Desmopressin

Allgemeines

Der Wirkstoff Desmopressin ist erste Wahl bei der sogenannten Wasserharnruhr (Diabetes insipidus centralis). Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch einen Mangel an dem wasserzurückhaltenden Hormon ADH (Antidiuretisches Hormon) verursacht wird. Der Mangel zeigt sich durch einen fast unstillbaren Durst und ständigen Harndrang. Desmopressin wirkt beiden Beschwerden entgegen.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • übermäßigen Harndrang vermindern
  • überstarken Durst vermindern
  • häufiges Wasserlassen vermindern
  • Austrocknung durch hohen Wasserverlust bei Verletzungen und Operationen verhindern
  • Durchschlafen ohne Bettnässen fördern
  • Urinkonzentrationsfähigkeit der Niere testen
  • Blutungen stillen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Desmopressin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Desmopressin nicht verwendet werden?

Desmopressin darf nicht gegeben werden bei

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Patienten, die psychisch bedingt an gesteigertem Durst und vermehrter Flüssigkeitsaufnahme leiden, sollten Desmopressin nicht anwenden. Gleiches gilt für Alkoholiker mit wiederholt auftretendem krankhaft gesteigertem Durst und krankhaft vermehrter Flüssigkeitsaufnahme
  • Blutgerinnungsstörungen wie dem schweren klassischen von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (Typ IIb), Patienten mit 5% Faktor VIII-Aktivität oder bei Antikörpern gegen den Gerinnungs-Faktor VIII
  • Herzmuskelschwäche und anderen Erkrankungen, die eine Behandlung mit Entwässerungsmitteln erfordern
  • Blut-Natrium-Mangel
  • leichter oder schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 50 Milliliter/Minute)
  • erhöhter Ausschüttung von antidiuretischem Hormon (ADH).

Eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung ist unerlässlich bei

  • der Behandlung junger und älterer Patienten
  • Störungen des Flüssigkeits- und/oder Mineralhaushaltes
  • Risiko einer Druckerhöhung im Gehirn
  • der Bindegewebserkrankung zystische Fibrose
  • Neigung zu Blutgefäßverstopfungen
  • eingeschränkter Nierenfunktion.

Hinweis:
Die Behandlung des nächtlichen Bettnässens mit Desmopressin darf nur bei Patienten mit normalem Blutdruck durchgeführt werden. Es ist zu beachten, dass es bei der Verwendung von Nasensprays für diese Anwendung zu schwerem Blutnatriummangel kommen kann.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Ausscheidung des Wirkstoffs verzögert, daher sind geringere Dosen erforderlich.

Bei der Anwendung von Desmopressin als Nasenspray können Veränderungen oder Erkrankungen der Nasenschleimhaut zu einer veränderten Aufnahme von Desmopressin führen. In diesen Fällen sollte Desmopressin als Dosierspray nicht angewendet werden.

Grundsätzlich sollte die Flüssigkeitszufuhr während der Behandlung mit Desmopressin eingeschränkt werden.
 

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bezüglich der Anwendung von Desmopressin in der Schwangerschaft und Stillzeit über die Nase zeigen die bisherigen Untersuchungen keinen Hinweis auf nachteilige Wirkungen für Mutter und Kind. Bei einer Verschreibung von Desmopressin in Tablettenform für schwangere Frauen ist ärztliche Vorsicht angezeigt. Der Blutdrucks muss in solchen Fällen laufend kontrolliert werden. Der Einsatz von Desmopressin gegen den Mangel an Antidiuretischem Hormon (ADH) in der Schwangerschaft in Form von Injektionen ist unbedenklich, wenn eine ständige ärztliche Kontrolle erfolgt.

Die Anwendung des Wirkstoffs in der Stillzeit ist für das Kind unbedenklich.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

In den meisten Fällen kann Desmopressin bereits im Säuglingsalter angewendet werden, wenn es die Darreichungsform (Spritze, Spray) erlaubt.

Welche Nebenwirkungen kann Desmopressin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Desmopressin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Spray
Häufige Nebenwirkungen:
Nasenverstopfung, Nasenbluten, Schnupfen, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen:
Hirnschwellung, Natrium-Mangel-Krämpfe.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
allergische Reaktionen, Überempfindlichkeitsreaktionen (Juckreiz, Hautausschlag, Fieber, Bronchialkrämpfe, Schock), Blut-Natrium-Mangel.

Spritze
Häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen:
Hirnschwellung, Natrium-Mangel-Krämpfe.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
allergische Reaktionen, Überempfindlichkeitsreaktionen (Juckreiz, Hautausschlag, Fieber, Bronchialkrämpfe, Schock), Blut-Natrium-Mangel.

Tabletten
Häufige Nebenwirkungen:
Übelkeit, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen:
Hirnschwellung, Natrium-Mangel-Krämpfe.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
allergische Hautreaktionen, allgemeine allergische Reaktionen, Blut-Natrium-Mangel, seelische Störungen (hauptsächlich bei Kindern).

Besonderheiten:
Bei übermäßiger Flüssigkeitszufuhr sowie bei Anwendung von sehr hohen Dosierungen können insbesondere bei sehr jungen und bei älteren Patienten Gewichtszunahmen und Krämpfe auftreten.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Desmopressin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Stoffe, die Auschüttung an Antidiuretischem Hormon (ADH) steigern wie beispielsweise Antidepressiva (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Chlorpromazin), das Epilepsie-Mittel Carbamazepin sowie nicht-steroidale Antirheumatika (beispielsweise Indometacin) können den Effekt von Desmopressin verstärken. Damit steigt das Risiko einer Wasserspeicherung im Körper und eines Natrium-Mangels im Blut.

Die wasserzurückhaltende Wirkung von Desmopressin kann weiterhin durch den Blutfettwertsenker Clofibrat und das wehenfördernde Hormon Oxytocin verstärkt werden.

Eine begleitende Behandlung mit dem Durchfallstopper Loperamid kann zu einer dreifachen Erhöhung der Desmopressin-Konzentration im Blut führen. Dadurch kommt es auch zu einer vermehrten Wasserspeicherung und einem erhöhten Risiko eines Blut-Natrium-Mangels.

Das orale Antidiabetikum Glibenclamid und das Antidepressivum Lithium können die Wirkung von Desmopressin abschwächen.

Eine Diät mit fast einem Drittel Fettanteil verringert deutlich die Aufnahme von eingenommenem Wirkstoff in den Körper. Obwohl das nur für eine sehr gering dosierte Behandlung mit Desmopressin-Tabletten gilt, sollten die Tabletten in zeitlichem Abstand zu den Mahlzeiten eingenommen werden.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Flüssigkeitsaufnahme sollte während der Behandlung mit dem Medikament auf ein Minimum beschränkt werden.
  • Während der Therapie mit dem Medikament muss derArzt einem möglichen Blut-Natriummangel vorbeugen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Desmopressin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Desmopressin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Nasentropfen
Injektionslösung
Niwinas 360 Mikrogramm/ml Lösung zum Einnehmen
Lösung

 

So wirkt Desmopressin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Desmopressin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Hypothalamushormone, zu welcher der Wirkstoff Desmopressin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Desmopressin

Der Wirkstoff Desmopressin ist erste Wahl bei der sogenannten Wasserharnruhr (Diabetes insipidus centralis). Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch einen Mangel an dem wasserzurückhaltenden Hormon ADH (Antidiuretisches Hormon) verursacht wird. Der Mangel zeigt sich durch einen fast unstillbaren Durst und ständigen Harndrang. Desmopressin wirkt beiden Beschwerden entgegen.

Ferner wird nächtliches Durchschlafen ohne Wasserlassen durch Desmopressin wieder ermöglicht. Deshalb kann es auch gut zur Behandlung von Bettnässen (nächtliche Harninkontinenz) angewendet werden. Auch eine Austrocknung durch hohen Wasserverlust bei Verletzungen und Operationen kann mit diesem Wirkstoff verhindert werden.

Weiterhin kann Desmopressin eine angeborene Blutungsneigung (beispielsweise leichte Hämophilie A) behandeln, da es die Blutungszeit verkürzt.

Außerdem kann Desmopressin in der ärztlichen Diagnostik angewendet werden, wenn man testen will, wie gut die Niere in der Lage ist, Urin zu konzentrieren.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Desmopressin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Desmopressin

Desmopressin gehört zu den Hypothalamushormonen und ist dem körpereigenen Hormon Adiuretin (ADH, Antidiuretisches Hormon) nachgeahmt. Wie das natürliche Adiuretin fördert Desmopressin die Wasserdurchlässigkeit der Nierenkanälchenwände. In der Folge wird aus den Nierenkanälchen, in denen bereits eine Art Urinvorstufe fließt, vermehrt Wasser zurück in den Körper aufgenommen. Der Urin wird dadurch zum einen konzentriert und zum anderen deutlich in der Menge vermindert. Besteht ein Mangel an Adiuretin, leiden die Pateinten unter ständigem Harnfluss und unersträglichem Durst. Desmopressin sorgt für eine gerindere Ausscheidung an Urin. Das Wasserlass- und Trinkverhalten bei Patienten mit einem ADH-Mangel normalisiert sich.

Ferner fördert Desmopressin die Blutstillung im Körper. Der Wirkstoff setzt zwei körpereigene Substanzen vermehrt frei, die eine grundlegende Rolle bei der Blutgerinnung spielen. Es handelt sich um den so genannten Faktor VIII und den so genannten von-Willebrand-Faktor. Beide sind für die Blutgerinnung unverzichtbar. Stehen sie in höherer Konzentration zur Verfügung, verstärken sie die Blutgerinnung und (innere) Blutungen werden somit gestillt. Als unerwünschte Nebenwrikung kann es zu Verstopfungen der Blutgefäße kommen.

In hohen Dosen verengt Desmopressin die Blutgefäße und steigert dadurch den Blutdruck, was eine unerwünschte Nebenwirkung darstellt.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.