Marcuphen-CT

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 02.12.2010
Hersteller: CT-Arzneimittel GmbH
Wirkstoff: Phenprocoumon
Darreichnungsform: Tablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Marcuphen-CT enthält den Wirkstoff Phenprocoumon.

Phenprocoumon wird zur Vorbeugung gegen und Therapie von Gefäßverschlusskrankheiten wie zum Beispiel Venenerkrankungen und Bein- und Beckenvenenthrombosen eingesetzt. Es dient zur Langzeitbehandlung des Herzinfarktes, wenn von einem erhöhten Risiko eines Gefäßverschlusses ausgegangen werden muss.

Dabei muss der Arzt allerdings während des gesamten Behandlungszeitraumes das Blutungsrisiko sorgfältig beobachten.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Phenprocoumon sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Blutverdünner (Antikoagulantien), Vitamin K-Antagonisten, zu welcher der Wirkstoff Phenprocoumon gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • Langzeittherapie von und Vorbeugung vor venösen und arteriellen Blutgerinnseln und Gefäßverschlüssen
  • Langzeittherapie des Herzinfarktes, wenn ein erhöhtes Risiko für einen Gefäßverschluss durch die Bildung von Blutgerinnseln gegeben ist

Dosierung

Die Dosierung muss den individuellen Gegebenheiten des Patienten angepasst werden, da der Wirkstoff nur ein enges therapeutisches Fenster besitzt und die Nebenwirkungen beträchtlich sind. Daher wird vor Beginn einer Behandlung zunächst die Thromboplastinzeit des Patienten bestimmt. Eingeleitet wird die Therapie dann mit einer höheren Anfangsdosis, die über zwei Tage hinweg gegeben wird. Am dritten Tag erfolgt dann der Quick-Test, aus dem sich ein INR-Wert ergibt. Dieser wird nun mit den Vorgaben der Hersteller für die einzelnen Anwendungsgebiete verglichen. Sie bewegen sich zumeist zwischen 2,0 und 3,0. Lediglich bei Patienten mit mechanischen Herzklappen wird mit 2,0 bis 4,0 eine niedrigere Blutgerinnung angesetzt (um das Verstopfen der mechanischen Teile zu verhindern).
Liegen die Werte im Intervall, wird in der Erhaltungsdosis von nun an täglich eine Tablette gegeben. Liegen die Werte darunter, wird eine halbe, liegen sie darüber, werden eineinhalb Tabletten verabreicht. In regelmäßigen Abständen sollten die Gerinnungswerte mit dem Quick-Test nachkontrolliert werden.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Cellulose, mikrokristalline
  • Croscarmellose-Natrium
  • Lactose
  • Magnesiumstearat
  • Povidon
  • Siliciumdioxid

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutergüsse nach Verletzungen, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Blut im Urin.

Häufige Nebenwirkungen:
Leberentzündung mit und ohne Gelbsucht.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutungen im Bereich der Bauchspeicheldrüse und der Nebenniere, Blutungen im Bereich des Rückenmarks und Gehirns, Netzhautblutungen, Blutungen im Bereich des Herzbeutels, brennende Schmerzen in den Großzehen mit gleichzeitiger Verfärbung der Großzehen, Blutungen im Bereich des Brustfells, Einblutung in die Darmwand, Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt,
Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Nesselsucht, Hautausschlag, Juckreiz, Hautentzündung, vorübergehender diffuser Haarausfall, Blutungen im Bereich von Gelenken und Muskeln, Blutungen im Bereich des Bauchfells.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Funktionsstörung des Oberschenkelnervs durch eine Bauchfellblutung,
Leberversagen (das eine Leberverpflanzung erforderlich macht oder mit Todesfolge), Lebergewebeschäden, schwere Hautschäden mit Todesfolge (Purpura fulminans) oder der Folge einer dauerhaften Behinderung, allergische Hautreaktion.

Besonderheiten:
Die Therapie mit Phenprocoumon ist nicht ungefährlich. Die Dosierung muss vom Arzt genau den individuellen Bedürfnissen angepasst werden, wobei nur wenig Spielraum zwischen Unter- und Überdosierung besteht.

Gelegentlich kann sich nach längerer Anwendung (Monate) – insbesondere bei dazu neigenden Patienten – eine Knochenmasseverminderung oder Osteoporose entwickeln.

Wechselwirkungen

Vor dem gemeinsamen Einsatz von Phenprocoumon und anderen Wirkstoffen muss der behandelnde Arzt sorgfältig die Vielzahl möglicher Wechselwirkungen beachten:
  • Eine erhöhte Blutungsgefahr ergibt sich mit:
    Acetylsalicylsäure, bestimmten nicht-steroidalen Antirheumatika, Cholesterinsenkern aus der Gruppe der Fibrate, Mitteln gegen Pilzerkrankungen wie Imidazole und Triazole, Heparin oder Abkömmlingen desselben, dem GichtmittelAllopurinol, dem Alkoholentwöhnungsmittel Disulfiram, mit Androgenen, Antiarrhythmika wie Amiodaron und Chinidin sowie Propafenon, mit Schilddrüsenhormonen, Ammoidin (innerlich gegen Schuppenflechte), mit trizyklischen Antidepressiva, dem ZytostatikumTamoxifen. Besondere Vorsicht erfordert die Kombination von Antibiotika mit Phenprocoumon. Vor allem Chinolone zeigen einen starken Effekt. So erhöht Ofloxacin das Risiko auf das Fünffache, andere wie Ciprofloxacin, Levofloxacin und Moxifloxacin auf das Dreifache. Bei Cotrimoxazol wird eine vierfache Steigerung beobachtet.

    Prinzipiell ist eine erhöhte Blutungsbereitschaft möglich, wenn gleichzeitig Wirkstoffe verabreicht werden, die die Zusammenballung von Blutplättchen hemmen oder die Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt schädigen wie nicht-steroidale Antirheumatika und -Schmerzmittel.
  • Eine Wirkungsabschwächung ergibt sich mit:
    Barbituraten, Glucocorticoiden, Diuretika, dem Betäubungsmittel Glutethimid, dem Antibiotikum Rifampicin, dem Epilepsiemittel Carbamazepin, den Krebsmedikamenten Mercaptopurin und Thiouracil, mit dem Cholesterinsenker Colestyramin und Vitamin-K-haltigen Präparaten.
  • Zusammen mit dem Krebsmittel Capecitabin kann Phenprocoumon die Gerinnungsfaktoren im Blut verändern und/oder Blutungen auslösen.
  • Alkohol verändert die Phenprocoumon-Wirkung vielfältig. Der einmalige Alkoholkonsum verstärkt die Wirkung von Phenprocoumon, während diese durch andauerndes Trinken von Alkohol abgeschwächt wird. Ist durch Alkoholmissbrauch eine Leberfunktionsstörung entstanden, kann es jedoch wieder zu einer Wirkungsverstärkung kommen.
  • Bei gleichzeitiger Anwendung von Phenprocoumon mit oralen Antidiabetika kann es zu einer Unterzuckerung kommen.
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Schwangerschaftsverhütung (Kontrazeptiva, "Pille") können die Ausscheidung von Phenprocoumon beschleunigen, ohne den blutverdünnenden Effekt zu beeinflussen.
  • Missbrauch von Abführmitteln kann die Aufnahme von Vitamin K in den Körper vermindern und damit die blutverdünnende Wirkung von Phenprocoumon fördern.
  • Bei plötzlicher Umstellung der Ernährungsgewohnheiten kann es zu einer veränderten Wirksamkeit von Phenprocoumon kommen. Eine Vitamin K-reiche oder -arme Ernährung beeinflusst sehr deutlich die gerinnungshemmende Wirkung. Vitamin K ist ein fettlöslicher Bestandteil pflanzlicher Nahrung (Spinat, verschiedene Kohlsorten), aber auch von pflanzlichen Ölen wie Oliven-, Raps- und Sojaöl.
  • Auch Erkrankungen (zum Beispiel der Leber oder Herzmuskelschwäche) können die Wirksamkeit von Phenprocoumon verändern.
Besteht die Gefahr einer der vorgenannten Wechselwirkungen, muss der Arzt besonders häufige Gerinnungskontrollen vornehmen.

Die Wechselwirkungen mit Alkohol sind vielfältig: einmalige Aufnahme größerer Mengen verstärkt die Wirkung von Antikoagulanzien zum Einnehmen, zu denen Phenprocoumon gehört, während chronische Aufnahme von Alkohol diese abschwächt. Bei chronischer Aufnahme von Alkohol und einer Leberfunkionsstörung kann es jedoch ebenfalls zu einer Wirkungsverstärkung kommen.

Mit zunehmendem Konsum der angeblich gesundheitsfördernden Goji-Beere erhebt sich der Verdacht, dass die Frucht die Blutungsneigung bei Phenprocoumon-Patienten fördert. Ärzte wie Patienten sollten sich der Möglichkeit einer Wechselwirkung bewusst sein und es sind Zubereitungen (Tee oder Marmelade) zu vermeiden, die Goji-Beeren enthalten.

Gegenanzeigen

Der Wirkstoff darf nicht angewendet werden bei:
  • bei Überempfindlichkeit gegen Phenprocoumon
  • Krankheiten mit erhöhter Blutungsbereitschaft. Hierzu zählen schwere Leber- und Nierenerkrankungen oder eine allergisch bedingte Neigung zur Blutplättchenverklumpung.
  • Erkrankungen, bei denen der Verdacht auf eine bestehende Gefäßverletzung gegeben ist, wie etwa Magengeschwüre oder Schlaganfall
  • nicht beherrschbarem Bluthochdruck (Blutdruck über 200/105 mmHg)
  • Zustand nach Operationen an den Harnwegen, solange eine Blutungsneigung besteht
  • Verletzungen und Quetschungen, ausgedehnten offenen Wunden sowie vor und nach chirurgischen Eingriffen aller Art (auch Gewebeentnahmen und Rückenmarksbetäubungen)
  • Netzhauterkrankungen des Auges mit erhöhtem Blutungsrisiko
  • Hirnarterienaussackungen, Gehirnblutungen
  • Lungentuberkulose
  • akuten Herzmuskelentzündungen, Herzbeutelentzündungen und Herzbeutelerguss, Herzinnenwandentzündung
Nur unter sorgfältiger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung darf Phenprocoumon gegeben werden an Patienten mit epileptischen Anfällen, schwerer Alkoholsucht, Nierensteinen, Bluthochdruck oder fehlender Therapietreue.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Phenprocoumon darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Ist bei einer Schwangeren eine gerinnungshemmende Behandlung unumgänglich, darf der behandelnde Arzt den Wirkstoff nur verabreichen, wenn eine lebensbedrohliche Heparinunverträglichkeit besteht. Es muss aber damit gerechnet werden, dass das Phenprocoumon Missbildungen an dem Ungeborenen und schwere Blutungen bei der Mutter verursachen kann.

In der Stillzeit darf der Wirkstoff nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt eingesetzt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Phenprocoumon darf nicht bei Kindern unter 14 Jahren angewendet werden.

Warnhinweise

  • Das Medikament darf nicht bei Schwangeren eingesetzt werden.
  • Die Notwendigkeit zur Blutgerinnungshemmung ist vom Arzt in regelmäßigen Abständen durch einen Test zu überprüfen.
  • Patienten, die das Medikament einnehmen, sollten für den Notfall einen Behandlungsausweis bei sich tragen, in dem die individuelle Therapie aufgezeichnet ist.
  • Während der Behandlung sollte auf Produkte aus Goji-Beeren verzichtet werden.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Tablette)
98 Stück Tabletten
3 Milligramm Phenprocoumon
20 Stück Tabletten
3 Milligramm Phenprocoumon
50 Stück Tabletten
3 Milligramm Phenprocoumon
100 Stück Tabletten
3 Milligramm Phenprocoumon

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Marcuphen-CT sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon (ggf. auch Generika).

Medikament
Darreichungsform
Tabletten
Tabletten

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.