Jemand führt eine Sonographie im Bereich der Schilddrüse durch.
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Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsen­karzinom)

Im Jahr 2014 erkrankten in Deutschland 6.120 Menschen an einem Schilddrüsenkarzinom. Schilddrüsenkrebs gehört damit zu den seltenen Krebserkrankungen. Symptome zeigen sich erst, wenn der Tumor größer wird. Jodmangel kann das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom)

Was ist Schilddrüsenkrebs?

Schilddrüsenkrebs ist ein seltener, bösartiger Tumor der Schilddrüse. Je nachdem, von welchem Zelltyp der Schilddrüse er ausgeht, unterscheiden sich Behandlung und Krankheitsverlauf. Es gibt

  • papilläre Karzinome,
  • follikuläre Karzinome,
  • anaplastische Karzinome und
  • medulläre Karzinome.

Anatomie

Die Schilddrüse wiegt zwischen 15 und 25 Gramm. Sie besteht aus zwei Seitenlappen, die über den Schilddrüsenmittellappen (sog. Schilddrüsen-Isthmus) miteinander verbunden sind. Die Schilddrüse liegt mittig im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfs. Mit ihren Seitenlappen liegt sie der Luft- und Speiseröhre seitlich an.

Die Schilddrüse bildet wichtige Hormone. Die Drüsenzellen produzieren und speichern die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) und geben sie ins Blut ab. T4 und T3 steuern – im Zusammenspiel mit vielen anderen Botenstoffen – den Energiehaushalt und beeinflussen Körperfunktionen (z.B. die Herzfrequenz). In der Schilddrüse kommen außerdem sogenannte C-Zellen vor. Sie produzieren keine Schilddrüsenhormone sondern Kalzitonin, ein Hormon, das den Calcium- und Phosphatspiegel im Blut reguliert.

Video: Anatomie, Funktion und Erkrankungen der Schilddrüse

Differenzierte Schilddrüsenkarzinome

Zu den differenzierten Schilddrüsenkarzinomen gehören

  • das papilläre und
  • das follikuläre Schilddrüsenkarzinom.

"Differenziert" bedeutet, dass die Tumorzellen weitgehend dem normalen Schilddrüsengewebe ähneln und damit zu den weniger bösartigen Tumoren zählen.

Daher gehören differenzierte Schilddrüsenkarzinome zu den Tumoren mit den besten Heilungschancen.

Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome bilden unterschiedliche Tochtergeschwulste (Metastasen):

  • Das papilläre Karzinom bildet Tochtergeschwulste vorwiegend in den Lymphknoten in der Nähe der Schilddrüse. Metastasen an entfernt liegenden Organen (Fernmetastasen) treten häufiger in der Lunge als in Knochen auf. Bei Patienten unter 40 Jahren sind Fernmetastasen dieser Form des Schilddrüsenkrebs sehr selten.
  • Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom entwickelt dagegen nur selten Lymphknotenmetastasen. Kommt es zu Tochtergeschwulsten, handelt es sich vorwiegend um Fernmetastasen, die Lunge und Knochen gleichermaßen befallen.

Undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome

Undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome werden auch als anaplastische Karzinome bezeichnet. Hierzu gehören

  • spindelzellige,
  • parenchymatöse und
  • kleinzellige Karzinome.

Undifferenzierte Tumorzellen ähneln dem normalen Schilddrüsengewebe kaum noch und sind hochgradig bösartig – das bedeutet zum Beispiel, dass sie schnell und aggressiv in das umliegende Gewebe einwachsen.

Undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome haben meist zum Zeitpunkt der Diagnose schon gestreut, das heßt es sind bereits Lymphknoten- und Fernmetastasen vorhanden. Neben der Lunge und den Knochen sind vor allem das Gehirn und die Leber betroffen.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom entwickelt sich aus bestimmten Zellen der Schilddrüse, die nicht an der Bildung von Schilddrüsenhormonen beteiligt sind, den C-Zellen. Sie produzieren ein für den Calciumstoffwechsel wichtiges Hormon, das Calzitonin. Es treten sowohl Lymphknotenmetastasen als auch Fernmetastasen (z.B. in Lunge, Leber, Knochen und Nebenniere) auf.

Schilddrüsenkrebs: Ursachen

Wie Schilddrüsenkrebs entsteht ist nicht vollständig geklärt. Sicher ist, dass ionisierende Strahlen an der Entwicklung von Schilddrüsenkarzinomen beteiligt sein können. Deshalb erkranken zum Beispiel Menschen, die aufgrund einer Reaktorkatastrophe einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt waren, vermehrt an Schilddrüsenkrebs. Aber auch wenn bei einer Strahlentherapie die Schilddrüse im sogenannten Strahlenfeld liegt, erhöht dies das Krebsrisiko. Kinder sind besonders gefährdet, da ihre Schilddrüse anfälliger für Strahlung ist.

Außerdem scheinen bestimmte Faktoren oder Vorerkrankungen das Krebsrisiko zu erhöhen:

  • So ist in Gebieten mit Jodmangel das Risiko, an einem Schilddrüsenkarzinom zu erkranken, regelmäßig erhöht.
  • Vielen Schilddrüsenkarzinomen gingen Vorerkrankungen wie ein Kropf (Struma) oder gutartige Adenome der Schilddrüse voraus.

Ein Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und Schilddrüsenkrebs ist bisher aber nicht sicher belegt.

Bei 5 von 100 Fällen des medullären Schilddrüsenkarzinoms zeigen sich genetische Veränderungen, die weitervererbt werden können. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom kommt insbesondere im Rahmen des sogenannten MEN-Syndroms II in manchen Familien gehäuft vor. MEN steht für "multiple endokrine Neoplasien". Überwiegend junge Erwachsene erkranken dabei an Tumoren verschiedener Hormondrüsen. So sind neben medullären Schilddrüsenkarzinomen oft zusätzlich Tumoren der Nebenniere und der Nebenschilddrüse vorhanden. Bei Personen mit dieser Erkrankung sollte sollte sich die gesamte Familie auf den zugrunde liegenden Gen-Defekt auf dem Chromosom 11 untersuchen lassen und regelmäßig an Früherkennungs-Untersuchungen teilnehmen.

Experten vermuten, dass auch das papilläre Schilddrüsenkarzinom vererbt werden könnte.

Häufigkeit

In Deutschland erkrankten im Jahr 2014 6.120 Menschen an einem Schilddrüsenkarzinom. Schilddrüsenkrebs gehört damit zu den seltenen Krebserkrankungen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer – warum ist unklar. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei Frauen um das 51., bei Männern um das 55. Lebensjahr. Vereinzelt kann Schilddrüsenkrebs aber auch schon in jüngeren Jahren auftreten, vor allem bei Frauen.

Schilddrüsenkrebs: Symptome

Zu Beginn der Erkrankung bereitet Schilddrüsenkrebs kaum Beschwerden und wird daher zunächst nicht bemerkt. Erst mit zunehmender Tumorgröße zeigen sich Symptome, wie:

Schädigt das wachsende Schilddrüsenkarzinom benachbarte Nervenbahnen, können Symptome hinzutreten, die Mediziner als "Ausfallerscheinungen" zusammenfassen: Die Stimme kann infolge einer Lähmung der Stimmlippen heiser klingen. Außerdem kann sich ein sogenanntes Horner-Syndrom entwickeln: Dabei ist die Pupille verengt, der Augapfel ist in die Augenhöhle zurückgesunken und das Oberlid der betroffenen Seite hängt herab.

Sind Halslymphknoten von dem Schilddrüsenkarzinom befallen, sind diese geschwollen und mit ihrer Umgebung verbacken – das heißt sie lassen sich im Gewebe schlecht verschieben.

Schilddrüsenkrebs: Diagnose

Bei Verdacht auf Schilddrüsenkarzinom wird der Arzt zunächst eine Anamnese durchführen. Das heißt er befragt den Patienten ausführlich zu seiner Krankengeschichte. So kann er herausfinden, ob es zum Beispiel schon Fälle von Schilddrüsenkrebs in der Familie des Patienten gab, seit wann die Beschwerden bestehen und wie sie sich äußern.

Je nach Größe des Karzinoms kann der Arzt den Schilddrüsenkrebs bei der körperlichen Untersuchung als Knoten in der Schilddrüse ertasten.

Genauere Informationen über den Schilddrüsenkrebs liefern bildgebende Verfahren und Blutuntersuchungen:

  • Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ist es möglich, die gesamte Schilddrüse hinsichtlich ihrer Größe und Gewebsveränderungen zu beurteilen und flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) von Tumoren zu unterscheiden.
  • Blutuntersuchungen geben Auskunft über die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse und können zum Beispiel anhand der Kalzitonin-Konzentration auf ein medulläres Schilddrüsenkarzinom hinweisen.
  • Ein besonders wichtiges Untersuchungsverfahren der Schilddrüsenkrebs-Diagnose ist die Schilddrüsen-Szintigraphie.

Schilddrüsen-Szintigraphie

Durch die Szintigraphie ist es leichter, zwischen einer sogenannten Schilddrüsenautonomie und einem krebsverdächtigen Knoten zu unterscheiden:

  • Bei der Untersuchung erhält der Patient den leicht radioaktiven Stoff Technetium als Injektion in die Vene.
  • Je nachdem, wie das Schilddrüsengewebe beschaffen ist, nimmt es das Technetium (kurz Tc 99m) auf:
    • Gebiete mit einer verminderten oder fehlenden Tc-Aufnahme bezeichnet man als "kalte Areale", wohingegen
    • Gebiete mit einer erhöhten Aufnahme "heiße Areale" heißen.
  • Befinden sich im Gebiet einer verminderten Tc-Aufnahme Knoten, werden diese "kalte Knoten" genannt; ein Knoten im Gebiet mit erhöhter Tc-Aufnahme heißt dementsprechend "heißer Knoten".
  • Szintigraphisch heiße Areale sind Zeichen einer Schilddrüsenautonomie. Das bedeutet, dass sich Teile der Schilddrüse verselbstständigen und unkontrolliert Hormone produzieren.
  • Verdächtig auf Schilddrüsenkrebs sind szintigraphisch kalte Knoten. Um die Diagnose zu sichern, muss der Arzt weitere Untersuchungsmethoden einleiten – zum Beispiel punktieren.

Schilddrüsen-Punktion

Bei der Schilddrüsen-Punktion (Feinnadelpunktion) sticht der Arzt mit einer dünnen Nadel in den krebsverdächtigen Knoten ein und entnimmt einige Zellen zur feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop.

Die Schilddrüsen-Punktion ist ein kleiner Eingriff – der Patient verspürt in der Regel kaum Schmerzen und eine Vollnarkose ist nicht notwendig. In manchen Fällen lässt sich anhand der entnommenen Zellen der Schilddrüsenkrebs sicher erkennen. Ein negativer Befund der Feinnadelpunktion schließt ein Schilddrüsenkarzinom jedoch nicht sicher aus. Insbesondere bei follikulären Tumoren ist es oft schwierig zu beurteilen, ob es sich um bösartige (follikuläres Karzinom) oder gutartige (follikuläres Adenom) Tumoren handelt.

Stellt der Arzt eine solche unklare follikuläre Neoplasie fest, entfernt er den verdächtigen Knoten sicherheitshalber. Erst nach diesem Eingriff stellt sich bei Gewebeuntersuchungen heraus, ob der Knoten gutartig oder bösartig war.

Ausbreitung des Schilddrüsenkarzinoms

Bestätigt sich der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, muss der Arzt bestimmen, wie weit sich der Tumor bereits ausgebreitet hat (sog. Staging). Dazu nutzt er bildgebende Untersuchungen wie:

Eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs, eine Kehlkopfspiegelung sowie eine Knochenszintigraphie sind ebenfalls notwendig, um zum Beispiel Tochtergeschwulste (Metastasen) in Lunge oder Knochen zu entdecken.

Schilddrüsenkrebs: Therapie

Je nach Art des Tumors und Ausbreitungsgrad des Schilddrüsenkarzinoms unterscheidet sich die Therapie. Folgende Behandlungsmethoden sind grundsätzlich möglich:

Eine Hormontherapie ist notwendig, wenn die Patienten – zum Beispiel nach der kompletten Entfernung der Schilddrüse – dauerhaft Schilddrüsenhormone einnehmen müssen.

Chemotherapien spielen bei der Therapie von Schilddrüsenkrebs kaum eine Rolle, da diese Tumoren oft nur wenig empfindlich auf die Medikamente (Zytostatika) reagieren. Bei verstreut liegenden Metastasen und besonders aggressiven Tumorarten kann die Chemotherapie aber sinnvoll sein.

Differenzierte Schilddrüsenkarzinome

Operation

Die besten Heilungsaussichten für papilläre und follikuläre (also differenzierte) Schilddrüsenkarzinome bestehen, wenn die gesamte Schilddrüse sowie unmittelbar benachbarte Lymphnkoten entfernt werden. Finden sich in den entnommenen Lymphknoten Metastasen, werden auf der befallenen Halsseite sämtliche Halslymphknoten entfernt.

Sind keine Halslymphknoten befallen, reicht es bei kleinen Schilddrüsenkarzinomen (< 1 cm), nur eine Hälfte der Schilddrüse zu entfernen (Hemithyreoidektomie)

Radiojodtherapie

Bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen kann zusätzlich die Radiojodtherapie eingesetzt werden, da bei diesen Formen von Schilddrüsenkrebs die Fähigkeit zur Jodaufnahme und -speicherung erhalten bleibt. Damit die Radiojodtherapie erfolgreich ist, muss zuvor das Schilddrüsengewebe vollständig operativ entfernt werden.

Bei der Radiojodtherapie erhalten die Patienten radioaktives Jod (meist als Kapseln, die sich erst im Magen auflösen). Die Dosierung richtet sich nach dem jeweiligen Befund. Da Jod ausschließlich von Schilddrüsengewebe aufgenommen und gespeichert wird, sammelt es sich in Schilddrüsenkrebszellen an und zerstört diese durch seine Strahlung.

Die Radiojodtherapie richtet sich damit gegen alle Krebszellen, die nach der operativen Entfernung der Schilddrüse im Körper verblieben sind. So kann die Radiojodtherapie Tochtergeschwulste (Metastasen), zum Beispiel in der Lunge, bekämpfen. Die Behandlung erfolgt etwa vier Wochen nach der Operation und kann bei Bedarf wiederholt werden.

Zu den unmittelbaren Nebenwirkungen der Radiojodtherapie gehören

  • Schmerzen im Bereich der verbliebenen Rest-Schilddrüse oder im Bereich der Metastasen und
  • eine vorübergehende Magenschleimhautentzündung (Gastritis).
  • Auch die Speicheldrüsen können sich entzünden.
  • Vorübergehend ändert sich auch die Zusammensetzung des Knochenmarks, was die Betroffenen anfälliger für Infekte macht.

Eine Spätkomplikation ist bei 10 bis 20 Prozent der Behandelten eine Funktionsstörung verschiedener Drüsen mit Mundtrockenheit und Bindehautentzündung (Sicca-Syndrom). Sehr seltene Spätfolgen sind eine Leukämie und eine Lungenfibrose.

Hormontherapie

Nach einer operativen Entfernung der kompletten Schilddrüse und anschließender Radiojodtherapie befindet sich im Körper kein funktionsfähiges Schilddrüsengewebe mehr. Darum müssen die Betroffenen lebenslang Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten einnehmen, um die fehlende Hormonproduktion der Schilddrüse auszugleichen.

Undifferenzierte/anaplastische Schilddrüsenkarzinome

Anaplastische Schilddrüsenkarzinome sind zum Zeitpunkt der Diagnose meist bereits in Nachbarorgane eingewachsen und haben häufig schon Tochtergeschwulste gebildet. Die Behandlung sieht daher folgendermaßen aus:

  • Mittels Operation verkleinert der Arzt den Tumor, damit er nicht zu Schluck- oder Atembeschwerden führt.
  • Da ein anaplastisches Schilddrüsenkarzinom im Allgemeinen kein Jod aufnimmt, ist die Radiojodtherapie hier nicht sinnvoll. In diesem Fall ist eine Bestrahlung der Halsregion von außen wirksamer.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Medulläre Schildddrüsenkariznome entstehen aus den C-Zellen in der Schilddrüse, also nicht aus Schilddrüsengewebe. Daher ist eine Radiojodtherapie auch hier nicht wirksam, da dieser Tumor kein Jod speichert. Das medulläre Schilddrüsenkarzinom wird folgendermaßen behandelt:

  • Im Rahmen einer Operation entfernt der Chirurg die Schilddrüse und die Halslymphknoten vollständig.
  • Im Anschluss an die Operation wird die Halsregion meist zusätzlich von außen bestrahlt – besonders dann, wenn der Arzt die Schilddrüse nicht komplett entfernen konnte oder wenn Metastasen in Lymphknoten entstanden sind.

Schilddrüsenkrebs: Verlauf

Verlauf und Prognose von Schilddrüsenkrebs hängen deshalb davon ab, um welchen Tumor es sich genau handelt. Wie bei den meisten Krebsarten ist auch beim Schilddrüsenkarzinom entscheidend, welches Stadium der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits erreicht hat.

Differenzierte Schilddrüsenkarzinome

Ein papilläres Schilddrüsenkarzinom hat sehr gute Heilungsaussichten. Zwischen 80 und 90 Prozent der Patienten leben noch länger als zehn Jahre nach der Behandlung. Erkrankte, die jünger als 45 Jahre alt sind, haben dabei eine bessere Prognose als ältere.

Die Prognose des follikulären Schilddrüsenkarzinoms ist ebenfalls gut. Etwa 60 bis 70 Prozent der Patienten leben noch länger als zehn Jahre.

Um ein mögliches Rezidiv (also Wiederkehren der Erkrankung) rechtzeigit behandeln zu können, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen nötig:

  • Bei der Früherkennung lässt der Arzt auch das Thyreoglobulin im Blut messen. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das Schilddrüsenzellen produzieren. Es dient als sogenannter Tumormarker für papillären Schilddrüsenkrebs. Steigt der Thyreoglobulin-Wert an, könnte ein neuer Tumor oder eine Tochtergeschwulst die Ursache dafür sein.
  • Alle zwei Jahre erfolgt eine Röntgenuntersuchung der Lunge.
  • Vier bis sechs Monate nach der Radiojodtherapie wird eine Szintigraphie durchgeführt. Bei hohem Risiko für ein Rezidiv sollten sich die Betroffenen in den ersten fünf Jahren alle sechs bis zwölf Monate, später alle ein bis zwei Jahre einer Szintigraphie unterziehen.

Undifferenziertes/anaplastisches Schilddrüsenkarzinom

Es gelingt nur selten, undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome vollständig zu entfernen. Patienten, die an dieser aggressiveren Form von Schilddrüsenkrebs leiden, haben eine deutlich schlechtere Prognose als Patienten mit differenziertem Schilddrüsenkarzinom. Nach fünf Jahren leben etwa noch zwölf Prozent der Betroffenen. Dennoch kann eine sorgsam ausgewählte Behandlung die Beschwerden deutlich lindern. Insbesondere Schmerzen sind mit einer effektiven Schmerztherapie gut zu beseitigen.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom

Beim medullären Schilddrüsenkrebs hängen Verlauf und Prognose in erster Linie vom Erfolg der Operation, der Größe des Tumors sowie vom Vorhandensein von Fernmetastasen ab. Etwa 50 bis 70 Prozent der Betroffenen überleben die ersten zehn Jahre. Auch bei Metastasen sind Überlebenszeiten von bis zu zehn Jahren möglich.

Erfolgt die Therapie bereits in einem sehr frühen Stadium, besteht auch beim medullären Schilddrüsenkarzinom eine 90-prozentige Chance auf Heilung.

Zur Verlaufskontrolle erfolgt die regelmäßige Bestimmung von Kalzitonin als Tumormarker. Ein Gentest gibt Aufschluss darüber, ob das medulläre Schilddrüsenkarzinom Folge einer Erbkrankheit war. Ist das der Fall, sollten sich sämtliche Familienmitglieder testen lassen.

Nachsorge

Ob im Anschluss an die Behandlung des Schilddrüsenkrebs eine Rehabilitation in der Klinik notwendig ist, entscheidet sich im Einzelfall. Insbesondere Patienten, die nach der Operation den Kopf nicht richtig bewegen können oder Probleme mit der Hormontherapie haben, profitieren von der Rehabilitation. Im Allgemeinen geht es den Betroffenen jedoch gut, sobald die Operationswunde abgeheilt ist, sodass keine Einschränkungen im Privat- und Berufsleben zurückbleiben.

Schilddrüsenkrebs: Vorbeugen

Es ist nicht möglich, Schilddrüsenkrebs sicher vorzubeugen. Da jedoch bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko erhöhen, können Sie auf Folgendes achten:

  • Beugen Sie Jodmangel vor! Deutschland ist Jodmangelgebiet – das heißt die Nahrung hierzulande enthält nicht genügend Jod, um den täglichen Bedarf zu decken. Sorgen Sie dafür, dass auf ihrem Speiseplan regelmäßig Fisch steht, denn Seefisch und Meeresfrüchte enthalten besonders viel Jod. Verwenden Sie zum Würzen stets jodiertes Speisesalz.
  • In entsprechenden Betrieben und im Gesundheitswesen beugen spezielle Vorschriften und Richtlinien einer unnötigen Strahlenbelastung vor, da Schilddrüsenkrebs Folge ionisierender Strahlung sein kann.