Leberwerte

Veröffentlicht von: Stefan Schweiger (08. Februar 2018)

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Die Bezeichnung "Leberwerte" steht für die Konzentration bestimmter Enzyme im Blut. Auch wenn es dem ein oder anderen spontan in den Kopf kommt: Die Leberwerte zwangsläufig mit Leberschäden durch zu hohen Alkoholkonsum zu verbinden, ist nicht korrekt. Was die einzelnen Werte wie Gamma-GT aussagen – und ab wann sie zu hoch sind.

Leberwerte zählen zu den am häufigsten gewonnenen Laborwerten. Bestimmt der Arzt über eine Blutprobe die Leberwerte, geht es vor allem um vier Enzyme:

  • GPT: Glutamat-Pyruvat-Transaminase, auch Alanin-Aminotransferase (ALT, ALAT) genannt
  • GOT: Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, auch Aspartat-Aminotransferase (AST, ASAT) genannt (zusammen mit GOT auch Transaminasen genannt)
  • Gamma-GT: Gamma-Glutamyl-Transferase
  • alkalische Phosphatase (AP)

Was viele Menschen nicht wissen: GOT, Gamma-GT und AP kommen in nahezu allen Organen vor. Sie sind keineswegs nur für die Leber typisch. Die GPT findet sich dagegen vor allem in der Leber. In vielen Fällen verursacht eine Erkrankung der Leber, dass die Werte steigen.

Der Arzt ermittelt die Leberwerte, um besser einordnen zu können, welches Organ betroffen ist oder welche gesundheitliche Störung vorliegen könnte. Der Ausdruck "Leberwerte" unterstreicht, dass die Konzentration dieser Enzyme auf Erkrankungen der Leber hinweist.

Normale Leberwerte: Tabelle

Um die Leberwerte zu bestimmen, entnimmt der Arzt Blut aus einer Vene (meist in der Armbeuge). Ob erhöhte Leberwerte weiter abgeklärt werden müssen, richtet sich auch nach dem Laborergebnis: Sind die Leberwerte nur etwas zu hoch und ergeben sich sonst keine Hinweise auf eine Krankheit, kann es sein, dass der Arzt die Werte lediglich in gewissen Abständen kontrollieren möchte.

Wann sind die Leberwerte zu hoch?

Die Normalwerte für die vier Leberwerte liegen für Erwachsene etwa bei (gemessen im Blutserum):

Enzym Einheit Frauen Männer
GOT* U/l (Einheiten pro Liter) < 35 < 50
GPT* U/l < 35 < 50
Gamma-GT U/l < 40 < 60
alkalische Phosphatase U/l 35-105 40-130

* Werte für die Labormessung unter Zugabe von Pyridoxalphosphat

Die Leberwerte können auch bei Menschen zu hoch sein, die keine Beschwerden haben. Darüber hinaus müssen zu hohe Leberwerte nicht zwangsläufig Folge einer Erkrankung sein.

Neben GOT, GPT, Gamma-GT und alkalischer Phosphate zählen noch weitere Eiweiße, die die Leber herstellt, zu den Leberwerten. Zum Beispiel:

  • Gerinnungsfaktoren (v. a. Faktor II, VII, IX, X; Protein C und S)
  • Albumin
  • das Enzym Cholinesterase (CHE)

Bei gestörter Leberfunktion sinkt die Konzentration dieser Eiweiße im Blut und es kann zu Beschwerden kommen. Mangelt es an Gerinnungsfaktoren, besteht beispielsweise eine erhöhte Blutungsgefahr.

Ein weiterer Leberwert ist der des Gallenfarbstoffs Bilirubin. Bilirubin entsteht beim Abbau des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Bei verschiedenen Erkrankungen der Leber, der Gallenwege und des Bluts steigt der Bilirubinwert im Blut. Ab einer gewissen Konzentration lagert sich Bilirubin im Gewebe ab. Die mögliche Folge ist eine Gelbsucht (Ikterus), bei der sich Haut und Schleimhäute gelblich färben.

Die Leber sitzt unterhalb des rechten Rippenbogens. © iStock

Die Leber sitzt unterhalb des rechten Rippenbogens.

Erhöhte Leberwerte: Wann sind sie zu hoch?

Erhöhte Leberwerte sind ein häufiger Befund. Einerseits gibt es Erkrankungen oder Störungen der Leber selbst, die erhöhte Leberwerte nach sich ziehen. Andererseits sind bei einer Reihe anderer Krankheiten, die nicht direkt mit der Leber zusammenhängen, die Leberwerte oft zu hoch.

Erhöhte Leberwerte sind nicht automatisch gleichzusetzen mit Alkoholmissbrauch. Es ist zwar richtig, dass Personen, die zu viel Alkohol trinken, oft erhöhte Leberwerte haben. Dennoch kommen etliche andere Ursachen infrage, sodass ein vorschneller Rückschluss auf Alkoholmissbrauch nicht angebracht ist.

Die häufigsten Gründe für erhöhte Leberwerte

Erhöhte Leberwerte treten zum Beispiel in folgenden Situationen auf:

Die verschiedenen Enzyme (GOT, GPT, Gamma-GT, alkalische Phosphatase) sind bei diesen Krankheiten nicht immer im gleichen Maße erhöht. Vielmehr gibt es typische Erhöhungen einzelner oder mehrerer dieser Werte. Die jeweilige Konstellation hilft dem Arzt, herauszufinden, warum der Betroffene erhöhte Leberwerte hat.

Das Enzym Gamma-GT ist der empfindlichste Marker bei Störungen der Leber und des Gallengangsystems (z.B. bei Gallenstau) sowie bei alkoholbedingten Veränderungen der Leber. Die sogenannten Transaminasen, also die Enzyme GOT und GPT, sind typischerweise bei einer Leberzellschädigung erhöht, etwa bei einer Hepatitis oder wenn Lebergewebe abgestorben ist (Nekrose). Eine Unterform der alkalischen Phosphatase steigt bei Gallenstau (Cholestase).

Die wichtigsten Leberwerte werden aus einer Blutprobe gewonnen. © iStock

Die wichtigsten Leberwerte werden aus einer Blutprobe gewonnen.

Der de-Ritis-Quotient

Bei bestimmten Erkrankungen erleichtert es dem Arzt, die Diagnose zu stellen, wenn er die Konzentration der beiden Enzyme GOT und GPT in Verhältnis zueinander setzt. Dieser Wert – GOT/GPT – wird nach dem italienischen Arzt Fernando de Ritis als de-Ritis-Quotient bezeichnet. Bei besonders schweren Leberschäden sind die Werte der GOT beispielsweise höher als die der GPT. Auch bei Alkoholmissbrauch steigt die GOT meist stärker als die GPT (de-Ritis-Quotient > 1). Eine chronische Hepatitis wiederum führt in der Regel zu deutlich stärker erhöhten Werten der GPT im Vergleich zur GOT. Dabei ist der de-Ritis-Quotient < 1.

Da auch Herz und Muskulatur die GOT in relativ hohem Maße produzieren, sind erhöhte Werte eine mögliche Folge einer Schädigung eines dieser Organe, etwa bei einem Herzinfarkt oder bei Muskelerkrankungen.

Seltene Ursachen für erhöhte Leberwerte

Hierzu gehören:

Zudem können erhöhte Leberwerte in Form von erhöhten Transaminasen (GOT, GPT) Folge eines Zustandes oder einer Krankheit sein, die ursprünglich nicht von der Leber ausgeht. Beispiele sind:

Auch folgende in Medikamenten enthaltene Wirkstoffe können erhöhte Leberwerte nach sich ziehen (Auswahl):

Auch bösartige Erkrankungen der Leber (Leberkrebs) oder anderer Organe, die Metastasen in die Leber abgesiedelt haben (etwa Darmkrebs, Brustkrebs oder Lungenkrebs), können sich in erhöhten Leberwerten bemerkbar machen. Zudem steigen die Leberwerte mitunter bei Erkrankungen des Lymphgewebes wie dem Hodgkin-Lymphom und dem Non-Hodgkin-Lymphom.

Leberwerte senken: Maßnahmen und Diagnose

Die Leber ist ein Schlüsselorgan im Körper – und sie leidet stumm: Laut der Deutschen Leberstiftung wissen viele der mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland mit einer kranken Leber nichts davon. Die Leberwerte sollte man senken, wenn bestimmte Blutwerte, die bei einer Leberschädigung aus den Leberzellen in das Blut abgegeben werden, außerhalb des Normbereichs liegen.

Die Leber ist ein Speicherorgan. Wenn dauerhaft zu viele Fettsäuren im Blut zirkulieren, lagern sich diese mit der Zeit in der Leber ab. Die überfetteten Leberzellen sterben irgendwann ab, die Leber vernarbt und kann immer schlechter arbeiten. Die Folge kann eine Fettleber sein.

Bei einer Leberzirrhose geht das gesunde Gewebe immer mehr in narbiges Bindegewebe über, bis die Leber schrumpft. © iStock

Bei einer Leberzirrhose geht das gesunde Gewebe immer mehr in narbiges Bindegewebe über, bis die Leber schrumpft.

Zwar sind erhöhte Leberwerte keinesfalls automatisch mit zu hohem Alkoholkonsum gleichzusetzen. Dennoch ist der wichtigste Schritt, um die Leberwerte zu senken, entsprechende Risikofaktoren zu meiden.

Mit diesen Schritten lassen sich die Leberwerte senken:

  • Alkoholkonsum einschränken
  • Verzicht auf "leberunfreundliche" Kost mit viel Fett nd Zucker – stattdessen auf Mineralstoffe und Kohlenhydrate achten
  • Gewicht reduzieren, um die Leber zu entlasten
  • Viel trinken, um die Leber zu unterstützen

Diagnose bei erhöhten Leberwerten

Bei deutlich erhöhten Leberwerten ist es wichtig, einer möglichen ursächlichen Erkrankung nachzugehen. Hierfür führt ein Arzt gezielte Untersuchungen durch, um die Ursache zu klären. Ein ausführliches Gespräch ist wichtiger Teil der Abklärung:

  • Leidet der Betroffene unter Beschwerden oder Krankheiten (z.B. Hepatitis)?
  • Sind in der Familie Leberprobleme bekannt?
  • Wie viel und wie häufig trinkt der Betroffene Alkohol?
  • Nimmt er Medikamente ein oder konsumiert er Drogen?

Diese und weitere Fragen ermöglichen Arzt und Patient, Ursachen oder Risikofaktoren für eine Lebererkrankung aufzudecken. Wichtig ist zudem eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt den Bauch abtastet und so die Form, Größe und Beschaffenheit der Leber ermittelt.

Zudem prüft er, ob sich an der Haut Hinweise auf eine Lebererkrankung finden lassen, die sogenannten Leberhautzeichen. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Gefäßzeichnungen: die Gefäßspinnen (punktförmige, rote Gefäßknötchen mit abgehenden feinen Adern, auch Spider naevi genannt). Auch gerötete Handflächen (Palmarerythem) oder glatte, glänzend-rote Lippen und Zunge (Lacklippen, Lackzunge) zählen zu den Leberhautzeichen.

Daneben kann es bei Leberschäden zu einer Gelbfärbung der Haut kommen (Ikterus). Kratzspuren können auf einen damit verbundenen Juckreiz hinweisen. Bei Männern kann bei Leberschäden außerdem eine sogenannte Bauchglatze typisch sein, bei der die Behaarung auf dem Bauch ausfällt, sowie dass die Brustdrüsen wachsen (Gynäkomastie).

Eine Ultraschalluntersuchung der Leber und anderer Bauchorgane liefert weitere Informationen über den möglichen Grund für die erhöhten Leberwerte. Letztlich bringt eine Gewebeprobe (Leberbiopsie) Sicherheit, was hinter der Erhöhung steckt. Für welches Vorgehen Arzt und Patient sich entschließen, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Weitere Informationen

Buchtipps:

Laborwerte von A-Z

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98 Seiten Kohlhammer 2011

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Onmeda-Lesetipps:

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Leberzirrhose: Die häufigsten Fragen & Antworten
Fettleber: Wie es gar nicht erst soweit kommt
Überblick über verschiedene Hepatitis-Formen

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2018

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 8.2.2018)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Panther, E., Blum, H. E., Thimme, R.: Erhöhte Leberwerte: Was tun? Gastroenterologe, Heft 3, S. 193-198 (2008)

Blum, H. E., Farthmann, E. H.: Der Patient mit Hepatopathie. Chirurg, 68, S. 763-769 (1997)

Aktualisiert am: 8. Februar 2018