Docetaxel

Allgemeines

Der Wirkstoff Docetaxel wird bei verschiedenen Krebs-Erkrankungen allein oder in Kombination mit anderen Zytostatika eingesetzt:

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wachstum von Krebszellen behindern
  • Krebszellen abtöten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Docetaxel im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Docetaxel nicht verwendet werden?

Docetaxel darf nicht angewandt werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, bei Patienten mit einem unnormalen Blutbild (Zahl der neutrophilen Zellen unter 1500/mm3) oder mit einer schweren Leberfunktionsstörung.

Patienten mit schweren Flüssigkeitseinlagerungen im Körper wie Brustfellerguss, Herzbeutelerguss oder Wasserbauch (Aszites) sollten während der Behandlung vom Arzt streng auf eine Verschlimmerung ihres Zustandes überwacht werden.

Patienten mit erhöhten Leberfunktionswerten (Enzymwerten) dürfen nur eine Dosis von 75 Milligramm Docetaxel/m2 Körperoberfläche erhalten. Zudem sollten bei ihnen vor jedem Behandlungszyklus ärztliche Leberfunktionstests erfolgen.

 

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Docetaxel darf bei schwangeren oder stillenden Frauen nicht angewandt werden. Während der Therapie und mindestens bis drei Monate nach Beendigung müssen wirksame Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung getroffen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Docetaxel kann auch bei Kindern und Jugendlichen zur Bekämpfung von Krebserkrankungen eingesetzt werden, doch sind die entsprechenden Erfahrungen begrenzt.

Welche Nebenwirkungen kann Docetaxel haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Docetaxel. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutbildveränderungen (Neutrophilen-Mangel, Blutarmut), Fieber, Gefühlsstörungen der Nerven in Armen und Beinen, Störungen der nervlichen Bewegungssteuerung, Geschmacksstörungen, Atembeschwerden, Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Hautreaktionen, Nagelveränderungen, Muskelschmerzem, Essensverweigerung, Infektionen (einschließlich Blutvergiftung und Lungenentzündung), Flüssigkeitseinlagerungen, Schwäche, Schmerzen, Überempfindlichkeit.

Häufige Nebenwirkungen:
Blut-Bilirubin-Anstieg, Leber-Enzym-Wertanstieg (alkalische Phosphatase, ASAT, ALAT), Herzrhythmusstörungen, Blutplättchenmangel, Verstopfung, Bauchschmerzen, Magen-Darm-Blutungen, Gelenkschmerzen, Infektionen (aufgrund von Abwehrschwäche), niedriger Blutdruck, Bluthochdruck, Blutungsneigung, Reaktionen an der Einstichstelle, Brustschmerzen (nicht herzbedingt).

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Herzversagen, Speiseröhrenentzündung.

Besonderheiten:
Die Aufstellung der Nebenwirkungen bezieht sich auf die klinischen Studien mit einer Therapie mit Docetaxel allein in einer Dosierung von 100 Milligramm/m2 Körperoberfläche. Bei Gabe von Docetaxel in Kombination mit anderen Chemotherapeutika kann der Schweregrad der Nebenwirkungen erhöht sein oder es können weitere Nebenwirkungen auftreten.

Seltene Nebenwirkungen (Marktbeobachtungen):
Herzinfarkt, Krämpfe, Bewusstlosigkeit (vorübergehend), Tränenfluss, Bindehautentzündung, Tränenkanalverschluss, Hörnervschädigungen, Hörstörungen, Verlust des Gehörs, Atemnot, Lungenentzündung (auch durch gleichzeitige Bestrahlung), Lungengewebeverhärtung (Fibrose), Austrocknung (auch durch Durchfall und/oder Erbrechen), Magen-Darm-Durchbrüche, Dickdarmentzündung (auch aufgrund von Mangeldurchblutung), Dünndarmentzündung, Darmverschluss, Venenverstopfung, Verstärkung von Strahlenreaktionen, Lungenstau.

Sehr seltene Nebenwirkungen (Marktbeobachtungen):
Sehstörungen (wie Lichtblitze, Lichtkränze; vorübergehend), schwere Hautreaktionen (Lupus erythematodes, Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), Blutkrebs (akute myeloische Leukämie und myelodysplastisches Syndrom; bei Kombination mit anderen Chemotherapeutika und/oder mit Strahlentherapie), Leberentzündung (gelegentlich tödlich bei Patientinnen mit Lebererkrankungen).

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe (Marktbeobachtungen):
Knochenmarks-Funktionsstörungen, Blutbildveränderungen, Blutgerinnung in den Gefäßen, Blutvergiftung, Organversagen, Hautverhärtungen, allergischer Schock.

Besonderheiten:
Soweit nicht anderes dagegen spricht, kann bei Brustkrebs und nicht kleinzelligem Lungenkrebs durch eine Vorbehandlung mit einem "Kortison"-Präparat zum Einnehmen (oralen Kortikosteroid) sowohl Häufigkeit und Schweregrad von Flüssigkeitsansammlungen im Körper als auch der Schweregrad von Überempfindlichkeitsreaktionen vermindert werden.

Bei Patienten, die mit Docetaxel, Doxorubicin und Cyclophosphamid behandelt werden, kann eine Hemmung der Knochenmarksfunktion mit Blutbildveränderungen auftreten. Dieses Risiko erfordert eine Nachbeobachtung des Blutbildes auch nach der Zeit der Behandlung.

Während der Therapie und während der Folgezeit kann es zu einer Herzmuskelschwäche kommen. Die Patientinnen sollten daher hinsichtlich ihrer Herzfunktion sorgfältig ärztlich überwacht werden. Dies gilt besonders bei Kombination mit Trastuzumab.

Treten schwere Überempfindlichkeitreaktionen wie starker Blutdruckabfall, Bronchialkrämpfe oder allgemeine Hautausschläge oder Hautrötungen auf, so ist die Behandlung mit Docetaxel sofort abzubrechen.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Docetaxel?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Ciclosporin (gegen Organabstoßungen), das Allergie-Mittel Terfenadin sowie die Antibiotika Erythromycin und Troleandomycin verändern die Wirkung von Docetaxel, weil sie seinen Abbau im Körper hemmen oder fördern.

In Kombination mit Docetaxel war die Ausscheidung des Zytostatikums Carboplatin etwa 50 Prozent stärker, die Wirkung desselben also schwächer.

Docetaxel sollte bei Patienten, die gleichzeitig das AIDS-Medikament Ritonavir oder die Pilzmittel Ketoconazol oder Itraconazol erhalten, mit Vorsicht verabreicht werden. Die Substanzen behindern die Docetaxel-Ausscheidung, was zu einer Wirkungsverstärkung mit mehr Nebenwirkungen führen kann. So werden möglicherweise auch geringere Docetaxel-Dosierungen schlechter vertragen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Therapie und während der Folgezeit muss der Arzt die Herzfunktion überwachen. Dies gilt besonders bei Kombination des Medikaments mit Trastuzumab.
  • Während der Therapie mit dem Medikament muss der Arzt das Blutbild laufend kontrollieren.
  • Bei Blutdruckabfall, starken Hautreaktionen oder Bronchialkrämpfen ist die Behandlung mit dem Medikament sofort abzubrechen.
  • Während der Therapie mit dem Medikament muss ein wirksamer Schutz vor Schwangerschaft sichergestellt sein.
  • Die Verwendung des Medikaments darf nur unter Aufsicht eines erfahrenen Krebsarztes (Onkologen) erfolgen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Docetaxel?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Docetaxel enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Docetaxel beta 20 mg/ -80 mg Konzentrat und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung
Infusionslösungs­konzentrat
Docetaxel cell pharm 20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Infusionslösungs­konzentrat
Docetaxel-ratiopharm 20 mg/ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Infusionslösungs­konzentrat
Infusionslösungs­konzentrat

 

So wirkt Docetaxel

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Docetaxel. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Docetaxel gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Docetaxel

Der Wirkstoff Docetaxel wird bei verschiedenen Krebs-Erkrankungen allein oder in Kombination mit anderen Zytostatika eingesetzt:

Brustkrebs
Bei Brustkrebs ist die Anwendung von Docetaxel in Kombination mit Doxorubicin und Cyclophosphamid für die begleitende Therapie üblich, wenn der Krebs von Knoten ausgeht, die operiert werden können. In Kombination mit Doxorubicin wird der Wirkstoff auch zur Behandlung von Patientinnen eingesetzt, die einen örtlich fortgeschrittenen Brustkrebs haben, der schon Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat. Es darf dann aber keine andere Chemotherapie vorausgegangen sein.

Docetaxel alleine wird bei Brustkrebs nur dann verwendet, wenn ein Brustkrebs örtlich fortgeschritten ist oder schon Metastasen gebildet hat und eine Chemotherapie mit Anthracyclinen oder alkylierenden Zytostatika versagt hat. In solchen Fällen wird der Wirkstoff auch manchmal mit Capecitabin kombiniert eingesetzt.

In Kombination mit Trastuzumab wird Docetaxel bei speziellen metastasenbildenden Brustkrebsformen angewendet, die an ihrem Oberflächen-Eiweiß HER2 erkennbar sind und noch nicht mit Chemotherapie behandelt wurden.

Lungenkrebs
Nicht kleinzellige Lungenkrebsformen, die örtlich fortgeschritten sind oder schon Tochtergeschwulste gebildet haben, werden mit Docetaxel alleine behandelt, wenn eine vorausgegangene Chemotherapie versagt hat. Bei solchen Krebsformen, die nicht durch Operation zu entfernen sind, ist auch die Kombination mit Cisplatin üblich.

Vorsteherdrüsenkrebs
Ist der Krebs der Vorsteherdrüse nicht durch eine Hormontherapie zu behandeln und haben sich schon Tochtergeschwülste gebildet, wird Docetaxel zusammen mit Prednison oder Prednisolon eingesetzt.

Magenkrebs
Ein sogenanntes Adenokarzinom des Magens und der Übergangszone zur Speiseröhre wird mit der Dreifach-Kombination aus Docetaxel, Cisplatin und 5-Fluorouracil behandelt, wenn der Krebs schon Tochtergeschwülste gebildet hat und keine vorherige Chemotherapie stattfand.

Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich
Ebenfalls mit Cisplatin und 5-Fluorouracil wird Docetaxel eingesetzt, um örtlich fortgeschrittene sogenannte Plattenepithel-Karzinome erstmalig zu behandeln.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Docetaxel sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Docetaxel

Damit sich eine Krebszelle teilen und vermehren kann, muss sich - wie bei jeder Zelle mit Zellkern - dieser Kern spalten und beide Hälften auseinander gezogen werden. Dafür bildet die Zelle Mikrotubuli, kleine Fäden aus Eiweiß, aus. Diese Fäden heften sich einerseits an die Zellinnenwand an, anderseits an die ihnen zugewandte Zellkern-Hälfte. Durch Verkürzung der Eiweißfäden werden dann die Zellkern-Hälften auseinandergezogen, damit zwischen ihnen die Zellwände der beiden Tochterzellen gebildet werden können.

Die Wirkung von Docetaxel beruht auf einem tiefen Eingriff in den geschilderten Mechanismus der Zellteilung. Docetaxel führt nämlich zu einer überschießenden Bildung von Mikrotubuli und hemmt ihren Abbau zur Wiederverwendung. Weil der Zelle somit das "Baumaterial" für die zur Zellteilung benötigten Fäden ausgeht, kommt die Vermehrung allmählich zum Erliegen. Davon besonders betroffen sind Krebszellen, die sich schneller teilen als normale Körperzellen.

Da die Mikrotubuli außerdem auch in den Phasen zwischen den Zellteilungen zum Stofftransport benötigt werden, wirkt Docetaxel nicht allein hemmend auf die Vermehrung der Krebszellen, sondern tötet sie auch ab.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.