Propylthiouracil

Allgemeines

Propylthiouracil wird bei Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, wenn äußere Anzeichen dafür bestehen (Basedow-Krankheit) oder die Schilddrüse nicht mehr auf die körpereigenen Hormone reagiert.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Umwandlung von T4 in T3 verhindern
  • Herstellung von Schilddrüsenhormonen hemmen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Propylthiouracil im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Propylthiouracil nicht verwendet werden?

Propylthiouracil darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schweren Nebenwirkungen einer Propylthiouracil–Behandlung in der Vergangenheit (insbesondere Fehlen von Granulozyten im Blut oder Leberschädigung im Sinne einer Leberentzündung).
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei bereits bestehenden Veränderungen des Blutbildes und Fettstoffwechselstörungen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bei Frauen mit Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko von Fehl- und Totgeburten sowie Missbildungen beim Kind. Allerdings kann auch eine Unterfunktion zu Fehlgeburten führen. Propylthiouracil scheint in Hinsicht von Missbildungen unbedenklich zu sein, doch kann ein Fehlbildungsrisiko nicht sicher ausgeschlossen werden.

In der 10. bis 14. Schwangerschaftswoche beginnt beim Ungeborenen die Hormonproduktion. Der Arzt wird die Dosis des Wirkstoffs möglichst niedrig wählen, um eine Fehlgeburt sowie eine Schilddrüsenunterfunktion und Bildung eines Kropfes beim Ungeborenen zu vermeiden. Im letzten Schwangerschaftsdrittel bessert sich eine Schilddrüsenüberfunktion oft von selbst. Eine leichte Überfunktion der Schilddrüse wird von der Schwangeren und dem Kind besser vertragen als eine Unterfunktion. In der Schwangerschaft ist somit eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung von Mutter und Kind bei Gabe des Wirkstoffs erforderlich.

In der Stillzeit gilt Propylthiouracil als das Mittel der Wahl, da die Konzentration in der Milch höchstens ein Zehntel der mütterlichen Blutkonzentration beträgt. Eine besondere ärztliche Überwachung der Kinder ist jedoch erforderlich, da es in Einzelfällen zu Schilddrüsenunterfunktion kommen kann.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Schon Neugeborene können Propylthiouracil gegen eine Schilddrüsenüberfunktion erhalten. Allerdings muss die Dosierung bei Kindern sehr vorsichtig nach Körpergewicht erfolgen.

Welche Nebenwirkungen kann Propylthiouracil haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Propylthiouracil. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
vorübergehende Erhöhung von Leberwerten (ASAT, ALAT)

Häufige Nebenwirkungen:
Mangel an Neutrophilen, Überempfindlichkeitsreaktionen (Juckreiz, Nesselsucht), Magenunverträglichkeit, Übelkeit und Erbrechen

Gelegentliche Nebenwirkungen-
Fehlen von Granulozyten, vorübergehende Geschmacks- und Geruchsstörungen

Seltene Nebenwirkungen:
Medikamentenfieber, Leberschädigung, Schwindel, Störungen der Nerven- und Muskelfunktion

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel, Mangel an Blutzellen, gestörte Bildung roter Blutkörperchen, Auflösung von Blutzellen, Lymphknotenschwellung, Gelenkschmerzen, Blutgefäßentzündung (auch knotig), Lupus-ähnliche Hauterkrankung, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Haarausfall, Unterhautblutungen, Blutspucken, Lungenentzündung, Lungenblutung, Asthma, Nierenfunktionsstörungen, Nierenkörperchenentzündung, Nierenversagen, Kropfbildung (bei Neugeborenen), vorübergehender Verlust des Hörvermögens

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Leberentzündung, Leberversagen

Besonderheiten:
Bei einer Propylthiouracil-Gabe wird der Arzt regelmäßig das Blutbild, die Leberwerte und die Fettstoffwechsel-Werte kontrollieren.

Kommt es während der Behandlung zu Fieber, Abgeschlagenheit und Entzündungen der Mandeln oder der Mundschleimhaut, ist sofort ein Arzt aufzusuchen, der das Blutbild kontrolliert.

Die Therapie mit dem Wirkstoff wird beendet, wenn der Arzt wesentliche Veränderungen der Leberwerte feststellt.

Treten während der Behandlung Entzündungen von Blutgefäßen auf, ist sofort ein Arzt zu befragen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Propylthiouracil?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Gabe des Schilddrüsenhormons Thyroxin vermindert die Aufnahme von Propylthiouracil in die Schilddrüse. Es sind daher höhere Dosierungen des Wirkstoffs nötig.

Eine gleichzeitige Einnahme von Jod oder eine vorausgegangene Aufnahme jodhaltiger Medikamente oder Röntgenkontrastmittel kann die Wirkung von Propylthiouracil senken und den Eintritt des Therapie-Erfolgs deutlich hinauszögern.

Die Propylthiouracil-Behandlung kann die Wirkung des Betablockers Propranolol und von Blutverdünnern wie Phenprocoumon und Warfarin so ändern, dass der Arzt deren Dosis korrigieren muss.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Therapie muss der Arzt regelmäßig das Blutbild, die Leberwerte und die Fettstoffwechsel-Werte kontrollieren.
  • Bei Fieber, Abgeschlagenheit und Entzündungen der Mandeln oder der Mundschleimhaut ist sofort ein Arzt zur Kontrolle des Blutbildes aufzusuchen.
  • Bei wesentlichen Veränderungen der Leberwerte wird der Arzt die Therapie mit dem Medikament beenden.
  • Treten während der Behandlung Entzündungen von Blutgefäßen auf, ist sofort ein Arzt zu befragen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Propylthiouracil?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Propylthiouracil enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Tabletten

So wirkt Propylthiouracil

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Propylthiouracil. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Schilddrüsenmittel, zu welcher der Wirkstoff Propylthiouracil gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Propylthiouracil

Propylthiouracil wird bei Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt, wenn äußere Anzeichen dafür bestehen (Basedow-Krankheit) oder die Schilddrüse nicht mehr auf die körpereigenen Hormone reagiert.

Außerdem wird der Wirkstoff bei Schilddrüsenüberfunktion zur Vorbereitung einer Operation oder der Therapie mit radioaktivem Jod eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Propylthiouracil sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Propylthiouracil

Propylthiouracil zählt zur Wirkstoffgruppe der Schilddrüsenmittel. Es ist selbst kein Hormon, wirkt aber auf den Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone.

Propylthiouracil greift bei Schilddrüsenüberfunktion in die überschießende Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin (T3) ein.

Beide Schilddrüsenhormone werden von der Schilddrüse aus der Aminosäure Tyrosin hergestellt. Sie ist Bestandteil des Eiweißes Thyreoglobulin. An dieses Tyrosin binden Enzyme in einem ersten Schritt das Element Jod. So entstehen Mono- und Dijod-Tyrosin, die sich im Gewebe dann zu Trijodthyronin (T3, mit drei Jod-Atomen) und Thyroxin (T4, mit vier Jod-Atomen) verbinden.

Propylthiouracil hemmt die Herstellung von Schilddrüsenhormonen auf zwei Wegen. Erstens blockiert es das Enzym, welches den Einbau von Jod in das Eiweiß Thyreoglobulin steuert und zweitens hemmt es die Kupplungsreaktion der Schilddrüsenhormon-Bausteine und damit die Entstehung von Trijodthyronin und Thyroxin.

Insgesamt wird durch den Wirkstoff die Ausschüttung neuer Schilddrüsenhormone stark verringert, was die Beschwerden der Überfunktion bessert. Allerdings verhindert es nicht die Freisetzung der bereits hergestellten Schilddrüsenhormone. Hierdurch erklärt sich eine im Einzelfall unterschiedlich lange Zeit bis zur Normalisierung der Blutwerte an Thyroxin und Trijodthyronin und bis zum Therapieerfolg.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.