Tocilizumab

Allgemeines

Tolicizumab dient der Behandlung unterschiedlicher entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Es wird alleine verabreicht, falls Methotrexat, der "Goldstandard der Rheumabehandlung", nicht vertragen wurde oder der Arzt eine Fortsetzung der Therapie mit Methotrexat (alleine) für unangemessen hält.

So wird Tolicizumab angewendet bei
  • mäßiger bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis Erwachsener. Voraussetzung ist, dass eine vorangegangene Therapie mit einem oder mehreren krankheitskontrollierenden Antirheumatika (Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin, Chloroquin, Hydroxychloroquin, Cyclosporin A, Azathioprin und Goldverbindungen) oder Tumornekrosefaktor(TNF)-Inhibitoren (monoklonale Antikörper wie Infliximab, Adalimumab, Golimumab und Certolizumab sowie Etanercept) unzureichend war oder diese nicht vertragen wurden. Die Kombination mit Methotrexat verhindert das im Röntgenbild nachweisbare Fortschreiten der Gelenkschädigungen und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit.
  • aktiver, den ganzen Körper betreffender jugendlicher Arthritis (systemische juvenile idiopathische Arthritis) bei Patienten im Alter von zwei Jahren und älter. Bei ihnen müssen nicht-steroidale Antirheumatika und die Einnahme von Glukokortikoiden vorher wirkungslos gewesen sein.
  • jugendliche Arthritis vieler Gelenke (polyartikuläre juvenile idiopathische Arthritis) bei Patienten im Alter von zwei Jahren und älter bei denen eine vorangegangene Behandlung mit Methotrexat unzureichend war.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Bindung von Interleukin-6 an seinen Rezeptor verhindern
  • Bildung von Entzündungsfaktoren unterdrücken
  • Entzündungsvorgänge blockieren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Tocilizumab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Tocilizumab nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder aktiven, schweren Infektionen darf Tocilimumab nicht eingesetzt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Tocilimumab angewendet werden bei
  • Patienten mit wiederkehrenden oder chronischen Infektionen oder Grunderkrankungen wie Divertikulitis, Zuckerkrankheit oder einer speziellen Form der Lungenerkrankung (interstitielle Pneumonie) in der Vorgeschichte, die Infektionen begünstigen
  • aktiver Lebererkrankung oder Leberfunktionsstörungen, weil sich die Leberwerte verschlechtern können
  • Patienten, die zuvor mit Infliximab, Adalimumab, Golimumab, Certolizumab oder Etanercept behandelt wurden, weil sie ein hohes Risiko für einen Mangel an neutrophilen Blutzellen haben
  • Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen, weil der Wirkstoff das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung erhöht.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine hinreichenden Studien zur Verwendung von Tocilizumab in der Schwangerschaft. In Iierexperimenten hat sich bei einer hohen Dosierung ein erhöhtes Risiko für Fehl- oder Totgeburten gezeigt. Das Risiko für den Menschen ist nicht abschätzbar. Daher sollte der Wirkstoff nicht während der Schwangerschaft angewendet werden, es sei denn, der Arzt hält dies für eindeutig erforderlich. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und drei Monate danach eine wirksame Empfängnisverhütung anwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Tocilizumab beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Die Ausscheidung von Tocilizumab in die Milch wurde in Tierstudien nicht untersucht. Ob weiter gestillt oder abgestillt, die Behandlung mit Tocilimumab weitergeführt oder abgebrochen werden sollte, wird der Arzt in Abwägung des Nutzens des Stillens für das Kind und des Nutzens der Therapie für die Frau treffen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Wenn erfoderlich, können schon Kinder ab zwei Jahren mit Tocilimumab behandelt werden.

Leiden sie an einer den ganzen Körper betreffenden jugendlichen Arthritis (systemische juvenile idiopathische Arthritis), kann bei ihnen als Nebenwirkung ein sogenanntes Makrophagen-Aktivierungs-Syndrom auftreten. Dies ist eine schwerwiegende, lebensbedrohliche Erkrankung. Die Anwendung von Tocilizumab bei Patienten während der Aktivität dieses Syndroms wurde nicht in klinischen Studien untersucht und liegt daher im Ermessen des behandelnden Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Tocilizumab haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Tocilizumab. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Infektionen der oberen Atemwege, Cholesterin-Überschuss im Blut.

Häufige Nebenwirkungen:
Entzündung des Unterhautgewebes, Lungenentzündung, Herpes-Infektion im Mund, Gürtelrose, Bauchschmerzen, Mundgeschwüre, Magenschleimhautentzündung, Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht, Kopfschmerzen, Schwindel, Erhöhung der Transaminasen im Blut, Gewichtszunahme, Erhöhung des Bilirubin-Wertes im Blut, Bluthochdruck, Mangel an weißen Blutkörperchen, Mangel an Neutrophilen Blutkörperchen, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Bindehautentzündung, Husten, Atembeschwerden.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Divertikulitis, Mundschleimhautentzündung, Magengeschwür, Überschuss an Triglyceriden im Blut, Nierensteine, Schilddrüsenunterfunktion.

Besonderheiten:
Bei Komplikationen einer Divertikulitis kann es durch die Behandlung mit Tocilimumab manchmal zu Durchbrüchen kommen.

Tritt bei einem Patienten eine schwerwiegende Infektion auf, muss sofort der Arzt verständigt werden. Er wird die Anwendung von Tocilimumab unterbrechen, bis diese Infektion angemessen behandelt ist.

Kommt es zu einer allergischen oder einer anderen schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktion, muss die Anwendung sofort abgebrochen und darf nicht wieder begonnen werden.

Anhaltender Husten, Auszehrung, Gewichtsverlust oder leichtes Fieber nach einer Behandlung mit dem Wirkstoff können auf eine Infektion mit Tuberkulose hindeuten. Es ist unverzüglich ein Arzt zu verständigen.

Da Tocilimumab eine Fettstoffwechselstörung hervorrufen kann, müssen die Blutfette vier bis acht Wochen nach Beginn der Behandlung gemessen werden. Gegebenenfalls wird der Arzt dann Medikamente zur Senkung der Blutfette verschreiben.

Die Leberwerte ASAT und ALAT werden vom Arzt während den ersten sechs Monaten der Behandlung alle vier bis acht Wochen überprüft. Liegen sie 1,5fach über den Normalwerten, wird der Arzt die Therapie abbrechen. Bei Anzeichen einer Leberschädigung muss sofort ein Arzt befragt werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Tocilizumab?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wenn eine Therapie mit Tocilizumab begonnen oder beendet wird, wird der Arzt Patienten, die Wirkstoffe wie den Cholesterinsenker Atorvastatin, Calciumkanalblocker zur Blutdrucksenkung, Theophyllin (gegen Asthma), Warfarin zur Blutverdünnung, das Antiepileptikum Phenytoin, Ciclosporin (zur Beeinflussing der Immunabwehr) oder Beruhigungs- und Schlafmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine sorgfältig überwachten. Es können nämlich Dosiserhöhungen erforderlich sein, um die Wirkung zu erhalten. Aufgrund seiner langen Ausscheidungszeit kann der Einfluss von Tocilizumab auf die Verstoffwechselung anderer Substanzen mehrere Wochen nach dem Ende der Therapie fortbestehen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Tritt eine schwerwiegende Infektion auf, muss sofort der Arzt verständigt werden, um die Behandlung bis zur Besserung zu unterbrechen.
  • Kommt es zu einer allergischen oder einer anderen schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktion, muss die Anwendung des Medikaments sofort abgebrochen werden und darf nicht wieder begonnen werden.
  • Bei anhaltendem Husten, Auszehrung, Gewichtsverlust oder leichtem Fieber ist unverzüglich ein Arzt zu verständigen.
  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nur durch einen in der Diagnose und Behandlung rheumatischer Erkrankungen bei Erwachsenen und Kindern erfahrenen Arzt begonnen werden.
  • Bei Anzeichen einer Leberschädigung muss sofort ein Arzt befragt werden.
  • Während der ersten sechs Behandlungsmonate wird der Arzt die Leberwerte regelmäßig überprüfen.
  • Insbesondere bei schwerkranken Patienten mit geschwächtem Immunsystem kann das Medikament einen Hauttest oder den Interferon-gamma-Bluttest auf Tuberkulose falsch-negativ ausfallen lassen.
  • Die Transaminasen-Messung als Leberfunktionstest kann durch das Medikament fälschlich zu hoch ausfallen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Tocilizumab?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Tocilizumab enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Tocilizumab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Tocilizumab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Immunstärkende und -schwächende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Tocilizumab gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Tocilizumab

Tolicizumab dient der Behandlung unterschiedlicher entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Es wird alleine verabreicht, falls Methotrexat, der "Goldstandard der Rheumabehandlung", nicht vertragen wurde oder der Arzt eine Fortsetzung der Therapie mit Methotrexat (alleine) für unangemessen hält.

So wird Tolicizumab angewendet bei
  • mäßiger bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis Erwachsener. Voraussetzung ist, dass eine vorangegangene Therapie mit einem oder mehreren krankheitskontrollierenden Antirheumatika (Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin, Chloroquin, Hydroxychloroquin, Cyclosporin A, Azathioprin und Goldverbindungen) oder Tumornekrosefaktor(TNF)-Inhibitoren (monoklonale Antikörper wie Infliximab, Adalimumab, Golimumab und Certolizumab sowie Etanercept) unzureichend war oder diese nicht vertragen wurden. Die Kombination mit Methotrexat verhindert das im Röntgenbild nachweisbare Fortschreiten der Gelenkschädigungen und verbessert die körperliche Funktionsfähigkeit.
  • aktiver, den ganzen Körper betreffender jugendlicher Arthritis (systemische juvenile idiopathische Arthritis) bei Patienten im Alter von zwei Jahren und älter. Bei ihnen müssen nicht-steroidale Antirheumatika und die Einnahme von Glukokortikoiden vorher wirkungslos gewesen sein.
  • jugendliche Arthritis vieler Gelenke (polyartikuläre juvenile idiopathische Arthritis) bei Patienten im Alter von zwei Jahren und älter bei denen eine vorangegangene Behandlung mit Methotrexat unzureichend war.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Tocilizumab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Tocilizumab

Tocilizumab bindet gezielt an Rezeptoren, die im Blut und in den Zellmembranen eigentlich Andockstellen für den körpereigenen Botenstoff Interleukin-6 sind. Interleukin-6 wird von einer Vielzahl verschiedener Zelltypen des Immunsystems produziert. Wenn es sich an seine Rezeptoren bindet, entsteht ein Signal, das entzündungsfördernd wirkt: Es aktiviert Abwehr-Zellen, fördert unter anderem die Ausschüttung von Immuneiweißen und regt die Blutbildung an. Interleukin-6 wird mit der Entstehung entzündlicher Erkrankungen, aber auch Osteoporose und Krebs in Verbindung gebracht.

Die Bindung des Wirkstoff Tocilizumab an den Interleukin-Rezeptor macht das Andocken des körpereigenen Stoffes unmöglich. Dadurch wird das Signal für die Entzündungsentstehung unterdrückt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.