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Kreislaufprobleme

Wiebke Raue
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Nächste Aktualisierung von Wiebke Raue • Medizinredakteurin
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Kreislaufprobleme kennt jeder – besonders häufig in der Schwangerschaft. Oft haben sie harmlose Ursachen, können aber auch Folge einer ernst zunehmenden Erkrankung sein. Erfahren Sie, was die Ursachen von Schwindel, Schweißausbrüchen oder Ohnmacht sein können und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Kollaps sinnvoll sind.

Überblick

Schlapp, Frösteln, es wird einem schwarz vor Augen: Kreislaufbeschwerden sind in der Regel darauf zurückzuführen, dass das Gehirn – zumindest kurzzeitig – nicht ausreichend durchblutet ist. Grund ist, dass der Blutdruck zu tief absinkt (sog. Hypotonie). Je nachdem, ob die Blutdruckwerte plötzlich absacken oder dauerhaft niedrig sind, fallen die daraus entstehenden Kreislaufprobleme unterschiedlich aus.

Bei einem plötzlichen und heftigen Blutdruckabfall (sog. akute Hypotonie) können bis zu 600 Milliliter Blut in die untere Körperhälfte versacken. Sinkt der Blutdruck, versucht der Kreislauf eine gewisse Zeit lang, das Blut in die lebenswichtigen Organe umzuleiten, indem sich die Blutgefäße zu den Muskeln verengen. Reicht dieser Hilfsmechanismus nicht aus, wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet. Vorübergehend ist es mit Sauerstoff unterversorgt.

Typische Symptome bei akutem Blutdruckabfall:

Dauerhaft niedrige Blutdruckwerte (sog. chronische Hypotonie) können ebenfalls zu Kreislaufproblemen wie Schwindel und Augenflimmern führen. Ein niedriger Blutdruck ist an sich nicht gefährlich. Im Gegenteil: Wenn die Blutdruckwerte ohne krankhaften Grund dauerhaft niedrig sind, ist dies in der Regel gesünder als ein zu hoher Blutdruck. Durch die verminderte Durchblutung muss das Herz allerdings schneller schlagen, um den Blutmangel auszugleichen.

Neben Kreislaufproblemen kann ein dauerhaft niedriger Blutdruck weitere Symptome verursachen. Zum Beispiel:

Ein niedriger Blutdruck und damit verbundene gelegentliche Kreislaufprobleme sind – vor allem bei Menschen im jüngeren und mittleren Alter – meist harmlos.

Sie sollten aber mit Ihrem Arzt darüber sprechen, wenn ...

Ursachen

Kreislaufprobleme können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Je nachdem, warum der für die Kreislaufbeschwerden verantwortliche niedrige Blutdruck (Hypotonie) entstanden ist, unterscheidet man:

Kreislaufprobleme beim ruckartigen Aufstehen?

Vielen Menschen ist es schon einmal passiert, dass ihnen schwarz vor Augen wurde, nachdem sie aus dem Liegen schnell aufgestanden sind. Bei diesen Kreislaufproblemen handelt es sich um eine sogenannte orthostatische Dysregulation.

Als Orthostase bezeichnet man die aufrechte Lage des Körpers. Damit in dieser Position alle Organe ausreichend mit Blut versorgt sind, muss der Körper seinen Blutdruck und somit das Kreislaufsystem im Sitzen oder Stehen entsprechend anpassen. Bei der orthostatischen Dysregulation ist diese Anpassung gestört, sodass es zu Kreislaufstörungen kommen kann, wenn man aus dem Liegen schnell aufsteht.

Eine Orthostasestörung kann aber auch bei langem Stehen in der Sonne oder in großen Menschenmengen sowie nach üppigen Mahlzeiten – vor allem in Kombination mit Alkoholgenuss – Kreislaufprobleme bereiten. Die Kreislaufbeschwerden reichen:

Weitere Ursachen für Kreislaufbeschwerden

Kreislaufbeschwerden treten häufig bei Infektionskrankheiten auf. Aber auch Entzündungen im Körper, Vergiftungen, Verletzungen mit starkem Blutverlust, Drogenmissbrauch oder eine starke Unterkühlung kommen für Kreislaufprobleme als Ursachen infrage. Außerdem können Schockzustände oder psychische Störungen zu einer Kreislaufstörung führen.

Da zum Beispiel Nierenerkrankungen oder Durchfall den Salz- und Flüssigkeitshaushalt des Körpers beeinflussen, können sie über die so entstehende Funktionsstörung des Stoffwechsels ebenfalls eine Kreislaufschwäche verursachen.

Außerdem können bei verschiedenen Krankheiten begleitend Kreislaufprobleme auftreten. Dazu zählen:

Des Weiteren kann eine Reizung des Nervus vagus (= 10. Hirnnerv) zu Kreislaufproblemen führen: Bei entsprechend veranlagten Menschen erweitern sich die Blutgefäße plötzlich, als Folge sinken Herzfrequenz und Blutdruck.

In der Schwangerschaft

Besonders häufig treten Kreislaufprobleme in der Schwangerschaft auf. Vor allem in den ersten sechs Monaten leiden viele schwangere Frauen unter Kreislaufproblemen. Da sich das Herz-Kreislauf-System in dieser Zeit verändert, steigen bei Schwangeren das Blutvolumen und die Herzschlagfrequenz. Verantwortlich hierfür ist das Hormon Progesteron.

Außerdem erweitern sich die Blutgefäße, weil die Hormonumstellung während der Schwangerschaft dazu führt, dass sich die Gefäßmuskulatur entspannt.

© iStock
Kreislaufprobleme kommen in der Schwangerschaft häufig vor. Durch die Hormonumstellung weiten sich die Blutgefäße, sodass manchmal der Blutdruck abfällt.

Im Grunde helfen bei Kreislaufproblemen in der Schwangerschaft dieselben Maßnahmen wie auch sonst (siehe unten). Sicherheitshalber sollte man sich sofort setzen. Ein Sturz kann in der Schwangerschaft besonders gefährlich sein. Damit wieder ausreichend sauerstoffreiches Blut ins Gehirn fließen kann, sollte man sich flach hinlegen und die Beine hochlegen.

Therapie

Erste Hilfe bei Kreislaufproblemen

  1. Wenn akute Kreislaufprobleme auftreten, lautet die erste Therapie-Maßnahme: Beine hochlagern.
  2. Wenn die Probleme länger anhalten, der Betroffene einen Krampf bekommt oder ohnmächtig wird, liegt ein Notfall vor. Dann heißt es: Schnell einen Arzt verständigen oder ins Krankenhaus fahren!
  3. Wenn ein Kreislauf-Stillstand eintritt, erfordert dies eine sofortige Wiederbelebung.

Erster Schritt der Therapie sollte sein, den verminderten Blutdruck wieder auszugleichen und den Kreislauf zu stabilisieren. Wie die Behandlung im Einzelfall aussieht, richtet sich nach den Ursachen für die Kreislaufbeschwerden. Es können folgende Maßnahmen zum Einsatz kommen:

Ursächliche Therapie

Vor allem wenn die Ärzte die Ursache für den niedrigen Blutdruck kennen, besteht die Therapie in erster Linie darin, diese Ursache gezielt anzugehen. Die Behandlung kann zum Beispiel (je nach Grunderkrankung) darin bestehen, Stützstrümpfe anzupassen, Krampfadern zu operieren oder einen Herzschrittmacher einzusetzen.

Allgemeine Maßnahmen

Gegen Kreislaufprobleme können Sie selbst einiges tun: Um Ihren Kreislauf zu stärken, ist es zum Beispiel ratsam, auf Nikotin zu verzichten. Durch heiß-kalte Wechselduschen und Bürstenmassagen können Sie Ihren Kreislauf anregen – ebenso wie durch regelmäßige Bewegung. Um Kreislaufprobleme zu vermeiden, ist es außerdem sinnvoll, nicht zu lange zu stehen oder schnell aufzustehen. Sie sollten generell darfu achten, den ganzen Tag über (unter Umständen auch nachts) genug zu trinken. Und wenn Sie baden, achten Sie darauf, dass das Wasser nicht heißer als 37 Grad Celsius ist und Sie höchstens zehn Minuten lang in der Wanne liegen bleiben. Darüber hinaus kann es bei Kreislaufschwäche hilfreich sein, zu üppiges Essen und Alkoholkonsum zu meiden.

Medikamente

Falls nötig, kann gegen Kreislaufprobleme auch eine kurzfristige Therapie durch blutdrucksteigernde Medikamente (sog. Antihypotonika) zum Einsatz kommen. Bei Kindern und Schwangeren sind diese Mittel allerdings nicht oder nur eingeschränkt geeignet, um Kreislaufstörungen zu behandeln.

Wer im jüngeren oder mittleren Alter einen dauerhaft leicht niedrigen Blutdruck hat, bei dem sind gelegentliche Kreislaufprobleme zumeist harmlos. Eine besondere Therapie ist in dem Fall nicht nötig. Eventuell bekommen Sie Ihre Kreislaufbeschwerden dann schon in den Griff, indem Sie mehr trinken (Sie können den Kreislauf auch durch Kaffee ankurbeln) und für ausreichend Bewegung sorgen.

Wenn durch einen niedrigen Blutdruck aber die Organe nicht ausreichend mit Blut versorgt werden, ist eine umfassendere Behandlung ratsam.

Diagnose

Um die akute Ursache für Kreislaufprobleme festzustellen, ist es hilfreich, noch während der akuten Beschwerden den Blutdruck und die Herzfrequenz zu kontrollieren: Ein Arzt kann so erkennen, ob beispielsweise ein niedriger Blutdruck oder Puls die Probleme auslöst. Daraus können sich bereits erste Hinweise auf die mögliche Ursache der Kreislaufprobleme ergeben.

Bei einer Kreislaufschwäche besteht der nächste Schritt zur Diagnose darin, eine ausführliche Krankengeschichte zu erheben (Anamnese). Dabei fragt der Arzt vor allem, ob eine Grunderkrankung vorliegt, ob und welche Medikamente man einnimmt und welche Ereignisse oder Bedingungen zum Auftreten der Kreislaufprobleme geführt haben.

Um zu klären, was hinter den Kreislaufproblemen steckt, ist zudem eine körperliche Untersuchung wichtig, bei der der Arzt

Um die Ursache für die Kreislaufbeschwerden einzugrenzen, kann der sogenannte Schellong-Test (d.h. mehrere Messungen von Blutdruck und Puls im Liegen und anschließend im Stehen) erfolgen.

Je nach Untersuchungsergebnis kommen eventuell weitere Maßnahmen zur Diagnostik in Frage, um eine eventuell unbekannte Grunderkrankungen ausfindig zu machen. Dazu gehören gehören:

Darüber hinaus können – abhängig von der vermuteten Ursache für die Kreislaufprobleme – zum Beispiel eine Echokardiographie oder eine Elektroenzephalographie (EEG) zum Einsatz kommen.

Quellen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2018

Online-Information des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 5.6.2018)

Salles, G. F. et al.: Blood Pressure in Healthy Pregnancy and Factors Associated With No Mid-Trimester Blood Pressure Drop: A Prospective Cohort Study. American journal of hypertension, Vol. 28, Iss. 5, pp. 680-689 (2015)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Letzte inhaltliche Prüfung: 05.06.2018
Letzte Änderung: 24.05.2019