Dinutuximab

Allgemeines

Dinutuximab dient der Behandlung eines Neuroblastoms, also eines bösartigen Tumors, der aus bestimmten Zellen des Nervengewebes hervorgeht (den Neuroblasten). Das Neuroblastom tritt vor allem bei Kindern auf. Betroffen ist das vegetative Nervensystem, dessen noch unreife Zellen sich wuchernd vermehren. Die Geschwulste finden sich vor allem in den Nebennieren, entlang der Wirbelsäule, im Kopf-, Hals- und Nackenbereich sowie im Brust-, Bauch- und Beckenraum. Je nach Lage der Krebsknoten treten sehr unterschiedliche Beschwerden auf: Lähmungen, aber auch Atemprobleme können die Folge sein.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Neuroblastom-Zellen markieren
  • körpereigene Abwehr gegen die Neuroblastom-Zellen aktivieren
  • Abtötung der Neuroblastom-Zellen einleiten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Dinutuximab im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Dinutuximab nicht verwendet werden?

Bei starker Überempfindlichkeit (Grad 4) gegen den Wirkstoff darf Dinutuximab nicht angewendet werden.

Während der Behandlung haben Patienten typischerweise einen dauerhaften Venenkatheter und sind als Folge einer vorherigen Knochenmarksübertragung wahrscheinlich immungeschwächt. Es besteht somit ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Patienten mit Hinweisen auf eine Infektion dürfen nicht behandelt werden und eine festgestellte Infektion sollte vor Beginn der Behandlung ausgeheilt sein.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine ausreichenden Erfahrungen aus Tierexperimenten in Bezug auf eine Schädlichkeit des Wirkstoffs in der Schwangerschaft. Daher wird die Anwendung während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht empfohlen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen auch nach dem Behandlungsende noch sechs Monate lang zuverlässige Verhütungsmittel anwenden.

Es ist bekannt, dass Immunglobuline, zu denen auch Dinutuximab zählt, in die Muttermilch ausgeschieden werden. Daher ist das Stillen während der Behandlung mit dem Wirkstoff zu unterbrechen. Auch hier sollten zwischen dem Behandlungsende und der Wiederaufnahme des Stillens sechs Monate liegen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff wird bei Kindern ab dem 12. Lebensmonat eingesetzt.

Welche Nebenwirkungen kann Dinutuximab haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Dinutuximab. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut, allergische Reaktion, Überempfindlichkeit, Mangel an Mineralstoffen im Blut (Kalium, Natrium, Calcium, Phosphat), Mangel an Eiweiß im Blut, erhöhte Blutzuckerwerte, verminderter Appetit, Herzrasen, erhöhte Durchlässigkeit kleiner Blutgefäße, niedriger Blutdruck, Bluthochdruck, Sauerstoffmangel im Gewebe, Husten, Atembeschwerden, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Nesselsucht, Juckreiz, Fieber, Schmerzen, Gesichtsschwellung, verminderte Blutzellenzahl (Blutplättchen, weiße Blutkörperchen, Lymphzellen, Neutrophile), erhöhte Leberwerte (ASAT, ALAT)

Häufige Nebenwirkungen:
Infektion an der Einstichstelle, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Bakterien im Blut, Darmentzündung, Neutrophilen-Mangel mit Fieber, Magnesium-Mangel im Blut, Körperübersäuerung, Unterzuckerung, Nervenschmerzen, Nervenerkrankungen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen, Lichtscheuheit, Pupillenerweiterung, Bronchialkrämpfe, Wasser in der Lunge, Verstopfung, Darm-Blutungen, fleckig-pusteliger Ausschlag, Harnverhalt, Blut im Urin, Eiweiß im Urin, Wassereinlagerungen in Armen und Beinen, Schüttelfrost, Müdigkeit, Reizbarkeit, Reaktionen an der Injektionsstelle, erhöhte Gamma-GT, erhöhter Kreatinin-Wert im Blut, Gewichtszunahme.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Nierenversagen mit Blutarmut (atypisches hämolytisches urämisches Syndrom), Serumkrankheit, Schilddrüsenüberfunktion, vorübergehende Gehirnerkrankung (prosteriores reversibles Enzephlalopathie-Syndrom), ungleiche Pupillen, Vorhofflimmern, Herzrhythmusstörungen der Herzkammern, Giemen, Kehlkopfschwellung, Nierenversagen, Bakterien im Blut.

Besonderheiten:
Die Therapie mit dem Wirkstoff darf nur durchgeführt werden, wo eine allergische Reaktion auf die Infusion sofort behandelt werden kann. Je nach Schweregrad der allergischen Reaktionen wird der Arzt die Infusionsgeschwindigkeit verringern oder die Behandlung beenden.

Starke Schmerzen (Grad 3 oder 4) treten am häufigsten während des ersten vier Tage dauernden Behandlungs-Zyklus von Dinutuximab auf und lassen häufig im Laufe der Zeit in nachfolgenden Zyklen nach. Dagegen hilft eine Verlangsamung der Infusion oder auch die Gabe von Schmerzmitteln.

Insbesondere bei wiederholten Behandlungs-Zyklen kann es zu Augenerkrankungen kommen. Diese Veränderungen klingen in der Regel im Laufe der Zeit ab und sind nicht dauerhaft. Vor Beginn der Therapie muss ein Augenarzt den Zustand des Patienten beurteilen; während der Behandlung ist ebenfalls auf Veränderungen zu achten.

Es wird während der Dinutuximab-Therapie eine regelmäßige ärztliche Überwachung der Leberfunktion und des Mineralhaushalts empfohlen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Dinutuximab?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Da Glukokortikoide die körpereigene Abwehr unterdrücken, sollten entsprechende Präparate während der Dinutuximab-Therapie möglichst nicht eingenommen oder gespritzt werden.

Falls es erforderlich ist, Immunglobuline zu spritzen, wird es der Arzt in den ersten 100 Tagen nach der Knochenmarkspende tun, da Immunglobuline die Wirksamkeit von Dinutuximab vermindern kann. Immunglobuline dürfen nicht innerhalb von zwei Wochen vor und einer Woche nach Beendigung jedes Behandlungs-Zyklus gegeben werden.

Wird Dinutuximab zusammen mit Interleukin-2 angewendet, sind schwere allergische Reaktionen wahrscheinlicher. Der Arzt wird beide Wirkstoffe daher nur mit großer Vorsicht kombinieren.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Anwendung des Medikaments ist auf das Krankenhaus beschränkt und darf nur unter Aufsicht eines in der Behandlung von Krebs erfahrenen Arztes erfolgen.
  • Vor Beginn der Therapie muss ein Augenarzt den Zustand des Patienten beurteilen; während der Behandlung ist ebenfalls auf Veränderungen zu achten.
  • Es wird während der Dinutuximab-Therapie eine regelmäßige ärztliche Überwachung der Leberfunktion und des Mineralstoffhaushalts empfohlen.
  • Frauen im gebärfähigen Alter müssen auch nach dem Behandlungsende noch sechs Monate lang zuverlässige Verhütungsmittel anwenden.
  • Die Behandlung hat Nebenwirkungen, die Autofahren und das Führen von Maschinen gefährlich machen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Dinutuximab?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Dinutuximab enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Dinutuximab

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Dinutuximab. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Zytostatika, Monoklonale Antikörper, zu welcher der Wirkstoff Dinutuximab gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Dinutuximab

Dinutuximab dient der Behandlung eines Neuroblastoms, also eines bösartigen Tumors, der aus bestimmten Zellen des Nervengewebes hervorgeht (den Neuroblasten). Das Neuroblastom tritt vor allem bei Kindern auf. Betroffen ist das vegetative Nervensystem, dessen noch unreife Zellen sich wuchernd vermehren. Die Geschwulste finden sich vor allem in den Nebennieren, entlang der Wirbelsäule, im Kopf-, Hals- und Nackenbereich sowie im Brust-, Bauch- und Beckenraum. Je nach Lage der Krebsknoten treten sehr unterschiedliche Beschwerden auf: Lähmungen, aber auch Atemprobleme können die Folge sein.

Der Wirkstoff wird vor allem bei Hochrisiko-Patienten im Alter von 12 Monaten bis 17 Jahren eingesetzt. Sie müssen allerdings vorher schon eine andere, wenigstens teilweise erfolgreiche Krebsbehandlung (Chemotherapie) und einen Austausch des Knochenmarks erhalten haben.

Dinutuximab wird ausschließlich in Kombination mit weiteren Substanzen angewendet: Mit Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierendem Faktor (GM-CSF), Interleukin-2 (IL-2) und Isotretinoin.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Dinutuximab sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Dinutuximab

Dinutuximab gehört der Wirkung nach zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika, und ist ein monoklonaler Antikörper.

Der Wirkstoff wird aus Immunglobulinen der Maus und des Menschen biotechnisch als Mischeiweiß hergestellt. Dinutuximab bindet sich gezielt an eine spezielle Eiweißstruktur, die auf der Oberfläche der Neuroblastom-Krebszellen immer vorhanden ist: das sogenannte Gangliosid GD2. Dieses Eiweiß ist auf normalen menschlichen Nervenzellen und den Farbzellen der Haut (Melanozyten) kaum aufzufinden.

Bindet der Wirkstoff an die Krebszellen, alarmiert das die körpereigene Abwehr, die eine Zerstörung der Krebszellen herbeiführt. Unterstützt wird diese Reaktion durch die Zugabe der beiden Zytokine Granulozyten-Makrophagen-Kolonie-stimulierendem Faktor (GM-CSF) und Interleukin-2 (IL-2), welche die körpereigene Abwehr aktivieren. Isotretinoin, ein Wirkstoff, der das Zellwachstum reguliert, verstärkt die Wirksamkeit der vorgenannten Substanzen zusätzlich.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.