Eslicarbazepin

Allgemeines

Epilepsie ist eine Störung der elektrischen Gehirntätigkeit. Es kommt zu ungeregelten Entladungen der Nerven, was sich in Muskelkrämpfen äußert. Eslicarbazepin wird angewendet bei Formen der Epilepsie, bei denen die Anfälle von bestimmten Gehirn-Regionen ausgehen und entweder auf diese beschränkt bleiben oder sich anschließend über das ganze Gehirn ausbreiten. Ein Einsatz bei Epilepsien, die von Anfang eines Anfalls an das ganze Gehirn in Mitleidenschaft ziehen, wurde bisher nicht ausreichend überprüft und sollte daher unterbleiben.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Natriumkanäle der Nerven "verstopfen"
  • Erregungsbildung und -fortleitung hemmen
  • Zustand der Gehirnnerven stabilisieren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Eslicarbazepin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Eslicarbazepin nicht verwendet werden?

Eslicarbazepin darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere, chemisch verwandte Antiepileptika wie Carbamazepin oder Oxcarbazepin. Auch bei einer Herzrhythmusstörung mit verlangsamtem Herzschlag (atrioventrikulärer Block zweiten und dritten Grades) und bei Patienten mit starker Beeinträchtigung der Leberfunktion darf der Wirkstoff nicht zum Einsatz kommen.

Weil Eslicarbazepin in Studien nicht bei Epilepsien geprüft wurde, die von Anfang an das gesamte Gehirn betreffen, sollte der Wirkstoff nicht bei solchen Epilepsie-Formen angewendet werden.

Eslicarbazepin darf in folgenden Fällen nur mit besonderer Vorsicht des Arztes und unter seiner Kontrolle angewendet werden:
  • Personen, die aufgrund ihrer Abstammung den Bevölkerungsgruppen der Han-Chinesen oder der Thai zuzurechnen sind, haben bei Behandlung mit Carbamazepin (und damit auch mit Eslicarbazepin) ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer schwerwiegenden Hautreaktion (Stevens-Johnson Syndrom). Allerdings ist diese Reaktion an ein einzelnes Gen dieser Bevölkerungsgruppen gebunden und dieses auch nur bei ihnen wirksam. Daher sollten Personen mit einer Abstammung von Han-Chinesen oder Thai möglichst vor Behandlung mit dem Wirkstoff einen Gentest machen lassen.
  • Ein Natriummangel kann bei Behandlung mit Eslicarbazepin zur Verschlimmerung der Anfälle, Verwirrtheit oder vermindertem Bewusstsein
    führen. Bei Patienten, bei denen eine bereits existierende Nierenerkrankung zu Natriummangel führte oder wenn gleichzeitig Wirkstoffe eingenommen werden, die Natrium ausschwemmen (Enwässerungsmittel, Desmopressin), wird der Arzt daher die Natriumwerte im Blut regelmäßig überwachen.
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollte Eslicarbazepin nur bis zu einer Kreatinin-Clearance von 530 Milliliter/Minute eingesetzt werden.
  • Bei älteren Patienten, weil es mit ihnen nur begrenzte Erfahrungen aus klinischen Studien gibt.
  • Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion, Herzrhythmusstörungen oder solche, die Medikamente mit Wirkung auf den Herzrhythmus einnehmen, haben mit Eslicarbazepin ein erhöhtes Risiko für einen unnormal verlangsamten Herzschlag.
  • Bei leichter bis mäßiger Beeinträchtigung der Leberfunktion, weil es zur Abschätzung des Risikos an ausreichenden Erfahrungen mit solchen Patienten fehlt.
  • Patienten mit Selbstmordgedanken und -absichten müssen auch von ihren Angehörigen sorgfältig überwacht werden, da ein erhöhtes Risiko bei der Einnahme von Eslicarbazepin (wie bei allen Antiepileptika) nicht auszuschließen ist.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Neugeborene von Frauen mit Epilepsie haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko für Missbildungen als die durchschnittliche Rate von 3% in der Gesamtbevölkerung. Besonders häufig treten Lippenspalten, Missbildungen von Herz und Gefäßen oder Nervenbahnen auf. Allerdings kann auch Eslicarbazepin, wie alle Antiepileptika, besonders in kombinierter Therapie, zu Missbildungen führen. Daher ist es wichtig, bei Schwangerschaft wann immer möglich eine Einzeltherapie anzuwenden. Frauen, die wahrscheinlich schwanger sind oder sich im gebärfähigen Alter befinden, sollten sich vom Arzt fachlich beraten lassen. Schon bei der Planung einer Schwangerschaft ist eine Epilepsiebehandlung möglicherweise notwendig. Bei Eintreten einer Schwangerschaft ist eine antiepileptische Therapie nicht plötzlich abzubrechen, da dies zum Wiederauftreten von Anfällen mit ernsthaften Folgen sowohl für die Mutter als auch für das Kind führen kann.

Soll eine Schwangerschaft verhütet werden, muss man wissen, dass Eslicarbazepin die Wirkung der "Pille" beeinträchtigt. Deshalb sollte während der Einnahme von Eslicarbazepin und bis zum Ende des laufenden Menstruationszyklus nach Beendigung der Behandlung eine andere wirksame und sichere Verhütungsmethode angewendet werden.

Antiepileptika wie Eslicarbazepin können zu einem Mangel des Vitamins Folsäure beitragen, der wiederum Missbildungen begünstigt. Schwangere Epileptikerinnen sollten daher vor und während der Schwangerschaft Folsäure zu sich nehmen. Allerdings ist dieser Folsäureersatz kein sicheres Mittel, eine Missbildung zu verhindern.

Bei Neugeborenen treten manchmal durch Antiepileptika verursachte Blutgerinnungsstörungen auf. Zur Sicherheit wird der Arzt der Schwangeren während der letzten Wochen der Schwangerschaft Vitamin K verschreiben und dieses Vitamin auch anschließend dem Neugeborenen verabreichen lassen.

Aus Tierexperimenten weiß man, dass Eslicarbazepin in die Muttermilch übergeht. Während der Behandlung mit dem Wirkstoff sollte daher abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff ist ausschließlich zur Behandlung von Erwachsenen zugelassen.

Welche Nebenwirkungen kann Eslicarbazepin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Eslicarbazepin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schwindel (nervlich bedingt), Schläfrigkeit

häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Gangstörungen, Aufmerksamkeitsstörung, Zittern, Doppeltsehen, Verschwommensehen, Schwindel (Innenohr-bedingt), Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Müdigkeit, Störungen der Gangart

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutarmut, Über- und Mangelempfindlichkeit, Schilddrüsenunterfunktion, vermehrter Appetit, verminderter Appetit, Natriummangel im Blut, Mineralungleichgewicht im Körper, Auszehrung, Austrocknung, Fettleibigkeit, Schlaflosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Depression, Nervosität, Erregung, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS), Verwirrtheitszustand, Stimmungsschwankungen, Weinen, seelische Abstumpfung, Stress, Psychose, Gedächtnisstörung, Gleichgewichtsstörungen, Schlafsucht, Dämmerzustand, Sprechstörungen, Empfindungsstörungen, Verstimmung, Antriebslosigkeit, Geruchstäuschung, Ungleichgewicht des unbewussten Nervensystems, Bewegungsstörungen und Muskelzuckungen (durch das Kleinhirn bedingt), Grand-Mal-Anfall, nervliche Missempfindungen, Schlafrhythmusstörungen, Augenzittern, Geschmacksverlust, brennendes Gefühl, Sehstörungen, Verwackeltsehen, Augenbeweglichkeitsstörung (beidäugig), Überwärmung der Augen, ruckartige Augenbewegungen, Augenschmerzen, Ohrenschmerzen, Hörschwäche, Ohrensausen, Herzklopfen, verlangsamter Herzschlag (auch vom Sinusknoten ausgehend), Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Stimmbildungsstörung, Nasenbluten, Verdauungsstörungen, Magenschleimhautentzündung, Bauchschmerzen, trockener Mund, Unwohlsein im Bauchbereich, Blähungen, Zwölffingerdarmentzündung, Unwohlsein im Oberbauch, Zahnfleischwucherungen, Zahnfleischentzündung, Reizdarm, Teerstuhl, schmerzhaftes Schlucken, Unwohlsein des Magens, Mundschleimhautentzündungen, Zahnschmerzen, Lebererkrankung, Haarausfall, trockene Haut, übermäßiges Schwitzen, Hautrötung, Nagelerkrankung, Hauterkrankung, Muskelschmerzen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, nächtliches Einnässen, Regelstörungen, Schwäche, Unwohlsein, Schüttelfrost, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Arzneimittelnebenwirkungen, Kältegefühl an der Körperoberfläche, Gewichtsverlust, Mangel an allen Blutzellen, Mangel an Blutfarbstoff, Herzschlagbeschleunigung, erniedrigte Schilddrüsenhormone im Blut, Leber-Enzyme im Blut erhöht, vermehrt freie Fette (Triglyceride) im Blut, Arzneimittelvergiftung, Sturz, Gelenkverletzung, Vergiftung, Hautverletzung

Seltene Nebenwirkungen:
Mangel an Blutplättchen, Mangel an weißen Blutkörperchen, Bauchspeicheldrüsenentzündung

Besonderheiten:
Falls Anzeichen oder Beschwerden einer Überempfindlichkeit auf den Wirkstoff auftreten, muss er abgesetzt werden.

Der Natriumgehalt des Blutes sollte regelmäßig vom Arzt überprüft werden. Ergibt sich ein deutlicher Natriummangel, sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Eslicarbazepin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Werden Eslicarbazepin und Phenytoin kombiniert, muss der Arzt abhängig von der individuellen Reaktion des Patienten möglicherweise die Dosis von Eslicarbazepin erhöhen und die Phenytoin-Dosis verringern. Auch bei Kombination mit Lamotrigin ist eine wechselseitige Wirkungsbeeinflussung selten, aber nicht auszuschließen.

Eine gleichzeitige Behandlung mit Carbamazepin erhöhte das Risiko folgender Nebenwirkungen: Doppeltsehen, Bewegungsstörungen und Schwindel. Ein erhöhtes Risiko von anderen Nebenwirkungen durch eine gleichzeitige Behandlung mit Carbamazepin und Eslicarbazepin kann nicht ausgeschlossen werden. Eine entsprechende Kombination wird der Arzt also nur mit Vorsicht vornehmen. Gleiches gilt für die Kombination mit Valproinsäure oder Levetiracetam.

Bei der Gabe von Eslicarbazepin an Frauen, die Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Schwangerschaftsverhütung ("Pille") verwendeten, zeigte sich eine Abschwächung der Hormonwirkung. Frauen im gebärfähigen Alter müssen daher während der Anwendung des Wirkstoffs und bis zum Ende des laufenden Menstruationszyklus nach seinem Absetzen eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Eine gleichzeitige Anwendung von Eslicarbazepin und dem Gerinnungshemmer Warfarin führt zu dessen leichter Wirkungsabschwächung. Aufgrund der unvorhersagbaren Stärke dieser Wechselwirkung wird der Arzt in den ersten Wochen nach Beginn oder Beendigung der gleichzeitigen Anwendung von Warfarin und Eslicarbazepin die Blutgerinnung besonders oft überprüfen.

Aufgrund der chemischen Ähnlichkeit von Eslicarbazepin zu trizyklischen Antidepressiva sind Wechselwirkungen möglich und müssen vom Arzt bei der Kombination beachtet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Falls Anzeichen oder Beschwerden einer Überempfindlichkeit auf den Wirkstoff auftreten, muss er abgesetzt werden.
  • Ergibt sich bei der regelmäßigen ärztlichen Überprüfung ein deutlicher Natriummangel, sollte die Behandlung abgebrochen werden.
  • Ein Therapie-Ende ist unter langsamer Verringerung der Dosis ("ausschleichen") herbeizuführen, um zu verhindern, dass Anfälle wiederauftreten.
  • Das Medikament darf nur als Ergänzung zu einer bestehenden Epilepsie-Therapie angewendet werden.
  • Das Medikament beeinträchtigt die Wirkung der "Pille", daher müssen andere, hormonfreie Maßnahmen der Verhütung ergriffen werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Eslicarbazepin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Eslicarbazepin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Eslicarbazepin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Eslicarbazepin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Eslicarbazepin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Eslicarbazepin

Epilepsie ist eine Störung der elektrischen Gehirntätigkeit. Es kommt zu ungeregelten Entladungen der Nerven, was sich in Muskelkrämpfen äußert. Eslicarbazepin wird angewendet bei Formen der Epilepsie, bei denen die Anfälle von bestimmten Gehirn-Regionen ausgehen und entweder auf diese beschränkt bleiben oder sich anschließend über das ganze Gehirn ausbreiten. Ein Einsatz bei Epilepsien, die von Anfang eines Anfalls an das ganze Gehirn in Mitleidenschaft ziehen, wurde bisher nicht ausreichend überprüft und sollte daher unterbleiben.

Der Wirkstoff wird auschließlich zur Behandlung von Erwachsenen eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Eslicarbazepin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Eslicarbazepin

Bei der Nerventätigkeit wandert Kalium aus den Zellen aus und Natrium in die Zellen ein. Dadurch baut sich eine elektrische Spannung auf, die sich anschließend entlang der Nervenfaser entlädt. Dadurch werden Reize vom Körper zum Gehirn geleitet und Befehle vom Gehirn an Organe und Muskeln weitergegeben. Bei der Epilepsie kommt es im Gehirn zu ungeregelten elektrischen Entladungen, die sich in Muskelkrämpfen äußern.

Nachdem sich die Spannung der Nervenfaser entladen hat, kommt es zu einer Erholungsphase. In dieser Zeit kehren sich unter Energieverbrauch die Mineralkonzentrationen um: Natrium wird hinausgepumpt, während Kalium einströmt. So stehen die Stoffe für die nächste Erregungsweiterleitung zur Verfügung. Der Aus- und Einstrom der Mineralien erfolgt über spezielle "Löcher" in der Nerven- und Muskelzellwand, die sogenannten Kanäle.

Eslicarbazepin gehört zur Wirkstoffgruppe der Antiepileptika. Sein genauer Wirkmechanismus ist nicht bekannt. Allerdings zeigen Studien an Labormodellen, dass der Wirkstoff und seine Abbauprodukte an den Natriumkanälen der Gehirnnerven angreifen. Sie verhindern den Einstrom von Natrium-Molekülen in die Nervenbahn. Solchermaßen "stabilisiert" kann der Nerv nicht mehr in einen aktiven Zustand geraten - es finden keine elektrischen Entladungen statt, die die Ursache für die epileptischen Anfälle sind.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.