Eine Frau bekommt Blut abgenommen.
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Schilddrüsenwerte: Was bedeuten TSH, fT3 und fT4?

Mithilfe der Schilddrüsenwerte kann der Arzt prüfen, ob die Schilddrüse richtig arbeitet, und Hinweise auf eventuelle Störungen erhalten. Bei einer Blutuntersuchung bestimmt man dafür die Konzentrationen von TSH, T4 (L-Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Erfahren Sie mehr über die Bedeutung der Schilddrüsenwerte und was es bedeutet, wenn sie abweichen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Schilddrüsenwerte: Was sagen sie aus?

Als Schilddrüsenwerte bezeichnet man die Konzentrationen der drei Schilddrüsenhormone TSH, L-Thyroxin (fT4) und Trijodthyronin (fT3) im Blut.

TSH-Wert zum Ausschluss von Schilddrüsenerkrankungen

Bei einer Störung der Schilddrüsenfunktion verändert sich zunächst nur der TSH-Wert. Denn er reagiert bereits auf kleine Veränderungen des Schilddrüsenregelkreises und ist damit empfindlicher als T4 und T3.

Der TSH-Wert eignet sich deshalb auch zum Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung. Besteht aufgrund der Krankengeschichte und nach einer körperlichen Untersuchung kein Verdacht auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse und liegt der TSH-Wert im Referenzbereich, ist eine Schilddrüsenfunktionsstörung unwahrscheinlich.

fT4- und fT3-Werte lassen Rückschlüsse auf Funktionslage der Schilddrüse zu

Im Blut bestimmt man außerdem die freie Form der Schilddrüsenhormone T4 und T3 – also freies T4 (fT4) und freies T3 (fT3). Diese Form ist nicht an Eiweiße gebunden und bildet die Funktionslage der Schilddrüse besser ab als die Gesamtkonzentration von T4 und T3. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion sind fT4 oder fT3 oder beide Werte erhöht. Bei einer Unterfunktion ist fT4 und meist auch fT3 erniedrigt.

Bei einer Schilddrüsenfunktionsstörung verändert sich der TSH-Wert gegenläufig zu den fT4- und fT3-Werten: Bei einer Überfunktion ist der TSH-Wert niedrig oder nicht mehr nachweisbar (supprimiert). Bei einer Unterfunktion ist der TSH-Wert erhöht.

Bei einer beginnenden Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse ist nur der TSH-Wert verändert, die Schilddrüsenwerte fT4 und fT3 finden sich dagegen noch im Referenzbereich: Das bezeichnet man auch als latente (oder milde) Über- oder Unterfunktion.

Wird sie nicht erkannt oder nicht behandelt, kann sich eine klinisch erkennbare (manifeste) Über- oder Unterfunktion entwickeln, bei der dann auch die Werte für fT4 und fT3 außerhalb des Referenzbereiches liegen.

Tabelle: Referenzbereiche für die Schilddrüsenwerte TSH, fT4 und fT3 bei Erwachsenen

(Hinweis: Die Referenzbereiche können von Labor zu Labor unterschiedlich sein.)
Hormon Referenzbereich
TSH 0,4 bis 4,0 mU/l = 0,4 bis 4,0 µU/ml
freies T4 (fT4) 0,8 bis 1,8 ng/dl = 8 bis 18 ng/l = 10 bis 23 pmol/l
freies T3 (fT3) 2,3 bis 4,5 pg/ml = 3,5 bis 7,0 pmol/l

Schilddrüsenhormone: Bedeutung und Regelung

Die Schilddrüsenhormone haben vielfältige Auswirkungen auf den Stoffwechsel, den Energieumsatz, das Wachstum, den Kreislauf und das Nervensystem. Bildlich gesprochen ermöglichen die Schilddrüsenhormone es den Zellen beziehungsweise Geweben, Energie aufzunehmen und einzusetzen, um deren jeweilige Aktivität auszuführen: also zum Beispiel den Muskelzellen, sich zu bewegen oder den Knochen, zu wachsen und sich zu reparieren.

Dabei ist L-Thyroxin (T4) ein Prohormon, also ein Hormonvorläufer, der selbst nicht wirksam ist, sondern lediglich die Speicherform der Schilddrüsenhormone darstellt. L-Thyroxin wird durch bestimmte Enzyme in das aktive Trijodthyronin (T3) umgewandelt. Nur Trijodthyronin kann an den Schilddrüsenhormonrezeptor (T3-Rezeptor) in den Zellen binden und so eine Wirkung entfalten.

Alle Zellen und Gewebe des Körpers können T4 und T3 aufnehmen und T4 in T3 umwandeln. Auch die Schilddrüse schüttet sowohl T4 als auch T3 aus, beim Menschen im Verhältnis 10:1. Die Menge an Schilddrüsenhormonen, die die Schilddrüse ausschüttet, unterliegt einem strengen Kontrollmechanismus, den man als Schilddrüsenregelkreis bezeichnet.

Der Schilddrüsenregelkreis

Zentrale Regelstation ist ein bestimmter Bereich im Gehirn: die Hirnanhangsdrüse, auch Hypophyse genannt. Sie kann die Produktion und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone durch das "Regelhormon" TSH steigern oder senken.

Dafür misst die Hypophyse ständig die Hormonkonzentration im Blut und reagiert, wenn zu viele oder zu wenige Schilddrüsenhormone vorhanden sind. Je nach Situation gibt sie dann mehr oder weniger TSH ab – das lässt sich anhand der Schilddrüsenwerte erkennen.

Produziert die Schilddrüse

  • zu viele Hormone, sinkt der TSH-Wert. In der Folge drosselt die Schilddrüse die Hormonproduktion.
  • zu wenig Hormone, steigt der TSH-Wert. Die Schilddrüse beginnt darauf, die Hormonproduktion anzukurbeln.

Dank dieses Mechanismus lässt sich die Funktionslage der Schilddrüse mithilfe des TSH-Wertes im Blut erkennen.

TRH regt TSH-Ausschüttung an

Ein weiterer Bestandteil des Regelkreises ist der Hypothalamus, ein Teil des Zwischenhirns. Dieser bildet das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon), welches die Hypophyse zur Produktion und Ausschüttung von TSH anregt.

Der Hypothalamus ist also das übergeordnete Regelzentrum und steuert die Aktivität der Hypophyse. Mithilfe von TRH bestimmt der Hypothalamus, wie empfindlich die TSH-Ausschüttung der Hypophyse auf Veränderungen der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut reagiert.

Anhand der Schilddrüsenwerte lässt sich daher erkennen, ob im Regelkreis etwas nicht stimmt – also eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse besteht – und ob die Störung von der Schilddrüse selbst oder von der Hypophyse ausgeht.

TSH-Wert (TSH basal)

Der TSH-Wert wird meist als TSH basal bestimmt. "Basal" bedeutet, dass die Ausschüttung von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auch Thyreotropin oder Thyrotropin genannt) vor der Bestimmung nicht durch ein Stimulationsverfahren (den sog. TRH-Test) angeregt wurde.

Beim TRH-Test verabreicht man dem Patienten vor der Blutabnahme das Hormon TRH (TSH-Releasing-Hormon, auch Thyreoliberin oder Thyroliberin genannt), welches die Ausschüttung von TSH stimuliert. Auf diesen Funktionstest kann man heutzutage aufgrund der Möglichkeit einer genauen und hochempfindlichen TSH-Messung jedoch in den meisten Fällen verzichten. Bei komplexen Funktionsstörungen der Hypophyse oder des Hypothalamus sowie bei genetischen, also erblich bedingten Syndromen (wie z. B. der Schilddrüsenhormonresistenz), kann der TRH-Test zur Sicherung der Diagnose jedoch hilfreich sein.

TSH wird von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) produziert und ins Blut abgegeben. Über den Blutkreislauf gelangt das TSH zur Schilddrüse, wo es die Produktion der Schilddrüsenhormone steigert und deren Ausschüttung ins Blut fördert.

Der TSH-Wert eignet sich sowohl zum Erkennen als auch zum Ausschließen einer Schilddrüsenerkrankung, da er empfindlicher als die Schilddrüsenhormone T4 und T3 auf eine Veränderung der Schilddrüsenfunktion reagiert. Bei einer Veränderung der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut um den Faktor 2 verändert sich der TSH-Wert um den Faktor 10.

Das bedeutet, dass zum Ausschluss einer Schilddrüsenfunktionsstörung, wenn also kein konkreter Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung besteht, nur TSH bestimmt wird. Liegt der TSH-Wert dann im Referenzbereich, ist eine Schilddrüsenfunktionsstörung sehr unwahrscheinlich. Besteht andererseits klinisch der Verdacht auf eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, bestimmt man gleich TSH und fT4 mit sowie gegebenenfalls auch fT3. So kann man das Ausmaß der Funktionsstörung ohne Zeitverlust abschätzen und eine latente von einer manifesten Schilddrüsenfunktionsstörung unterscheiden.

Für Erwachsene liegt der Referenzbereich für den TSH-Wert bei 0,4 bis 4,0 mU/l. Für Kinder und Jugendliche sowie im Alter gelten höhere TSH-Obergrenzen bis 10 mU/l. Wichtig zu wissen: Der TSH-Wert schwankt im Laufe des Tages. Frühmorgens ist er höher und nachmittags niedriger.

TSH-Wert zu hoch: Mögliche Ursachen

Ist der TSH-Wert erhöht, deutet das in den meisten Fällen auf eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) hin. Mögliche Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion sind:

Liegt die Ursache der Schilddrüsenunterfunktion in der Schilddrüse selbst, bezeichnet man dies als primäre Schilddrüsenunterfunktion (primäre Hypothyreose): Charakteristisch sind niedrige Schilddrüsenhormone und ein erhöhter TSH-Wert.

Seltene Ursache für zu hohe TSH-Werte: TSHom

In ganz seltenen Fällen kann ein erhöhter TSH-Wert auch Ausdruck einer Überfunktion der Schilddrüse sein: Diese Konstellation findet sich bei einem TSHom. Darunter versteht man ein gutartiges Adenom der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenadenom), das ungeregelt zu viel TSH produziert und damit die Schilddrüse durch eine übermäßige Stimulation in eine Überfunktion treibt.

Aufgrund der völlig unterschiedlichen Beschwerden und Symptome bei Über- und Unterfunktion der Schilddrüse lässt sich das hohe TSH bei einem TSHom jedoch kaum mit einem erhöhten TSH-Wert bei anderweitig verursachter Unterfunktion verwechseln.

TSH-Wert zu niedrig: Mögliche Ursachen

Schilddrüsenüberfunktion

Ein zu niedriger TSH-Wert entsteht meist durch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Mögliche Ursachen sind ein Morbus Basedow oder eine Schilddrüsenautonomie, also das Vorliegen eines Schilddrüsenknotens (autonomes Adenom) oder mehrerer Schilddrüsenknoten (multifokale Autonomie), die ungeregelt (autonom) zu viel Schilddrüsenhormon produzieren. Diese Knoten werden auch als warm oder heiß bezeichnet, weil sie in der Schilddrüsenszintigraphie als vermehrt speichernd auffallen.

Häufige Ursache: Überdosierte Schilddrüsenhormone

Eine weitere Ursache kann die zu hoch dosierte Einnahme von Schilddrüsenhormonen sein, also von L-Thyroxin, Trijodthyronin oder einer Kombination von beiden. Dies ist tatsächlich die häufigste Ursache für niedrige TSH-Werte: eine zu hoch dosierte Gabe von Schilddrüsenhormonen bei einer Schilddrüsenunterfunktion, die dann zur Überfunktion führt.

Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse

Seltene Ursache für einen niedrigen TSH-Wert kann außerdem eine Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) sein, zum Beispiel bei einer Entzündung der Hypophyse (Hypophysitis) oder einem Funktionsausfall bei Hypophysenadenom.

In diesen Fällen besteht eine Unterfunktion der Schilddrüse, da diese nicht oder nicht ausreichend durch TSH stimuliert wird. Diese Art der Unterfunktion wird also nicht durch ein Problem der Schilddrüse selbst, sondern durch eine Funktionsstörung der übergeordneten Hypophyse verursacht. Mediziner bezeichnen das als sekundäre Schilddrüsenunterfunktion (sekundäre Hypothyreose).

fT3- und fT4-Wert

Die Schilddrüsenhormone L-Thyroxin (T4, Levothyroxin) und Trijodthyronin (T3) sind im Blutkreislauf zum größten Teil an Bluteiweiße gebunden. Nur ein Bruchteil der Schilddrüsenhormone T4 und T3 liegt in ungebundener (freier) Form vor (als fT4 und fT3)

Der freie Anteil der Schilddrüsenhormone im Blut eignet sich besser zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion als die Gesamtkonzentration der Hormone T4 und T3. Denn die Konzentration der Bindungseiweiße kann durch eine Vielzahl von Faktoren verändert werden (z. B. bei Einnahme der Antibabypille oder dem Vorliegen einer Schwangerschaft). Deshalb bestimmt man für die Schilddrüsenwerte üblicherweise das freie Hormon (fT4, fT3).

fT4- und/oder fT3-Werte zu hoch

Zu hohe fT4- und/oder fT3-Werte sind Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), wie zum Beispiel bei Morbus Basedow oder einer Schilddrüsenautonomie.

fT4- und/oder fT3-Werte zu niedrig

Zu niedrige fT4- und/oder fT3-Werte deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hin, wie etwa bei einer Hashimoto-Thyreoiditis oder bei Zustand nach einer Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie.

Einschätzung der Schilddrüsenwerte

Wenn alle drei Schilddrüsenwerte vorliegen (TSH, fT4, fT3), kann der Arzt festlegen, ob es sich um eine leichte (latente) oder ausgeprägte (manifeste) Störung handelt.

Werte bei Schilddrüsenüberfunktion

Leichte (latente) Schilddrüsenüberfunktion:
Der TSH-Wert ist bereits zu niedrig, die Werte von fT4 und fT3 liegen meist noch im Referenzbereich.

Ausgeprägte (manifeste) Schilddrüsenüberfunktion:
Der TSH-Wert ist zu niedrig, die Werte von fT4 und/oder fT3 sind erhöht.

Werte bei Schilddrüsenunterfunktion

Leichte (latente) Schilddrüsenunterfunktion:
Der TSH-Wert ist schon erhöht, die Werte von fT4 und fT3 liegen meist noch im Referenzbereich.

Ausgeprägte (manifeste) Schilddrüsenunterfunktion:
Der TSH-Wert ist zu hoch, die Werte von fT4 und/oder fT3 dagegen zu niedrig.

Tabelle: Funktionszustände der Schilddrüse in Abhängigkeit von den Schilddrüsenwerten

fT4 und/oder fT3 TSH basal Schilddrüsenfunktion
normal normal gesund (Euthyreose)
normal erhöht leichte Schilddrüsenunterfunktion
(latente Hypothyreose)
zu niedrig erhöht ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion
(manifeste Hypothyreose)
normal zu niedrig leichte Schilddrüsenüberfunktion
(latente Hyperthyreose)
erhöht zu niedrig ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion
(manifeste Hyperthyreose)

Sonderformen

Davon abzugrenzen sind seltene Sonderformen wie etwa die folgenden Beispiele.

Sekundäre Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer sekundären Schilddrüsenunterfunktion (sekundäre Hypothyreose) besteht eine Unterfunktion mit niedrigem TSH-Wert und niedrigem fT4 und/oder fT3. Die Ursache einer sekundären Schilddrüsenunterfunktion ist in der Regel eine Unterfunktion der Hypophyse.

Überfunktion bei TSHom

Bei einer Überfunktion bei TSHom, also einem gutartigen Adenom der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenadenom), besteht eine Schilddrüsenüberfunktion mit hohem TSH-Wert und erhöhten Werten für fT4 und/oder fT3.

Schilddrüsenhormonresistenz

Bei verschiedenen sehr seltenen erblich bedingten (genetischen) Syndromen wie zum Beispiel bei der Schilddrüsenhormonresistenz kann auch eine normale Schilddrüsenfunktion bei erhöhten Schilddrüsenhormonen und erhöhtem TSH-Wert bestehen.