Mädchen sitzt auf Klo und leidet unter Norovirus.
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Norovirus: Symptome, Ansteckung, Inkubationszeit und Dauer

Plötzlich starker Durchfall und Erbrechen? Möglicherweise steckt eine Infektion mit dem Norovirus dahinter. Welche Symptome sind noch typisch und wieso sind vor allem Kleinkinder und ältere Menschen vom Norovirus betroffen? Erfahren Sie hier mehr dazu und Wichtiges über Ansteckung, Inkubationszeit sowie Dauer und Verlauf der Infektion.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist das Norovirus?

Das Norovirus löst heftige Magen-Darm-Beschwerden aus. Noroviren sind höchst ansteckend und weltweit verbreitet. Infizierte Menschen scheiden über den Stuhl und das Erbrochene sehr hohe Mengen des Virus aus, sodass es oftmals zu größeren Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheimen, Kindergärten oder Schulen kommt. Demnach sind besonders oft Kleinkinder und ältere Menschen betroffen.

Noroviren wurden erstmals im Jahr 1972 nachgewiesen und gehören zur Familie der Caliciviridae. Die Bezeichnung dieser Virusfamilie leitet sich vom lateinischen Wort Calix (= Becher, Kelch) ab und bezieht sich auf die Oberflächenstruktur der Viren. Zu den Caliciviridae gehören vier Gruppen. Zwei davon – die Noroviren und die Sapoviren – können beim Menschen zu Erkrankungen führen, die beiden anderen bei Tieren.

Norovirus: Häufigkeit

Das Norovirus zählt zu den häufigsten Ursachen von Magen-Darm-Beschwerden in Deutschland. Durchfall-Erkrankungen durch das Norovirus können das ganze Jahr über auftreten. Die Infektion tritt jedoch mit saisonaler Häufung in den Monaten Oktober bis März auf und erreicht im Winter ihren Häufigkeitsgipfel. Lange zeichnete sich in Deutschland eine stetige Zunahme von Norovirus-Infektionen ab. Erst in den letzten Jahren gehen die Zahlen allmählich wieder zurück. Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht die Fallzahlen meldepflichtiger Erkrankungen regelmäßig und hält auch die Daten des Norovirus aktuell. 

Im Jahr 2001 gab es beispielsweise 9.223 gemeldete Fälle. Bis 2018 stieg die Fallzahl auf 218.420 an. Seitdem sinken die gemeldeten Fälle wieder – wobei sie sich zwischenzeitlich etwas erhöht hatten. Beispielsweise gab es im Jahr 2018 77.583 Betroffene, 2019 78.665 Infizierte und 2020 28.511 bestätigte Fälle in Deutschland. 

Norovirus: Symptome

Bei einer Infektion mit dem Norovirus beginnen die Symptome typischerweise plötzlich: Die ersten Anzeichen sind starker Durchfall und schwallartiges Erbrechen. Die Beschwerden treten meist aus völligem Wohlbefinden heraus auf. Noroviren können so innerhalb weniger Stunden einen erheblichen Flüssigkeitsverlust verursachen. Vereinzelt kann es auch nur zu Durchfall oder nur zu Erbrechen kommen (anstatt zu Brechdurchfall).

Daneben kann das Norovirus weitere Symptome auslösen, wie:

Zusätzlich kann die Körpertemperatur leicht erhöht sein. Richtiges Fieber ruft das Norovirus jedoch eher selten hervor. Im Allgemeinen klingen die Symptome nach 12 bis 48 Stunden wieder ab. Bei manchen Betroffenen führt der Norovirus auch nur zu schwachen Beschwerden oder ruft gar keine Symptome hervor. In sehr seltenen Fällen zeigen sich keinerlei Symptome, was als asymptomatische Infektion bezeichnet wird.

Norovirus: Inkubationszeit

Die Inkubationszeit des Norovirus kann sehr unterschiedlich sein. Als Inkubationszeit bezeichnen Fachleute den Zeitraum zwischen einer Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome. Wer sich mit dem Norovirus infiziert, kann bereits nach wenigen Stunden der Ansteckung erste Beschwerden spüren, bei anderen kann es bis zu 50 Stunden dauern. Interessant ist, dass infizierte, aber symptomlose Menschen bereits ansteckend sind und das Virus an Dritte weitergeben können. Mit Beginn der Norovirus-Symptome steigt dann jedoch das Risiko einer Ansteckung zunehmend.

Norovirus: Ansteckung

Das Norovirus ist höchst ansteckend – bereits 10 bis 100 Noroviren genügen für eine Infektion mit Symptomen. Die Ansteckung mit den Erregern ist über verschiedene Wege möglich.

Norovirus: Ansteckung von Mensch zu Mensch

In den meisten Fällen wird das Norovirus von Mensch zu Mensch übertragen. Zur Ansteckung kommt es dabei sowohl durch den Kontakt mit Stuhl als auch mit Erbrochenem. Durch ungenügendes Händewaschen nach dem Stuhlgang oder Erbrechen können Noroviren als Schmierinfektion weitergetragen werden. Möglich ist die Ansteckung etwa über Händeschütteln, aber auch über infizierte Gegenstände oder Oberflächen wie im Bad, auf Türklinken oder Spielzeug. Das Norovirus kann dabei auf derartigen Flächen mehrere Tage überleben, weshalb sich Menschen auch nach noch zu einem späteren Zeitpunkt anstecken können.

Zudem ist es möglich, dass das Norovirus bei schwallartigem Erbrechen durch winzige Viruspartikel in der Luft einen nächsten Menschen infiziert. Dieser Weg der Ansteckung wird als Tröpfcheninfektion bezeichnet.

Ansteckung mit dem Norovirus über Lebensmittel

Weiterhin kann es zu einer Ansteckung mit dem Norovirus über verunreinigte Lebensmittel kommen. Besonders rohe Lebensmittel wie Blattsalate oder Obst (auch Tiefkühlware wie Beeren), aber auch Muscheln oder Krabben können mit Noroviren verunreinigt sein. Weiterhin ist eine Ansteckung durch belastete Getränke oder Wasser denkbar.

Norovirus: Wie lange ist man ansteckend?

Solange akute Krankheitssymptome auftreten, gelten Betroffene mit Norovirus als hochansteckend. Aber auch in den ersten 48 Stunden, nachdem die Symptome abgeklungen sind, ist die Gefahr einer Ansteckung noch relativ groß. Aus diesem Grund sollten Betroffene nach dem Abklingen der Symptome bestenfalls noch zwei weitere Tage zu Hause bleiben beziehungsweise von anderen Menschen Abstand halten.

Viele Betroffene scheiden nach einer Norovirus-Infektion zudem noch etwa ein bis zwei Wochen lang Erreger aus, in Einzelfällen auch länger. Deshalb ist es selbst nach Abklingen der Beschwerden wichtig, noch einige Zeit auf eine verstärkte Hygiene und insbesondere auf das Händewaschen nach dem Toilettengang zu achten.

Norovirus: Wie lange ist man immun?

Nach einer durchgemachten Infektion sind Betroffene nur gegen den ursächlichen Erregerstamm immun. Wie lange dieser Schutz genau anhält, ist unklar. Noroviren verändern sich jedoch ständig, sodass eine erneute Ansteckung (Reinfektion) mit einer neuen Erregervariante im Prinzip möglich ist. 

Norovirus: Wann ist ärztlicher Rat notwendig?

Menschen, bei denen es zu den typischen Norovirus-Symptomen kommt, sollten sich umgehend an ihre hausärztliche Praxis wenden. Nur durch eine ärztliche Untersuchung kann herausgefunden werden, ob es sich tatsächlich um das Norovirus handelt oder ein anderer Erreger für die Beschwerden verantwortlich ist. 

Für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere und geschwächte Menschen kann eine Durchfall-Erkrankung wie eine Infektion mit dem Norovirus Risiken mit sich bringen. Bei ihnen sollte deshalb grundsätzlich ärztlicher Rat eingeholt werden. Insbesondere wenn der Durchfall länger als zwei bis drei Tage anhält oder zusätzlich weitere Symptome wie Fieber, Kreislaufschwäche und/oder Erbrechen auftreten.

Norovirus: Diagnose

Zu Beginn der Untersuchung stehen zunächst Fragen zu den Beschwerden an (Anamnese), was bereits einen ersten Hinweis auf eine Norovirus-Infektion geben kann. Von Interesse ist dabei auch, ob kürzlich zu Kontakt mit Infizierten kam. Um die Diagnose jedoch zu sichern, muss das Norovirus nachgewiesen werden. Hierfür ordnen Fachleute in der Regel die Untersuchung einer Stuhlprobe oder von Erbrochenem an. Bei nachgewiesenem Norovirus sollten sich Betroffene umgehend in Quarantäne begeben, um eine Infektion von weiteren Menschen zu verhindern. 

Norovirus: Meldepflicht

Laut Infektionsschutzgesetz besteht für den direkten Nachweis von Noroviren im Stuhl eine Meldepflicht. In der Regel übermittelt hierfür die hausärztliche Praxis die Daten der*des Patient*in an das zuständige Gesundheitsamt. Auch der reine Verdacht auf eine Infektion mit dem Norovirus ist in bestimmten Fällen mit einer Meldepflicht verbunden. Das gilt insbesondere für Menschen, die in der Lebensmittelbranche (etwa in Küchen, Gaststätten, Imbiss oder Lebensmittelherstellung) arbeiten. Aber auch wenn mindestens zwei oder mehr gleichartige Fälle auftreten, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang wahrscheinlich oder zu vermuten ist, besteht eine Meldepflicht.

Norovirus: Behandlung

Bislang gibt es kein Medikament, das speziell gegen das Norovirus wirkt. Antibiotika eignen sich nicht zur Behandlung, da diese Medikamente nur gegen Bakterien vorgehen. Deshalb versuchen Ärzt*innen daher bei Norovirus vor allem, die Symptome zu lindern. 

Für Menschen mit leichten Symptomen empfehlen sich zur Behandlung folgende Maßnahmen:

  • Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend trinken, um den durch Durchfall und Erbrechen bedingten Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen (stilles Mineralwasser, Kräutertees, Brühe)

  • Schonkost: etwa Haferbrei, klare Suppen, Toast oder Zwieback essen, um die verloren gegangene Energie zu ersetzen

  • Bettruhe: strikte Bettruhe und körperliche Schonung

Geht die Norovirus-Infektion mit starkem Erbrechen einher, können zur Behandlung – nach ärztlicher Absprache – Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) zum Einsatz kommen, um die Beschwerden zu bessern.

Norovirus: Behandlung bei starken Symptomen

Wer von starken Symptomen des Norovirus betroffen ist, sollte den Flüssigkeitsverlust möglicherweise mit einer speziellen Elektrolytlösung (sogenannte orale Rehydrationslösungen) gegensteuern. Diese Mittel sind freiverkäuflich in der Apotheke zu erhalten, meist als Pulver oder Granulat zum Auflösen in Wasser. Die Präparate enthalten zum Beispiel eine Mischung aus Natriumchlorid (Kochsalz), Kaliumchlorid oder Natriumcitrat sowie Traubenzucker. Selbst gemachte Mischungen aus Saft, Salz, Zucker und Wasser sind bei einer Infektion mit dem Norovirus dagegen nicht empfohlen.

Eine schwere Infektion mit dem Norovirus erfordert unter Umständen auch eine Behandlung im Krankenhaus. Dort erhalten die Betroffenen die benötigte Flüssigkeit sowie Elektrolyte und Nährstoffe über eine Vene als Infusion.

Norovirus: Behandlung bei Kindern, Älteren und Schwangeren

Kinder reagieren empfindlicher als Erwachsene auf den mit Durchfall und Erbrechen einhergehenden Flüssigkeitsverlust – und zwar umso stärker, je jünger sie sind. Für sehr junge, aber auch für ältere Menschen ist der Wasserverlust mitunter sogar lebensbedrohlich. Sie benötigen als Behandlung deshalb unter Umständen nicht nur ausreichend Wasser, sondern fast immer eine spezielle Elektrolytlösung, um die Verluste auszugleichen. Nicht selten müssen Kinder, Säuglinge und Neugeborene und Ältere mit Norovirus im Krankenhaus behandelt werden. 

Generell sollten Kinder mit Norovirus mehr trinken als sonst. Je nach Alter und vorheriger Kost eignet sich zum Beispiel ungesüßter Kräutertee oder Wasser. Soweit möglich, sollten Mütter das Kind wie gewohnt stillen oder füttern. Eine spezielle Schonkost, Aufbaukost oder längere Nahrungspausen während der Behandlung sind nicht nötig. 

Schwangere mit Norovirus sind oftmals in Sorge, ob der Erreger das Ungeborene befallen kann. In der Regel besteht jedoch hierfür keine Gefahr. Dennoch sollten Betroffene während der Schwangerschaft auch auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr achten. Mitunter kann durch Durchfall und Erbrechen ein starker Druck im Körper entstehen, was möglicherweise zu frühzeitigen Wehen führt. Ärztlicher Rat bei Schwangeren mit Norovirus ist daher unerlässlich.

Wichtig: Cola-Getränke und Salzstangen kennen viele Menschen als Hausmittel gegen Durchfall und Erbrechen. Doch diese Kombination ist nicht empfehlenswert – insbesondere für Kinder nicht. Das enthaltene Koffein kann unter Umständen den Verlust an Flüssigkeit verstärken, auch der Zuckergehalt ist ungesund. Salzstangen sind hingegen geeignet und liefern vorwiegend Natrium. Jedoch sollte auch auf die Zufuhr von Kalium geachtet werden, was vor allem in Bananen steckt.

Video: Sechs Tipps für eine magenbekömmliche Kost

Norovirus: Dauer und Verlauf

Eine Infektion mit dem Norovirus beginnt in der Regel plötzlich und aus völligem Wohlbefinden heraus. Typisch sind besonders starker Durchfall und Erbrechen. Innerhalb weniger Stunden kann es so zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust kommen. Meist nimmt die Erkrankung einen leichten bis mittelschweren Verlauf und bessert sich nach etwa 12 bis 24 Stunden von selbst – sie ist also heftig, aber in der Regel kurz. Bei schweren Verläufen kann aber auch eine Behandlung im Krankenhaus notwendig werden. 

Bei Menschen mit Immunschwäche, Älteren sowie Kindern und Säuglingen, kann die Krankheit grundsätzlich länger anhalten und schwerer verlaufen. Häufig müssen diese statiönar im Krankenhaus behandelt werden. Wichtig ist, dass sich Betroffene in Quarantäne begeben und erst zwei Tage nach Abklingen der Symptome wieder in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten gehen.

Norovirus: Mögliche Komplikationen

Bei schweren Verläufen oder Begleiterkrankungen kann es durch den teils starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlust zu möglicherweise lebensbedrohlichen Komplikationen kommen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Versagen oder Nierenversagen. Dennoch ist ein tödlicher Verlauf bei Norovirus nur sehr selten. Auch Spätfolgen sind in der Regel nicht typisch.

Norovirus: Vorbeugen

Eine Schutzimpfung gegen Noroviren gibt es bislang nicht. Aber selbst wenn sich einer Norovirus-Infektion nicht direkt vorbeugen lässt, gibt es einige Hygienemaßnahmen, die das Infektionsrisiko deutlich senken. Das beste Mittel, um Noroviren vorzubeugen, ist Hygiene.

Oftmals genügt es bereits, sich regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen: Wer sich beim Händewaschen 30 Sekunden lang die Hände einseift, verringert die Keimzahl auf den Händen nachweislich um 90 bis 99 Prozent.

Die Hände sollten am besten immer

  • nach dem Toilettengang,
  • vor der Zubereitung von Speisen und
  • vor dem Essen gewaschen werden.

Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, um einem Infekt mit dem Norovirus vorzubeugen und zugleich andere Menschen zu schützen: 

  • Oberflächen reinigen: Alle Oberflächen im Haushalt, insbesondere im Badezimmer, sollten regelmäßig gründlich geputzt und desinfiziert werden. Idealerweise mit einem Desinfektionsmittel, dass eine ausgewiesene Wirkung gegen Noroviren hat. Auch Lichtschalter, Türgriffe und weitere Kontaktflächen sollten beachtet werden.

  • Waschen: Verunreinigte Bettwäsche, Kleidung oder Handtücher sollten bei mindestens 60 Grad Celsius (sofern möglich bestenfalls bei 90 Grad Celsius), gewaschen werden.

  • Küchenhygiene: Geschirr und Besteck sollte nicht gemeinsam benutzt und umgehend nach Benutzung gewaschen werden. 

  • Mundschutz: Das Tragen eines Mundschutzes wie einer Maske kann dazu beitragen, sich vor dem Erreger zu schützen. Insbesondere bei einem Infektionsgeschehen im selben Haushalt kann der Mundschutz sinnvoll sein.

Auch nach Abklingen der Symptome sollten Betroffene und Personen, die Kontakt mit Erkrankten hatten, auf eine entsprechende Hygiene achten. Insbesondere die Händehygiene sollte bis eine Woche nach der Symptomfreiheit im Fokus stehen. 

Video: 5 Hygienetipps – so schützen Sie sich vor Keimen