Jemand hat die Pulloverärmel fast ganz über die Hände gezogen.
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Nagelveränderungen

Von Nagelveränderungen spricht man, wenn sich Finger- oder Zehennägel verändern und von ihrer normalen Form abweichen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Definition

Nägel zählen (wie Haare) zu den sogenannten Hautanhangsgebilden: Verhornte Hautzellen der oberen Hautschicht (Epidermis) bilden die Nagelplatte. Die Nagelplatte wächst aus der Nageltasche heraus und wird hauptsächlich von der Nagelmatrix (Nagelwurzel) gebildet.

Während Haare in Zyklen wachsen – sich also Wachstumsphasen abwechseln mit Zeiten ohne Wachstum – wachsen Nägel ununterbrochen. Fingernägel werden etwa um 0,3 bis 0,8 Millimeter pro Woche länger. Bei älteren Menschen wachsen die Nägel jedoch nur noch etwa halb so schnell. Bis Nägel einmal komplett erneuert sind, dauert es ungefähr vier bis sechs Monate. Zehennägel sind insgesamt dicker als Fingernägel und wachsen langsamer: Sie brauchen bis zu einem Jahr oder länger, bis sie ganz rausgewachsen sind.

Nagelverformungen sind Veränderungen der Nagelplatte. Manchmal ist auch die Nagelmatrix davon betroffen.

Zu den Nagelveränderungen zählen zum Beispiel:

  • Formänderungen (Dystrophie) wie Reliefveränderungen (Grübchen, Quer- oder Längsrillen oder Furchen)
  • Gestaltveränderungen (Löffelnägel, Uhrglasnägel)
  • Veränderungen der Nageldicke
  • schichtartiges (lamellenartiges) „Abblättern“ vom Nagelrand her (Onychoschisis)
  • Einrisse in der Nagelplatte (Onychorrhexis)
  • teilweise oder komplette Ablösung der Nagelplatte (Onycholyse)

Um bei Nagelveränderungen die Ursache herauszufinden, ist ein Arztbesuch zu empfehlen. In der Regel werden dem*der Betroffenen dann zunächst einige Fragen gestellt. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob die Nägel außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sind – etwa Nägelkauen, Haushaltsarbeiten oder Lösungsmitteln (wie in Nagellackentfernern). Auch ob bestimmte Erkrankungen vorliegen, ist von Interesse, denn manche können mit Nagelveränderungen einhergehen, (z.B. Herzerkrankungen). Eine nähere Betrachtung der Nagelveränderungen mit einer Lupe oder einem Dermatoskop kann weiteren Aufschluss geben. Je nach Verdacht veranlasst der*die Arzt*Ärztin weitere Untersuchungen, zum Beispiel einen Abstrich des Nagels oder eine Blutuntersuchung.

Wie die Nagelverformung behandelt wird, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Sind die Nagelveränderungen nur die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung, so muss die zugrundeliegende Erkrankung gezielt behandelt werden. Sind die Nagelverformungen die Folge einer Infektion der Nägel, können bestimmte Medikamente helfen, zum Beispiel Antimykotika bei Pilzinfektionen oder Antibiotika bei bakteriellen Infektionen. Bei sehr schweren Nagelveränderungen entfernt der*die Arzt*Ärztin manchmal einen Teil oder den ganzen Nagel, damit er wieder normal nachwachsen kann.

Ursachen für Nagelveränderungen

Für Nagelveränderungen kommt eine Vielzahl an Ursachen infrage. Solche Nagelveränderungen können zum Beispiel auftreten, wenn die Nagelplatte geschädigt wurde, etwa durch einer Pilzinfektion (Nagelpilz), oder durch eine Erkrankung des Nagelbetts. Wird die Nagelmatrix (Nagelwurzel) beschädigt, kann das zu Nagelverformungen führen, weil der Nagel nicht richtig gebildet wird. Außerdem können Nagelverformungen durch Infektionen mit Bakterien oder Pilzen unter der Nagelplatte oder in der Nageltasche entstehen.

Daneben können weitere Ursachen zu Nagelverformungen führen:

Zu Nagelveränderungen kann es manchmal aber auch kommen, wenn man die Hände häufig befeuchtet und mit Seifen oder Putzmitteln in Kontakt bringt (z.B. durch häufiges Händewaschen, Spülen / Putzen ohne Handschuhe) oder wenn man die Nägel häufig Lösungsmitteln (z.B. Nagellackentferner) aussetzt. Denn das kann die kittende Verbindung angreifen, die die Schichten der Nagelplatte zusammenhält, und so bewirken, dass diese sich lamellenartig voneinander lösen, die Nägel insgesamt sehr weich werden oder leicht einreißen. Typisch sind dann abgesplitterte und aufgespaltene Nagelränder.

Längsrillen in den Nägeln haben meist keine krankhafte Ursache, sondern treten gehäuft ab dem 35. Lebensjahr auf und sind somit eine Alterserscheinung. Ebenso können Nagelverformungen die Folge von anhaltendem Nägelkauen oder Nägelzupfen sein.

Diagnose von Nagelveränderungen

Damit der*die Arzt*Ärztin bei Nagelveränderungen eine Diagnose stellen kann, befragt er Betroffene in der Regel zuerst (Anamnese). Mögliche Fragen sind zum Beispiel:

  • Sind Ihre Nägel besonderen Belastungen ausgesetzt (z.B. Nagellackentferner, Putzen oder Spülen ohne Handschuhe)?
  • Kauen Sie an den Nägeln?
  • Wurden bei Ihnen Vorerkrankungen festgestellt, z.B. Herzerkrankungen?

Außerdem schaut er*sie sich die Nagelveränderungen genau an. Dazu benutzt er*sie im Allgemeinen eine Lupe oder ein Dermatoskop. Das Aussehen der betroffenen Finger- oder Zehennägel lässt meist schon Schlüsse auf die Ursache zu.

Anschließend folgen oft weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine Blutuntersuchung oder ein Abstrich des Nagels beziehungsweise des Nagelbetts. Der Abstrich wird im Labor auf mögliche Erreger (Pilze, Bakterien) untersucht. Bei Gewebe-Neubildungen entnimmt der*die Ärzt*in eine Gewebeprobe (Biopsie), die er feingeweblich untersuchen lässt, um bösartige Erkrankungen auszuschließen.

Je nach vermuteter Ursache können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, etwa

Behandlung von Nagelveränderungen

Bei Nagelveränderungen richtet sich die Therapie immer nach der jeweiligen Ursache und kann daher sehr unterschiedlich sein. Bei leichten, harmlosen Verformungen können spezielle Nageltherapeutika das Nagelwachstum fördern beziehungsweise wieder normalisieren.

Sind Infektionen des Nagelgewebes die Ursache der Nagelverformungen, verschreibt der*die Ärzt*in zur Behandlung zunächst ein örtliches Desinfektionsmittel (Antiseptikum). Manchmal schneidet er*sie dazu die Nagelplatte etwas ein, um an den Infektionsherd zu gelangen. Wenn die lokale Behandlung keinen Erfolg zeigt, können bei bakteriellen Infektionen Antibiotikasinnvoll sein. Bei Nagelpilz werden die befallenen Nagelteile entfernt und der Nagel mit Antipilzmitteln (Antimykotika, wie z.B. Ciclopirox, Amorolfin, Bifonazol) behandelt. Alternativ gibt es auch Antipilzmittel, die man einnehmen kann (hier kommen z.B. Wirkstoffe wie Terbinafin oder Itraconazol zum Einsatz).

Bei sehr starken Nagelveränderungen werden Teile oder der ganze Nagel meist abgetragen, damit er wieder normal nachwachsen kann.

Sind die Nagelveränderungen das Begleitsymptom einer anderen Erkrankung (wie z.B. einer Tuberkulose oder Eisenmangelanämie), ist in jedem Fall die zielgerichtete Therapie dieser Krankheit notwendig.

Liegt die Ursache der Nagelveränderungen eher in äußeren Einflüssen, wie dem häufigen Gebrauch von lösungsmittelhaltigem Nagellackentferner oder dem Putzen beziehungsweise Spülen ohne Handschuhe, so kann hier bereits eine einfache Änderung der Gewohnheiten helfen. Betroffene können in solchen Fällen zum Beispiel auf Nagellackentferner ohne Lösungsmittel zurückgreifen und bei Putz-/Hausarbeiten Handschuhe tragen.