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Hämorrhoiden

Letzte Änderung:
Verfasst von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin
Geprüft von Dr. med. Elisabeth Schönenberg • Gastroenterologin

Ob Juckreiz, Brennen oder Nässen – vergrößerte Hämorrhoiden sind unangenehm. Je eher man etwas dagegen unternimmt, desto besser lassen sie sich behandeln. Erfahren Sie mehr: Was genau sind Hämorrhoiden und welche Symptome können sie auslösen? Was macht der Arzt? Und: Wie kann man vorbeugen?

Überblick

Schätzungen zufolge haben fast 70 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Beschwerden durch vergrößerte Hämorrhoiden. Betroffen sind nicht nur ältere Menschen, sondern auch viele jüngere.  

Hämorrhoiden (griech. haíma = Blut, rhoos = fließen; auch: Hämorriden, fälschlicherweise liest man öfter auch den Begriff "Hämoriden") sind Schwellkörper, die in der Schleimhaut des unteren Enddarms (Analkanal) ein dichtes Gefäßpolster bilden. Arterien und Venen versorgen diese Schwellkörper mit Blut.

Vergrößerte Hämorrhoiden: Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Symptome: Blut auf dem Stuhl oder Toilettenpapier, Brennen, Juckreiz und Nässen im Analbereich, Fremdkörpergefühl am After, Gefühl unvollständiger Darmentleerung, unwillkürlicher Schleim- und Stuhlgang
  • Ursachen & Risikofaktoren: Verstopfung, zu starkes Pressen auf der Toilette, wenig Ballaststoffe, Bewegungsmangel, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, Übergewicht, Schwangerschaft, schwaches Bindegewebe
  • Hausmittel: Hämorrhoidensalben, -cremes oder zäpfchen; Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Leinsamen oder Trockenfrüchten; viel Bewegung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Behandlung: Veröden, Abbinden (sog. Gummibandligatur); in fortgeschrittenen Stadien: Operation
  • Vorbeugen: ballaststoffreiche Ernährung, mind. 1,5-2 Liter Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung, Pressen auf der Toilette vermeiden, Übergewicht abbauen

Hämorrhoiden gehören zur menschlichen Anatomie 

Jeder Mensch hat von Natur aus Hämorrhoiden. Zusammen mit dem inneren und äußeren Schließmuskel des Afters dichten sie den Darm nach außen hin ab. Hämorrhoiden tragen dazu bei, den Darmausgang auch bei Belastung verschlossen zu halten, so zum Beispiel beim Niesen oder Lachen – sie sorgen für die sogenannte Feinkontinenz. Meist wölben drei Knoten, die an der Einmündung der Arterien in den Schwellkörper liegen, hierfür die Schleimhaut vor.

Krankhaft werden Hämorrhoiden erst dann, wenn sich in diesem Gefäßpolster das Blut staut und nicht mehr ungestört abfließen kann. Die Hämorrhoiden vergrößern sich und machen sich durch unterschiedliche Symptome bemerkbar – dann handelt es sich um ein Hämorrhoidalleiden.

Symptome

Mögliche Symptome von vergrößerten Hämorrhoiden sind:

Beachten Sie: Diese Symptome können auf vergrößerte Hämorrhoiden hinweisen. Sie können aber auch viele andere Ursachen haben. Gehen Sie bei anhaltenden oder starken Beschwerden daher immer den Arzt auf. Bei Blut im Stuhl oder auf dem Toilettenpapier ist auf jeden Fall eine rasche ärztliche Abklärung ratsam.

Vergrößerte Hämorrhoiden bereiten anfangs oft keine Symptome. Bei einem Hämorrhoidalleiden ersten Grades kann man die krankhaften Ausstülpungen des hämorrhoidalen Schwellkörpers von außen noch nicht sehen und es treten nicht immer Beschwerden auf.

Typische erste Symptome durch vergrößerte Hämorrhoiden sind gelegentliche Auflagerungen von hellrotem Blut auf dem Stuhl oder auf dem Toilettenpapier, manchmal auch Juckreiz (Pruritus) im Analbereich. Die schmerzlosen Blutungen entstehen, wenn harter Stuhl die Gefäßwände der Hämorrhoiden beschädigt.

Im Verlauf können weitere Symptome hinzukommen, so etwa Nässen und Brennen in der Analregion oder ein Druckgefühl. Das Sitzen kann dadurch sehr unangenehm sein. Manche Betroffene haben den Eindruck, der Darm sei nach dem Stuhlgang nicht vollständig entleert.

Wenn das Hämorrhoidalleiden fortgeschritten ist, treten die Hämorrhoiden zeitweise oder permanent vor die Afteröffnung. 

Hämorrhoiden oder Marisken?

Laien verwechseln vergrößerte Hämorrhoiden oft mit Marisken. Marisken sind sehr häufig vorkommene, harmlose äußere Hautfalten an der Afteröffnung. Sie können gelegentlich Beschwerden bereiten, wenn die Haut gereizt und entzündet ist. Mit einer Hämorrhoidenerkrankung haben sie jedoch nichts zu tun.

Schweregrade

Je nach Ausprägung des Hämorrhoidalleidens kann man vergrößerte Hämorrhoiden in vier Grade einteilen. Grad I entspricht einem leichten Hämorrhoidalleiden, bei Grad IV handelt es sich um ein weit fortgeschrittenes Hämorrhoidalleiden. Beachten Sie: Die genaue Definition der einzelnen Grade wird in der Literatur uneinheitlich behandelt.

Hämorrhoiden Grad I

In diesem Stadium sind die Hämorrhoiden zwar vergrößert, aber noch relativ klein und von außen nicht sichtbar. Nur mithilfe einer Spiegelung des Analkanals und des Enddarms (Proktoskopie) kann der Arzt die Vergrößerung erkennen. Der Betroffene hat meist noch keine Beschwerden.

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Vergrößerte Hämorrhoiden vom Grad I sind von außen nicht zu erkennen.

Hämorrhoiden Grad II

Im zweiten Stadium eines Hämorrhoidalleidens sind die Knoten bereits größer. "Sie treten bei der Untersuchung mit dem kurzen Proktoskop deutlich sichtbar hervor. Beim Pressen treten sie aber noch nicht komplett vor die Afteröffnung", so Gastroenterologin Dr. med. Elisabeth Schönenberg. 

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Hämorrhoiden II. Grades.

Hämorrhoiden Grad III

In diesem Stadium "fallen" die Knoten bei der Stuhlentleerung, manchmal auch spontan, teilweise oder vollständig vor die Afteröffnung. "Sie ziehen sich meist aber spontan wieder in den Analkanal zurück oder können leicht mit dem Finger zurückgeschoben werden", so Dr. Schönenberg-Hackenberg.

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Wenn die Hämorrhoiden nicht mehr von allein in den Analkanal geraten, liegen Hämorrhoiden vom Grad III vor.

Hämorrhoiden Grad IV

Im letzten Stadium eines Hämorrhoidalleidens liegen die Hämorrhoiden permanent vor der Afteröffnung. Sie können nicht mehr manuell zurückgeschoben werden (fixierter Prolaps) und sind somit ständig sichtbar.

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Hämorrhoiden vom Grad IV sind permanent von außen sichtbar und lassen sich nicht mehr mit den Fingern in den Analkanal zurückschieben.

Ursachen & Risikofaktoren

Krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden) entstehen, wenn sich die Gefäße im sogenannten hämorrhoidalen Schwellkörper am Darmausgang vorwölben. Dies passiert vor allem dann, wenn der Analbereich unter einem hohen Druck steht.

Welche Einflüsse ein Hämorrhoidalleiden begünstigen, ist noch nicht abschließend erforscht. Als mögliche Risikofaktoren werden – teils kontrovers – diskutiert:


Vergrößerte Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Immer wieder hört und liest man davon, dass viele Schwangere unter vergrößerten Hämorrhoiden leiden. Wie häufig ein Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft tatsächlich ist, ist jedoch unklar. Fest steht: Viele Schwangere haben Probleme im Analbereich. Dazu gehören unter anderem vergrößerte Hämorrhoiden. Oft handelt es sich dann aber auch um Analthrombosen oder um Beschwerden durch Hautfalten am After, sogenannte Marisken. 

Lesen Sie mehr zum Thema: Vergrößerte Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Diagnose

Symptome wie Blut im Stuhl oder Juckreiz im Analbereich geben dem Arzt bereits erste Hinweise darauf, dass sein Patient vergrößerte Hämorrhoiden haben könnte.

Der Arzt tastet zunächst den Analbereich mit dem Finger ab. So kann er knotige Veränderungen leicht feststellen. Anschließend spiegelt er den Analkanal und den Enddarm. Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzlos und risikoarm. 

Wichtig ist, dass der Arzt einen bösartigen Tumor im Bereich des Dick- und Mastdarms (kolorektales Karzinom) ausschließt. Im Zweifel kann nur eine Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie) Gewissheit verschaffen. Insbesondere bei Blutauflagerungen auf dem Stuhl ist eine solche Untersuchung erforderlich.

Selbsthilfe & Hausmittel

Wer Probleme mit vergrößerten Hämorrhoiden hat, kann in leichten Fällen zunächst selbst versuchen, die Beschwerden zu lindern. Häufig kommen dabei zum Beispiel Cremes, Salben oder Sitzbäder mit verschiedenen Wirkstoffen zum Einsatz.

Hausmittel und andere Selbsthilfemaßnahmen gegen Hämorrhoiden können zwar in manchen Fällen die Beschwerden lindern. Die vergrößerten Hämorrhoiden bilden sich dadurch jedoch nicht zurück. Wer ein fortgeschrittenes Hämorrhoidalleiden hat, sollte in jedem Fall einen Hausarzt oder Proktologen aufsuchen. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt oder ein Proktologe sein. Proktologen sind Mediziner, die Erkrankungen des Enddarms behandeln.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hämorrhoiden-Hausmittel: Was hilft?

Behandlung durch den Arzt

Bei länger anhaltenden oder stärkeren Problemen durch Hämorrhoiden empfiehlt sich eine Behandlung durch den Arzt. Einfache Maßnahmen zur Selbsthilfe reichen dann nicht mehr aus. Welche Therapie infrage kommt, richtet sich vor allem danach, wie sehr das Hämorrhoidalleiden fortgeschritten ist.

Hämorrhoidalleiden: Behandlungsmethoden

Methode Beschreibung Wann kommt die Methode infrage?
Verödung/Sklerosierungstechnik Der Arzt spritzt ein gewebeschrumpfendes und -festigendes Mittel in die Gefäßzuflüsse der Hämorrhoiden. Die Blutgefäße werden dadurch kleiner und ziehen sich in den Enddarm zurück. Die Verödung eignet sich insbesondere bei vergrößerten Hämorrhoiden im Anfangsstadium (Grad I und II).
Gummibandligatur Der Arzt schnürt die vergrößerten Hämorrhoiden mithilfe eines Gummibands ab. Diese Methode unterbindet die Durchblutung der Hämorrhoiden, das Hämorrhoidalgewebe stirbt ab und wird abgestoßen. Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant und ohne Narkose. Die Gummibandligatur wendet der Arzt vor allem bei vergrößerten Hämorrhoiden im fortgeschrittenen Stadium an (Hämorrhoiden 2. Grades oder selten 3. Grades). Sie kann aber auch bei Hämorrhoiden 1. Grades zum Einsatz kommen.
Chirurgischer Eingriff Der Chirurg entfernt die vergrößerten Hämorrhoiden bzw. stellt die normalen anatomischen Gegebenheiten wieder her. Es stehen hierbei verschiedene chirurgische Verfahren zur Verfügung. Kleinere Eingriffe können ambulant vorgenommen werden, in schwereren Fällen ist ein stationärer Aufenthalt erforderlich. Bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden ab dem III. Stadium oder wenn die nichtchirurgischen Therapiemöglichkeiten erfolglos bleiben, kann die chirurgische Behandlung erforderlich sein.

Hämorrhoiden veröden oder abbinden

Hämorrhoiden der Grade I und II kann der Arzt mit der Sklerosierungstechnik veröden. Hierbei spritzt er an den Gefäßzuflüssen der Hämorrhoiden ein Mittel, welches das Gewebe schrumpfen und verfestigen lässt. Das Mittel enthält meist den Wirkstoff Polidocanol.

Auch die Gummibandligatur (Ligatur = Abbinden) kann bei Hämorrhoiden helfen. Bei dieser Behandlung schnürt der Arzt die Hämorrhoidalknoten mithilfe eines Gummibands ab. Gegebenenfalls betäubt er den behandelten Bereich, damit nach dem Eingriff keine Schmerzen entstehen. Die abgeschnürten Knoten sterben innerhalb weniger Tage ab, sodass der Körper sie abstößt. Die Gummibandligatur kommt insbesondere bei Hämorrhoiden vom Grad II und bei Blutungen, in Ausnahmefällen bei Hämorrhoiden vom Grad III in Betracht.

In schweren Fällen: Hämorrhoiden-OP

Bleibt die bisherige Behandlung erfolglos oder liegen Hämorrhoiden im weiter fortgeschrittenen Stadium ab Grad III vor, kann es nötig werden, die Knoten operativ entfernen zu lassen. Das Entfernen von vergrößerten Hämorrhoiden bezeichnen Ärzte als Hämorrhektomie.

Je nach Ausprägung kommen verschiedene OP-Methoden und in Betracht. Während die Wunde bei sogenannten "offenen" Verfahren direkt nach der Operation offen bleibt, wird sie bei "halboffenen" oder "geschlossenen" Verfahren ganz oder teilweise verschlossen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Hämorrhoiden-OP

Verlauf

Beschwerden durch leicht vergrößerte Hämorrhoiden (Grad I bis II) klingen manchmal von selbst wieder ab. Ein ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden schreitet ohne Behandlung jedoch weiter fort, sodass die Symptome an Intensität zunehmen.

Vergrößerte Hämorrhoiden können meist gut behandelt werden. Das gilt insbesondere, wenn das Hämorrhoidalleiden noch nicht weit fortgeschritten ist. Es ist allerdings möglich, dass die Beschwerden mit der Zeit zurückkehren (sog. Rezidivbildung).

Komplikationen

Gut zu wissen: Nur in äußerst seltenen Fällen haben vergrößerte Hämorrhoiden ernstzunehmende oder gar lebensbedrohliche Folgen. Allerdings kann ein Hämorrhoidalleiden sehr unangenehme Komplikationen und Beschwerden mit sich bringen – insbesondere in fortgeschrittenen Stadien.

Beispiele für mögliche Komplikationen/Beschwerden:

Gut zu wissen: Viele dieser Komplikationen lassen sich durch einen frühzeitigen Arztbesuch vermeiden. 

Vorbeugen

Vergrößerten Hämorrhoiden kann man nicht zu 100 Prozent vorbeugen. Allerdings lässt sich die Wahrscheinlichkeit für ein Hämorrhoidalleiden senken beziehungsweise das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern. Besonders wichtig ist hierbei, eine geregelte Stuhlentleerung mit einem weichen Stuhlgang zu erreichen.

Hämorrhoiden vorbeugen: Tipps

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie: S3-Leitlinie Hämorrhoidalleiden (PDF). AMWF-Register-Nr.: 081/007 (Stand: April 2019)

Hahn, J.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2018

Vergrößerte Hämorrhoiden. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 18.10.2017)

Was kann man selbst gegen Hämorrhoiden tun? Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 18.10.2017)

Hämorrhoiden. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: März 2017)

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

Bänkler, W.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013

Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

Letzte inhaltliche Prüfung: 05.08.2020
Letzte Änderung: 09.12.2020