Das Bild zeigt einen Jungen mit Milchglas.
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Milcheiweiß­allergie (Kuhmilchallergie) bei Babys und Kindern

Säuglinge und Kleinkinder können eine sogenannte Milcheiweißallergie (auch Milchallergie oder Kuhmilchallergie) entwickeln. In vielen Fällen klingt die Kuhmilchallergie bis zum Schulalter jedoch selbstständig ab.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Ein früher Kontakt zu Fremdeiweiß, wie Milcheiweiß oder Hühnereiweiß, kann, besonders bei allergiegefährdeten Kindern, eine Allergie auslösen. Das kann zum einen der Fall sein, wenn Risikobabys mit normaler Säuglingsersatznahrung gefüttert werden. Zum anderen kann zu frühe Beikost bei gefährdeten Kindern eine Allergie auslösen. Babys, die ein erhöhtes Allergierisiko haben, sollten daher mindestens sechs Monate (davon mindestens vier Monate voll) gestillt oder mit Säuglingsnahrung auf Hydrolysatbasis ernährt werden.

Eine Milcheiweißallergie bei Babys und Kindern äußert sich meistens durch

Seltenere Symptome können sein:

Eine Kuhmilchallergie kann außerdem verschiedene Krankheiten verursachen, wie eine chronische Mandelentzündung (Tonsillitis) oder chronische Lungenerkrankungen. Auch Wachstumsstörungen können ein Anzeichen für eine Milcheiweißallergie sein.

Milcheiweiße sind in vielen Fertigprodukten zu finden, und Milch und Milchprodukte sind Bestandteil der meisten Mahlzeiten in einer ausgewogenen Ernährung. Der tägliche Calciumbedarf wird vorwiegend über Milchprodukte gedeckt. Das Hauptproblem bei einer Milcheiweißallergie besteht darin, dass man, um keine Symptome auszulösen, in der Ernährung vollständig auf Milch und Milchprodukte verzichten muss.

Für Säuglinge und Kleinkinder steht, so sie nicht gestillt werden, spezielle Ersatznahrung zur Verfügung. Hydrolysierte Säuglingsnahrung basiert auf Kuhmilcheiweiß und enthält Restallergene. Daher kann auch Hydrolysatnahrung in seltenen Fällen bei Kinder allergische Reaktionen hervorrufen.

Als tatsächlich non-allergen wird Nahrung auf Basis von Aminosäuren (Aminosäuren-Formula), den kleinsten Eiweißbausteinen, angesehen. Diese Nahrung ist bei einer Milcheiweißallergie besonders sicher.

Sojanahrung sollten Kinder frühestens nach dem ersten Geburtstag erhalten. Sojanahrung kann hormonähnliche Inhaltsstoffe enthalten und ist häufig nicht optimal zusammengesetzt, um als Milchersatz im ersten Lebensjahr zu dienen.

Milch anderer Tiere, wie Ziege oder Schaf, ist selten als Kuhmilchersatz geeignet, da auch hier allergische Reaktionen möglich sind.

Definition

Eine Milcheiweißallergie oder Kuhmilchallergie ist per Definition eine Allergie gegen bestimmte Eiweiße (Proteine) in Kuhmilch. Es gibt auch andere Milchallergien, jedoch ist die Kuhmilchallergie die häufigste.

In Kuhmilch kommen verschiedene Eiweiße vor, die allergische Reaktionen hervorrufen können:

  • Kasein
  • β-Laktoglobulin
  • α-Laktoglobulin
  • Rinder-Serumalbumine
  • Laktoferrin
  • Immunglobuline

Die meisten Kuhmilchallergien beruhen auf einer Allergie gegen Kasein und β-Laktoglobulin, seltener auf die restlichen Proteine. Häufig reagiert der Betroffene allergisch auf mehrere Milchallergene, meistens in der Kombination Kasein, β-Laktoglobulin und α-Laktoglobulin.

Die Milcheiweißallergie kann zum einen eine Allergie vom Typ I sein. Das heißt, das Baby oder Kind zeigt gewöhnlich nach Kontakt zum Allergen innerhalb von Minuten erste Symptome (Sofortreaktion). Bei Kindern mit Milcheiweißallergie ist diese jedoch zu etwa 50 Prozent eine Allergie vom Typ IV: Hier zeigt sich erst nach wenigen Stunden bis Tagen eine Reaktion (Spätreaktion).

Typ-I-Allergien sind durch sogenannte IgE-Antikörper (Immunglobulin E) vermittelte allergische Reaktionen. Bei Kontakt mit dem Allergen bildet der Körper spezifische IgE-Antikörper, die sich an bestimmte Zellen des Immunsystems binden. Daraufhin werden Entzündungsbotenstoffe freigesetzt. Es entstehen akute Entzündungsreaktionen, die sich in den typischen Symptomen der Allergie äußern.

Allergien vom Typ IV (T-Zell-vermittelter, verzögerter Typ; Spättyp) nehmen unter den allergischen Reaktionen eine Sonderstellung ein. Anders als bei anderen Allergieformen wird dieser Typ nicht durch Antikörper vermittelt und ist daher nicht im Blut nachweisbar.

Häufigkeit

Von 50 Säuglingen entwickelt etwa einer im ersten Lebensjahr eine allergische Reaktion auf Kuhmilch, wenn er frühen Kontakt dazu hatte.

Bei acht von zehn betroffenen Kindern verschwindet die Kuhmilchallergie spontan bis spätestens zum Schulalter..

Sieben bis neun von zehn Kindern reagieren außerdem allergisch auf Ziegenmilch, daher stellt diese keine Alternative in der Ernährung eines Kuhmilchallergikers dar.

Besonders junge Kuhmilchallergiker, die auf β-Laktoglobulin reagieren, entwickeln häufiger eine Persistenz, das heißt die Kuhmilchallergie bleibt bestehen und klingt nicht ab.

  • Erwachsene haben häufiger eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) als eine Kuhmlichallergie (Milcheiweißallergie).
  • Babys und Kinder hingegen haben häufiger eine Kuhmilchallergie als eine Laktoseintolleranz.

Allerdings lassen sich die beiden Erkrankungen oft nur schwer voneinander abgrenzen.

Ursachen

Es gibt viele mögliche Auslöser für eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) – einige davon sind bisher noch unbekannt. Sicher ist jedoch, dass zu früher Kontakt zu Milch und zu frühe Beikost bei allergiegefährdeten Kindern eine Milcheiweißallergie auslösen kann.

Sowohl das Immunsystem als auch der Magen-Darm-Trakt von Säuglingen sind noch nicht vollständig ausgereift. Daher besteht kein 100-prozentiger Schutz vor Allergenen, also den Stoffen, die Allergien auslösen können. Säuglinge sind also besonders gefährdet, je jünger sie sind – das gilt besonders für Kinder, die ein erhöhtes Allergierisiko haben, etwa weil ein Elternteil an Allergien leidet.

Seltener kann die Allergie durch die Ernährung der Mutter beim Stillen über die Muttermilch ausgelöst werden. In der Regel gilt Stillen im Säuglingsalter als die beste Vorsorge gegen Allergien.

Milch ist versteckt in vielen Produkten enthalten, beispielsweise als Bindemittel für Soßen. Schon kleinste Mengen an Milchbestandteilen können bei Kuhmilchallergikern eine allergische Reaktion hervorrufen.

Symptome

Wenn Ihr Kind eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) hat, wird es in der Regel innerhalb von wenigen Minuten bis zwei Stunden Symptome zeigen. Treten erst später Beschwerden auf, werden diese als Spätreaktion bezeichnet. Diese ist jedoch häufig sehr schwer auf das auslösende Allergen zurückzuführen.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome meist ausgeprägter als bei älteren Kindern und Erwachsenen. Die typischen Symptome einer Kuhmilchallergie bei Säuglingen und Kleinkindern sind:

Seltener treten bei Säuglingen und Kleinkindern folgende Beschwerden auf:

Äußerst selten, aber lebensbedrohlich ist der anaphylaktische Schock, der auftreten kann, wenn ein Kuhmilchallergiker Milcheiweiße zu sich nimmt.

Diagnose

Um eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) zu diagnostizieren, braucht es einen allergologisch spezialisierten Kinderarzt.

Wenn Sie mit Ihrem Kind aufgrund verschiedener Symptome den Kinderarzt aufsuchen, wird dieser zunächst Fragen zur Krankheitsgeschichte und zu den Beschwerden stellen. Besteht aufgrund der Symptome ein Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie, ist es sinnvoll, über eine Zeit von etwa zwei bis vier Wochen ein Symptom- und Nahrungstagebuch zu führen. Kann der Kinderarzt den Verdacht auf eine Milcheiweißallergie einschränken, wird er Ihrem Kind zunächst eine 14-28-tägige kuhmilchfreie Ernährung empfehlen.

Im Anschluss an die kuhmilchfreie Ernährung wird eine sogenannte gezielte Provokation durchgeführt: Unter ärztlicher Aufsicht wird das Lebensmittel, das vermutlich die Allergie auslöst, verabreicht. Bei schweren Symptomen wird eine solche Provokation unter stationärem Aufenthalt durchgeführt.

Weiteren Aufschluss können Blutuntersuchungen geben. Die Kuhmilchallergie ist in einigen Fällen eine durch sogenannte IgE-Antikörper (Immunglobulin E) vermittelte allergische Reaktion. Bei Kontakt mit dem Allergen bildet der Körper spezifische IgE-Antikörper, die im Blut nachgewiesen werden können. Wenn ein bestimmter Schwellenwert an IgE-Antikörpern im Blut überschritten wird, ist eine Allergie sehr wahrscheinlich. Trotzdem sind weitere Allergietests, wie der Prick-Test oder der Intrakutan-Test, nötig, um die Diagnose einer Milcheiweißallergie zu sichern.

Die nicht-IgE-vermittelten Allergien sind im Blut nicht nachweisbar, kommen aber bei Kindern sehr häufig vor. Hier gibt der Bluttest keine Aussage über das Vorliegen einer Allergie. In allen Verdachtsfällen ist die sogenannte Eliminationsdiät die wichtigste Maßnahme zu Diagnosestellung.

Achtung: Sowohl die Eliminationsdiät als auch die gezielte Provokation müssen unter ärztlicher Aufsicht erfolgen! Suchen Sie immer einen Kinderarzt auf, wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert, und verzichten Sie auf Eigenregie.

Prick-Test

Beim Prick-Test markiert der Arzt die Haut am Unterarm oder am Rücken mit einem speziellen Stift. Dort tropft er dann verschiedene Testlösungen oder das Lebensmittel auf und sticht mit einer feinen Nadel die Haut unter dem Tropfen an. Keine Sorge: Außer einem kurzen Pieken wird das Kind nichts spüren. Um einen Vergleich zu den Proben mit Allergenen zu haben, trägt der Arzt eine Kochsalzlösung (keine Hautreaktion) und eine Histaminlösung (i.d.R. immer eine Hautreaktion) auf benachbarte Hautstellen auf.

Wenn sich nach 15 bis 20 Minuten eine Rötung oder Schwellung (Quaddel) an einer oder mehreren der getesteten Hautstellen bildet, vergleicht der Arzt die Reaktion mit der Histaminkontrolle. So kann er die Stärke der Allergie beurteilen.

Der Prick-Test lässt sich auch als sogenannter Prick-in-Prick-Test durchführen. Dabei sticht der Arzt die Prick-Lanzette zuerst in die zu untersuchenden Substanz und dann anschließend in die Haut. Mit diesem Test können aber nur die Sofortreaktionen erfasst werden.

Intrakutan-Test

Beim Intrakutan-Test spritzt der Arzt industrielle Testlösungen, welche die Allergene enthalten, direkt in die Haut. Zur Kontrolle und um die Reaktion dieses Allergietests besser zu beurteilen, trägt er gleichzeitig sowohl eine Kochsalzlösung (keine Hautreaktion) als auch eine Histaminlösung (i.d.R. immer eine Hautreaktion) auf benachbarte Hautstellen auf. Nach 15 bis 20 Minuten überprüft er die Hautreaktionen. Liegt eine Allergie vor, ist die Haut dort, wo das Allergen eingespritzt wurde, geschwollen und gerötet. Mit diesem Test können aber nur die Sofortreaktionen erfasst werden.

Therapie

Eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) lässt sich nicht heilen, man kann lediglich die Beschwerden lindern beziehungsweise Symptome vermeiden, indem man die auslösenden Stoffe (Allergene) meidet. Das geschieht in der Regel über eine gezielte Diät, die besonders bei Kindern von einem speziell ausgebildeten Diätassistenten begleitet werden sollte.

Außerdem ist eine solche Ernährungsumstellung bei Kindern immer auf 6-18 Monate begrenzt. Nach dieser Zeit müssen die Beschwerden erneut überprüft werden, da Kinder häufig mit der Zeit eine Toleranz gegen die Allergene entwickeln und eine Diät dann überflüssig ist – oft klingt eine Kuhmilchallergie bis zum Schulalter ganz ab.

Im Rahmen der Ernährungsumstellung muss auf Milcheiweiße verzichtet werden. Das ist insofern problematisch, als dass der Calcium- und Eiweißbedarf bei Kindern vorwiegend über Milch und Milchprodukte gedeckt wird und bei einer Allergie eine Alternative gefunden werden muss. Solange der Säugling lediglich Milchnahrung bekommt, wird der Calciumbedarf über das Stillenoder die Flaschennahrung gedeckt. Später muss das Kind lernen, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten und andere gezielt zu sich zu nehmen, um eine ausgeglichene Ernährung zu gewährleisten. Die Nahrung muss außerdem häufig um Vitamine und Nährstoffe angereichert werden.

Spezielle Ersatznahrung für Babys und Kinder mit Kuhmilchallergie versorgt diese mit allen Nährstoffen, die das Kind ansonsten über die Milch aufnehmen würde.

Stillen

Säuglinge sollten mindestens in den ersten vier Monaten ausschließlich Milchnahrung bekommen. Die ideale Ernährung für Säuglinge ist Muttermilch: Neben der nötigen Flüssigkeit und der optimalen Nährstoffzusammensetzung enthält sie auch Antikörper, die als Schutz vor Infektionen dienen. Gestillte Kinder entwickeln außerdem seltener eine Allergie als ungestillte. In seltenen Fällen kann sich das Kind aber auch über in der Muttermilch enthaltene Allergene aus der mütterlichen Ernährung sensibilisieren und allergische Symptome, zum Beispiel gegen Kuhmilch, entwickeln.

Flaschennahrung

In seltenen Fällen kann eine Allergie über die Muttermilch auf das Kind übertragen werden. Wenn Sie aus diesem oder einem anderen Grund nicht stillen möchten oder können, steht Ihnen sogenannte hydrolysierte Säuglingsnahrung zur Verfügung. Die Milcheiweiße werden hier in einem speziellen Verfahren teilweise aufgespalten, um so ihre allergene Wirkung zu verringern:

  • partiell hydrolysierte Säuglingsersatznahrung (HA-Nahrung): Hier sind die Milchproteine nur teilweise aufgespalten. Diese Nahrung ist immer mit dem Zusatz "HA" versehen und ausreichend, wenn man einer Allergie vorbeugen möchte, auch bei allergiegefährdeten Kindern. Diese Nahrung ist aber ungeeignet, wenn schon eine Allergie besteht.
  • extensiv hydrolysierte Ersatznahrung (Hydrolysatnahrung = ehF): Die Milchproteine sind hier stärker aufgespalten als bei HA-Nahrung. Hydrolysatnahrung ist sinnvoll für Säuglinge, die bereits Symptome einer Milcheiweißallergie zeigen und nicht gestillt werden. Auf die Restallergene kann das Kind in seltenen Fällen aber auch allergisch regieren.

Aminosäurenformula: Diese Nahrung ist für Kinder mit Milcheiweißallergie oder multiplen Nahrunsmittelallergien geeignet. Hier werden als Eiweißquelle die non-allergenen Aminosäuren verwendet, also die kleinsten Eiweißbausteine. Aminosäurenformula sind völlig frei von Kuhmilch und daher bei Allergien besonders sicher.

Nicht-gestillte Kinder, die keine allergischen Symptome zeigen und nicht allergiegefährdet sind, erhalten in der Regel sogenannte Formula-Nahrung. Hierbei handelt es sich um künstlich hergestellte Säuglingsnahrung auf Kuhmilchbasis, deren Milcheiweiße nicht aufgespalten wurden.

Sojaersatznahrung ist nicht geeignet, da es hier sowohl gesundheitliche Bedenken gibt und ein vorbeugender Effekt nicht nachgewiesen werden konnte.

Ernährung von Kleinkindern

Kuhmilch enthält neben den Milcheiweißen wichtige Nährstoffe wie Calcium, Vitamin B2 und Jod. Der tägliche Bedarf an Vitamin B2 und Jod kann über andere Nahrungsmittel problemlos gedeckt werden, bei Calcium ist das hingegen kaum möglich. Milch ist außerdem ein wichtiger Eiweißlieferant für Kinder.

Wichtig in der Ernährung von Kleinkindern mit Milcheiweißallergie ist es außerdem, allergene Produkte zu erkennen. Auf Lebensmittelverpackungen weisen folgende Begriffe auf Milcheiweiße hin:

  • Milch
  • Rahm
  • Joghurt
  • Dickmilch
  • Kefir
  • Quark
  • Käse
  • Kondensmilch
  • Buttermilch
  • saure Sahne
  • Sahne
  • Butter
  • (Lakt-) Albumin
  • Kasein
  • Kaseinat
  • Laktoglobulin
  • Laktose

Calcium

Es ist besonders wichtig, dass Kinder mit Kuhmilchallergie ausreichend Calcium zu sich nehmen. Anders als Säuglinge und Kleinkinder können Kinder und Erwachsene mit Calcium angereicherte Sojaprodukte zu sich nehmen. Hilfreich ist auch calciumhaltiges Mineralwasser. Milch anderer Tiere, wie Ziegen- oder Schafsmilch, ist nur in wenigen Fällen geeignet, da sie ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen kann. Auch nach dem ersten Lebensjahr sollten Kinder mit Milcheiweißallergie Milchersatznahrung, die es entsprechend für verschiedene Altersstufen gibt, erhalten, um den Calciumbedarf zu decken.

Da der Körper unter Anwesenheit von Vitamin D besser Calcium verwerten kann, sind auch ausreichende Sonneneinstrahlung (viel Bewegung an der frischen Luft) und häufig Fisch auf dem Speiseplan wichtig.

Besonders viel Calcium ist außerdem in Brokkoli, Grünkohl, Fenchel, Hülsenfrüchten und Gartenkräutern enthalten. Leider reichen diese Quellen jedoch nicht aus, um das Calcium aus Milchprodukten zu ersetzen.

Kokosmilch, Sojamilch, Reismilch und andere können als Flüssigkeitsersatz beim Kochen und Backen dienen, decken aber nicht den Nährstoffbedarf ab und sind daher keine Alternative für Kuhmilch.

Verlauf

Eine Milcheiweißallergie (Kuhmilchallergie) hat gerade bei Säuglingen und Kleinkindern meistens einen günstigen Verlauf. Wenn die allergieauslösenden Stoffe (Allergene), also Milcheiweiße, gemieden werden, entwickeln bis zu acht von zehn betroffenen Kindern spätestens bis zur Schulzeit, meistens bereits im Laufe des zweiten Lebensjahres, eine spontane Heilung. Diese beruht darauf, dass in dieser Zeit der Magen-Darm-Trakt vollständig ausreift und nicht mehr so anfällig für Allergene ist wie zuvor.

15 Prozent der Kinder entwickeln jedoch eine Persistenz, das heißt, die Milcheiweißallergie bleibt bestehen. Hiervon sind besonders Kinder betroffen, die neben der Kuhmilchallergie auch Asthma oder einen chronischen Schnupfen (Rhinitis) haben.

Bei Kindern mit Milcheiweißallergie besteht außerdem ein erhöhtes Risiko (40-80%), im Laufe der Zeit weitere Allergien, besonders Lebensmittelallergien, zu entwickeln.

Um die Symptome der Milcheiweißallergie zu lindern beziehungsweise ganz zu vermeiden, müssen Kuhmilchallergiker eine spezielle Diät einhalten, die alle Milchprodukte und Lebensmittel, die Milcheiweiße enthalten, ausschließt. Bei Säuglingen ist das relativ einfach: Sie werden gestillt oder erhalten spezielle hydrolysierte Säuglingsnahrung oder eine Nahrung auf Basis von non-allergenen Aminosäuren.

Bei älteren Kindern mit einer Milcheiweißallergie sollte man jedoch wissen, welche Lebensmittel "gut" (+) und welche "schlecht" (-) geeignet sind.

Tab. 1: gute (+) und schlechte (-) Lebensmittel für Kinder mit Milcheiweißallergie

Lebensmittel "gut" (+) "schlecht" (-)
Getränke • Wasser,
• Tee,
• reine Obst- und Gemüsesäfte
• Fruchtsäfte, die Molke enthalten,
• Instantgetränke
Milch & Milchprodukte • extensiv hydrolysierte Ersatznahrung (ehF) oder Nahrungen auf Basis von Aminosäuren (Aminosäureformula für Säuglinge und Kleinkinder),
• Mandelmilch,
• Reismilch,
• Hafermilch,
• mit Calcium angereicherte Sojaprodukte (ältere Kinder),
• Hydrolysatnahrung (Säuglinge und Kleinkinder),

in einigen Fällen verträglich:
• Ziegen-, Schaf- oder Stutenmilch
• Kuhmilch und Kuhmilchprodukte,
• HA-Nahrung (partiell hydroylsiert),
• Sojanahrungen im 1. Lebensjahr
Fleisch & Fisch • alle frischen, gekühlten oder geräucherten Fleisch- und Fischarten • Fleisch- und Fisch-Fertiggerichte und -konserven,
• Salami,
• Wurst,
• marinierter Fisch, mariniertes Fleisch
Ei & Fette • Eier,
• Margarinen ohne Milchzusatz (Packungsaufschrift beachten),
• Speiseöle,
• Pflanzenfette,
• Schmalz
• normale Margarinen,
• Butter,
• Butterschmalz,
• Pfannkuchen,
• Rührei
Obst & Gemüse • Kartoffeln,
• jedes Obst und Gemüse
• Pommes frites,
• Kroketten,
• Kartoffelfertiggerichte (z.B. Kartoffelpüree, Kartoffelpuffer, Klöße),
• Gemüse-Fertiggerichte wie Rahm- und Pfannengemüse oder Aufläufe
Getreide & -produkte • Reiswaffeln,
• Getreidemehl,
• Stärke,
Reis,
• Nudeln,
• Cornflakes,
• Salzstangen,
• Weizengrieß,
• Weißbrot,
• Knäckebrot,
• spezielle milchfreie Backwaren
• Backwaren,
• Croissants,
• Kuchen,
• Torten,
• Milchbrötchen,
• Zwieback,
• Gebäck,
• Fertigteige,
• Backmischungen,
• Paniermehl,
• Schokoladenmüsli,
• Getreide-Fertiggerichte
Anderes • Marmelade,
• Honig,
• Zuckerrübensirup,
• Frucht- und Kaugummi,
• Blockschokolade,
• Popcorn,
• milchfreier Ketchup (Packungsaufschrift beachten),
• Kakaopulver,
• Sorbet,
• Gewürze und -mischungen ohne Milchzusatz,
• milchfreie Puddingpulver,
• Traubenzucker,
• Wassereis,
• milchfreie Kekse
• Nuss-Nougat-Creme,
• Schokolade,
• die meisten Fertigsaucen und Dressings,
• Mayonnaise,
• Ketchup,
• Fertigpizza,
• Tütensuppen,
• Gewürze mit Milchzusatz

Vorbeugen

Einer Milchallergie (Kuhmilchallergie) können Sie nur begingt vorbeugen, indem Sie das Risiko für die Erkrankung senken. Verzichten Sie bei der Ernährung Ihres Kindes in dessen ersten Lebensmonaten vollständig auf Kuhmilch und Kuhmilchprodukte, besonders, wenn der Kinderarzt ein erhöhtes Risiko für eine Allergie festgestellt hat (bspw. wenn ein Elternteil an Allergien leidet). Später können dann kleine Mengen an Milch in den Speiseplan eingebaut werden.

Am besten für Säuglinge ist es, wenn sie mindestens sechs Monate gestillt werden, davon mindestens vier Monate voll, also ohne andere Lebensmittel zuzufüttern – je länger die Stilldauer, auch später neben der Beikost, desto besser. Beginnen Sie frühestens im 5. Lebensmonat mit der Beikost und führen Sie diese schrittweise ein: Pro Woche können Sie ein weiteres Nahrungsmittel dazunehmen und in den folgenden Tagen schauen, ob Ihr Kind dieses verträgt.

Wenn bei Ihrem Kind ein erhöhtes Risiko besteht, eine Kuhmilchallergie zu entwickeln, Sie aber nicht stillen können oder möchten, greifen Sie auf hydrolysierte Säuglingsersatznahrung zurück, sogenannte Hydrolysatnahrung (HA-Nahrung).

Wenn bereits eine Kuhmilchallergie besteht, können Sie Beschwerden vorbeugen, indem Sie Milch und Milchprodukte meiden. Für Säuglinge steht in diesem Fall Nahrung auf Basis von Aminosäuren (Aminosäuren-Formula) zur Verfügung.

Seit Ende 2014 müssen die 14 häufigsten Allergieauslöser außerdem auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden. Kuhmilchallergiker sollten demnach Lebensmittel meiden, in denen Folgendes enthalten ist:

  • Milch
  • Rahm
  • Joghurt
  • Dickmilch
  • Kefir
  • Quark
  • Käse
  • Kondensmilch
  • Buttermilch
  • saure Sahne
  • Sahne
  • Butter
  • (Lakt-) Albumin
  • Kasein
  • Kaseinat
  • Laktoglobulin
  • Laktose