Captopril

Allgemeines

Captopril hat mehrere Einsatzgebiete. Es kann gegeben werden bei:
  • Bluthochdruck als Einzeltherapie oder in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln
  • Herzmuskelschwäche oft in Kombination mit Diuretika, bei schweren Formen der Herzmuskelschwäche auch in Kombination mit Herzglykosiden und Betablockern
Außerdem wird Captopril in den ersten 24 Stunden nach einem Herzinfarkt gegeben. Auch als Langzeitvorbeugung gegen einen Herzinfarkt bei Herzmuskelschwäche und als Schlaganfall-Vorbeugung bei einem durch Diabetes mellitus bedingten Bluthochdruck kann Captopril dienen. Diese Anwendungsgebiete sind allerdings noch nicht vollständig gesichert. Darum haben nicht alle Pharmafirmen ihre Captopril-Medikamente für diese Erkrankungen vorgesehen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Blutdruck bei Bluthochdruck senken
  • Herz bei Herzmuskelschwäche entlasten
  • Herzinfarkten bei Herzmuskelschwäche vorbeugen
  • durch Zuckerkrankheit bedingte Nierenerkrankungen behandeln

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Captopril im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Captopril nicht verwendet werden?

Captopril darf nicht gegeben werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen Captopril oder einen anderen ACE-Hemmer
  • angioneurotischem Ödem (Quincke-Ödem) mit Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge, Kehlkopf, Schleimhaut und Augen
  • Zuckerkranken oder Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, die den Blutdrucksenker Aliskiren erhalten
  • bei gleichzeitiger Anwendung von Poly(acrylnitril, natrium-2-methallylsulfonat)high-flux-Membranen (werden bei der Dialyse eingesetzt).
Nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung und unter regelmäßiger Kontrolle darf Captopril gegeben werden bei
  • erhöhtem Urineiweiß von über 1 Gramm pro Tag.
  • eingeschränkter Nierenfunktion
  • unbehandelbarer, schwerer Herzmuskelschwäche.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Einnahme von Captopril ist in Schwangerschaft und Stillzeit streng verboten.

Wenn eine Schwangerschaft geplant oder festgestellt wird, muss die Behandlung vom Arzt auf andere Wirkstoffe umgestellt werden.

Beim Ungeborenen könnte es durch die Einnahme von Captopril zu einer Verringerung der Nierenfunktion und zu verzögerter Bildung der Schädelknochen kommen. Eine Verminderung des Fruchtwassers kann auftreten. Bei Neugeborenen können durch den Wirkstoff Nierenversagen, niedriger Blutdruck und eine erhöhte Blutkaliumkonzentration verursacht werden. Hinsichtlich dieser Nebenwirkungen müssen alle Kinder, deren Mütter Captopril eingenommen haben, sorgfältig ärztlich überwacht werden. Ist eine Schwangere während oder nach dem zweiten Schwangerschaftsdrittel mit Captopril behandelt worden, sollte der Arzt beim Kind mittels Ultraschall die Nierenfunktion und den Schädel untersuchen.

Captopril geht in die Muttermilch über. Hält der Arzt eine Behandlung mit Captopril während der Stillzeit für unumgänglich, muss abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Captopril ist auch für die Behandlung von Kindern geeignet. Die Dosis wird dabei vom Arzt in Abhängigkeit vom Ansprechen des Kindes auf die Therapie angepasst.

Welche Nebenwirkungen kann Captopril haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Captopril. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Schwindel, Schwächegefühl, Sehstörungen (selten mit Bewusstseinsverlust ohne erkennbare Ursache), Nierenfunktionsstörungen (selten bis zum Nierenversagen), trockener Reizhusten, Bronchitis, Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Verminderung der Konzentration des roten Blutfarbstoffs.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Übermäßige Blutdrucksenkung, Mangel an Blutzellen (verminderter Hämatokrit), Verminderung der weißen Blutkörperchen, Verminderung der Blutplättchen, Reizleitungsstörungen am Herzen (AV-Block II. und III. Grades), Eiweißausscheidung im Urin (teilweise mit verschlechterter Nierenfunktion), Atemnot, Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Seltene Nebenwirkungen:
Bewusstseinsverlust, Ohnmacht ohne erkennbare Ursache, verschlechterte Nierenfunktion, Nasenschleimhautentzündung, Benommenheit, Depressionen, Schlafstörungen, Impotenz, nervliche Missempfindungen, Gleichgewichtsstörungen, Verwirrtheit, Ohrensausen, Sehstörungen, Geschmacksveränderungen, vorübergehender Geschmacksverlust, Blutarmut, verminderte Blutplättchenzahl, verminderte Zahl der neutrophilen und eosinophilen Granulozyten (spezielle Zellen der Körperabwehr), erhöhter Blutharnstoffwert, Anstieg des Blutkreatinin- und/oder Blutkaliumwerts, verminderter Blutnatriumwert, herzbedingte Schockzustände, verstärkte Blasenbildung, beginnende Gelbsucht (Gallenstau) bis Absterben von Leberzellen mit eventuell tödlichem Ausgang (unklarer Zusammenhang zur Einnahme von Captopril), Nesselsucht, Hautausschlag mit schwerer Störung des Allgemeinbefindens.

Sehr seltene Nebenwirkungen und Einzelfälle:
Herzrasen, Herzstolpern, Brustschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Angina Pectoris, Herzinfarkt, spürbare Herztätigkeit, Vorstufen eines Schlaganfalls, Schlaganfall, akutes Nierenversagen, Krampf der Atemwegsmuskulatur, allergisch bedingte Lungenerkrankung und Lungenentzündung, Zungenentzündung, Mundtrockenheit, Leberentzündung, Leberfunktionsstörungen, bläschenartige Hautveränderungen, Hautreaktionen wie Rötung, Schwellung, Juckreiz; Lichtsensibilität, Haarausfall, durch Gefäßkrämpfe bedingte anfallsweise Minderversorgung der Finger (Raynaud-Symptomatik), erhöhte Blut-Bilirubinkonzentration, Anstieg des Leberenzymwerts, Leberfunktionsstörungen, Leberentzündung, verminderte Zahl aller Granulozyten (spezielle Zellen der Körperabwehr), Blutkaliumwertanstieg bei Zuckerkrankheit, Brustvergrößerung, Zerstörung der roten Blutkörperchen mit Blutarmut, erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, Auflösung/Zerfall der roten Blutkörperchen, vermehrtes Schwitzen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Captopril?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Folgende Wechselwirkungen mit Captopril hinsichtlich seiner Wirkung und Nebenwirkungen können auftreten:
  • Nicht-opioide Schmerzmittel, Sympathomimetika und nicht-steroidale Antirheumatika vermindern die Blutdrucksenkung.
  • Trizyklische Antidepressiva, Narkosemittel, Diuretika und Mittel gegen hohen Blutdruck verstärken die Blutdrucksenkung.
  • Immunsuppressiva erhöhen das Risiko für das Auftreten von Blutbildveränderungen. Allopurinol (Mittel gegen Gicht-Anfälle), Zytostatika und Procainamid (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen) verstärken mögliche Blutbildveränderungen.
  • Kalium und kaliumsparende Entwässerungsmittel (wie Spironolacton, Amilorid, Triamteren) sowie Kaliumüberschuss verursachende Arzneimittel (zum Beispiel Heparin) erhöhen den Kaliumspiegel. Dadurch kann sich die Wirkung von Herzglykosiden abschwächen.
  • Polyacrylnitril-methallylsulfonat-high-flux- Membranen (eingesetzt bei der Blutwäsche), Dextransulfat (eingesetzt bei der Blutwäsche bei stark erhöhten Blutfetten) und Insektengifte im Rahmen einer Desensibilisierungs-Therapie erhöhen das Risiko für das Auftreten von allergischen Reaktionen bis zum Schock.
  • Die Kombination mit Blutdrucksenkern wie AT1-Rezeptor-Antagonisten oder Aliskiren wird nicht empfohlen, da das Risiko für Nebenwirkungen wie Kaliummangel, Blutdruckabfall und Abnahme der Nierenfunktion erhöht ist. Dies gilt besonders bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung aufgrund von Zuckerkrankheit.
  • Orale Antidiabetika und Insuline verstärken eine mögliche Blutzuckersenkung.
Captopril verändert aber auch die Effekte anderer Wirkstoffe:
  • Eine Kombination mit Lithium (Mittel bei manischer Depression) ist nicht zu empfehlen, da die Ausscheidung von Lithium verzögert und damit seine Giftigkeit gesteigert wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Therapie darf ohne ärztlichen Rat nicht unterbrochen oder abgebrochen werden.
  • Während der Therapie dürfen körperliche Aktivitäten nicht plötzlich gesteigert werden.
  • Der Wirkstoff kann in der Schwangerschaft Missbildungen verursachen. Eine Schwangerschaft ist daher zuverlässig zu verhüten.
  • Alle wichtigen Laborwerte (Harnstoff, Kreatinin, Kalium, Natrium, Urineiweiß, Bilirubin, Leberenzyme) müssen regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden.
  • Vor Therapiebeginn sollte ein Wasser- oder Salzmangel ausgeglichen werden, während der Therapie muss der Patient genug trinken.
  • Bei Auftreten einer Gelbsucht (Ikterus) muss der Arzt verständigt und gegebenenfalls die Therapie abgebrochen werden.
  • Bei Auftreten eines angioneurotischen Ödems (Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge, Kehlkopf, Schleimhaut, Augen) muss die Therapie abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.
  • Sollten Symptome wie Fieber, Lymphknotenschwellungen und/oder Halsentzündung auftreten, muss der Arzt umgehend das weiße Blutbild untersuchen.
  • Das Reaktionsvermögen kann durch starken Blutdruckabfall so beeinträchtigt werden, dass Autofahren oder das Führen von Maschinen gefährlich sind.
  • Arbeiten ohne sicheren Halt sind während der Behandlung mit dem Medikament gefährlich.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Captopril?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Captopril enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Captopril

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Captopril. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen ACE-Hemmer, Blutdrucksenker, zu welcher der Wirkstoff Captopril gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Captopril

Captopril hat mehrere Einsatzgebiete. Es kann gegeben werden bei:
  • Bluthochdruck als Einzeltherapie oder in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Mitteln
  • Herzmuskelschwäche oft in Kombination mit Diuretika, bei schweren Formen der Herzmuskelschwäche auch in Kombination mit Herzglykosiden und Betablockern
Außerdem wird Captopril in den ersten 24 Stunden nach einem Herzinfarkt gegeben. Auch als Langzeitvorbeugung gegen einen Herzinfarkt bei Herzmuskelschwäche und als Schlaganfall-Vorbeugung bei einem durch Diabetes mellitus bedingten Bluthochdruck kann Captopril dienen. Diese Anwendungsgebiete sind allerdings noch nicht vollständig gesichert. Darum haben nicht alle Pharmafirmen ihre Captopril-Medikamente für diese Erkrankungen vorgesehen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Captopril sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Captopril

Captopril gehört zur Gruppe der ACE-Hemmer. Die Blutdrucksenkung der ACE-Hemmer erfolgt auf drei Wegen:
  • Durch die Blockade des Enzyms ACE (englisch: Angiotensin-Converting-Enzyme) wird in der Niere die Bildung des Hormons Angiotensin II verhindert. Angiotensin II bewirkt an den Blutgefäßen eine starke Zusammenziehung und so eine Blutdrucksteigerung. Wird ACE durch die ACE-Hemmer blockiert, kann praktisch kein Angiotensin II mehr gebildet werden. Die Blutgefäße entspannen sich und der Blutdruck sinkt.
  • Durch Förderung der Nierenfunktion werden verstärkt Kochsalz und Wasser ausgeschieden. Das verkleinert das Blutvolumen und senkt den Druck in den Gefäßen.
  • Durch direkte Erweiterung der Blutgefäße, indem der Abbau des gefäßweitstellenden körpereigenen Stoffes Bradykinin behindert wird. Dadurch kann Bradykinin länger wirken, die Gefäße bleiben dauerhafter erweitert.
Captopril muss im Gegensatz zu den anderen ACE-Hemmern nicht erst im Körper aktiviert werden. Captopril ist also kein Prodrug, sondern wird direkt als aktive Form gegeben. Dadurch tritt die Wirkung wesentlich schneller ein und dauert kürzer an. Sie setzt schon nach etwa 15 bis 30 Minuten ein und hält acht bis zwölf Stunden an.

Captopril führt bei Patienten mit Bluthochdruck zu einer Blutdrucksenkung im Liegen und im Stehen. Ohne dass die Schlagzahl des Herzens ansteigt, wird seine Arbeit durch Captopril verstärkt und verbessert, das Herzminutenvolumen nimmt zu.

Aus dem Körper wird Captopril überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Der Arzt muss bei Patienten mit starken Nierenfunktionsstörungen und mangelhafter Urinproduktion eine schwächere Dosierung wählen, weil der Wirkstoff bei ihnen stärker und länger wirkt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.