Dasatinib

Allgemeines

Dasatinib dient der Behandlung Erwachsener mit Blutkrebs.

Ursache der Erkrankung ist die Veränderung und anschließende Vermehrung einer einzigen blutbildenden Knochenmarkszelle. In fast allen Fällen findet man im Erbgut dieser Zellen einen Bruch und Austausch von Chromosomen-Stücken. Diese Veränderung ist als verkürztes Chromosom 22, als sogenanntes "Philadelphia-Chromosom", sichtbar.

Dasatinib wird eingesetzt, wenn der Blutkrebs
  • das Philadelphia-Chromosom aufweist, gerade festgestellt wurde und noch in der chronischen Phase ist, also langsam und schleichend fortschreitet (chronische myeloische Leukämie, CML)
  • in der chronischen, der schnell fortschreitenden Phase oder in der Blastenkrise (mit massenhafter Bildung unreifer Blutzellen) ist und eine vorherige Behandlung, auch mit Imatinib, entweder unwirksam war oder nicht vertragen wurde
  • die akute Form (akute lymphatische Leukämie, ALL) hat und das Philadelphia-Chromosom aufweist oder eine lymphatische Blastenkrise besteht, bei der eine vorherige Therapie unwirksam war oder nicht vertragen wurde.


Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wirkung des Enzyms Tyrosinkinase hemmen
  • Wachstum von Krebszellen behindern
  • Vermehrung von Krebszellen hemmen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Dasatinib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Dasatinib nicht verwendet werden?

Dasatinib darf nicht bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff eingesetzt werden. Ebenso müssen Patienten mit einer aktiven Infektion mit dem Virus Hepatitis B zunächst dagegen behandelt werden, ehe die Therapie mit Dasatinib beginnen kann.

Weil es nur wenige Erfahrungen aus einer Studie mit Patienten mit Leberfunktionsstörung gibt, darf Dasatinib bei dieser Patientengruppe nur mit ärztlicher Vorsicht angewendet werden. Dies gilt besonders für ruhende Infektionen mit dem Hepatitis B-Virus. Dessen Träger sind während der Behandlung und für einige Monate nach dem Behandlungsende sorgfältig vom Arzt auf Zeichen einer Aktivierung der Infektion zu über­wachen.

Da Dasatinib die Blutgerinnung verändern kann, ist ebenso ärztliche Vorsicht geboten, wenn Patienten zu Blutungen neigen oder Wirkstoffe einnehmen, die die Blutgerinnung beeinflussen (Thrombozytenaggregationshemmer, Antikoagulanzien).

Bei Personen über 65 Jahren kommt es durch die Behandlung mit Dasatinib eher zur Ansammlung von Flüssigkeit im Körper und dadurch zu Atemproblemen. Daher sollten diese Patienten häufiger ärztlich untersucht werden.

Patienten mit Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauferkrankung (beispielsweise mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit) oder Vorerkrankungen des Herzens (beispielsweise Verengung der Herzkranzgefäße oder ein früherer Eingriff am Herzen) sollten vom Arzt sorgfältig auf Brustkorbschmerz, Atemnot und vermehrte Schweißabsonderung überwacht werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine ausreichenden Studien für die Verwendung von Dasatinib bei Schwangeren. In Tierexperimenten wurden Schäden an den Ungeborenen festgestellt. Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Daher darf Dasatinib nicht während der Schwangerschaft verwendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich.

Es gibt nur unzureichende Erkenntnisse zur Ausscheidung von Dasatinib in die Muttermilch von Menschen und Tieren, es besteht aber der Verdacht, dass es dazu kommen kann. Weil ein Risiko für Säuglinge nicht ausgeschlossen werden kann, ist während der Behandlung mit dem Wirkstoff das Stillen zu unterlassen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Dasatinib bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist bisher noch nicht in Studien nachgewiesen. Die Anwendung in dieser Altersgruppe ist daher untersagt.

Welche Nebenwirkungen kann Dasatinib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Dasatinib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Infektionen (mit Bakterien, Viren, Pilzen und nicht bestimmten Erregern), Kopfschmerz, Blutungen, Brustfellerguss (Pleuraerguss), Atembeschwerden, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerz, Hautausschlag, Muskelschmerzen, Knochenschmerzen, Flüssigkeitsansammlung, Erschöpfung, Hautschwellungen, Fieber.

Häufige Nebenwirkungen:
Lungenentzündung (verschiedener Ursache), Infektionen/Entzündungen der oberen Atemwege, Herpes-Infektion, Darmentzündung durch Infektion, Neutrophilen-Mangel mit Fieber, Mangel an allen Blutzellen, Essensverweigerung, Appetitstörungen, Depression, Schlaflosigkeit, Nervenstörung (einschließlich nervlicher Missempfindungen in Armen und Beinen), Benommenheit, Schmeckstörung, Schläfrigkeit, Sehstörungen (beeinträchtigtes Sehvermögen, unscharfes Sehen, verminderte Sehschärfe), trockene Augen, Ohrensausen, Herzmuskelschwäche, Herzfunktionsstörungen, Herzbeutelerguss, Herzrhythmusstörungen (einschließlich Herzrasen), Herzklopfen, Bluthochdruck, fliegende Hitze (Flush), Husten, Wasseransammlung in der Lunge, Lungenhochdruck, Lungenentzündung, Magen-Darm-Blutung, Dickdarmentzündung, Magenschleimhautentzündung, Schleimhautentzündungen (auch des Mundes), Verdauungsstörungen, gestörte Muskeltätigkeit im Bauch, Verstopfung, Erkrankungen der Mundschleimhäute, Haarausfall, Hautentzündung (einchließlich Ekzem), Juckreiz, Akne, trockene Haut, Nesselsucht, übermäßiges Schwitzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelentzündung, Muskelschwäche, allgemeine Schwäche, Schmerzen, Brustkorbschmerz, allgemeine Wassereinlagerungen im Gewebe, Schüttelfrost, Gewichtsveränderungen, Prellungen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutvergiftung (auch tödlich), Neubildungen (gutartige, bösartige und
unspezifische, einschließlich Zysten und Polypen), Nierenfunktionsstörung durch Krebszellzerfall (Tumorlysesyndrom), Überempfindlichkeitsreaktion (einschließlich Erythema nodosum), Harnsäureüberschuss im Blut, Mangel an Bluteiweiß, Angst, Verwirrtheitszustand, Gefühlsschwankungen, verminderte Libido, Gehirnblutung, Ohnmacht, Zittern, Gedächtnisverlust, Bindehautentzündung, Schwindel, Herzinfarkt (auch tödlich), EKG-Veränderungen (QT-Verlängerung), Herzbeutelentzündung, Störungen des Herzkammerrhythmus, Angina pectoris, Riesenherz, niedriger Blutdruck, Blutgefäßverstopfung und -entzündung, Bronchialkrampf, Asthma, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Geschwüre im oberen Verdauungskanal, Speiseröhrenentzündung, Wasserbauch, Aftereinrisse, Schluckstörung, Leberentzündung, Gallenblasenentzündung, Gallenstau, fiebrige Hautstörung, Lichtempfindlichkeit, Störung der Hautfärbung, Fettgewebeentzündung, Hautgeschwüre, blasige Hauterkrankungen, Nagelerkrankungen, Enpfindungsstörungen in den Hand- und Fußflächen, Muskel- und Skelett- Steifigkeit, Muskelgewebezerfall (Rhabdomyolyse), Nierenversagen, häufiger Harndrang, Eiweiß im Urin, Brustschwellung, Störungen der Regelblutung, Unwohlsein, Temperaturempfindlichkeit, erhöhte Konzentration von Kreatinphosphokinase im Blut.

Seltene Nebenwirkungen:
Fehlbildung roter Blutkörperchen, Schlaganfall, vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, Krampfanfälle, Sehnerventzündung, Lungenherz (Cor pulmonale), Herzmuskelentzündung, Erkrankung der Herzkranzgefäße, bläulich-violette Hautverfärbung, akutes Atemnotsyndrom, Eiweißverlustsyndrom, Sehnenscheidenentzündung.

Nebenwirkungen nicht bekannter Häufigkeit:
Vorhofflimmern, Vorhofflattern, Blutgefäßverstopfung (einschließlich Lungenembolie, Verstopfung tiefliegender Beinvenen), spezielle Form der Lungenerkrankung (interstitielle Lungenerkrankung), tödliche Magen-Darm-Blutungen.

Besonderheiten:
Die Behandlung mit Dasatinib wird mit Blutarmut und Veränderungen des Blutbildes (Mangel an Neutrophilen und Blutplättchen) in Verbindung gebracht. Deren Auftreten ist häufiger bei Patienten in fortgeschrittenen oder akuten Stadien des Blutkrebses als in dessen chronischer Phase. In den ersten zwei Monaten sollte der Arzt wöchentlich ein komplettes Blutbild anfertigen, danach einmal im Monat oder wenn es der Zustand des Patienten erfordert.

Welche Wechselwirkungen zeigt Dasatinib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Anwendung von Dasatinib und Wirkstoffen, die das Enzym hemmen, das zum Abbau nötig ist, kann zu vermehrten Nebenwirkungen führen. Daher sollten Substanzen wie die Pilzmittel Ketoconazol und Itraconazol, die Makrolid-Antibiotika Erythromycin, Clarithromycin und Telithromycin sowie das HIV-Mittel Ritonavir nicht gleichzeitig angewendet werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Dasatinib und Substanzen, die zu einer vermehrten Aktivität des abbauenden Enzyms führen, schwächen die Wirkung von Dasatinib. Dazu gehören das Glukokortikoid Dexamethason, die Epilepsie-Mittel Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital, das Tuberkulose-Mittel Rifampicin oder pflanzliche Zubereitungen, die Johanniskraut enthalten. Sie alle erhöhen das Risiko eines Therapieversagens und sollten vom Arzt durch andere Wirkstoffe ersetzt werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Dasatinib und Wirkstoffen, die vom gleichen Enzym im Körper abgebaut werden, führt zu einer Konkurrenz. Diese kann bei Wirkstoffen, die schnell überdosiert sind, gefährlich sein. Dazu gehören die H1-Antihistaminika Astemizol und Terfenadin, das Magenmittel Cisaprid, das Psychopharmakon Pimozid, Chinidin (gegen Herzrhythmusstörungen), der Kalziumkanalblocker Bepridil und Mutterkornalkaloide wie Ergotamin und Dihydroergotamin).

Die gleichzeitige Anwendung von Dasatinib und den Magenmitteln Famotidin (H2-Rezeptorenblocker) und Omeprazol (Protonenpumpenhemmer) oder säurebindenden Mitteln wie Aluminiumhydroxid und Magnesiumhydroxid kann die Aufnahme von Dasatinib in den Körper verringern. Daher wird die Anwendung von H2-Rezeptorenblockern und Protonenpumpenhemmern nicht empfohlen. Aluminiumhydroxid- und Magnesiumhydroxid-Präparate sollten bis zwei Stunden vor und ab zwei Stunden nach der Anwendung von Dasatinib eingenommen werden.

Da Dasatinib die Blutgerinnung verändern kann, ist ebenso ärztliche Vorsicht geboten, wenn Patienten Wirkstoffe einnehmen, die die Blutgerinnung beeinflussen wie Thrombozytenaggregationshemmer oder Antikoagulanzien).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament ist von einem Arzt zu beginnen, der in der Diagnose und Therapie von Blutkrebs erfahren ist.
  • Aluminium- und Magnesium-Präparate zur Säurebindung im Magen sollten bis zwei Stunden vor und ab zwei Stunden nach der Anwendung des Medikaments eingenommen werden, um dessen Wirkung nicht zu verringern.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament können Nebenwirkungen wie Schwindelgefühl oder unscharfes Sehen auftreten, die Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Dasatinib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Dasatinib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Dasatinib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Dasatinib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Dasatinib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Dasatinib

Dasatinib dient der Behandlung Erwachsener mit Blutkrebs.

Ursache der Erkrankung ist die Veränderung und anschließende Vermehrung einer einzigen blutbildenden Knochenmarkszelle. In fast allen Fällen findet man im Erbgut dieser Zellen einen Bruch und Austausch von Chromosomen-Stücken. Diese Veränderung ist als verkürztes Chromosom 22, als sogenanntes "Philadelphia-Chromosom", sichtbar.

Dasatinib wird eingesetzt, wenn der Blutkrebs
  • das Philadelphia-Chromosom aufweist, gerade festgestellt wurde und noch in der chronischen Phase ist, also langsam und schleichend fortschreitet (chronische myeloische Leukämie, CML)
  • in der chronischen, der schnell fortschreitenden Phase oder in der Blastenkrise (mit massenhafter Bildung unreifer Blutzellen) ist und eine vorherige Behandlung, auch mit Imatinib, entweder unwirksam war oder nicht vertragen wurde
  • die akute Form (akute lymphatische Leukämie, ALL) hat und das Philadelphia-Chromosom aufweist oder eine lymphatische Blastenkrise besteht, bei der eine vorherige Therapie unwirksam war oder nicht vertragen wurde.


Zu folgenden Anwendungsgebieten von Dasatinib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Dasatinib

Ausgangspunkt einer Blutkrebs-Erkrankung ist die Veränderung und anschließende Vermehrung einer einzigen blutbildenden Knochenmarkszelle. In fast allen Fällen findet man im Erbgut dieser Zellen einen Bruch und Austausch von Chromosomen-Stücken. Damit aber ergibt sich eine Veränderung in der Funktion des Erbguts: Eines der betroffenen Gene betrifft das Enzym Tyrosin-Kinase, welches eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Zellwachstum und -vermehrung spielt. Durch den Austausch von Chromosomen-Bruchstücken ist die Tyrosin-Kinase dauerhaft aktiviert. Das aber führt zu einer gesteigerten und unkontrollierten Vermehrung der betroffenen Zelle.

Dasatinib hemmt vor allem die Tyrosin-Kinase in ihrer Aktivität, blockiert aber auch andere Enzyme, die am Krebsgeschehen beteiligt sind. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Vermehrung und das Wachstum der Blutkrebszellen beseitigt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.