Das Bild zeigt eine Frau, die ihre Hände auf den Bauch gelegt hat.
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Morbus Crohn

Morbus Crohn kann lebenslang immer wieder zu Durchfall und anderen Beschwerden führen. Eine vollständige Heilung ist bisher zwar nicht möglich, mit der richtigen Behandlung sind die meisten Betroffenen jedoch beschwerdefrei.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Verdauungstrakts, die meist schubweise verläuft und nicht ansteckend ist. Mediziner fassen die Erkrankung mit anderen wiederkehrenden und teils anhaltenden Darmentzündungen unter dem Begriff chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Die Bezeichnung Morbus Crohn geht auf den amerikanischen Arzt Burrill Bernhard Crohn zurück, der die Krankheit (lat.: morbus) beschrieben hat. Der Name hat demnach nichts mit dem Begriff "chronisch" zu tun.

Andere Namen für Morbus Crohn lauten:

  • Crohn-Krankheit
  • Enteritis regionalis Crohn
  • Enterocolitis regionalis
  • Enteritis terminalis
  • Ileitis terminalis
  • narbenbildende Enteritis

Morbus Crohn: Symptome

Bei Morbus Crohn können viele verschiedene Symptome auftreten, wie:

Damit verursacht Morbus Crohn ähnliche Symptome wie eine andere chronisch-entzündliche Darmerkrankung: die Colitis ulcerosa.

Magen-Darm-Symptome

Die bei Morbus Crohn häufigsten Symptome sind:

  • Durchfall und
  • Bauchschmerzen.

Die meisten Menschen mit Morbus Crohn haben immer wieder flüssigen bis wässrigen Stuhl. Manchmal ist dem Stuhl Blut oder Schleim beigemengt. Die Bauchschmerzen treten begleitend beim Durchfall auf – meist handelt es sich um krampfartige Schmerzen im rechten Unterbauch. Die Schmerzen können aber auch in anderen Bauchabschnitten auftreten.

Die für Morbus Crohn typischen Magen-Darm-Symptome können sich verstärken, wenn gleichzeitig eine Allergie oder eine nicht-allergische Unverträglichkeit (Intoleranz) gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln besteht. Beides kommt bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen häufiger vor als bei Darmgesunden.

Die Durchfälle bei Morbus Crohn sorgen für weitere Symptome: Durch den Durchfall verliert der Körper viel Eiweiß und durch den damit einhergehenden Energieverlust auch Gewicht. Die Betroffenen fühlen sich müde, abgeschlagen und haben keinen Appetit. Oft verspüren sie ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Weitere Symptome

Nicht selten treten bei Morbus Crohn zusätzlich Symptome außerhalb des Darms auf: Etwa 35 Prozent der Betroffenen entwickeln je nach Krankheitsaktivität solche extraintestinalen Manifestationen. Die häufigste ist die Blutarmut (Anämie), die oft durch Eisenmangel oder Vitamin-B12-Mangel entsteht. Weitere mögliche Folgen von Morbus Crohn sind:

  • Gelenkbeschwerden
  • Nierensteine
  • Entzündungen der Augen, wobei sich meist die Lederhaut des Auges oberflächlich entzündet (Episkleritis) oder die mittlere Augenhaut im vorderen Bereich entzündet (Uveitis anterior)
  • Hautsymptome, vor allem schmerzhafte rote Knoten unter der Haut (Erythema nodosum) oder schwere Hautreaktionen namens Pyoderma gangraenosum
  • Beteiligung der Leber, v.a als primär sklerosierende Cholangitis – alleine oder zusammen mit einer Autoimmunhepatitis (Overlap-Syndrom)
  • bei Erwachsenen: verminderte Knochendichte (Osteopenie) und Knochenschwund (Osteoporose)

Zudem können sich bei Morbus Crohn psychische Symptome (z.B. Depressionen) entwickeln. Denn vor allem bei hoher Krankheitsaktivität bedeutet die Erkrankung oft eine große seelische Belastung.

Befallsmuster

Zwar verursacht Morbus Crohn ähnliche Symptome wie die chronische Darmentzündung namens Colitis ulcerosa. Im Befallsmuster gibt es jedoch Unterschiede: Während die Colitis ulcerosa meist auf den Dickdarm beschränkt bleibt, können bei Morbus Crohn alle Abschnitte des Magen-Darm-Trakts entzündet sein – einschließlich der Speiseröhre.

Am häufigsten sind bei Morbus Crohn der untere Dünndarmabschnitt (terminales Ileum) vor der Einmündung in den Dickdarm und der obere Dickdarmabschnitt (proximales Kolon) betroffen.

Morbus Crohn kann gleichzeitig mehrere Darmabschnitte befallen, die durch gesunde Abschnitte voneinander getrennt sind. Mediziner sprechen bei einem solchen Befallsmuster von einem segmentalen, diskontinuierlichen Befall.

Morbus Crohn: Ursachen

Die Ursachen von Morbus Crohn sind nach wie vor unbekannt. Dasselbe gilt für die chronische Darmentzündung namens Colitis ulcerosa. In beiden Fällen wirken wahrscheinlich mehrere Faktoren gleichzeitig als Auslöser für die chronisch entzündliche Darmerkrankung.

Fest steht jedoch, dass Morbus Crohn nicht ansteckend ist.

Ein Faktor, der bei der Entstehung von Morbus Crohn eine wichtige Rolle spielt, ist erbliche Veranlagung. Denn zum einen tritt die Darmentzündung in manchen Familien gehäuft auf. Zum anderen weisen viele Menschen mit Morbus Crohn bestimmte Veränderungen an der Erbanlage auf: etwa Mutationen am Gen namens NOD2/CARD15, das auf Chromosom 16 des menschlichen Erbguts liegt.

Daneben sind weitere Gene bekannt, die mit einem erhöhten Risiko für Morbus Crohn verbunden sind. All diese Risikogene beeinflussen das Zusammenspiel von Darmflora und Darm. Darum gilt die Darmflora als einer der Hauptauslöser der chronischen Darmentzündung.

Mitverantwortlich ist dabei eine gestörte Barrierefunktion der Darmschleimhaut. Normalerweise verhindert die Darmbarriere, dass Bakterien aus dem Darm in die Darmwand eindringen. Können die Darmbakterien diese Barriere überwinden, lösen sie in der Darmwand eine starke Immunreaktion aus. Denn der Körper nimmt die eingedrungenen Bakterien als Krankheitserreger wahr, auch wenn sie nicht krank machend sind. Um diese abzuwehren, aktiviert der Körper verschiedene Entzündungszellen. Dadurch entsteht die für Morbus Crohn typische Darmentzündung.

Neben erblichen Faktoren können womöglich folgende Einflüsse einen Morbus Crohn (mit)verursachen:

Lange Zeit vermutete man hinter Morbus Crohn auch psychische Ursachen. Dies gilt aber nach heutigem Wissensstand als ausgeschlossen. Anerkannt ist hingegen, dass seelische Faktoren die chronische Darmerkrankung in ihrem Verlauf beeinflussen können: So können seelische Belastungen – wie Konfliktsituationen oder Stress – vorzeitig neue Morbus-Crohn-Schübe auslösen oder einen bestehenden Schub verstärken.

Häufigkeit

Jedes Jahr stellen Ärzte in Deutschland bei etwa 6 von 100.000 Einwohnern Morbus Crohn fest. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen.

Morbus Crohn kommt in jedem Alter vor, auch bei Kindern. Doch am häufigsten beginnt die chronisch entzündliche Darmerkrankung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr.

Morbus Crohn: Diagnose

Bei Morbus Crohn sind in der Regel verschiedene Untersuchungen zur Diagnose nötig. Am Anfang steht die Anamnese. Dabei erkundigt sich der Arzt nach den bisherigen Beschwerden. Darauf folgt eine körperliche Untersuchung. Liegt wirklich ein Morbus Crohn vor, kann der Arzt hier möglicherweise bereits vorhandene Komplikationen aufdecken, wie:

  • Verwachsungen von Organen oder Organteilen sowie
  • Fistelbildungen (Fisteln sind schlauchartige Fehlverbindungen, die sich zwischen einem Hohlorgan und der Körperoberfläche oder zwischen zwei Hohlorganen bilden können).

Um Morbus Crohn diagnostizieren und andere entzündliche Darmerkrankungen ausschließen zu können, sind bildgebende und laborchemische Untersuchungen hilfreich. Zur Diagnostik gehören:

Wenn der Arzt bei der Darmspiegelung im Dickdarm Anzeichen für Morbus Crohn feststellt, ist es ratsam, auch den Dünndarm und den restlichen Verdauungstrakt zu untersuchen.

Bei einer reinen Dickdarmentzündung lassen sich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa trotz umfangreicher Diagnostik nicht immer voneinander abgrenzen. Dann zeigt sich erst im weiteren Krankheitsverlauf, um welche chronisch entzündliche Darmerkrankung es sich handelt.

Morbus Crohn: Therapie

Grundsätzlich zielt die gegen Morbus Crohn eingesetzte Therapie darauf ab,

  • die Symptome zu verringern,
  • die Zeitabstände zwischen den Krankheitsschüben zu verlängern,
  • Komplikationen zu vermeiden und
  • operative Eingriffe so lange wie möglich hinauszuschieben.

In jedem Fall sind Medikamente bei Morbus Crohn ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Es stehen verschiedene Mittel zur Verfügung – welche in welcher Form am besten geeignet sind, hängt in hohem Maße davon ab,

  • ob gerade ein akuter Morbus-Crohn-Schub vorliegt oder nicht und
  • wie schwer der Schub ist (d.h., ob die Entzündungsaktivität leicht, mäßig oder hoch ist).

In erster Linie soll die medikamentöse Therapie von Morbus Crohn

  • den typischen Durchfall hemmen,
  • die Entzündung bekämpfen und
  • das Immunsystem, das die Entzündung aufrechterhält, unterdrücken.

Morbus Crohn kann seelisch stark belasten. Darum kann begleitend eine psychosomatische Betreuung sinnvoll sein – vor allem, wenn

  • die Lebensqualität durch die chronische Entzündung des Magen-Darm-Trakts beeinträchtigt ist,
  • sich die Krankheit schlecht bewältigen lässt oder
  • zusätzlich psychische Probleme (z.B. Depression oder Angststörung) auftreten.

Je nachdem, welche Beschwerden Morbus Crohn außerhalb des Darms verursacht, sind manchmal zusätzliche Maßnahmen nötig: Wenn die Darmentzündung beispielsweise zu Eisenmangel und somit zu Blutarmut führt, lässt sich dies durch Eisenpräparate behandeln.

Darüber hinaus macht Morbus Crohn im Lauf der Zeit oft eine operative Therapie notwendig.

Ist Morbus Crohn heilbar?

Die meisten Menschen mit Morbus Crohn sind durch die Therapie beschwerdefrei. Vollständig heilbar ist die chronisch entzündliche Erkrankung bisher allerdings nicht.

Medikamente

Gegen einen akuten Morbus-Crohn-Schub kommen entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Es stehen verschiedene Entzündungshemmer zur Verfügung.

  • Kortikosteroide: Während der entzündlichen Krankheitsschübe verschreiben Ärzte oft entzündungshemmende Kortison-Präparate. Als Dauertherapie eignen sie sich aber nicht.
  • Aminosalicylate: Vor allem bei einer Dickdarmentzündung ist zur Behandlung Sulfasalazin oder Mesalazin geeignet – in Form von Tabletten, Zäpfchen oder Einläufen (Klistieren).
  • Mittel zur Hemmung des Zellwachstums (Zytostatika): In manchen Fällen empfiehlt sich auch der Wirkstoff Methotrexat, der das Zellwachstum hemmt.
  • Wirkstoffe, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva): Geht Morbus Crohn mit einer hohen Entzündungsaktivität einher, bieten sich etwa Azathioprin oder 6-Mercaptopurin (6-MP) an. Vor dieser Behandlung ist jedoch das Risiko für Infektionskrankheiten individuell abzuschätzen.
  • Antibiotika: Bei Fistelbildungen und Eitereinschlüssen kann kurzfristig ein Antibiotikum (wie Metronidazol) helfen.
  • Antikörper: Sie können in schweren Fällen weiterhelfen, wenn Azathioprin und Kortikosteroide bei Morbus Crohn nicht ausreichend wirken. Die Mittel zählen zu den Biologika. Das heißt, ihr Aufbau ähnelt körpereigenen Antikörpern, die entzündungshemmend wirken.
    • Infliximab (wird über die Vene verabreicht) und Adalimumab (wird unter die Haut gespritzt) sind TNF-alpha-Antikörper. Das heißt, sie blockieren den Botenstoff Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha), der an Entzündungsreaktionen beteiligt ist.
    • Als Alternative stehen Ustekinumab (ein Antikörper gegen die Entzündungsbotenstoffe Interleukin 12 und 23) und Vedolizumab (ein Antikörper gegen bestimmte Integrine) zur Verfügung.

Auch wenn die akuten Beschwerden nachgelassen haben, ist bei Morbus Crohn eine Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten sinnvoll: Die Einnahme bestimmter Entzündungshemmer über einen längeren Zeitraum empfiehlt sich, um weitere Krankheitsschübe zu verhindern beziehungsweise den nächsten Schub hinauszuzögern. Besonders wirksam sind hierbei Azathioprin oder 6-Mercaptopurin. Ratsam ist eine mehrjährige Behandlung (mindestens 4 bis 5 Jahre).

Operation

Wenn andere Maßnahmen bei Morbus Crohn nicht zur Therapie ausreichen, ist manchmal eine Operation notwendig. Dies gilt vor allem für Kinder und Jugendliche, deren Wachstum oder Pubertät infolge der chronisch entzündlichen Darmerkrankung verzögert ist.

Die erste Operation findet bei Morbus Crohn meist rund zehn Jahre nach Beginn der Erkrankung statt. Die häufigsten Gründe hierfür sind Komplikationen. Unbedingt notwendig ist eine Operation bei:

  • einem Darmverschluss (Ileus),
  • einem Darmdurchbruch (Perforation) oder
  • schweren Blutungen.

Die Operation bleibt in der Regel auf den betroffenen Darmabschnitt beschränkt. Auch wenn eine Entzündung im restlichen Darm besteht, rührt der Operateur diesen nicht an, solange die Darmentzündung keine Beschwerden verursacht, denn: Bei Morbus Crohn hat sich eine Operation, bei der man große Darmabschnitte entfernt, als eher unnötig und nachteilig herausgestellt.

Wegen möglicher Komplikationen ist es bei Morbus Crohn in folgenden Fällen ratsam, eine Operation so lange wie möglich aufzuschieben:

  • bei Abszessen,
  • bei Fisteln (schlauchartigen Fehlverbindungen zwischen Organen oder Organen und der Körperoberfläche) oder
  • bei Konglomerattumoren (Verwachsungen von Organen oder Organteilen).

Morbus Crohn: Ernährung

Bei Morbus Crohn spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle. Ein Grund ist das erhöhte Risiko einer Mangelernährung: Diese kann den Krankheitsverlauf und somit die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung verschlechtern.

Darum ist bei Mangelernährung infolge von Morbus Crohn eine Ernährungstherapie durch einen ernährungsmedizinisch geschulten Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft empfehlenswert. Wenn nur vereinzelte Nährstoffe (z.B. bestimmte Vitamine) fehlen, lässt sich der Mangel durch entsprechende Ergänzungsmittel beheben.

Zudem kann eine falsche Ernährung bei Morbus Crohn (mit)verantwortlich sein für die typischen Magen-Darm-Beschwerden: Viele Menschen mit chronisch entzündlichen Darmkrankheiten haben eine Nahrungsmittelallergie oder eine nicht-allergische Unverträglichkeit (Intoleranz) gegenüber bestimmten Lebensmitteln. Es ist wichtig, solche Unverträglichkeiten zu beachten, um die Beschwerden bei Morbus Crohn erfolgreich behandeln zu können.

Eine spezielle Diät für chronisch entzündliche Darmerkrankungen gibt es allerdings nicht. Doch Sie können bei Morbus Crohn durch die Ernährung sowohl den Krankheitsverlauf als auch Ihren Gesundheitszustand verbessern. Wahrscheinlich haben Sie schon selbst herausgefunden, welche Nahrungsmittel Sie gut vertragen und welche Ihnen nicht bekommen.

Während eines akuten Morbus-Crohn-Schubs kann eine künstliche Ernährung über eine Magen-, Dünndarm- oder Zwölffingerdarmsonde helfen – in Ausnahmefällen auch über einen Venenkatheter. Bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn ist die auschließliche künstliche Ernährung über eine Sonde sogar die 1. Wahl zur Therapie eines akuten Schubs.

Sobald der Morbus-Crohn-Schub abklingt, können Sie Ihren Magen-Darm-Trakt allmählich wieder an eine normale Ernährung gewöhnen. Hierbei ist ein langsamer Kostaufbau empfehlenswert:

  • Greifen Sie anfangs auf leicht verdauliche Nahrungsmittel zurück, wie etwa kohlenhydrathaltige Kost. Nachdem Sie die Menge langsam gesteigert haben, kommen eiweiß- und später fetthaltige Lebensmittel hinzu.
  • Wenn Sie diese Kostform gut vertragen, können Sie zu leichter Vollkost übergehen. Zu den wichtigsten Bestandteilen der leichten Vollkost gehören:
    • Milchprodukte, die von Natur aus wenig Fett enthalten
    • mageres Fleisch
    • feine Vollkornbrote
    • Kartoffeln
    • Reis
    • Nudeln
    • Gries
    • Püree
    • gut verträgliche Gemüsesorten wie Karotten, Fenchel, Tomaten oder grüne Erbsen

Auch auf frisches Obst und grüne Salate müssen Sie wegen Morbus Crohn nicht verzichten: Beides ist für die meisten Betroffenen gut verträglich. Die leichte Vollkost versorgt den Körper in der Regel ausreichend mit allen lebensnotwendigen Stoffen. Viele Menschen mit Morbus Crohn wählen diese Kostform, weil sie die Verdauungsorgane und das gesamte Stoffwechselsystem entlastet.

Auf Fertigprodukte sollten Sie wegen der Zusatzstoffe vollständig verzichten. Auch zuckerhaltige Produkte sind bei Morbus Crohn für die Ernährung weitestgehend ungeeignet. Wenn Sie bereits ausgedehnte Darmverengungen (Stenosen) haben, ist es zudem ratsam, ballaststoffreiche Lebensmittel von Ihrem Speiseplan zu streichen.

Allgemein gilt bei Morbus Crohn: Die Ernährung und Ihre Verträglichkeit muss immer individuell ausgetestet werden.

Morbus Crohn: Verlauf

Morbus Crohn ist eine chronische Erkrankung, in deren Verlauf die Krankheitsaktivität meist schubweise zu- und wieder abnimmt. Häufig sind mehrfache operative Eingriffe notwendig. Wem es jedoch gelingt, Stress und eventuelle depressive Symptome zu bewältigen, der kann auch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.

Bei geeigneter Behandlung stehen die Chancen gut, trotz Morbus Crohn beschwerdefrei zu leben. Am chronischen Verlauf der Erkrankung ändert dies aber nichts: Eine vollständige Heilung ist nicht möglich.

Prognose

Da Morbus Crohn individuell unterschiedlich verläuft, ist eine allgemeine Prognose schwer. Fest steht, dass die Darmentzündung die Lebenserwartung kaum einschränkt. Die meisten Betroffenen können trotz der Erkrankung ein weitgehend normales Leben führen und bleiben auch arbeitsfähig.

Zudem können Frauen mit Morbus Crohn damit rechnen, dass die Darmerkrankung während einer Schwangerschaft sehr ruhig und ohne Komplikationen verläuft.

Allerdings treten bei Menschen mit Morbus Crohn der insgesamt sehr seltene Dünndarmkrebs sowie Dickdarmkrebs häufiger auf als bei Menschen ohne die chronisch entzündliche Darmerkrankung.

Komplikationen

Bei Morbus Crohn kann es im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen kommen. In erster Linie betreffen sie den Darm. Beispiele sind:

  • Fisteln: Diese schlauchartigen Fehlverbindungen heilen schlecht und können immer wieder auftreten. Zeichen für eine Fistelbildung bei Morbus Crohn sind zum Beispiel verschmutzte Unterwäsche, Stuhl im Urin, bei Frauen auch Stuhlabgang über die Scheide. Fisteln sind meist relativ schmerzlos.
  • Abszesse: Ein Abszess ist eine Eiteransammlung in einer nicht vorgebildeten Gewebshöhle. Abszesse bilden sich bei Morbus Crohn vor allem im Analbereich und sind äußerst schmerzhaft.
  • Darmverschluss (Ileus): Diese Komplikation kann zwei Ursachen haben: entweder Narben oder entzündliche Schwellungen infolge von Morbus Crohn. Im letzteren Fall kann sich der Verschluss zurückbilden, wenn es möglich ist, über eine Magensonde den gestauten Darminhalt abzusaugen. Eine Operation ist dann nicht mehr notwendig.
  • Konglomerattumor: Wenn entzündete Darmschlingen miteinander verkleben, entsteht der Eindruck einer Geschwulstbildung, die man als Konglomerattumor bezeichnet. Dieser ist als eine Art Walze von außen durch die Bauchdecke tastbar und kann bereits bei der körperlichen Untersuchung auffallen. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine bösartige Neubildung.
  • Darmdurchbruch (Perforation): Diese Komplikation von Morbus Crohn ist ein akuter Notfall und erfordert eine sofortige Operation.
  • Schwere Darmblutungen: Die Blutverluste bei Darmblutungen lassen sich in der Regel durch eine endoskopische Blutstillung (z.B. bei einer Darmspiegelung) stoppen und/oder durch Bluttransfusionen ausgleichen. In seltenen Fällen ist eine Operation notwendig.

Morbus Crohn kann auch zu Komplikationen außerhalb des Darms führen – dies geschieht aber seltener. Zu den Stellen außerhalb des Darms, auf die sich die chronisch entzündliche Darmerkrankung auswirken kann, gehören:

  • Niere: Oft bilden sich beim Morbus Crohn Nierensteine.
  • Gelenke: Viele Menschen mit Morbus Crohn entwickeln Gelenkentzündungen mit typischen Gelenkschmerzen.
  • Auge: In manchen Fällen wirkt sich Morbus Crohn auf die Augen aus, meistens in Form einer oberflächlichen Entzündung der Lederhaut (Episkleritis) oder einer Entzündung der mittleren Augenhaut (Uveitis).
  • Leber: Eine Beteiligung der Leber zeigt sich vor allem als dauerhafte Entzündung der Gallenwege (primär sklerosierende Cholangitis, PSC) oder als Overlap-Syndrom. Bei Letzterem liegt dem neben der PSC noch eine Autoimmunhepatitis vor, also eine durch Autoimmunreaktionen verursachte Leberentzündung.
  • Haut: Hautveränderungen kommen bei Morbus Crohn vor allem in Form von schmerzhaften, rötlich-blauen Hautknötchen vor, die oft an den Unterschenkeln auftreten (Erythema nodosum).
  • Knochen: Erwachsene mit Morbus Crohn haben gehäuft eine verminderte Knochendichte (Osteopenie) und Osteoporose.

Die Behandlung von Morbus Crohn kann ebenfalls verschiedene Komplikationen mit sich bringen. So können als Nebenwirkung vieler Medikamente ein Hautausschlag (Exanthem), eine entzündliche Veränderung (Ekzem) oder andere Hautsymptome bis hin zu Hautkrebs auftreten (darum an Sonnenschutz denken und regelmäßig zum Hautkrebs-Screening gehen):

  • Die Behandlung mit TNF-alpha-Antikörpern bedeutet ein erhöhtes Risiko für Melanome (schwarzer Hautkrebs),
  • während bei einer Behandlung mit Azathioprin und 6-Mercaptopurin ein erhöhtes Riskiko für Nicht-Melanom-Hautkrebs (weißer Hautkrebs) besteht.

Zudem schwächt die übliche medikamentöse Behandlung von Morbus Crohn (mit Kortisonpräparaten, Chemotherapeutika oder Antikörpern) die körpereigene Abwehr, sodass das Risiko für Infektionskrankheiten steigt. Die Betroffenen sind also beispielsweise anfälliger für

Morbus Crohn: Vorbeugen

Einem Morbus Crohn können Sie kaum vorbeugen, da die tatsächlichen Ursachen der Darmerkrankung bisher nicht geklärt sind.

Allerdings scheint Stillen eine Möglichkeit zu sein, das Risiko für die Entstehung von Morbus Crohn zu verringern: Menschen, die als Baby Muttermilch bekommen haben, entwickeln deutlich seltener einen Morbus Crohn als solche, bei denen nur Flaschennahrung zum Einsatz kam.

Zudem können Sie das Risiko der Erkrankung und – bei bestehendem Morbus Crohn – eines wiederkehrenden Schubs senken, indem Sie aufs Rauchen verzichten. Der Verzicht auf Nikotin wirkt sich auch positiv auf Ihren allgemeinen Gesundheits­zustand aus.