechselwirkung mit dem Gichtmittel Allopurinol zu einer Wirkungsabschwächung von Capecitabin.

Bei gleichzeitiger Anwendung von den Herpesmitteln Sorivudin und Brivudin kommt es zu gefährlichen Wechselwirkungen. Zwischen den beiden Behandlungen muss ein zeitlicher Abstand von mindestens vier Wochen eingehalten werden.

Patienten, die unter einer immununterdrückenden Therapie wie im Fall von Capecitabin stehen, dürfen nicht mit Lebend-Impfstoffen geimpft werden. Die Immunreaktion kann in Abhängigkeit von der Intensität der immununterdrückenden Therapie noch mehrere Monate nach Absetzen unterdrückt sein. Zum zeitlichen Abstand der Impfung zur immununterdrückenden Behandlung variieren die Empfehlungen zwischen einem und zwölf Monaten.

Zusammen mit Interferon alfa ist Capecitabin schlechter verträglich. Daher wird der Arzt die Dosis bei Kombination verringern. Gleiches gilt, wenn der Wirkstoff gemeinsam mit einer Strahlentherapie eingesetzt wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament darf nicht während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden.
  • Die Behandlung soll abgebrochen werden, falls ein Fortschreiten der Erkrankung oder unerträgliche Nebenwirkungen auftreten
  • Kommt es bei der Therapie mit Capecitabin zu schweren Hautreaktionen, muss die Behandlung sofort abgebrochen werden.
  • Das Medikament darf nur von einem erfahrenen Krebsarzt (Onkologen) angenwendet werden.
  • Das Reaktionsvermögen kann während der Behandlung mit dem Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Capecitabin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Capecitabin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Capecitabin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Capecitabin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Antagonisten von Purin- und Pyrimidin-Basen, Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Capecitabin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Capecitabin

Capecitabin wird nach der Operation zur Behandlung von Dickdarmkrebs als Einzelwirkstoff und auch in Kombination mit Cisplatin eingesetzt. Es ist auch zur Therapie geeignet, wenn ein Dick- und Enddarmkrebs bereits Tochtergeschwulste gebildet hat (metastasiertes Kolorektalkarzinom).

Capecitabin ist in Kombination mit einem Platin-haltigen Wirkstoff (beispielsweise Cisplatin) auch zur Erstbehandlung bei fortgeschrittene Magenkrebs geeignet.

Darüber hinaus kann Capecitabin in Kombination mit einem Taxan wie Docetaxel zur Therapie bei örtlich fortgeschrittenem Brustkrebs und solchen Formen mit Tochtergeschwulsten (metastasiertes Mammakarzinom) eingesetzt werden. Voraussetzung ist, dass eine andere Chemotherapie beispielsweise mit einem Anthracyclin (wie beispielsweise Doxorubicin) erfolglos war. Der alleinige Einsatz ist dann gerechtfertigt, wenn eine Therapie mit Taxanen und Anthracyclinen bereits versagt hat oder
eine weitere Anthracyclinbehandlung nicht geeignet ist.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Capecitabin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Capecitabin

Capecitabin gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika.

Allerdings wird es erst im Körper zu dem eigentlich gegen Krebs wirksamen 5-Fluorouracil (5-FU) umgebaut. Dieser Vorgang verläuft über mehrere Schritte; das Enzym Thymidin-Phosphorylase schließt die Umwandlung ab. Dieses kommt sowohl in Krebsgewebe als auch in gesundem Gewebe vor - in letzterem üblicherweise jedoch in geringerer Konzentration.

Das entstandene 5-Fluorouracil wird dann weiter abgebaut. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass es im Verlauf des Abbaus zur Blockade der Bioproduktion von Erbsubstanz (Desoxyribonucleinsäure; DNS) kommt. Der Einbau von 5-FU führt weiter zur Hemmung der Herstellung von Eiweißen. Beides führt letztlich besonders bei sich schnell teilenden Zellen wie den Krebszellen zu einer Wachstumshemmung oder dem Zelltod.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.