Lenvatinib

Allgemeines

Lenvatinib wird bei Erwachsenen zur Bekämpfung von Schilddrüsenkrebs eingesetzt. Voraussetzung ist, dass es sich um eine aggressive Form handelt, die entweder örtlich fortschreitet oder bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat. Außerdem muss der Krebs von den sogenannten Hürthle-Zellen der Schilddrüse ausgehen und eine vorher angewendete Therapie mit radioaktivem Jod muss unwirksam gewesen sein.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Blutgefäßwachstum im Krebsgewebe hemmen
  • Blutversorgung des Krebsgewebes erschweren
  • Wachstum von Krebsgewebe aufhalten
  • Blutdruck senken
  • Schilddrüsen-Aktivität fördern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Lenvatinib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Lenvatinib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Lenvatinib nicht eingesetzt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Lenvatinib angewendet werden bei
  • Bluthochdruck, weil sich dieser verschlimmern kann
  • Nierenfunktionsstörungen, weil diese entgleisen können und gegebenenfalls eine Dosisanpassung erfordern
  • Leberfunktionsstörung, weil diese gegebenenfalls eine Dosisanpassung erfordert
  • Herzmuskelschwäche, weil sich diese verstärken kann
  • Patienten, bei denen in den vergangenen sechs Monaten eine arterielle Durchblutungsstörung auftrat, weil diese nicht in den klinischen Studien eingeschlossen waren
  • Patienten mit Risikofaktoren für einen Durchbruch im Magen-Darm-Kanal (vorausgegangene Operation, Bestrahlungen), weil sich das Risiko erhöhen kann
  • einer bestehenden Herzrhythmusstörung vom Typ der QT-Verlängerung (beispielsweise infolge einer Herzmuskelschwäche, bei zu langsamem Herzschlag oder Medikamenten, die die Herzschlagfolge verzögern)
  • Asiaten, älteren Patienten und solchen mit einem Körpergewicht unter 60 Kilogramm, weil Lenvatinib von diesen Patienten schlechter vertragen wird.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Gebärfähige Frauen sollten während der Behandlung mit Lenvatinib sowie mindestens bis zu einem Monat nach Therapieende nicht schwanger werden. Es ist daher eine hochwirksame Verhütungsmethode anzuwenden. Weil man bisher nicht weiß, ob Lenvatinib die Wirksamkeit der "Pille" herabsetzen kann, sollen Frauen, die diese einnehmen, zusätzlich Kondome oder Pessare verwenden.

Weil sich Lenvatinib in Tierexperimenten als missbildend gezeigt hat, darf es während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Hält es der Arzt dennoch für eindeutig erforderlich, wird er den Nutzen für die Mutter gegen das Risiko für das Kind sorgfältig abwägen.

Es ist nicht bekannt, ob Lenvatinib beim Menschen in die Muttermilch gelangt. Bei Ratten werden Lenvatinib und seine Stoffwechselprodukte in die Muttermilch ausgeschieden. Da ein Risiko für Neugeborene oder Säuglinge nicht auszuschließen ist, ist die Anwendung des Wirkstoffs während der Stillzeit verboten.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Lenvatinib darf bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden. In Tierexperimenten erwies sich der Wirkstoff für jugendliche Tiere als gefährlich. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Lenvatinib bei Kindern im Alter von zwei bis unter 18 Jahren ist bisher noch nicht durch klinische Studien erwiesen. Die Anwendung liegt daher im Ermessen des behandelnden Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Lenvatinib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lenvatinib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen
Harnwegsinfektionen, Mangel an Blutplättchen, Mangel an Calcium im Blut, Mangel an Kalium im Blut, Gewichtsverlust, verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Kopfschmerz, Schmeckstörung, Blutungen, Bluthochdruck, niedriger Blutdruck, Sprechstörung, Durchfall, Magen-Darm-Schmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Mundentzündung, Schmerzen im Mundbereich, Verstopfung, Verdauungsstörung, Mundtrockenheit, Rötung und Brennen von Hand- und Fußflächen, Hautausschlag, Haarausfall, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Muskelschmerzen, Knochenschmerzen, Eiweiß im Urin, Ermüdung, Schwäche, Wassereinlagerungen in Armen und Beinen.

Häufige Nebenwirkungen
Mangel an Lymphzellen, Schilddrüsenunterfunktion, TSH im Blut erhöht, Austrocknung, Mangel an Magnesium im Blut, Cholesterin-Überschuss im Blut, Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung, verringerte Pumpfunktion des Herzens, Lungenembolie, Fistel am After, Blähungen, Leberfunktionsstörung, erhöhte Leberwerte im Blut (ASAT, ALAT, alkalische Phosphatase, Gamma-GT, Bilirubin), zu wenig Eiweiße im Blut, Hautschuppung, Nierenfunktionsstörungen, Ausfall der Nierenfunktion, erhöhte Nierenwerte im Blut (Kreatinin, Harnstoff), Unwohlsein.

Gelegentliche Nebenwirkungen
Eitrige Geschwüre (Abszesse) rund um den After, Durchblutungsstörung der Milz (Milzinfarkt), vorübergehende Hirnfunktionsstörung (posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom), einseitige Lähmung, vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns, Schädigung von Leberzellen, Leberentzündung.

Besonderheiten:
Treten folgende Umstände ein, wird der Arzt die Behandlung mit Lenvatinib sofort beenden:
  • schwere Nierenfunktionsstörung
  • Herzmuskelschwäche
  • Gehirnfunktionsstörung im Sinne eines posterioren reversiblen Enzephalopathie-Syndroms
  • Leberschädigung
  • Blutungen
  • arterielle Durchblutungsstörungen (beispielsweise Schlaganfall, Herzinfarkt oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns)
  • Durchbrüchen im Magen-Darm-Kanal.
Anzeichen einer Hirnleistungsstörung (posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom) sind Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, Denkstörungen, Sehstörungen oder Nervenstörungen. Treten solche Anzeichen auf, ist sofort ein Arzt zu Rate zu ziehen.

Mangel an Calcium, Kalium oder Magnesium erhöht die Gefahr von Herzrhythmusstörungen. Daher wird der Arzt den Mineralhaushalt bei allen Patienten vor dem Beginn der Behandlung untersuchen und in regelmäßigen Abständen kontrollieren. Dazu gehören auch eine regelmäßige Überprüfung der Herzfunktion per EKG.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lenvatinib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Es gibt den Verdacht, dass Lenvatinib den Stoffwechsel anderer Wirkstoffe verändern kann. Dieser Umstand ist bei der gleichzeitigen Anwendung von Substanzen wichtig, bei denen es schnell zu Unterdosierungen kommt wie beispielsweise den Antiallergika Astemizol und Terfenadin, dem Magenmittel Cisaprid, dem Psychopharmakon Pimozid, den Antiarrhythmika Chinidin und Bepridil oder Mutterkornalkaloiden wie Ergotamin und Dihydroergotamin.

Es ist bisher nicht bekannt, ob Lenvatinib die Wirksamkeit der "Pille" herabsetzen kann. Deshalb müssen Frauen, die diese anwenden, zusätzlich eine andere wirksame Methode zur Empfängnisverhütung anwenden (Kondome, Pessar).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Therapie mit dem Medikament und bis zu einem Monat danach darf keine Schwangerschaft entstehen.
  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte von einem spezialisierten Arzt überwacht werden, der Erfahrung in der Krebsbehandlung besitzt.
  • Kommt es während der Behandlung mit dem Medikament zu einer schweren Nierenfunktionsstörung, Herzmuskelschwäche, Gehirnfunktionsstörung, Leberschädigung, Blutungen, arteriellen Durchblutungsstörungen oder Magen-Darm-Durchbrüchen, muss die Behandlung beendet werden.
  • Bei Hochdruckpatienten muss der Blutdruck vor Beginn der Behandlung ausreichend gesenkt und regelmäßig kontrolliert werden.
  • Der Urin muss regelmäßig mit Teststreifen auf eine erhöhte Eiweißausscheidung untersucht werden.
  • Bei Anzeichen einer Hirnstörung (Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Teilnahmslosigkeit, Verwirrtheit, verändertes Denken, Sehstörungen oder Nervenstörungen ist sofort ein Arzt zu befragen.
  • Vor und regelmäßig während der Therapie mit dem Medikament sind die Leberwerte ärztlich zu kontrollieren.
  • Vor und regelnmäßig während der Therapie sind der Mineralhaushalt und die Herzfunktion des Patienten ärztlich zu überprüfen.
  • Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schwindel können Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Lenvatinib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Lenvatinib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Lenvatinib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lenvatinib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Lenvatinib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Lenvatinib

Lenvatinib wird bei Erwachsenen zur Bekämpfung von Schilddrüsenkrebs eingesetzt. Voraussetzung ist, dass es sich um eine aggressive Form handelt, die entweder örtlich fortschreitet oder bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat. Außerdem muss der Krebs von den sogenannten Hürthle-Zellen der Schilddrüse ausgehen und eine vorher angewendete Therapie mit radioaktivem Jod muss unwirksam gewesen sein.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Lenvatinib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Lenvatinib

Lenvatinib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika. Es handelt sich um einen Hemmstoff für verschiedene Enzyme. So wird durch Anbindung an Rezeptorenn des Faktores, der die Blutgefäßbildung anregt (vaskulärer Endothelwachstumsfaktor), diese blockiert, was die Blutversorgung des Krebsgewebes unterbindet. Außerdem hemmt Lenvatinib die Wachstumsfaktoren für Bindegewebszellen (Fibroblasten) und Blutplättchen. Alles zusammen behindert das Wachstum von Krebszellen.

Weitere, bisher in ihrem Wirkmechanismus nicht geklärte Effekte von Lenvatinib sind die Blutdrucksenkung, eine vermehrte Eiweißausscheidung mit dem Urin (Proteinurie) und seine Wirkung gegen Schilddrüsenunterfunktion.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.