Eine Frau greift sich mit der Hand an den Hals.
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Struma (Kropf, vergrößerte Schilddrüse)

Der Begriff Struma, im Volksmund auch Kropf genannt, beschreibt eine vergrößerte Schilddrüse. Die Betroffenen bemerken oft keine Symptome. Eine Schilddrüsenvergrößerung kann aber ebenso Beschwerden wie ein Druckgefühl im Hals oder Schluckbeschwerden verursachen. Wenn sich die Schilddrüse stark vergrößert, kann sie unter Umständen die Luftröhre einengen und die Atmung erschweren.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Struma (Kropf, vergrößerte Schilddrüse): Was ist das?

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das unterhalb des Kehlkopfs am Hals liegt. Sie bildet die beiden für den Körper lebenswichtigen Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin. Je nachdem, wie sich eine vergrößerte Schilddrüse auf die Hormonproduktion auswirkt, lassen sich verschiedene Formen der Struma unterscheiden:

  • Meistens ist die Produktion der Schilddrüsenhormone trotz der Schilddrüsenvergrößerung unverändert. Mediziner bezeichnen den Kropf dann als euthyreote Struma.
  • Produziert die vergrößerte Schilddrüse mehr Hormone, liegt eine hyperthyreote Struma vor (Hyperthyreose = Schilddrüsenüberfunktion).
  • Bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone, handelt es sich um eine hypothyreote Struma (Hypothyreose = Schilddrüsenunterfunktion).

Video: Anatomie, Funktion und Erkrankungen der Schilddrüse

Je nachdem, wie stark der sogenannte Kropf ausgebildet ist, unterscheidet man folgende Struma-Grade:

  • Grad 0: Die vergrößerte Schilddrüse lässt sich nur im Ultraschall feststellen. Die Schilddrüse ist weder sicht- noch tastbar vergrößert.
  • Grad I: Die Schilddrüse ist tastbar vergrößert, aber die Vergrößerung ist nicht oder nur bei zurückgebeugtem Kopf sichtbar.
  • Grad II: Die Schilddrüsenvergrößerung ist sicht- und tastbar.
  • Grad III: Die Schilddrüse ist stark vergrößert. Der Kropf ist auch aus Entfernung sichtbar.

Dabei ist die Schilddrüse entweder gleichmäßig vergrößert (sog. Struma diffusa) oder es kommt – durch einen oder mehrere sogenannte Schilddrüsenknoten – nur in bestimmten Bereichen zur Schilddrüsenvergrößerung (sog. Struma nodosa; bei vielen Knoten in der Schilddrüse sprechen Mediziner auch von einer Struma multinodosa). Je nach ihrer hormonellen Aktivität unterscheiden Mediziner kalte und heiße Knoten:

  • Ein kalter Knoten bildet im Vergleich zur restlichen Schilddrüse weniger oder gar keine Hormone. Die Schilddrüsenfunktion ist durch kalte Knoten aber meist nicht beeinträchtigt.
  • Ein heißer Knoten bildet vermehrt Hormone. Dadurch gelangen zu viele Schilddrüsenhormone ins Blut – ab einer bestimmten Knotengröße kann so eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen.

Meistens sind Schilddrüsenknoten für eine vergrößerte Schilddrüse verantwortlich. Die Struma diffusa kommt dagegen eher selten vor. Hierbei wuchert das gesamte Schilddrüsengewebe, zum Beispiel durch hormonelle Einflüsse während der Pubertät.

Fazit: Eine Struma alleine sagt noch nichts darüber aus, ob die Schilddrüse normal funktioniert oder warum sie vergrößert ist.

Ursachen

Eine Struma (Kropf, vergrößerte Schilddrüse) kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist Jodmangel für eine Schilddrüsenvergrößerung verantwortlich: Jod ist ein wichtiger Bestandteil der beiden Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin, auch Thyroxin). Die Schilddrüse benötigt also Jod, um die beiden Hormone zu bilden.

Als optimal gilt eine Zufuhr von rund 200 Mikrogramm Jod täglich. Doch nicht jeder nimmt genügend Jod über die Nahrung auf: Weltweit hat nahezu jeder Dritte eine durch Jodmangel mehr oder weniger stark vergrößerte Schilddrüse. Deren Funktion ist bei einer Jodmangel-Struma in der Regel nicht verändert (euthyreote Schilddrüsenvergrößerung).

Auch eine Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) kann eine Struma verursachen – zum Beispiel wie bei den Autoimmunkrankheiten namens Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis. Häufig besteht dann gleichzeitig eine Überfunktion (Hyperthyreose) oder eine Unterfunktion (Hypothyreose) der Schilddrüse.

Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsen­karzinom)Weitere mögliche Ursachen für eine Struma sind zum Beispiel:

  • hormonelle Veränderungen, z.B. in der Pubertät
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (z.B. Lithium in Antidepressiva oder die Schilddrüsenmedikamente Carbimazol, Thiamazol und Propylthiouracil)
  • eine Schilddrüsenautonomie und andere Schilddrüsenerkrankungen, die mit einer gesteigerten Hormonproduktion einhergehen
  • Verletzungen der Schilddrüse
  • bestimmte kropferzeugende Substanzen in Lebensmitteln (z.B. Thiocyanat, Nitrat, Perchlorat)
  • Selen- oder Zinkmangel

Vereinzelt kann auch Schilddrüsenkrebs hinter einer Struma stecken. Bösartige Tumoren der Schilddrüse sind jedoch selten und haben, je nach Art und Stadium des Tumors, meist eine gute Prognose.

Diagnose

Bei einer Struma (Kropf, vergrößerte Schilddrüse) erfasst der Arzt zunächst die Krankengeschichte (sog. Anamnese) – das heißt, er stellt einige Fragen, wie:

  • Seit wann ist die Schilddrüse verändert?
  • Nehmen Sie viel oder wenig Jod zu sich? Essen Sie z.B. viel Fisch oder verwenden Sie jodiertes Speisesalz?
  • Ist der Kropf das einzige Symptom oder verspüren Sie noch weitere Beschwerden (wie Schluckbeschwerden, Atembeschwerden, Abgeschlagenheit)?
  • Bestehen irgendwelche Vorerkrankungen?

Um die Struma zu beurteilen, ist eine körperliche Untersuchung nötig. Dabei schaut sich der Arzt den Hals zunächst genau an und tastet ihn dann ab: So kann er die Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse untersuchen und testen, ob sie sich verschieben lässt. Außerdem überprüft der Arzt, ob Knoten in der Schilddrüse vorhanden sind und wie sich die Haut über der Schilddrüse anfühlt. Anschließend misst er den Halsumfang.

Zur Basisdiagnostik bei einer Struma gehört auch eine Ultraschalluntersuchung: Dabei lassen sich die genaue Größe, eventuelle Knoten und andere Veränderungen der Schilddrüse beurteilen. Sind Schilddrüsenknoten vorhanden, kann der Arzt mit einer Schilddrüsen-Szintigraphie feststellen, ob es sich um kalte Knoten oder heiße Knoten handelt. Vor der Untersuchung erhält man radioaktiv markiertes Jod, um die Struktur der Schilddrüse besser sichtbar zu machen:

  • Heiße Knoten speichern das radioaktive Kontrastmittel bei der Untersuchung,
  • kalte Knoten dagegen nicht.

Zudem kann eine Blutuntersuchung bei einer Struma zur Diagnose beitragen: Dabei kommt es vor allem darauf an, die Schilddrüsenwerte (Thyroxin, Trijodthyronin und TSH) zu bestimmen. Gegebenenfalls sind weitere Blutuntersuchungen (TRH-Test, Schilddrüsen-Autoantikörper, Calcitonin) ratsam.

In manchen Fällen sind bei einer Struma zusätzliche Untersuchungen notwendig, etwa Röntgenuntersuchungen und/oder eine Computer- oder Kernspintomographie. Ist ein auffälliger Schilddrüsenknoten verantwortlich für den Kropf, entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe und lässt diese feingeweblich untersuchen (Biopsie). So kann er feststellen, ob der Knoten gut- oder bösartig ist.

Therapie

Die Therapie einer Struma (Kropf, vergrößerte Schilddrüse) richtet sich nach deren Ursache und danach, ob und welche Beschwerden Sie haben und wie Ihr Allgemeinzustand ist.

Wenn die Schilddrüsenwerte im Blut trotz Kropf normal sind (sog. euthyreote Struma) und keinerlei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs besteht, reichen oft Medikamente zur Therapie aus:

  • Bei Jodmangel verschreibt der Arzt Jodtabletten. Daneben ist eine jodreiche Ernährung ratsam (für eine optimale Schilddrüsenfunktion gelten etwa 200 Mikrogramm Jodid täglich als empfehlenswert) – Fisch und jodiertes Speisesalz sind zum Beispiel gute Jodquellen.
  • Manchmal müssen Menschen mit einem Kropf zusätzlich Schilddrüsenhormone einnehmen.

Wichtig ist es, während der Behandlung der Struma die Schilddrüsenwerte regelmäßig durch eine Blutuntersuchung zu kontrollieren. Zudem sollten Sie in regelmäßigen Abständen die Größe der Schilddrüse in einer Ultraschalluntersuchung überprüfen lassen.

Seltener kann bei einer Struma eine Operation notwendig sein. Dabei entfernt der Chirurg – je nach Befund – die Schilddrüse teilweise oder ganz. Wenn bei Ihnen die gesamte Schilddrüse entfernt wird, müssen Sie anschließend lebenslang Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen. Für eine Schilddrüsen-OP sprechen zum Beispiel:

  • eine knotige und sehr stark vergrößerte Schilddrüse,
  • der Verdacht auf Schilddrüsenkrebs,
  • örtliche Beschwerden oder
  • eine anders nicht ausreichend behandelbare Schilddrüsenüberfunktion.

Um eine Überfunktion oder Autonomie der Schilddrüse zu beseitigen und die Struma zu verkleinern, können Sie sich alternativ zur Operation einer Bestrahlung der Schilddrüse mit radioaktiv markiertem Jod (Radiojodtherapie) unterziehen (während der Schwangerschaft und Stillzeit kommt diese Behandlung aber nicht in Betracht). Eine Radiojodtherapie kann zum Beispiel infrage kommen, wenn:

  • Ihr Alter gegen eine OP spricht,
  • eine OP wegen Begleiterkrankungen nicht möglich ist oder
  • Sie beruflich viel reden oder singen.

Grundsätzlich kann eine Schilddrüsen-OP auch bei nur leicht vergrößerter Schilddrüse und eine Radiojodtherapie auch bei großer Struma zum Einsatz kommen.