Eine Frau versteckt ihre Hände in den Ärmeln ihres Pullovers.
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Nagelbettentzündung (Paronychie)

Eine Nagelbettentzündung ist meist unangenehm und schmerzhaft. Ursache für die Entzündung kann zum Beispiel eine falsche Nagelpflege oder auch Nägelkauen sein.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Nagelbettentzündung

Bei einer Nagelbettentzündung (auch Paronychie oder Umlauf genannt) hat sich die Haut um den Finger- oder Zehennagel herum infiziert und entzündet. Der betroffene Hautbereich schmerzt meist, ist gerötet und kann sehr empfindlich sein. Häufig entwickelt sich auch eine Schwellung, die manchmal mit Eiterbildung und einem Abszess einhergeht.

Dauert eine Paronychie höchstens sechs Wochen, spricht man von einer akuten Nagelbettentzündung. Bei mehr als sechs Wochen liegt eine chronische Nagelbettentzündung vor. Bei chronischen Verläufen kann es in Abständen immer wieder zu akuten Phasen kommen.

Nagelbettentzündung: Ursachen

Schuld an einer Nagelbettentzündung (Paronychie, Umlauf) ist in der Regel eine winzige Verletzung der Haut rund um den Finger- oder Zehennagel. Häufig passiert das bei einer zu gut gemeinten oder unsachgemäßen Nagelpflege. Über solch kleine Verletzungen können Erreger wie Bakterien eindringen und den Hautbereich infizieren.

Manche Menschen haben zudem ein höheres Risiko für eine Nagelbettentzündung als andere. Das gilt etwa für Diabetiker, da sie häufig eine geschwächte Immunabwehr haben und darum anfälliger für Infektionen sind.

Aber auch Menschen, deren Hände aus beruflichen Gründen häufig mit Wasser oder hautreizenden Substanzen in Kontakt kommen (wie z.B. Küchenpersonal, Putzkräfte, Floristen, Schwimmer), holen sich leichter eine Nagelbettentzündung.

Risikofaktoren für eine Nagelbettentzündung sind zum Beispiel:

  • unfallbedingte Verletzung von Nagelfalz bzw. Nagelwall
  • unsachgemäße Nagelpflege, bei der es zu Verletzungen unterhalb und an den Rändern des Nagels kommt
  • künstliche Nägel
  • Nägelkauen
  • an Nagelhäutchen herumknibbeln
  • Daumenlutschen bzw. Fingerlutschen
  • eingewachsene Nägel

Denn all diese Vorgänge erleichtern es Erregern, in die Haut einzudringen. Auch zu enge Schuhe können zu einer Nagelbettentzündung beitragen, wenn sie zu viel Druck auf Zehennägel ausüben.

Hinter einer akuten Nagelbettentzündung stecken in der Regel Bakterien – insbesondere die beiden Arten Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes. Beide Erregerarten leben natürlicherweise auf der menschlichen Haut – auch bei gesunden Menschen.

Eine chronische Nagelbettentzündung besteht bereits seit mehr als sechs Wochen. Verantwortlich hierfür sind meist immer wieder auftretende Entzündungsprozesse, zum Beispiel durch den ständigen Kontakt zu Reizstoffen oder Feuchtigkeit. Ist die Haut durch solche Einflüsse beeinträchtig, können Erreger wie etwa der Hefepilz Candida Entzündungsprozesse hervorrufen.

Kommt es bei einer chronischen Nagelbettentzündung immer wieder zu akuten Phasen, stecken häufig Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa dahinter. Manchmal ist auch ein Zinkmangel schuld an einer chronischen Paronychie.

Daneben können manche Medikamente als Nebenwirkung Nagelbettenzündungen hervorrufen, so zum Beispiel:

Nagelbettentzündung: Wann zum Arzt? Und welcher Arzt ist der richtige?

Klingt eine Hautinfektion im Bereich am Finger- oder Zehennagel nicht innerhalb von etwa drei Tagen wieder ab oder ist die Nagelbettentzündung mit zunehmenden Schmerzen und einer Schwellung verbunden oder sogar mit Eiterbildung verbunden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Geeigneter Ansprechpartner ist hier der Hausarzt oder Hautarzt.

Meist erkennt der Arzt schon auf den ersten Blick, ob es sich um eine Nagelbettentzündung handelt. In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, einen Abstrich zu nehmen, um eine Erregerkultur anzulegen.

Ist bekannt, dass die körpereigene Abwehr geschwächt ist, sollten selbst kleine Verletzungen und geringe Entzündungszeichen sorgfältig ärztlich überwacht werden. Dies gilt ebenfalls für Menschen mit Wundheilungsstörungen beispielsweise aufgrund von Diabetes mellitus oder bei einer Therapie mit Glukokortikoiden.

Nagelbettentzündung: Behandlung

Bei einer bakteriell bedingten Nagelbettentzündung (Paronychie, Umlauf) verschreibt der Arzt in der Regel antiseptische Mittel (z.B. eine desinfizierende Salbe mit Povidon-Jod) oder antibiotikahaltige Mittel, um die Infektion zu bekämpfen – manchmal auch in Kombination mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Glukokortikoiden. Daneben können warme Hand- oder Fußbäder beim Abheilen helfen.

Liegt auch ein Abszess vor, kann man es anfangs über Einweichen in warmem Wasser im Wechsel mit einer Zugsalbe (z.B. mit Ichthyol) versuchen. Finger oder Füße können hierfür mehrmals täglich in warmem Wasser gebadet werden. Nach jedem Bad sind Nagelhaut und Nagel vorsichtig trocken zu tupfen. So wird die Hornschicht gelöst und vorhandener Eiter kann sich leichter entleeren. Zeigt dies keine Wirkung, wird der Arzt den Abszess mit einem kleinen Einschnitt öffnen und dann spülen.

Besteht die Nagelbettentzündung bereits länger, liegt das Hauptaugenmerk der Behandlung darauf, die ursächliche Reizung zu beseitigen und die Entzündungsprozesse einzudämmen (z.B. mit antientzündlichen Wirkstoffen wie Glukokortikoiden). Gegen eine Pilzinfektion (z.B. durch Candida) können Antipilzmittel helfen. Da bei einer Paronychie die Hautzschutzbarriere oft beeinträchtigt ist, sollte diese möglichst wiederhergestellt werden. Dies kann jedoch Wochen bis Monate dauern.

Verursachen Medikamente die chronische Nagelbettentzündung, ist in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu überlegen, ob die Wirkung die Nebenwirkung überwiegt oder gegebenenfalls ein anderes Medikament infrage kommt. Das Medikament auf eigene Faust abzusetzen, ist dagegen nicht ratsam.

Steckt ein Zinkmangel hinter der chronischen Paronychie, kann die Einnahme von Zinkpräparaten angebracht sein.

Damit eine Nagelbettentzündung nicht wieder auftritt und die Hautschutzbarriere nicht weiter beeinträchtigt wird, sollten Betroffene auf verschiedene Dinge achten:

  • Cremen Sie Ihre Hände nach dem Händewaschen ein, ebenso Ihre Füße nach dem Duschen.
  • Vermeiden Sie längeren Kontakt mit Seife oder seifenfreien Wasch- und Spülmitteln.
  • Vermeiden Sie Verletzungen der Nagelfalz wie z.B. durch Nägelkauen, Herumzupfen an Nagelhäutchen oder Daumenlutschen.
  • Verzichten Sie darauf, die Nagelhaut zu zurückzuschneiden.
  • Menschen mit Diabetes mellitus sollten ihren Blutzuckerspiegel im Blick behalten.
  • Lassen Sie Finger- oder Zehennägel nicht zu lang werden.
  • Wer zum Beispiel beruflich oder zu Hause mit den Händen ständig Kontakt zu Wasser und/oder Reizstoffen hat, sollte Gummihandschuhe tragen.