Das Bild zeigt eine Blutwurz.
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Blutwurz

"Ess Durmentill (Tormentill) und Bibernell, dann stirbst nüt so schnell!" – im Mittelalter nutzten viele Menschen die Blutwurz als Heilpflanze. Tormentill, so die Bezeichnung für die Wurzel der Blutwurz, sollte angeblich vor der Pest schützen. Ferner diente die Blutwurz der Blutstillung und zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen.

Der Wurzelstock hat es in sich

Heutzutage ist die Blutwurz vor allem in Süddeutschland bekannt – und zwar als hochprozentiger Kräuterlikör. Die Wurzel der Blutwurz wird von einigen Menschen auch heute noch als Heilpflanze genutzt. Dann meist in Form von Tee oder als Tinktur.

Den unter der Erde wachsenden Teil (Rhizom) der Blutwurz bezeichnet man als Tormentillwurzelstock. Sobald man den Wurzelstock der Blutwurz aufschneidet, tritt ein pinkroter Saft heraus – daher der Name Blutwurz.

Der Wurzelstock der Blutwurz ist besonders reich an Gerbstoffen – genauer gesagt enthält der Tormentillwurzelstock etwa

  • 15 bis 20 Prozent Catechin-Gerbstoffe und
  • 3,5 Prozent Gallotannine.

Aufgrund des hohen Anteils an Gerbstoffen wirkt der Tormentillwurzelstock zusammenziehend (adstringierend). Trägt man zerkleinerten Tormentillwurzelstock von außen auf die Haut auf, ziehen sich die oberen Hautschichten zusammen und es bildet sich ein schützender Film. Die Folge: Kleine Wunden können schneller abheilen.

Darüber hinaus wird den Gerbstoffen in dem Wurzelstock der Blutwurz eine leicht stopfende und beruhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt nachgesagt. Bei Durchfall soll der Tormentillwurzelstock zum Beispiel verhindern, dass zu viel Wasser ins Darminnere einströmt. Dadurch nimmt der Darminhalt wieder eine normale, festere Form an.

Einige Menschen setzen die Blutwurz auch bei

ein.

Über die Wirksamkeit der Blutwurz gibt es bislang allerdings nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen. Erste kleinere Studien scheinen zwar zu bestätigen, dass der Wurzelstock der Blutwurz den Verlauf einer Durchfallerkrankung positiv beeinflussen kann – für einen eindeutigen Nachweis müssen jedoch umfangreichere Untersuchungen folgen.

Wissenswertes

Der fachsprachliche Begriff für die Blutwurz lautet "Potentilla erecta" – was soviel bedeutet wie "aufrechtes Fingerkraut". Wie der Name schon sagt, streckt sich die Blutwurz aufrecht in die Höhe, wohingegen andere Potentilla-Arten meist krautartig am Boden wachsen.

Wie sieht die Blutwurz aus?

Bei der Blutwurz handelt es sich um eine eher unscheinbare, bis zu 40 cm hoch wachsende Pflanze aus der Familie der Rosengewächse. Auffälligstes Merkmal der Blutwurz sind ihre leuchtend gelben Blüten, die aus vier Kronblättern und 15 bis 20 Staubblättern bestehen.

Die Blutwurz blüht von Juni bis August. Sie ist in Mittel- und Nordeuropa beheimatet, wird aber auch im Kaukasus und in West-Sibirien angebaut. In Deutschland ist die Blutwurz weit verbreitet: Man findet sie in feuchten Hochmoorgebieten, sie wächst aber auch auf kargem Sandboden und in trockenen Kieferwäldern.

Die Blätter der Blutwurz sind etwa so groß wie eine Hand eines Erwachsenen und stark eingekerbt. Außerdem sind sie an den Rändern deutlich gezahnt.

Weil die Blutwurz lockeren Boden bevorzugt, lässt sich der knollige, rotbraune Wurzelstock meist recht einfach aus dem Erdboden herausheben.

Wie lässt sich die Blutwurz zubereiten?

Die wirksamen Inhaltsstoffe der Blutwurz befinden sich in ihrem Wurzelstock, auch Tormentillwurzelstock genannt. Dieser Teil der Blutwurz lässt sich in Form von

  • Tee,
  • als Spüllösung oder
  • als Tinktur

verwenden.

Einige Fertigarzneimittel und Mundpflegemittel enthalten ebenfalls Tormentillwurzelstock, dann jedoch meist in Form eines Extrakts. Bei einem solchen Extrakt handelt es sich um einen Auszug der Blutwurz, der mithilfe von Lösungsmitteln (etwa Alkohol) hergestellt wird.

Teezubereitung

Zerkleinern Sie den Wurzelstock der Blutwurz mit einem Mörtel. Anschließend übergießen Sie etwa einen Teelöffel (3-4 g) des zerkleinerten Tormentillwurzelstocks mit einer Tasse kaltem Wasser, kochen den Tee auf und seihen ihn nach kurzem Stehen ab.

Bei Durchfallerkrankungen sollten Sie bis zu dreimal täglich eine Tasse des Blutwurz-Tees zwischen den Mahlzeiten trinken.

Sollten Sie unter Entzündungen im Mund- und Rachenraum leiden, können Spülungen mit lauwarmem Teeaufguss oder einer verdünnten Tinktur (10 bis 20 Tropfen auf ein Glas Wasser) Abhilfe verschaffen.

Hinweise

Bei empfindlichen Personen kann der Wurzelstock der Blutwurz zu Magenbeschwerden führen.

Doch auch wenn Sie einen unempfindlichen Magen haben, sollten Sie Präparate oder Tees aus Tormentillwurzelstock nicht länger als drei bis vier Tage am Stück einnehmen. Ansonsten kann eine Schädigung der Niere oder Leber nicht ausgeschlossen werden.

Prinzipiell gilt: Die Tagesdosis sollte vier bis sechs Gramm Tormentillwurzelstock nicht übersteigen.

Wenn Sie den zerkleinerten Wurzelstock der Blutwurz von außen auf die Haut auftragen – zum Beispiel zur Wundbehandlung – sollten Sie die Anwendungsdauer auf zwei bis drei Wochen beschränken.

Nicht einnehmen sollten Sie Tormentillwurzelstock, wenn Sie

  • schwanger sind oder
  • stillen.

Auch Kinder sollten Arzneimittel oder Zubereitungen, die Tormentillwurzelstock enthalten, nicht einnehmen.

Durchfälle bei Säuglingen oder Kleinkindern sollten prinzipiell vom Arzt behandelt werden.