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Hirnmetastasen

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Fast ein Drittel aller Hirntumoren sind Metastasen, also Tochtergeschwulste von Tumoren aus anderen Körperregionen. Hirnmetastasen entstehen aus Krebszellen, die über Blut, Lymphe oder Nervenwasser (Liquor) ins Gehirn gelangen.

Überblick

Der ursprüngliche Tumorherd, von dem eine Hirnmetastase stammt (sog. Primärtumor), findet sich meist in der Lunge (Bronchialkarzinom). Aber auch aus Tumoren in Brust-, Haut- und Nieren können Hirnmetastasen entstehen.

Hirnmetastasen können sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen, so zum Beispiel:

Hirnmetastasen können auch zu einer Druckerhöhung im Gehirn führen. Das wiederum kann andere mögliche Symptome hervorrufen, wie etwa:

Bei entsprechendem Verdacht kann der Arzt mithilfe von bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT) und / oder der Computertomographie (CT) herausfinden, ob Hirnmetastasen vorhanden sind. Die Bildaufnahmen sind nicht nur wichtig, um Hirnmetastasen festzustellen. Auch im weiteren Verlauf der Erkrankung sind zur Kontrolle während und nach der Therapie weitere CT- oder MRT-Untersuchungen oft sinnvoll. Wenn die Diagnose anhand von CT- oder MRT-Bildern nicht eindeutig ist, kann eine feingewebliche Untersuchung notwendig sein. In diesem Fall nimmt der Arzt eine Probe aus dem verdächtigen Gewebe (Biopsie) und lässt diese unter dem Mikroskop genau untersuchen.

Die Behandlung von Hirnmetastasen richtet sich nach Art, Lage und Größe des Tumors. Da Hirnmetastasen oft zu einer Schwellung des Hirngewebes und damit verbundenen Flüssigkeitsansammlungen (Hirnödem) führen, werden als erste Maßnahme oft Medikamente (Kortikoide) verabreicht, die eine abschwellende Wirkung haben.

Zur Behandlung der Hirnmetastasen können verschiedene Methoden zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel:

Sofern nicht bereits bekannt, versuchen die Ärzte auch den Ursprungstumor, von dem diese Tochtergeschwulste stammen, ausfindig zu machen und zu behandeln.

Definition

Hirnmetastasen sind Krebstumoren, die sich im Gehirn als sogenannte Tochtergeschwulste (Metastasen) anderer Krebsarten (z.B. Lungenkrebs) entwickeln. Der Ursprung der Hirnmetastasen ist also ein Tumor, der nicht im Gehirn liegt. Den Ursprungstumor bezeichnen Mediziner als Primärtumor. Der Primärtumor kann Krebszellen zum Beispiel in die Lymph- oder Blutbahn abgeben – er "streut". Die Krebszellen können auf diesem Weg auch das Gehirn erreichen. Siedeln sich die Krebszellen hier an und vermehren sich, entstehen Hirnmetastasen.

Auch über das Nervenwasser (Liquor), also die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, können sich Tumorzellen verbreiten und sich auf den Hirnhäuten im Bereich des Gehirns oder im Rückenmarkskanal festsetzen.

Generell sind Metastasen ein Zeichen dafür, dass sich eine Tumorerkrankung im fortgeschrittenen Stadium befindet.

Ursachen

Hirnmetastase entstehen, wenn bösartige Tumoren in anderen Körperbereichen Tochtergeschwulste im Gehirn bilden. Ungefähr die Hälfte aller Hirnmetastasen geht auf Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) als ursächlichen Tumor zurück. In manchen Fällen ist der Ursprungstumor aber auch unbekannt und muss erst gesucht werden. Weitere Tumoren, die besonders häufig Tochtergeschwulste im Gehirn beziehungsweise Rückenmark bilden, sind:

Eine Krebsgeschwulst im Gehirn muss jedoch nicht zwangsläufig eine Metastase sein – es sich auch um einen primären Hirntumor handeln.

Im Gegensatz zu Hirnmetastasen ist ein primärer Hirntumor direkt aus Hirngewebe entstanden und nicht aus einem entfernt liegenden Tumor, der ins Gehirn gestreut hat.

Um herauszufinden, ob ein primärer Hirntumor oder Hirnmetastasen die Ursachen der Beschwerden sind, kann der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Geschwulst entnehmen und von einem Gewebespezialisten (Pathologe) unter dem Mikroskop beurteilen lassen. Auf diese Weise lässt sich feststellen, aus welchem Gewebe die entnommenen Krebszellen ursprünglich entstanden sind:

Symptome

Hirnmetastasen können vielfältige Symptome hervorrufen, die in der Regel schnell voranschreiten. Eindeutige Beschwerden treten jedoch erst auf, wenn die Metastasen-Bildung bereits weiter fortgeschritten ist.

Die möglichen Beschwerden hängen von zahlreichen Faktoren ab, unter anderem von:

Kopfschmerzen sind ein sehr allgemeines Symptom – sie treten in vielen (meist harmlosen) Situationen auf. Allerdings können sie auch ein Anzeichen für Hirnmetastasen sein, insbesondere wenn bereits bekannt ist, dass der Betroffene an einer Krebserkrankung wie Lungen- oder Hautkrebs leidet.

Weitere mögliche Symptome bei Hirnmetastasen sind zum Beispiel:

Hirnmetastasen können außerdem den Druck im Gehirn erhöhen, was sich durch folgende Symptome äußern kann:

Diagnose

Besteht der Verdacht auf Hirnmetastasen, spielen bei der Diagnose bildgebende Verfahren eine wichtige Rolle: Vor allem die Magnetresonanztomographie (MRT) mit oder ohne Kontrastmittel liefert dem Arzt oft entscheidende Hinweise auf bestehende Hirnmetastasen. Alternativ oder ergänzend kann auch eine Computertomographie (CT) zum Einsatz kommen.

Bei diesen Verfahren sind die Hirnmetastasen als Strukturen sichtbar, welche Kontrastmittel stark aufnehmen und oft von einer Flüssigkeitsansammlung (Ödem) umgeben sind. Der Arzt kann auch erkennen, ob die Metastasen angrenzendes Hirngewebe verdrängen. Manche Hirnmetastasen bluten in das Gewebe ein – das lässt sich im CT gut erkennen. Außerdem können Blutungen den Hirndruck erhöhen und dadurch Symptome wie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen.

Eine MRT-Aufnahme stellt Gewebe und Flüssigkeiten besonders gut dar, was bei sehr kleinen Hirnmetastasen für eine genaue Diagnose wichtig ist.

Die Bildaufnahmen sind nicht nur für die Diagnose hilfreich. Auch im weiteren Verlauf der Erkrankung sind CT- oder MRT-Aufnahmen zur Kontrolle während und nach der Therapie üblich.

Ist die Diagnose anhand von CT- oder MRT-Aufnahmen nicht eindeutig oder ist der Ursprungstumor nicht bekannt, kann eine feingewebliche (histologische) Untersuchung einer entnommenen Gewebeprobe (Biopsie) nötig sein. Der Arzt entnimmt das Gewebe entweder im Rahmen einer offenen Operation oder stereotaktisch: Bei der stereotaktischen Methode befestigt der Arzt einen Rahmen am Kopf des Patienten – das sogenannte Zielsystem. Mithilfe von CT- oder MRT-Aufnahmen zeigt ein Computerprogramm genau, wo sich der Tumor im Gehirn befindet. Der Operateur kann nun zum Beispiel eine Biopsie-Nadel auf diese Koordinaten einstellen und zielgenau eine Gewebeprobe entnehmen, die anschließend der Pathologe unter dem Mikroskop untersucht. Die Biopsie selbst erfolgt unter Vollnarkose.

Darüber hinaus ist eine sorgfältige Untersuchung des ganzen Körpers nötig, um herauszufinden, ob sich an anderen Körperstellen ebenfalls Metastasen befinden.

Therapie

Bei der Therapie von Hirnmetastasen arbeiten Ärzte verschiedener medizinischer Fachbereiche zusammen:

Die beteiligten Ärzte planen die Therapie des Betroffenen meistens in einer gemeinsamen Tumorkonferenz.

Welche Therapie bei Hirnmetastasen geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab, so etwa von

Liegen im Gehirn eindeutig Hirnmetastasen vor, versuchen die Ärzte den Ursprungstumor, von dem diese Tochtergeschwulste stammen, ausfindig zu machen und ebenfalls zu behandeln – falls dies nicht bereits geschehen ist.

Ursache vieler Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit oder Erbrechen ist häufig ein mehr oder weniger ausgedehntes Ödem, das sich um die Hirnmetastasen gebildet hat. Als erste Maßnahme verabreicht der Arzt daher stark wirksame Kortikoide. Diese Arzneimittel mildern die Symptome rasch durch ihre abschwellende Wirkung. Allerdings bleibt die Wirkung nicht langfristig erhalten. Darum ist es wichtig, weitere therapeutische Maßnahmen einzuleiten, wie:

Operation

Einzelne Hirnmetastasen kann der Neurochirurg operativ entfernen. Das ist vor allem bei Metastasen einer Krebserkrankung sinnvoll, die über längere Zeit relativ gut – also ohne Rückfall (sog. Rezidiv) – verlaufen ist. Insbesondere größere Metastasen mit einem Durchmesser von drei Zentimetern und mehr werden – wenn möglich – meist operativ entfernt. Eine Operation ist allerdings beispielsweise nur angemessen, wenn die Grunderkrankung und der Zustand des Patienten diesen Eingriff zulassen und wenn der Operateur den Tumor relativ leicht entfernen kann, ohne dass es zu schweren neurologischen Ausfällen kommt.

Liegen beim Betroffenen sehr viele Hirnmetastasen vor, ist eine Operation als Therapie meist nicht angemessen. Doch es gibt Ausnahmen: Lässt sich zum Beispiel die ursächliche Krebserkrankung gut behandeln oder sogar heilen, ist es sinnvoll, auch die Hirnmetastasen operativ zu entfernen.

Generell müssen die behandelnden Ärzte bei jeder Operation sorgfältig den Nutzen des Eingriffs gegenüber einem möglichen Operationsrisiko abwägen. Dabei ist zu bedenken, dass schwere Operationen die Lebensqualität des Betroffenen – zusätzlich zur belastenden Gesamtsituation – mindern können.

Strahlentherapie

Eine Bestrahlung kann mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden, so etwa mit einer Operation. Sie kann aber auch als alleinige Maßnahme eingesetzt werden, zum Beispiel, wenn bereits mehrere Metastasen vorliegen oder wenn eine Operation nicht möglich ist. Die Dosis wird in der Regel auf mehrere Einzelbestrahlungen verteilt (sog. fraktionierte Strahlentherapie). Dabei wird meist der gesamte Schädel bestrahlt (Ganzhirnbestrahlung).

Liegen zahlreiche (multiple) Hirnmetastasen vor, so profitieren die meisten Patienten von der Strahlentherapie des gesamten Schädels (Ganzhirnbestrahlung). Bei wenigen, kleineren Hirnmetastasen (bis zu vier Metastasen mit einem Durchmesser von bis zu 2,5 Zentimetern) wird dagegen meist ein radiochirurgischer Eingriff empfohlen.

Radiochirurgie

Bei kleinen Hirnmetastasen mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern kann als Alternative die sogenannte Radiochirurgie zum Einsatz kommen: Mit hoher Genauigkeit wird durch diese Form der Strahlentherapie nur der Tumor zerstört, umliegendes gesundes Gewebe bleibt dagegen verschont. Im Rahmen eines radiochirurgischen Eingriffs wird eine Strahlendosis ganz gezielt auf den Tumor gerichtet.

Chemotherapie

Die Chemotherapie spielt bei der Behandlung von Hirnmetastasen eine eher untergeordnete Rolle. In einigen Fällen von Hirnmetastasen ist sie jedoch allein oder zusammen mit einer Strahlentherapie wirksam. Allerdings ist hierbei wichtig, dass die Krebsart, die ins Gehirn gestreut hat, auch auf die eingesetzten Medikamente (Zytostatika) anspricht. Ein Beispiel sind Hirnmetastasen, die durch ein kleinzelliges Bronchialkarzinom ausgelöst werden.

Treten Hirnmetastasen erneut auf (sog. Rezidive), ist die Therapie dieser Tumoren von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich. Sie hängt wesentlich von dem Allgemeinzustand des Betroffenen und der bereits durchgeführten Erstbehandlung ab.

Verlauf & Vorbeugen

Generell weisen Metastasen immer darauf hin, dass eine Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist. Das Auftreten von Hirnmetastasen verschlechtert die Prognose der ursprünglichen Krebserkrankung. Wie viel Lebenszeit einem Betroffenen nach der Diagnose bleibt, hängt unter anderem von der Art und Anzahl der Hirnmetastasen sowie von der Therapie ab.

Die Prognose ist bei Hirnmetastasen im Allgemeinen ungünstig und die durchschnittlich verbleibende Lebenszeit beträgt ohne Behandlung nur wenige Wochen. Mithilfe geeigneter Therapien kann diese Zeit um einige Monate verlängert und die Lebensqualität oft verbessert werden. Bei Angaben zur Überlebenszeit handelt es sich allerdings Durchschnittswerte: So kann es raschere Verläufe geben – aber auch Fälle von Personen, die nach der Diagnose noch mehrere Jahre überleben. Viele individuelle Faktoren beeinflussen den persönlichen Verlauf einer Krebserkrankung mit Hirnmetastasen, so etwa das Alter, die allgemeine Verfassung oder die Anzahl der Metastasen.

Eine gewisse Ausnahme stellen Hirnmetastasen dar, die ursprünglich von einem Hodenkrebs stammen. Sie lassen sich durch eine kombinierte Behandlung aus Bestrahlung und Chemotherapie oft gut behandeln.

Ein möglicherweise um einige Monate verlängertes Leben ist nicht immer eine ausreichende Begründung für eine mitunter sehr belastende Therapie – insbesondere bei Hirnmetastasen mit ungünstiger Prognose und schwerem Verlauf. Hier kann es sinnvoller sein, mildere Therapieverfahren zu wählen, die das gegenwärtige Wohlbefinden verbessern und somit die Lebensqualität des Betroffenen für die verbleibende Zeit erhalten.

Vorbeugen

Es gibt keine direkten Maßnahmen, mit denen Sie Hirnmetastasen vorbeugen können. Generell empfiehlt es sich, unnötige Strahlung (v.a. bei Kindern) sowie Kontakt mit krebserregenden Chemikalien und Schadstoffen zu vermeiden.

Daneben können eine gesunde Lebensweise, eine abwechslungsreiche, fettarme Ernährung, der Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie regelmäßiger Sport dabei helfen, das allgemeine Risiko für Krebserkrankungen zu senken.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hirnmetastasen":

Onmeda-Lesetipps:

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Müller, M., et al.: Chirurgie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags-und Informationsdienste, Breisach 2014

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Hirnmetastasen und Meningeosis neoplastica. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/060 (Stand: 1.3.2014)

Grehl, H. Reinhardt, F.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

Hirnmetastasen. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Stand: 10.10.2012)

Hacke, W.: Neurologie. Springer, Berlin 2010

Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: 5.3.2007)

Masuhr, K.-F., Neumann, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2007


Letzte inhaltliche Prüfung: 18.01.2016
Letzte Änderung: 21.11.2018