Rituximab

Allgemeines

Rituximab wird ausschließlich bei Erwachsenen angewendet. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, entweder zu häufig vorkommen (wie es bei Lymphomen und Blutkrebs der Fall ist) oder wenn sie überschießende Entzündungsreaktionen hervorrufen. Im Einzelnen gibt es folgende Anwendungsgebiete:

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Lymphzellen für den Angriff der körpereigenen Abwehr markieren
  • Vernichtung von Lymphzellen fördern
  • Zelltod von Lymphzellen veranlassen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Rituximab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Rituximab nicht verwendet werden?

Rituximab darf ganz allgemein nicht eingesetzt werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Überempfindlichkeit gegen Eiweiße von Mäusen, da der Antikörper gentechnisch auch aus Mäusen gewonnen und in Hamsterzellen gebildet wird
  • aktiven, schweren Infektionen, vor allem Leberentzündung vom Typ B (Hepatitis-B-Erkrankung)
  • Patienten mit stark geschwächter Immunabwehr.
Wird Rituximab bei rheumatischer Gelenkerkrankung oder Blutgefäßentzündungen eingesetzt, müssen Patienten mit schwerer Hermuskelschwäche (NYHA-Klasse IV) oder schweren, nicht behandelbaren Herzerkrankungen ausgenommen werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Rituximab eingesetzt werden bei
  • Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen und / oder Behandlung mit herzschädlichen Zytostatika oder Antibiotika, weil der Wirkstoff Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen (Vorhofflattern, Vorhofflimmern), Herzmuskelschwäche und/oder Herzinfarkt hervorrufen kann
  • Mangel an Blutplättchen, da sich deren Zahl durch Rituximab noch verringern kann
  • Patienten,die wiederholte oder chronische Infekte in der Vorgeschichte aufweisen oder an Grundkrankheiten leiden, die das Auftreten
    schwerer Infektionen begünstigen. Dies gilt besonders für Träger des Hepatitis-B-Virus, das Leberentzündung verursacht.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Rituximab kann, wie andere Antikörper, in den Mutterkuchen eindringen. Bei einigen Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft Rituximab erhielten, trat eine vorübergehende Verringerung von B-Zellen und ein Mangel an weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) ein. Aus diesen Gründen sollte Rituximab nur dann bei Schwangeren angewendet werden, wenn der Arzt den Nutzen über das mögliche Risiko für das Kind stellt.

Wegen der langen Verweilzeit von Rituximab im Körper sollten Frauen im gebärfähigen Alter während und weitere zwölf Monate nach der Behandlung mit dem Wirkstoff wirksame Verhütungsmethoden anwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Rituximab in die Muttermilch übertritt. Da jedoch mütterliche Antikörper in die Milch übertreten und Rituximab in der Milch säugender Affen nachgewiesen wurde, sollten Frauen während und weitere
zwölf Monate nach der Behandlung mit dem Wirkstoff nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Rituximab ist nicht für die Behandlung von Kindern vorgesehen.

Welche Nebenwirkungen kann Rituximab haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Rituximab. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Infektionen mit Bakterien oder Viren, Bronchitis, Mangel an neutrophilen Blutzellen, Mangel an weißen Blutkörperchen (auch mit Fieber verbunden), Mangel an Blutplättchen, infusionsbedingte Reaktionen, Gesichtsschwellung, Übelkeit, Juckreiz, Hautausschlag, Haarausfall, Fieber, Schüttelfrost, Schwäche, Kopfschmerzen, verminderter IgG-Antikörper-Gehalt im Blut.

Häufige Nebenwirkungen:
Blutvergiftung, Lungenentzündung, fiebrige Infektion, Gürtelrose, Infektion der Atemwege, Pilzinfektionen, Infektionen unbekannter Ursache, akute Bronchitis, Nasennebenhöhlenentzündung, Leberentzündung (Hepatitis B), Blutarmut, Mangel an allen Blutzellen, Mangel an Granulozyten, Überempfindlichkeit, Blutzuckerüberschuss, Gewichtsverlust, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, aufgeschwemmtes Gesicht, Fettstoffwechselstörung (erhöhte LDH-Werte), Calciummangel im Blut, nervliche Missempfindungen, Gefühlsstörungen, Erregung, Schlaflosigkeit, Erröten, Schwindel, Angstgefühle, Störung der Tränenbildung, Bindehautentzündung, Ohrensausen, Ohrenschmerzen, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Herzrasen, Herzerkrankung, Bluthochdruck, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, niedriger Blutdruck, Bronchialkrämpfe, Atemwegserkrankung, Schmerzen in der Brust, Atemprobleme, vermehrtes Husten, Schnupfen, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen, Schluckstörung, Mundschleimhautentzündung, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Essensverweigerung, Rachenreizung, Nesselsucht, Schwitzen, Nachtschweiß, Hauterkrankungen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Tumorschmerzen, Rötungen, Unwohlsein, Erkältungserscheinungen, Erschöpfung, Frösteln, Multiorganversagen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Blutgerinnungsstörungen, Blutarmut (aplastische Anämie oder hämolytische Anämie), Lymphknotenschwellung, Depression, Nervosität, Störung der Geschmacksempfindung, Versagen der linken Herzkammer, Herzrasen (von den Herzvorhöfen ausgehend), Kammerrasen, Durchblutungsstörung des Herzmuskels, verlangsamter Herzschlag, Asthma, Lungenerkrankung (auch der kleinen Lungenbläschen; Bronchiolitis obliterans), Sauerstoffmangel im Blut, aufgetriebener Bauch, Schmerzen an der Infusionsstelle.

Seltene Nebenwirkungen:
Schwerwiegende Virusinfektion, Lungeninfektion mit seltenem Keim (Pneumocystis jirovecii), allergischer Schock, schwere Herzprobleme, spezielle Form der Lungenerkrankung (interstitielle Pneumonie).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Erkrankung der weißen Hirnmasse (PML), vorübergehender Anstieg der IgM-Antikörper im Blut, Fieber verschiedener Ursache (durch massenhaften Zerfall von Krebszellen beim Tumorlysesyndrom oder Zytokin-Freisetzungs-Syndrom), Serumkrankheit, Nervenstörungen an Armen und Beinen, Gesichtsnervenlähmung, schwerer Sehverlust, Herzmuskelschwäche, Blutgefäßentzündung (vorwiegend in der Haut; auch durch Zusammenballung von weißen Blutkörperchen), Atemstillstand, Magen-Darm-Durchbruch, schwere (blasige) Hautreaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom), Nierenversagen.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Mangel an neutrophilen Blutzellen als Therapie-Spätfolge, infusionsbedingter akuter und vorübergehender Blutplättchenmangel, Nervenstörung im Schädelbereich, Verlust anderer Sinne.

Besonderheiten:
Eine Erkrankung der weißen Hirnmasse (PML) ist eine schwerwiegende Nebenwirkung, bei der die Rituximab-Therapie sofort und dauerhaft abgebrochen werden muss. Patient wie auch Partner oder Pflegepersonen sollten daher sorgfältig auf Anzeichen einer solchen Erkrankung (Einschränkung des Denkens, Nervenstörungen, seelische Veränderungen) achten.

Die Behandlung mit Rituximab begünstigt alle Arten von Infektionen. Die Patienten müssen daher sehr vorsichtig sein und darauf achten, sich nicht anzustecken.

Wird Rituximab zur Krebsbekämpfung oder gegen Rheuma eingesetzt, kann eine Leberentzündung vom Typ Hepatitis-B wieder aufflammen. Dies besonders bei Anwendung in Kombination mit Glukokortikoiden oder Chemotherapie.

Welche Wechselwirkungen zeigt Rituximab?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Zurzeit gibt es nur wenige Studien über mögliche Wechselwirkungen zwischen
Rituximab und anderen Wirkstoffen vor.

Patienten, die schon Antikörper gegen Maus-Eiweiße oder gemischte Eiweiße von Maus und Mensch aufweisen, können allergische oder Überempfindlichkeitsreaktionen entwickeln, wenn sie zusätzlich mit anderen monoklonalen Antikörpern zum Zweck der Diagnose oder Therapie behandelt werden.

Die Sicherheit einer Immunisierung mit Lebend-Impfstoffen aus Viren nach einer Therapie mit Rituximab wurde nicht untersucht. Wegen der erhöhten Infektionsgefahr wird eine Impfung mit solchen Lebendimpfstoffen nicht empfohlen. Patienten, die mit Rituximab behandelt werden, können eine Impfung mit inaktiven Impfstoffen erhalten. Jedoch kann deren Wirkung vermindert sein.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit den Medikament muss der Arzt das regelmäßig kontrollieren.
  • Während der Behandlung mit den Medikament muss der Arzt die Leberwerte regelmäßig kontrollieren.
  • Treten während der Therapie Denkstörungen, psychische Problem oder nervliche Ausfallerscheinungen auf, ist sofort der behandelnde Arzt zu informieren.
  • Impfungen mit inaktivierten Viren sind möglicherweise durch die Behandlung mit dem Medikament weniger wirksam.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Rituximab?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Rituximab enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Infusionslösungs­konzentrat

So wirkt Rituximab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Rituximab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Immunstärkende und -schwächende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Rituximab gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Rituximab

Rituximab wird ausschließlich bei Erwachsenen angewendet. Es kommt immer dann zum Einsatz, wenn bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten, entweder zu häufig vorkommen (wie es bei Lymphomen und Blutkrebs der Fall ist) oder wenn sie überschießende Entzündungsreaktionen hervorrufen. Im Einzelnen gibt es folgende Anwendungsgebiete:

Spezielle Formen des Lymphdrüsenkrebses (Non-Hodgkin-Lymphom; NHL)
Hier wird Rituximab in Kombination mit einer Chemotherapie für die Erstbehandlung von Patienten mit der Krankheit im Stadium III bis IV verwendet. Rituximab alleine kann dann auf Dauer angewendet werden, wenn diese anfänglich Kombinationstherapie erfolgreich war. Der Wirkstoff wird auch alleine eingesetzt bei Lymphomen im Stadium III bis IV, bei denen andere Chemotherapeutika nicht wirksam waren oder wenn nach einer Behandlung damit ein zweiter oder neuerlicher Rückfall erfolgte.

Patienten mit speziellen Formen des Lymphdrüsenkrebses (CD20-positiver, diffuser groß-zelliger B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom) werden mit Rituximab behandelt, kombiniert mit anderen Zytostatika wie Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, oder auch dem Glukokortikoid Prednisolon.

Spezielle Formen von Blutkrebs (Chronische lymphatische Leukämie; CLL)
Hier wird der Wirkstoff bei nicht vorbehandelten Patienten und von Patienten mit wiederkehrender oder bisher nicht behandelbarer chronischer lymphatischer Leukämie in Kombination mit einer Chemotherapie verwendet. Es gibt dabei nur wenig Erfahrungen mit Patienten, die bereits mit monoklonalen Antikörpern einschließlich Rituximab behandelt wurden oder solchen, bei denen diese Behandlung nicht richtig wirkte.

Rheumatische Gelenkentzündung
In Kombination mit dem Zytostatikum und Entzündungshemmer Methotrexat ist Rituximab für die Behandlung schwerer Fälle geeignet, bei denen andere Antirheumatika einschließlich einer oder mehrerer Therapien mit Tumornekrosefaktor(TNF)-Hemmern erfolglos waren oder nicht vertragen wurden. Es konnte gezeigt werden, dass Rituximab in Kombination mit Methotrexat das Fortschreiten der im Röntgenbild nachweisbaren Gelenkschädigung vermindert und die körperliche Funktionsfähigkeit verbessert.

Blutgefäßentzündungen (Granulomatose mit Polyangiitis und mikroskopische Polyangiitis)
Bei diesen Erkrankungen wird Rituximab in Kombination mit Glukokortikoiden eingesetzt. Man stößt damit eine Besserung der Erkrankung an, die zur Selbstheilung füren kann.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Rituximab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Rituximab

Rituximab gehört zur Wirkstoffgruppe der Immunstärkenden und -schwächenden Mittel und dort zur Untergruppe der monoklonalen Antikörper. Der Wirkstoff bindet sich ganz gezielt an ein spezielles Eiweiß (Antigen) auf der Oberfläche von unreifen und reifen Lymphzellen (B-Lymphozyten), einer speziellen Art von weißen Blutkörperchen. Das Antigen erscheint auf über 95% aller Zellen von Non-Hodgkin-Lymphomen des B-Zell-Typs, aber auch auf gesunden Lymphzellen. Vorteilhaft ist, dass es sich nicht auf den Oberflächen von Blut-Stammzellen, frühen Vorläuferzellen der B-Zellen, normalen Blutzellen oder anderem normalem Gewebe findet. Diese bleiben also von der Rituximab-Wirkung ausgenommen.

Nach der Bindung bleibt der Antikörper Rituximab mit einem Ende an sein Antigen fest angeheftet. Der gebildete Komplex wird von der Lymphzelle nicht abgestoßen. So kann das andere Ende des Antikörpers die körpereigene Abwehr aktivieren und die Vernichtung der "markierten" Lymphzelle einleiten. Diese Vernichtung kann entweder darin bestehen, dass herbeigerufene Granulozyten, Fresszellen oder Killerzellen die Lymphzelle verschlingen oder sie selbsttätig abstirbt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.