Ein Mann sitzt frustriert auf der Bettkante, im Bett liegt eine Frau.
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Potenzstörung und Partnerschaft

Potenzprobleme – Millionen Männer haben in Deutschland damit zu kämpfen. Doch nicht nur das männliche Geschlecht leidet darunter: Wenn die Potenz beeinträchtigt ist, wirkt sich das meist auch auf die Partnerschaft aus.

Allgemeines

Vorwiegend sind es Männer ab dem 40. Lebensjahr, die eine Potenzstörung haben – doch auch jüngere Männer können betroffen sein. Die Ursachen sind vielfältig: Zwar stecken oft organische Erkrankungen und Beschwerden hinter Potenzstörungen – jedoch können auch Stress und gesellschaftlicher Erwartungsdruck zu Erektionsproblemen führen.

Egal, was die Potenzprobleme verursacht hat: Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie sich der Situation stellen – und das am besten gemeinsam mit ihrer Partnerin oder ihrem Partner!

"Gemeinsam sind wir stark" – dieser Ausspruch gilt auch für den Umgang mit Potenzstörungen in der Partnerschaft. Eine Erektionsschwäche kann am besten behandelt werden, wenn die Partnerin oder der Partner miteinbezogen wird.

Der erste Schritt ist dabei das offene Gespräch – leider fällt das oft schwerer, als man denkt. Aber ein gemeinsamer Austausch bietet auch Chancen: Oft nimmt er schon ein wenig die Anspannung und das Gefühl, um jeden Preis funktionieren zu müssen.

Wird das Problem verdrängt, könnte sich ein Teufelskreis entwickeln: Die Angst, erneut zu versagen, führt dazu, dass Sie angespannt sind – und dass die Potenz nicht mitmacht. Die Folge: Die Angst ist beim nächsten Mal noch stärker. Je schneller Sie diesen Kreislauf durchbrechen, desto besser!

Nicht zuletzt sollten Sie Potenzproblemen immer auf den Grund gehen, weil sich dahinter auch eine körperliche Erkrankung verbergen könnte, zum Beispiel Diabetes mellitus.

Der offene Umgang mit Potenzproblemen ist ein wichtiger Schritt, um wieder ein erfülltes Sexualleben führen zu können.

Der Teufelskreis

Wer einmal im entscheidenden Moment versagt hat, der bekommt Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte. Daraus entsteht schnell eine Erwartungshaltung, die zu Verkrampfungen führt und das verhindert, was für eine Erektion wichtig ist: Entspannung und Gelassenheit.

Bei erneuten "Versagen" beginnt ein Teufelskreis: Der Mann setzt sich noch mehr unter Druck – was die Erektion noch schwerer macht. Häufig ist es auch der Partner, der unbewusst den Druck weiter verstärkt.

Dieser Leistungsdruck kann auch organisch bedingte Potenzprobleme schlimmer erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind.

Der erste Schritt zum Ausweg ist das Gespräch mit der Partnerin oder dem Partner sowie der Gang zum Arzt, um organische Ursachen auszuschließen. Durch den offenen Umgang verhindern Sie, dass das eigene Problem mit der Potenz immer größer und erdrückender wird.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Das soziale Umfeld – etwa die Schule oder das Elternhaus – prägt zum großen Teil den Umgang mit dem eigenen Geschlecht und der Sexualität. Der Mann gilt als „das starke Geschlecht“ Leider wird oft im gleichen Atemzug verlangt, dass ein Mann seine Probleme allein zu lösen hat.

Diese Haltung führt dazu, dass Männer sich und anderen gesundheitliche Probleme erst spät eingestehen, geschweige denn einen Arzt aufsuchen.

Bei Potenzstörungen entsteht zusätzlich eine Angst und Befangenheit, die Männer davon abhält, ihre Erektionsprobleme dem Arzt gegenüber anzusprechen. Und auch das Gespräch mit der Partnerin / dem Partner fällt oft enorm schwer.

Je früher Sie jedoch mit Potenzproblemen ärztliche Hilfe suchen – am besten gemeinsam mit der besseren Hälfte –, desto schneller kann eine Therapie Wirkung zeigen.

Wenn Sie betroffen sind: Halten Sie sich immer wieder vor Augen, dass eine Potenzstörung nicht selten ist und dass jede Altersgruppe betroffen sein kann!

Sorgen und Ängste

Von Jugend an haben viele Männer eine feste Vorstellung davon, wie man "im Bett richtig zu funktionieren" hat. Diese Erwartungshaltung steht der Behandlung von Potenzproblemen häufig im Weg.

Für einen Mann ist es oft eine Katastrophe, wenn er "nicht seinen Mann stehen kann", und dabei überschätzen Männer schnell die Tragweite des Problems. Erst durch das Gespräch mit der Partnerin offenbart sich häufig, dass alles doch "nicht so dramatisch" ist.

Für einen Mann ist es oft eine Katastrophe, wenn er "nicht seinen Mann stehen kann", und dabei überschätzen Männer schnell die Tragweite des Problems. Erst durch das Gespräch mit der Partnerin offenbart sich häufig, dass alles doch "nicht so dramatisch" ist.

Hinzu kommen quälende Fragen wie:

  • Denkt sie vielleicht, ich finde sie nicht mehr attraktiv und begehrenswert?
  • Wenn sie sagt "alles nicht so schlimm", hat sie dann nur Mitleid mit mir?
  • Sucht sie sich vielleicht bald einen neuen, potenteren Sexualpartner?

All das sind Sorgen und Ängste, die viele Männer mit Erektionsstörungen durchmachen. Diese Gedanken verursachen Stress. Daher können solche ungeklärten Fragen den Verlauf und die Behandlung einer Potenzstörung mit beeinflussen. Es ist also wichtig, dass Sie eigene Sorgen und Befürchtungen gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner klären.

Das Gespräch suchen

Nur das, was offen ausgesprochen wird, kann auch verändert werden. Wenn der Mensch etwas ausspricht, das ihm schon lange auf der Seele lag, wird das Problem zwar noch nicht gelöst, aber es verliert oft seine bleierne Schwere und ist der erste Schritt zur Lösung.

Manchmal kann ein Gespräch allein schon helfen, dem Betroffenen den nötigen Druck zu nehmen – und bisweilen offenbaren sich im Gespräch Wünsche oder Dinge, die das Problem sogar völlig in Luft auflösen.

Mögliche Fragen, die Sie bei Potenzproblemen gemeinsam klären könnten, sind:

  • Wo stehen wir mit unserer Partnerschaft?
  • Was tut uns gut? Was macht uns in Bezug auf Sexualität Spaß?
  • Was fehlt dem einzelnen Partner in der Beziehung?
  • Was können wir ändern, damit beide mit dem Sexualleben zufrieden sind?

Die Fragen helfen, mehr über sich und die Partnerin oder den Partner herauszufinden. Das hat eine entkrampfende Wirkung und verhindert, dass eine Potenzstörung durch psychische Konflikte verschlimmert wird.

Oft ergeben sich im Gespräch schon erste Lösungsansätze, wie etwa:

  • Der Entschluss, sich über die Möglichkeiten einer begleitenden Paartherapie zu informieren.
  • Die Erkenntnis, dass sexueller Genuss nicht nur von der Erektion und dem Geschlechtsakt abhängig ist. Dies ermutigt beide Partner, andere sexuelle Spielarten auszuprobieren, und vermindert den belastenden Erfolgsdruck.

Die Sexualität zwischen zwei Menschen wird immer auch viel über die Partnerschaft selbst und den gemeinsamen Alltag aussagen. Gemeinsam eine Potenzstörung zu bewältigen bietet auch die Gelegenheit darüber nachzudenken, wo man gemeinsam im Leben steht und wo es hingehen soll.

Den Partner einbeziehen

In jeder Partnerschaft gibt es ihre eigenen Umgangsformen, die sich über die Jahre entwickeln und manchmal dauerhaft einprägen. Für zwei Partner, die noch nie über Sex gesprochen haben, wird es schwer sein, ein intensives Gespräch über eine Potenzstörung zu führen.

Unter Umständen kann es nötig sein, dass sich der Partner, der unter einer Potenzstörung leidet, zunächst an einen Außenstehenden wendet. Neben dem Arzt kann dies ein guter Freund oder eine Selbsthilfegruppe sein.

Um mit der Partnerin oder dem Partner die Verständigung über die eigene Sexualität zu verbessern, kann das Thema wiederholt behutsam und angemessen zur Sprache gebracht werden. Denkbar ist auch, dass beide beschließen, gemeinsam Bücher über Sexualität zu lesen und darüber zu diskutieren. Auch eine gemeinsame psycho- oder sexualtherapeutische Behandlung ist eine Möglichkeit, Potenzproblemen zu begegnen.

Gemeinsam zur Therapie

Es gibt viele Wege, um eine Potenzstörung wirksam zu behandeln. Nicht zuletzt hängt die Therapie auch von der Ursache des Problems ab.

Jede Therapieform hat ihre Vor- und Nachteile und wird auf ihre Art die Sexualität beider Partner mitprägen. So müssen beispielsweise einige Medikamente in Tablettenform bereits einige Zeit vor dem geplanten Sexualverkehr eingenommen werden. Dies erfordert eine zeitliche Abstimmung beider Partner. Die Vakuumpumpe erfordert dagegen viel Übung und Geduld in der richtigen Anwendung.

Jede Behandlungsform kann nur dann optimal wirken, wenn die Partnerin (oder der Partner) der Methode positiv gegenübersteht. Daher ist es sinnvoll, dass die Partner bei wichtigen Gesprächen mit dem Arzt dabei sind – denn schließlich geht das Problem beide etwas an.

Tipps für den Partner

Nicht nur der Betroffene, auch der jeweilige Partner / die Partnerin leidet unter den Potenzproblemen. Meist gehen der „besseren Hälfte“ viele Fragen durch den Kopf. So fragt sie sich vielleicht, ob sie für den Partner nicht mehr attraktiv genug ist – was den anderen möglicherweise noch mehr unter Druck setzt.

Folgende Tipps können dem Partner helfen, um mit der Situation besser umzugehen:

  • Geben Sie sich nicht die Schuld an der Situation – etwa, indem Sie an Ihrer eigenen Attraktivität zweifeln!
  • Machen Sie Ihrem Partner keine Vorwürfe. Er kann nichts für die Situation – und durch Vorwürfe verschlimmert sich das Problem meist noch.
  • Zeigen Sie Ihrem Partner, dass Sie ihn unterstützen, etwa, indem Sie ihn in seinem Vorhaben, einen Arzt aufzusuchen, bestärken oder indem Sie offen für eine Paartherapie sind, falls diese von einem Spezialisten empfohlen wurde.