Leuprorelin

Allgemeines

Leuprorelin dient zur Behandlung von hormonabhängigem Krebs der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) bei Männern oder der Brust (Mammakarzinom beziehungsweise Brustkrebs) bei Frauen, indem es das Wachstum der bösartigen Krebsgeschwulste (Tumoren) stoppt.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Hormonabhängiges Krebswachstum stoppen
  • Geschlechtshormonausschüttungen hemmen
  • Wachstum gutartiger Geschwulste (Myome) bremsen
  • Wachstum der Gebärmutterschleimhaut hemmen
  • Myome der Gebärmutter behandeln
  • Brustkrebs behandeln
  • Endometriose behandeln
  • Blutungen während Operationen zur Entfernung der Gebärmutter verringern
  • Prostatakrebs behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Leuprorelin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Leuprorelin nicht verwendet werden?

Leuprorelin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen Leuprorelin und andere Wirkstoffe, die dem Gonadorelin-Releasing-Hormon (GnRH) verwandt sind.

Auch dürfen Patienten nicht mit dem Wirkstoff behandelt werden, wenn ihnen die Hoden entfernt wurden.

Als alleiniger Wirkstoff darf Leuprorelin nicht verwendet werden, wenn Patienten mit Prostatakrebs einen eingeengten Rückenmarkskanal haben oder dort Tochtergeschwulste aufweisen.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff angewendet werden bei
  • Patienten mit Risiko für eine Verengung der Harnwege oder des Rückenmarkskanals sowie Wirbelschäden durch Tochtergeschwulste
  • Risikofaktoren für Osteoporose oder einer solchen in der Vorgeschichte von
  • Diabetikern, weil sich ihre Stoffwechsellage verschlechtern kann
  • Anfällen, Epilepsie, Gehirn-Erkrankungen und -fehlbildungen oder Krebs des Gehirns in der Vorgeschichte, weil dies Krampfanfälle begünstigt
  • Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen (einschließlich Herzmuskelschwäche)
  • Patienten mit bekannten Störungen der Blutgerinnung, Blutplättchenmangel oder bei Behandlung mit Blutverdünnern, weil die Blutungsneigung steigt
  • Blutgefäßverstopfungen
  • Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme)
  • Depression
  • Ausfall der Hirnanhangdrüse durch einen Schlaganfall.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Der Wirkstoff darf in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff darf von Mädchen mit krankhaft verfrühter Pubertät in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Leuprorelin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Leuprorelin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei Krebs der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom):
Häufige Nebenwirkungen:
Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen, vermehrtes Schwitzen durch den Testosteronentzug, Verminderung von Sexualtrieb und Potenz.

Seltene Nebenwirkungen:
Verkleinerung der Hoden, Haarausfall, Brustbildung, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Verstärkung einer vorbestehenden psychischen Erkrankung, Anstieg von Leberwerten und anderen Blutwerten, Kopfschmerzen, Schwindel, Atembeschwerden, Appetitverminderung, Gewichtszunahme, Durchfall.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Allergische Reaktionen wie Fieber, Hautausschlag und Juckreiz, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Wassereinlagerungen, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Schilddrüsenvergrößerung, Unterzuckerung, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).

Bei der Behandlung von Frauen:
Häufige Nebenwirkungen:
Hitzewallungen, vermehrtes Schwitzen, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Verstärkung einer vorbestehenden psychischen Erkrankung, Schmierblutungen, Veränderungen oder Abnahme des sexuellen Verlangens, trockene Scheide, Größenveränderungen der Brust, Kopfschmerzen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Zwischenblutungen.

Seltene Nebenwirkungen:
Migräne, Schlafstörungen, Nervosität, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Sehstörungen, Herzklopfen, Atembeschwerden, Schwächegefühl.

Vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:
Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Schmerzen im Brustbereich, Muskelschmerzen, Blutdruckerhöhungen, Blutdruckabfall, allergische Reaktionen wie Fieber, Hautausschlag.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Zysten der Eierstöcke, vorübergehende Geschmacksveränderungen, Anstieg der Blutfette Cholesterin und Triglyceride, Leberwerteanstieg.

Besonderheiten:
Zu Beginn der Behandlung bei Krebs der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) steigt die Konzentration von Testosteron im Blut kurzzeitig an. Dadurch kann es zu einer Verstärkung bestimmter Krankheitssymptome wie dem Auftreten oder der Zunahme von Knochenschmerzen, Harnwegsverengung, Druck auf das Rückenmark, Muskelschwäche in den Beinen und Wassereinlagerungen in den Beinen kommen. Diese Symptome müssen eventuell durch die Gabe eines Anti-Sexualhormons ärztlich behandelt werden.

Bei Frauen erhöht sich in der ersten Behandlungswoche kurzfristig die Konzentration an Östrogen, was sich in Blutungen äußert. Danach bleibt die Monatsblutung in der Regel nach der zweiten monatlichen 3,75-Milligramm-Dosis des Wirkstoffs aus. Bei Langzeitbehandlung kann zudem die Knochendichte abnehmen.

Bei Brustkrebs kommt es zu Therapiebeginn zu einer Verstärkung bestimmter Krankheitszeichen wie beispielsweise Knochenschmerzen sowie zu Laborwertveränderungen. Während der Langzeitbehandlung können Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Benommenheit, Juckreiz, Rückenschmerzen, Appetitverminderung, Muskelschwäche, Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme), Veränderungen der Kopf- oder Körperbehaarung, Scheidenentzündungen, Ausfluss, Akne und trockene Haut auftreten.

Bei krankhaft verfrühter Pubertät steigt der Hormonspiegel zu Beginn der Behandlung kurzfristig an. Danach sinkt der Hormonspiegel auf Werte wie vor der Pubertät. Es können Beschwerden auftreten wie Gefühlsschwankungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Akne, Blutungen der Scheide, Zwischenblutungen, Ausfluss, Störungen der Atmung. In den ersten Therapiewochen kann es bei Kindern mit rasch fortschreitendem Krankheitsbild zu allergischen Reaktionen wie Fieber, Hautausschlag und Juckreiz sowie zu Gefäßerweiterungen und kurzzeitigen Ohnmachten kommen.

Bei Diabetikern kann sich die Stoffwechsellage durch die Behandlung mit Leuprorelin verschlechtern. Sie müssen daher ihren Blutzucker regelmäßig überwachen.

Depressionen und Krampfanfälle können sich bei entsprechend vorbelasteten Patienten verschlimmern.

Welche Wechselwirkungen zeigt Leuprorelin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Direkte Wechselwirkungen des Wirkstoffs mit anderen Substanezn sind nicht erwarten. Allerdings kann der Mangel an Sexualhormonen bei Wechselwirkungen eine Rolle spielen:

So verändert ein Mangel an männlichem Sexualhormon die Reizleitung am Herzen (QT-Verlängerung). Nur mit Vorsicht wird der Arzt daher während der Behandlungszeit Arzneimittel kombinieren, die die QT-Zeit ebenfalls verlängern oder Herzrhythmusstörungen (Torsade de Pointes) auslösen können. Dazu gehören Antiarrhythmika wie Chinidin, Disopyramid, Amiodaron, Sotalol, Dofetilid, Ibutilid, aber auch der Drogen-Ersatzstoff Methadon, das Antibiotikum Moxifloxacin und Neuroleptika.

Es scheint sich auch eine Verlängerung der Blutungszeit durch Leuprorelin zu ergeben. Daher wird der Arzt bei der zusätzlichen Behandlung mit Antikoagulanzien Vorsicht walten lassen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament darf nur von einem Arzt angewendet werden, der erfahren in der Behandlung von Hormonstörungen ist.
  • Während der Therapie mit dem Medikament kann es zu behandlungbedürftigen Depressionen kommen.
  • Bei Auftreten allergischer Beschwerden ist die Behandlung sofort zu beenden
  • Der Wirkstoff kann Schwindel verursachen und damit die Konzentrationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen beeinträchtigen. In der Folge können die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen vermindert sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Leuprorelin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Leuprorelin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Leuprorelin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Leuprorelin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Hypothalamushormone, zu welcher der Wirkstoff Leuprorelin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Leuprorelin

Leuprorelin dient zur Behandlung von hormonabhängigem Krebs der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) bei Männern oder der Brust (Mammakarzinom beziehungsweise Brustkrebs) bei Frauen, indem es das Wachstum der bösartigen Krebsgeschwulste (Tumoren) stoppt.

Daneben wird der Wirkstoff eingesetzt zur Behandlung von gutartigen Geschwulsten der Gebärmutter (Myome der Gebärmutter) und gutartigen Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut (Endometriose).

Aufgrund seiner rückbildenden Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut wird Leuprorelin auch vor Operationen zur Entfernung der Gebärmutter angewendet. Der Wirkstoff verringert auf diese Weise die Blutungen während der Operation.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Behandlung von verfrüht einsetzender Pubertät (Pubertas praecox) bei Mädchen im Alter von unter acht Jahren und bei Jungen im Alter von unter neun Jahren. Eine Therapie mit Leuprorelin verhindert beispielsweise das Auftreten von Zyklusblutungen bei Mädchen und kann auch das Größenwachstum der Kinder positiv beeinflussen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Leuprorelin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Leuprorelin

Leuprorelin zählt zur Gruppe der Hypothalamushormone. Es wird synthetisch hergestellt und ähnelt einem natürlichen Releasing-Hormon des Zwischenhirns.

Der Wirkstoff fördert zunächst eine Ausschüttung von Geschlechtshormonen. Auf Dauer aber bewirkt er einen Stillstand der Hormonproduktion, indem er den Impuls für die Geschlechtsdrüsen, Hormone zu produzieren, unterdrückt. Die Geschlechtsdrüsen werden somit nicht mehr angeregt, Geschlechtshormone zu produzieren, woraufhin der Hormonspiegel sinkt. Durch den Abfall des Hormonspiegels stellen auch hormonabhängige Gewebe ihr Wachstum ein.

Diese Wirkung wird genutzt, um beispielsweise hormonempfindliche bösartige Krebsgeschwulste (Tumoren) der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) bei Männern oder der Brust (Mammakarzinom) bei Frauen mit Leuprorelin zu behandeln. Durch das Fehlen der Sexualhormone fällt der Wachstumsreiz für das Krebsgewebe weg und es bildet sich zurück.

Auch gutartige Geschwulste der Gebärmutter (Myome) und gutartige Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut (Endometriosen), die Östrogen-abhängig wachsen, werden so unterdrückt.

Bei Endometriose wuchert Gebärmutterschleimhaut da, wo sie nicht wachsen sollte, und verursacht so Schmerzen, Blutungen und Krämpfe. Die Gebärmutterschleimhaut erhält ihren Antrieb zu wachsen durch das Sexualhormon Östrogen. Ist das Hormon nicht vorhanden, baut sich keine Schleimhaut auf.

Bei Operationen zur Entfernung der Gebärmutter kann es sinnvoll sein, zuvor die Rückbildung der Gebärmutterschleimhaut durch Gabe von Leuprorelin herbeizuführen, um so die Blutungen zu verringern.

Bei Jungen beziehungsweise bei Mädchen, die krankhaft verfrüht in die Pubertät kommen, unterdrückt Leuprorelin die Produktion von Testosteron beziehungsweise von Östrogen. Auf diese Weise können sich durch die Langzeitbehandlung mit dem Wirkstoff die krankhaften Hormonspiegel wieder normalisieren. Im Ergebnis wird die verfrühte Ausbildung der Geschlechtsmerkmale deutlich verlangsamt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.