Flucytosin

Allgemeines

Flucytosin wird bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen zur Behandlung von Pilzerkrankungen angewendet, die durch Hefepilze (Candida, Kryptokokken) sowie die Erreger der Chromoblastomykose hervorgerufen werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Hefepilze am Wachstum hindern und abtöten
  • Eiweißproduktion der Pilzzellen stören
  • Vermehrung der Pilzzellen hemmen
  • Pilze der Gattung Aspergillus am Wachsen hindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Flucytosin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Flucytosin nicht verwendet werden?

Flucytosin darf nicht eingesetzt werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Patienten mit einem Mangel an dem Enzym Dihydropyrimidin-Dehydrogenase. Sie können das bei der Verstoffwechselung anfallende 5-Fluorouracil nur sehr verzögert oder gar nicht abbauen, was zu Vergiftungen führen kann
  • gleichzeitiger Anwendung mit virenhemmenden Mitteln wie Ganciclovir und Valganciclovir, Brivudin, Sorivudin und ihren chemischen Verwandten. Sie hemmen ddas Enzym DPD und können in der Folge zu Vergiftungen mit 5-Fluorouracil führen.

    Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Flucytosin angewandt werden bei
    • Patienten, die Zytostatika oder Mittel zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr erhalten; ihre Blutbildwerte sind laufend zu überwachen
    • gestörter Leberfunktion, weil die Leberwerte besonders beobachtet werden müssen
    • Nierenfunktionsstörungen, weil Flucytosin vor allem über die Niere ausgeschieden wird und daher eine Dosisanpassung nötig ist.
    Ganz Allgemein müssen Patienten besonders ärztlich überwacht werden, bei denen die Aktivität des Enzyms Dihydropyrimidin-Dehydrogenase (DPD) eingeschränkt ist. Dieses Enzym baut Fluorouracil ab und sein Mangel führt zu schweren Nebenwirkungen wie Durchfall, Schleimhautentzündungen, Störungen der Blutbildung und Nervenschäden. Zur Vermeidung schwerer Nebenwirkungen, die durch einen erblichen DPD-Mangels verursacht sind, wird eine Testung vor Beginn einer Therapie mit Flucytosin empfohlen.

    Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

    Flucytosin wird teilweise zu 5-Fluorouracil abgebaut, das das Erbgut des Menschen verändert und Missbildungen hervorruft. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit dem Wirkstoff und für die Dauer von einem Monat danach eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Wird ein Mann mit Flucytosin behandelt, muss er oder seine Partnerin im gebärfähigen Alter während und für drei Monate nach der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

    Flucytosin durchdringt die Plazenta, kann das Ungeborene abtöten oder Missbildungen hervorrufen. Daher darf es in der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht wirksam verhüten, nur bei lebensbedrohlichen Infektionen und in den Fällen angewendet werden, in denen keine andere Behandlung möglich ist. Wird der Wirkstoff bis zur Geburt verabreicht, wird der Arzt das Neugeborene hinsichtlich seines Blutbildes und der Leberfunktion besonders überwachen.

    Weil nicht bekannt ist, ob Flucytosin in die Muttermilch übergeht, darf es nicht während der Stillzeit verabreicht werden.

    Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

    Der Wirkstoff kann ab dem Säuglingsalter eingesetzt werden.

    Welche Nebenwirkungen kann Flucytosin haben?

    Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Flucytosin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Häufige Nebenwirkungen:
    Blutbildveränderungen (Blutarmut, Mangel an weißen Blutkörperchen und Neutrophilen, an Granulozyten und Blutplättchen), Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Übelkeit und Erbrechen), Leberfunktionsstörungen, vorübergehender Anstieg der Leberwerte (ASAT, ALAT, Gamma-GT)

    Gelegentliche Nebenwirkungen:
    Verwirrtheit, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindelgefühl, Atembeschwerden, Brustschmerzen, Atemstillstand, Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Essensverweigerung, Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht, Fieber, Schwäche, Müdigkeit

    Seltene Nebenwirkungen:
    Fehlen von Granulozyten, Überschuss unreifer Blutzellen, spezielle Blutarmut-Formen (aplastische Anämie, hämolytische Anämie), bleibende Knochenmarkschädigung mit Mangel an allen Blutzellen, tödliche Störung der Knochenmarksfunktion (bei immunschwachen Patienten), Überempfindlichkeit (Lyell-Syndrom, Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht), Unterzuckerung, Kalium-Mangel im Blut, Fettstoffwechselstörungen (Überschuss an Cholesterin und / oder Triglyceriden), Wahnvorstellungen, Psychosen, Bewegungsstörungen, Parkinson-ähnliche Beschwerden, Krämpfe, nervliche Missempfindungen, Störungen der Nervenfunktion, Gehörverlust, Herzmuskelschäden, Funktionsstörung der Herzkammern, Herzstillstand, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, akute Atemfunktionsstörungen, Zwölffingerdarmgeschwür, Dickdarmentzündung mit Geschwüren und Durchbruch, Magen-Darm-Blutungen, Leberentzündung, Leberschwellung, Absterben von Leberzellen mut tödlichem Ausgang, Lichtempfindlichkeit, Überschuss an Stickstoff im Blut, Kristallbildung im Urin, Nierenfunktionsstörung, Nierenversagen, erhöhte Laborwerte (Kreatinin, Harnstoff und Stickstoff) im Blut

    Welche Wechselwirkungen zeigt Flucytosin?

    Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

    Wird Flucytosin zusammmen mt Amphotericin B gegeben, ergänzen und verstärken sich deren Wirkungen.

    Die gleichzeitige Anwendung von Flucytosin mit nierenschädlichen Substanzen macht eine besonders sorgfältige Überwachung der Nierenfunktion nötig. Medikamente, die die Filtrationsleistung der Niere beeinträchtigen, verlängern die Wirkungszeit von Flucytosin. Eine Verkürzung der Wirkungszeit tritt hingegen bei gleichzeitiger Gabe von Natriumhydrogencarbonat (säurehemmendes Mittel) auf.

    Die Wirkung von Flucytosin gegen Pilze kann möglicherweise durch das Zytostatikum Cytarabin beeinträchtigt werden. Eine gleichzeitige Behandlung mit Flucytosin und Cytarabin wird der Arzt daher nur für besondere Situationen in Betracht ziehen.

    Erhalten Patienten Zytostatika, kann die zusätzliche Gabe von Flucytosin einen Mangel an weißen Blutkörperchen und Blutplättchen verstärken.

    Das Enzym Dihydropyrimidin-Dehydrogenase spielt eine wichtige Rolle für den Abbau von 5-Fluorouracil, dem Stoffwechselprodukt von Flucytosin. Manche virenhemmende Mittel wie Brivudin und Sorivudin sind starke Hemmstoffe dieses Enzyms. Daher reichern sich Flucytosin und sein Abbauprodukt 5-Fluorouracil im Körper an und können zu Vergiftungen führen. Die gleichzeitige Anwendung dieser Virenhemmer mit Flucytosin ist deshalb verboten. Aus dem gleichen Grund sollte auch eine Kombination mit Ganciclovir und Valganciclovir vermieden werden.

    Weil Flucytosin den Blutspiegel des Antiepileptikums Phenytoin erhöht, wird der Arzt bei Kombination sehr sorgfältig auf Anzeichen einer Phenytoin-Überdosierung achten.

    Flucytosin kann im Labor bei der Bestimmung von Kreatinin zu falsch positiven Reaktionen führen und einen vorgeblichen Stickstoff-Überschuss im Blut anzeigen.

    Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

    • Frauen müssen während der Behandlung mit dem Medikament und für die Dauer von einem Monat danach eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
    • Behandelte Männer und / oder ihre Partnerinnen müssen während der Therapie mit dem Medikament und drei Monate danach eine Schwangerschaft zuverlässig verhüten.
    • Das Medikament kann die Kreatinin-Bestimmung im Labor falsch positiv ausfallen lassen.

    Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

    Welche Medikamente beinhalten Flucytosin?

    Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Flucytosin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

    Medikament
    Darreichungsform

    So wirkt Flucytosin

    Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Flucytosin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Flucytosin gehört.

    Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Flucytosin

    Flucytosin wird bei Säuglingen, Kindern und Erwachsenen zur Behandlung von Pilzerkrankungen angewendet, die durch Hefepilze (Candida, Kryptokokken) sowie die Erreger der Chromoblastomykose hervorgerufen werden.

    Der Einsatz erfolgt insbesondere bei Befall des ganzen Körpers, des Blutes und der Harnwege mit Hefepilzen (Systemcandidosen), streuenden Infektionen und von außen eingedrungenen Hefepilzen. Diese können für Risikopatienten mit geschwächter körpereigener Abwehr tödlich enden. Zu den Anwendungsgebieten zählt auch die Gehirnhautentzündung durch Kryptokokken oder eine allgemeine Infektion mit Chromoblasten.

    Um die Entwicklung einer Unempfindlichkeit (Resistenz) der Pilze gegen Flucytosin bei der alleinigen Therapie zu vermeiden, wendet man den Wirkstoff ausschließlich in Kombination mit Amphotericin B an. In Fällen von Gehirnhautentzündung durch Kryptokokken ist bei Patienten mit schlechter Verträglichkeit von Amphotericin B die Kombination mit Fluconazol üblich.

    Zu folgenden Anwendungsgebieten von Flucytosin sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Flucytosin

    Flucytosin ist ein Mittel zur Bekämpfung von Pilzinfektionen (Antimykotikum). Chemisch ist es mit Pyrimidin verwandt, das die Grundlage für Bausteine sowohl des Erbgutes (DNS) wie auch der Transportsubstanz (RNS) darstellt, die an der Eiweißproduktion beteiligt ist.

    Bei Pilzen wird Flucytosin durch ein spezialisiertes Enzym aufgenommen, umgewandelt und in die Zell-RNS eingebaut. Dort wirkte es als "falscher Baustein" und verursacht eine fehlerhafte Eiweißproduktion. Außerdem kommt es zu einer Hemmung der Herstellung von Erbgut (DNS), da das Umwandlungsprodukt aus Flucytosin einen fehlerhaften Baustein dazu liefert.

    Durch diese Mechanismen wirkt Flucytosin bei Hefepilzinfektionen wie Candida, Torulopsis und Kryptokokkose sowie bei Chromomykose wachstumshemmend wie auch abtötend. Bei Pilzen der Gattung Aspergillus wirkt es ausschließlich wachstumshemmend.

    Flucytosin ist nur in Pilzzellen wirksam, da es bei Säugetieren und dem Menschen das Enzym nicht gibt, durch das der Wirkstoff in die Zellen aufgenommen wird.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.