Fatigue – die große Müdigkeit bei MS

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Fatigue ist eines der häufigsten Symptome bei multipler Sklerose (MS) – und gleichzeitig eines der belastendsten: Die Betroffenen sind dauerhaft erschöpft – selbst Schlaf und Schonung führen in einigen Fällen zu keinerlei Erholung. Man schläft erschöpft ein und steht am nächsten Morgen erschöpft wieder auf.

Eine Fatigue ist aber keinesfalls mit jener Müdigkeit zu vergleichen, die gesunde Menschen nach ein paar schlaflosen Nächten oder nach einem anstrengenden Arbeitstag empfinden. Die Betroffenen fühlen sich sprichwörtlich so, als hätte man ihnen "den Stecker gezogen". Arme und Beine können dann tonnenschwer sein, auch die Konzentrationsfähigkeit und das Kurzzeitgedächtnis sind bei Fatigue oft deutlich vermindert.

Schätzungsweise 75 bis 95 Prozent aller Menschen mit MS entwickeln eine Fatigue – viele von ihnen verspüren das Symptom täglich oder nahezu täglich. Dies schränkt sowohl die allgemeine Lebensqualität als auch die Arbeitsfähigkeit deutlich ein.

Außenstehenden fällt es oft sehr schwer, die Beschwerden und das Ausmaß der Erschöpfung nachzuvollziehen – vor allem, da den Betroffenen häufig nicht anzusehen ist, wie schlecht es ihnen tatsächlich geht. Das Unverständnis des persönlichen Umfelds und das Problem, sich ständig erklären oder rechtfertigen zu müssen, belastet viele Betroffene zusätzlich.

Was ist Fatigue?

Als Fatigue (ausgesprochen: Fatieg) bezeichnen Mediziner einen andauernden Zustand von erdrückender Müdigkeit, der sich sowohl auf die geistige als auch auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirken kann. Selbst Schlaf und Erholung bessern den Zustand nicht.

Häufig kommen neben der Müdigkeit auch weitere Symptome hinzu, wie etwa:

  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen

Typisch für Fatigue ist zudem, dass bereits durchschnittliche körperliche oder seelische Belastungen den Erschöpfungszustand verschlimmern können. Die Verschlechterung tritt teilweise nicht sofort nach der Belastung ein, sondern mit einer zeitlichen Verzögerung von bis zu 48 Stunden, und kann einige Tage oder Wochen andauern.

Wie entsteht Fatigue?

Häufig entwickelt sich Fatigue im Rahmen einer Grunderkrankung – zum Beispiel bei einer Krebserkrankung während und nach einer Chemotherapie oder bei multipler Sklerose. Manchmal kommt Fatigue aber auch als eigenständiges, meist sehr plötzlich auftretendes Krankheitsbild vor. Mediziner sprechen in solchen Fällen vom chronischen Erschöpfungssyndrom.

Wie Fatigue genau entsteht und welche Faktoren sie beeinflussen, ist bis heute nicht vollkommen geklärt. Bei MS ist vermutlich die geschädigte Nervensubstanz für die Entstehung der Fatigue verantwortlich. Weitere Faktoren, zum Beispiel Wärme, Schlafstörungen oder Depressionen, können den Erschöpfungszustand verstärken.

Was hilft?

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, um die Fatigue zu lindern: Dies können sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen sein.

Es hat sich gezeigt, dass die medikamentöse Therapie der Fatigue in der Regel nicht sehr erfolgreich ist. Dennoch kann der Arzt im Einzelfall versuchen, mithilfe verschiedener Wirkstoffe die Fatigue zu lindern. Dazu zählen etwa:

  • Amantadin
  • Fampridin
  • Modafinil

Da die Medikamente meist aber nur wenig helfen, besteht die Therapie der Fatigue meist aus nicht-medikamentösen Maßnahmen. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • am Tag regelmäßige Ruhepausen einlegen
  • körperlich aktiv sein und Sport treiben (vor allem Ausdauersportarten)
  • Hitze vermeiden bzw. den Körper durch Kühlwesten o.Ä. kühlen
  • ausreichend trinken (möglichst zwei bis drei Liter täglich)

Tipps für den Umgang mit Fatigue

Für Menschen mit MS ist es zunächst einmal wichtig, seine Krankheit zu akzeptieren und zu lernen, mit der Fatigue umzugehen. Die Betroffenen sollten keine zu hohen Erwartungen an sich selbst haben und ihrem Körper immer wieder Ruhepausen gönnen!

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, seinen Freunden und Bekannten zu erklären, dass man nicht einfach nur müde ist – nein, die erhöhte Ermüdbarkeit ist ein Symptom der MS und beruht keinesfalls auf Faulheit.

Wie man am besten mit MS und Fatigue umgeht, muss jeder selbst herausfinden – hier gibt es kein allgemeingültiges Rezept. Wer aber einmal herausgefunden hat, wo die persönlichen Grenzen liegen und wie man die täglichen Aufgaben am besten koordiniert, kann trotz Fatigue völlig uneingeschränkt am Alltagsleben teilnehmen.

Hören Sie auf ihren Körper und bauen Sie ausreichend Ruhephasen in den Tagesablauf ein – dann können Sie nicht nur vormittags ihre Einkäufe erledigen, sondern haben abends auch noch genug Energie für einen Besuch im Theater.

Das können Menschen mit MS selbst gegen Fatigue tun:

  • Offen sein
    Wenn man ganz offen und ehrlich mit ihrem Umfeld über die Krankheit und die Fatigue redet, werden Freunde, Kollegen oder Verwandten Verständnis haben, wenn man sich einfach mal für einen Moment hinlegen muss oder spontan eine Verabredung absagt.
  • Planen
    Außerdem sollte man ausreichend Ruhephasen in den Tagesablauf einbauen und nicht zu viele Aktivitäten auf einen Tag legen. Dabei ist es auch wichtig, persönliche Hochs und Tiefs zu berücksichtigen. Die wichtigsten Aufgaben, die täglich anfallen, wird man dann mühelos bewerkstelligen können, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
  • Organisieren
    Man sollte seine Aktivitäten gut einplanen und Kräfte einsparen, wo man kann. Konkret bedeutet das beispielsweise, sich beim Bügeln oder auch beim Kartoffelschälen hinzusetzen.
  • Aktiv sein
    Trotz Fatigue müssen Menschen mit MS nicht auf Sport verzichten. Ganz im Gegenteil: Leichtes Training stärkt die Muskelkraft, die Beweglichkeit, die Ausdauer – und macht obendrein noch Spaß! Vor allem Ausdauersportarten wie Nordic Walking oder Fahrradfahren eignen sich.
  • Auf die Ernährung achten
    Ernähren sollte man sich möglichst abwechslungsreich und gesund. Tierische Fette (Fleisch, Wurst) sollten nur maßvoll gegessen werden, frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte hingegen nach Herzenslust.


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