Baby spielt mit Töpfchen
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Durchfall bei Baby und Kleinkind

Durchfall tritt beim Baby oder Kleinkind meistens im Rahmen einer Magen-Darm-Infektion auf und verschwindet gewöhnlich von selbst wieder. Es ist jedoch besonders wichtig, darauf zu achten, dass das Kind genug Flüssigkeit aufnimmt, um einer gefährlichen Dehydration (Austrocknen durch Verlust von Flüssigkeit und Mineralstoffen) vorzubeugen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Durchfall wird je nach Alter unterschiedlich definiert. Dünner bis flüssiger Stuhlgang gilt als Durchfall, wenn er

  • beim Baby mindestens fünfmal am Tag oder
  • beim Kleinkind mindestens dreimal am Tag vorkommt.

Hält dieser Zustand länger als zwei Wochen an, handelt es sich um einen chronischen Durchfall, unter zwei Wochen zählt er als akuter Durchfall.

Durchfall äußert sich beim Baby sowie beim Kleinkind durch besonders dünnen, breiigen bis hin zu spritzend flüssigem Stuhlgang. Bakterieller Durchfall geht meistens mit Fieber einher. Das Fieber kann sich aber auch infolge einer starken Austrocknung infolge des Flüssigkeitsverlusts entwickeln.

Sowohl bei Babys als auch bei Kleinkindern mit Durchfall gilt: Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genug trinkt! Sinnvoll sind stille oder kohlensäurearme Mineralwasser, leicht gesalzene und mit Traubenzucker gesüßte Kräuter- und Früchtetees oder spezielle Glukose-Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke.

Bei gestillten Babys verlaufen Magen-Darm-Erkrankungen meist milder und der Durchfall dauert weniger lang als bei Babys, die nicht mehr gestillt werden. Falls Sie stillen, sollten Sie Ihr Baby einfach nach Bedarf anlegen.

Wenn Ihr Kind sich normal verhält und keine weiteren Auffälligkeiten zeigt, können Sie zunächst abwarten, ob der Durchfall von selbst verschwindet. Sie sollten den Kinderarzt aufsuchen, wenn Ihr Kind:

  • länger Durchfall hat (Baby: über sechs Stunden, Kleinkind: über einen Tag),
  • sich auffällig verhält (z.B. apathisch wirkt,
  • Symptome einer Deyhdration zeigt

Ursachen

In den ersten Lebensjahren muss sich das Immunsystem erst an eine Vielzahl Erreger gewöhnen. Daher haben besonders Babys und Kleinkinder häufig bakterielle oder virale Infektionen des Magen-Darm-Trakts und damit akuten Durchfall. Dabei sind 40 Prozent der akuten Darminfektionen auf Rotaviren zurückzuführen. Aber auch Viren wie

sind häufige Ursachen für eine Magen-Darm-Infektion.

Weitere mögliche Ursachen für akuten Durchfall bei Kindern sind:

Babys und Kleinkinder entwickeln selten einen chronischen Durchfall – also dünnflüssigen Stuhlgang über mehr als zwei Wochen. Chronischer Durchfall bei Kindern hängt gewöhnlich mit einer therapiebedürftigen Grunderkrankung zusammen, wie beispielsweise:

Durchfall beim Baby

Durchfall ist beim Baby besonders kritisch, da der Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust bei Säuglingen schnell zu einer gefährlichen Austrocknung führen kann. Beobachten Sie Ihr Baby genau: So lange es ausreichend trinkt und sich normal verhält, müssen Sie nichts überstürzen.

Suchen Sie den Kinderarzt auf, wenn:

  • der Durchfall bei Ihrem Baby andauert oder
  • Ihr Baby Symptome einer Deyhdration zeigt.

Folgende Symptome können ein Hinweis darauf sein, dass das Baby bereits viel Flüssigkeit und Mineralstoffe (Elektrolyte) verloren hat und dehydriert ist:

  • Fieber
  • eingesunkene Fontanelle: Legen Sie Ihr Baby auf den Rücken und beobachten Sie die Fontanelle. Wenn sie sich nach außen wölbt, ist alles in Ordnung. Wölbt sie sich nach innen, bezeichnet man das als "eingesunken". Achtung: In aufrechter Haltung ist die Fontanelle häufig leicht eingesunken, besonders wenn sie noch groß ist.
  • nur schwacher Saugreflex
  • Lidschlag nur selten zu beobachten
  • eingesunkene Augen
  • besonders tiefe, ununterbrochene Atmung durch den Mund
  • vorwiegend trockene Windeln im Lauf des Tages (zu wenig Urin)
Durchfall ... Kinderarzt – ja oder nein?
... und keine weiteren Symptome nicht zwingend nötig
... länger als sechs Stunden nach telefonischer Absprache zum Kinderarzt
... und Fieber, Apathie oder Anzeichen einer Dehydration umgehend zum Kinderarzt

Das können Sie tun

Akuter Durchfall klingt nach einer Weile von selber ab. Solange Ihr Baby lediglich Durchfall hat, weiter aber nicht auffällig ist, müssen Sie nur für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.

Für Stillbabys gilt: Stillen Sie Ihr Kind in dieser Zeit möglichst oft.

Wenn das Baby nicht gestillt wird, bieten Sie folgende Flüssigkeiten an:

  • stille bzw. kohlensäurearme Mineralwasser mit hohem Gehalt an Calcium, Natrium, Kalium und Magnesium
  • Kräuter- oder Früchtetee mit Traubenzucker und etwas Salz
  • Glukose-Elektrolyt-Lösungen (aus der Apotheke)

Das kann der Arzt tun

Wenn der Durchfall anhält, weitere Beschwerden (Erbrechen, Fieber) oder Anzeichen einer Austrocknung hinzukommen, sollte Sie den Kinderarzt aufsuchen.

Bei länger anhaltendem oder wiederkehrendem Durchfall kann der Arzt bei Bedarf folgende Untersuchungen veranlassen:

Ist eine Lebensmittelunverträglichkeit Grund für den Durchfall, ist es nötig, die entsprechenden Lebensmittel zu vermeiden. Im Fall einer Kuhmilchallergie gilt das auch für die Mutter, wenn Sie das Baby noch stillt. In seltenen Fällen kann das Kuhmilcheiweiß über die Muttermilch eine solche Allergie beim Baby auslösen beziehungsweise allergische Reaktionen hervorrufen.

Wenn Medikamente als Nebenwirkung den Durchfall verursachen, müssen diese in Absprache mit dem Arzt abgesetzt oder ausgetauscht werden. Sind Antibiotika Auslöser, klingt der Durchfall gewöhnlich nach der nötigen Einnahmezeit ab.

Bei Austrocknung: Ist das Baby bereits dehydriert, muss es umgehend Flüssigkeit und Elektrolyte bekommen. Bei einer leichten Dehydrierung versucht der Arzt das über eine Glukose-Elektrolyt-Lösung, die der Säugling aus der Flasche trinken kann. Wenn nötig wird die Lösung aber im Krankenhaus per Magensonde zugeführt. Seltener ist es nötig, dem Baby isotone Kochsalzlösung direkt über das Blut (intravenös) zuzuführen.

Durchfall beim Kleinkind

Durchfall ist beim Kleinkind weniger besorgniserregend als beim Säugling. Kleinkinder trocknen nicht so schnell aus wie ein Baby und haben bereits eine robustere Konstitution.

Das können Sie tun

Wenn Ihr Kleinkind Durchfall hat, sich sonst aber normal verhält, sollten Sie für ausreichend Flüssigkeit sorgen und fürs Erste nur Schonkost anbieten, damit sich Magen und Darm erholen können.

Bieten Sie Ihrem Kind folgende Flüssigkeiten zum Trinken an (am besten alle der genannten im Wechsel):

  • stille bzw. kohlensäurearme Mineralwasser mit hohem Gehalt an Calcium, Natrium, Kalium und Magnesium
  • Kräuter- oder Früchtetee mit Traubenzucker und etwas Salz
  • Glukose-Elektrolyt-Lösungen (aus der Apotheke)

Um Magen und Darm zu schonen, sollte Ihr Kind bei Durchfall lieber mehrere kleine, zuckerarme Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen. Dabei bieten sich folgende Lebensmittel an:

  • Kartoffel-Möhrenbrei
  • mit Schale geriebener Apfel
  • zerdrückte Banane
  • fein püriertes Geflügelfleisch
  • Zwieback
  • Salzstangen (am besten zusammen mit Banane, um sowohl den Natrium- als auch den Kaliumverlust zu beheben)

Cola ist nichts für Kinder! Cola enthält viel Zucker – und gerade bei Durchfall sollte man zuckerreduziert essen. Cola kann die Probleme bei Durchfall sogar verschlimmern: Zucker entzieht dem Körper Wasser – Cola fördert also den Flüssigkeitsverlust.

Das kann der Arzt tun

Wenn der Durchfall bei Ihrem Kleinkind anhält oder weitere Symptome dazukommen, sollten Sie den Kinderarzt aufsuchen. Achten Sie auf folgende Symptome:

Bei Kleinkindern ist die Gefahr auszutrocknen deutlich geringer als bei Säuglingen. Trotzdem kann es auch hier zu einem gefährlichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust kommen, der wie beim Säugling umgehend behoben werden muss. Dies geschieht auch hier über die Gabe von Glukose-Elektrolyt-Lösungen – wenn möglich, indem das Kind diese trinkt, sonst per Magensonde oder, seltener, direkt über das Blut (intravenös).

Liegt dem Durchfall eine Erkrankung zugrunde, behandelt der Kinderarzt diese nach Möglichkeit. Im Fall von Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es wichtig, die entsprechenden Lebensmittel zu meiden. Medikamente, die für den Durchfall verantwortlich sein könnten, müssen in Absprache mit dem Kinderarzt abgesetzt oder gegen ein gleichwertiges Medikament ausgetauscht werden.