Allopurinol

Allgemeines

Dieser Wirkstoff wird bevorzugt in der Langzeitbehandlung der Gicht sowie zur Vorbeugung von akuten Gichtanfällen eingesetzt. Allopurinol dient dazu, erhöhte Harnsäure-Konzentrationen im Blut (Hyperurikämie) zu senken, wenn Ernährungsumstellung, Alkoholverzicht sowie eine Kalorienbeschränkung bei Übergewicht alleine nicht ausreichen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Harnsäurekonzentration bei Hyperurikämie und Gicht senken
  • akuten Gichtanfällen vorbeugen
  • Nierenschädigungen bei Hyperurikämie vorbeugen
  • Nierenschädigungen bei Leukämietherapie vorbeugen
  • angeborene Enzymmangelkrankheiten behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Allopurinol im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Allopurinol nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Allopurinol darf der Wirkstoff nicht angewendet werden. Aufgrund des hohen Wirkstoffgehalts dürfen Tabletten mit mehr als 300 Milligramm Allopurinol bei Kindern oder Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion nicht eingesetzt werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Für die Anwendung während der Schwangerschaft gibt es beim Menschen noch wenig Erfahrung. Bei Gabe sehr hoher Dosen kam es in Tierversuchen zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Während der Schwangerschaft sollte Allopurinol daher nicht angewendet werden.

Da Allopurinol in die Muttermilch übergeht, sollten stillende Frauen Allopurinol nicht einnehmen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für Kinder beträgt die Tagesdosis 10 Milligramm Allopurinol pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei Einzeldosen. Es dürfen an einem Tag nicht mehr als 400 Milligramm des Wirkstoffs gegeben werden.

Welche Nebenwirkungen kann Allopurinol haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Allopurinol. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.


Zu Beginn der Einnahme: akute Gichtanfälle als Reaktion auf den Wirkstoff.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übelkeit, Brechreiz, Durchfall.

Seltene Nebenwirkungen:
Schwindel, Benommenheit, Kopfschmerzen, Gelbsucht, Nierenentzündungen, Krampfanfälle, Hautveränderungen mit Fieber, Lymphknotenschwellungen, Gelenkschmerzen und Blutbildveränderungen.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen mit Fieber, Schüttelfrost und Gelenkschmerzen; Leberfunktionsstörungen, Gallengangsentzündungen, Schläfrigkeit, Nervosität, Haarausfall, verfärbtes Haar, Schwächegefühl, Bewegungsstörungen, Lähmungserscheinungen, Herzrhythmusstörungen, Diabetes mellitus, Depressionen, Eiterbeulen, Geschmacksveränderungen, Brustvergrößerungen bei Männern, Erbrechen von Blut, Blut im Urin, erhöhte Fettkonzentrationen im Blut, Bluthochdruck, Impotenz, Unfruchtbarkeit, Sehstörungen, grauer Star, Bewusstlosigkeit, Muskelschmerzen, Hautschwellungen (Quincke-Ödem), Fettstühle, Entzündungen des Mundraums, Bewusstseinstrübungen, Samenerguss, Nervenstörungen, Gangstörungen, Veränderungen des gelben Flecks im Auge (Makuladegeneration), Wassereinlagerungen, schwere Hautreaktionen (Überempfindlichkeitssyndrom, Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse).

Besonderheiten:
Schwere Hautreaktionen, die möglicherweise lebensbedrohlich sind, können sich anfänglich als rötliche, schießscheibenartige oder kreisförmige Flecken (oft mit zentralem Bläschen) am Körperstamm zeigen. Zusätzliche Beschwerden sind offene, schmerzende Stellen in Mund, Hals, Nase und im Schambereich sowie gerötete und geschwollene Augen (Bindehautentzündung). Häufig werden diese Hautreaktionen von Grippe-ähnlichen Anzeichen begleitet. Der Hautausschlag – das Risiko hierfür ist insbesondere in den ersten Behandlungswochen erhöht – kann zu einer großflächigen Blasenbildung oder Ablösung der Haut führen. Menschen die von Han-Chinesen oder Thailändern abstammen, können ein höheres Risiko für die genannten Nebenwirkungen haben. Treten die genannten Anzeichen auf, muss die Allopurinol-Behandlung sofort beendet und der behandelnde Arzt informiert werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Allopurinol?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Wirksamkeit von Allopurinol wird durch die gleichzeitige Gabe von Wirkstoffen, die eine vermehrte Harnsäureausscheidung bewirken, herabgesetzt. Zu diesen Wirkstoffen gehören die Gichtmittel Probenecid, Benzbromaron und Sulfinpyrazon. Ebenfalls ist die Wirkung von Allopurinol vermindert bei gleichzeitiger Einnahme der entwässernd wirkenden Thiazide und Etacrynsäure.

Wird Allopurinol gleichzeitig mit 6-Mercaptopurin oder Azathioprin verabreicht, muss deren Dosis gesenkt werden, da diese Wirkstoffe langsamer abgebaut werden und somit ihre Wirkung verlängert ist.

Bei gleichzeitiger Einnahme der Antibiotika Ampicillin oder Amoxicillin ist vermehrt mit allergischen Reaktionen (Hautausschlägen) zu rechnen. Deshalb sollten Patienten, die Allopurinol einnehmen, andere Antibiotika erhalten.

Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung (Antikoagulantien) wie beispielsweise Cumarin oder Warfarin können in ihrer Wirkung verstärkt werden. Es ist daher eine häufigere Kontrolle der Blutgerinnung erforderlich und gegebenenfalls eine entsprechende Dosisverringerung notwendig.

Insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion kann die blutzuckersenkende Wirkung des Diabetes-Medikaments Chlorpropamid durch die gleichzeitige Gabe von Allopurinol verlängert werden, was eine Dosisverringerung erforderlich macht.

Allopurinol hemmt bei hoher Dosierung den Stoffwechsel des bei Asthma eingesetzten Wirkstoffs Theophyllin. Zu Beginn der Behandlung mit Allopurinol oder bei Erhöhung der Allopurinol-Dosis sollte deshalb der Theophyllinspiegel im Blut bestimmt werden.

Bei Gabe von Allopurinol und Zytostatika treten Blutbildveränderungen häufiger auf als bei Einzelgabe der Wirkstoffe. Blutbildkontrollen sind daher in kurzen Zeitabständen durchzuführen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, Leberfunktion oder Blutbildungsstörungen müssen sorgfältig vom Arzt überwacht werden.
  • Bei Behandlung mit dem Medikament muss eine reichliche Flüssigkeitszufuhr sichergestellt sein. Besonders bei der Behandlung einer Gichtniere und Harnsäuresteinen müssen am Tag mindestens zwei Liter Urin ausgeschieden werden.
  • Das Medikament ist nicht für die Behandlung eines akuten Gichtanfalls einzusetzen.
  • Bei Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen, bei Fieber, Augenbrennen, Schluckbeschwerden und Hautschäden am Rumpf ist das Medikament sofort abzusetzen und ein Arzt aufzusuchen.
  • Das Reaktionsvermögen kann durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, das Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Allopurinol?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Allopurinol enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Allopurinol

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Allopurinol. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Gichtmittel, zu welcher der Wirkstoff Allopurinol gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Allopurinol

Dieser Wirkstoff wird bevorzugt in der Langzeitbehandlung der Gicht sowie zur Vorbeugung von akuten Gichtanfällen eingesetzt. Allopurinol dient dazu, erhöhte Harnsäure-Konzentrationen im Blut (Hyperurikämie) zu senken, wenn Ernährungsumstellung, Alkoholverzicht sowie eine Kalorienbeschränkung bei Übergewicht alleine nicht ausreichen.

Während der Therapie mit dem Wirkstoff werden Ablagerungen von Harnsäure (Uratkristalle) gelöst und über die Niere ausgeschieden. Diese Ablagerungen sind für die typischen Symptome bei einer Gicht verantwortlich.

Bei Kindern kann es während der Behandlung einer Leukämie zu einer Nierenschädigung durch den erhöhten Harnsäurespiegel im Blut kommen. Zur Vorbeugung wird daher die Leukämietherapie durch Allopurinol ergänzt. Auch bestimmte Erbkrankheiten, wie beispielsweise das zur kindlichen Gicht führende Lesch-Nyhan-Syndrom oder ein Adenosin-Phosphoribosyl-Transferase-Mangel, erfordern die Gabe von Allopurinol.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Allopurinol sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Allopurinol

Allopurinol gehört zur Wirkstoffgruppe der Gichtmittel. Gicht ist eine Erkrankung, bei der die Konzentration an Harnsäure im Körper überhöht ist. Weil Harnsäure sowieso schon schlecht wasserlöslich ist, bilden sich bei zu hoher Konzentration Kristalle, die sich im Gewebe ablagern. Sie verursachen besonders an den Gelenken schmerzhafte Entzündungen und Verdickungen.

Die Harnsäure entsteht aus Purinen, organischen Verbindungen, die vor allem in Eiweißen zu finden sind. Purine werden vom Körper selbst produziert, gelangen aber auch mit der Nahrung, vor allem durch eiweißreiche Produkte wie Innereien, Fleisch und Fisch, in den Stoffwechsel.

Die Umwandlung der Purine in Harnsäure wird vor allem durch das Enzym Xanthinoxidase bewirkt. Allopurinol hemmt dieses Enzym und senkt damit die Harnsäurekonzentration im Blut. Während der Einnahme von Allopurinol wird weniger Harnsäure und dafür mehr von einer ihrer Vorstufen, dem wasserlöslichen Hypoxanthin, gebildet. Im Gegensatz zu Harnsäure kann der Körper Hypoxanthin leicht über die Nieren mit dem Urin ausscheiden.

Zusätzlich zum Purin-Abbau hemmt Allopurinol bei einigen Patienten die Neubildung von Purinen direkt über eine Blockade des daran beteiligten Enzyms. Auf indirekte Weise hingegen beschränkt Allopurinol eine krankhaft verstärkte Purinbildung: Das bei der Allopurinol-Behandlung vermehrt anfallende Hypoxanthin hemmt dabei seinerseits ein Enzym, das zum ersten Schritt der Purinherstellung im Körper unabdingbar ist.

Eine maßvolle, ausgewogene Ernährung mit reichlich Flüssigkeitszufuhr, aber möglichst ohne Fisch, Hülsenfrüchte, Innereien und Alkohol, unterstützt die Behandlung mit Allopurinol. Auch eine Gewichtsabnahme kann die Harnsäurewerte zusätzlich zur Therapie mit Allopurinol positiv beeinflussen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.