Dasabuvir

Allgemeines

Dasabuvir wird nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung der chronischen Leberentzündung vom Typ C (Hepatitis C) bei Erwachsenen angewendet. In den klinischen Studien wurden Sicherheit und Wirksamkeit von Dasabuvir nur in Kombination mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir mit oder ohne Ribavirin nachgewiesen. Die Anwendung des Wirkstoffs zusammen mit anderen virenhemmenden Mitteln wurde nicht untersucht und kann deshalb nicht empfohlen werden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Erbgutverdoppelung behindern
  • Vermehrung der Hepatitis C-Viren verhindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Dasabuvir im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Dasabuvir nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Dasabuvir darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden.

Weil die Wirkung von Dasabuvir nur für den Virenstamm mit dem Gentyp 1 erwiesen ist, darf es bei Patienten mit Infektionen anderer Hepatitis C-Stämme nicht angewendet werden.

Die Verstoffwechselung von Dasabuvir ist stark von einem Enzym-System abhängig, das durch andere Wirkstoffe leicht beeinflussbar ist. Ein alleiniger Einsatz des Wirkstoffs ist nicht zulässig. Er muss immer mit anderen virenhemmenden Mitteln kombiniert werden. Auch diese Substanzen wirken auf das Enzym-System ein und können so Abbau und Wirkung anderer Wirkstoffe stark verändern. Deshalb darf Dasabuvir, kombiniert mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir mit vielen anderen Wirkstoffen nicht zusammen eingesetzt werden. Dies gilt auch insbesondere für Hormone zur Schwangerschaftsverhütung. Einzelheiten dazu sind unter "Wechselwirkungen" aufgeführt.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Dasabuvir in der Schwangerschaft. Tierexperimente ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen. Da der Wirkstoff jedoch nur in Kombination mit schädlichen virenhemmenden Mitteln eingesetzt werden darf, soll auch die Anwendung von Dasabuvir während der Schwangerschaft vermieden werden. In Tierexperimenten mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir kam es zu Missbildungen. Frauen im gebärfähigen Alter oder ihre männlichen Partner, die mit Dasabuvir, der Kombination und gleichzeitig Ribavirin behandelt werden, müssen während und in den sechs Monaten nach der Behandlung eine wirksame Verhütungsmethode anwenden.

Um eine Schwangerschaft zu verhüten, dürfen keine Präparate ("Pille", Vaginalringe) mit Ethinylestradiol zur Anwendung kommen, weil die Kombination dieses in der Wirkung deutlich abschwächt. Der Arzt wird daher Präparate mit Gestagenen ("Minipille") verschreiben oder zu mechanischen Verhütungsmittel (Kondom, Pessar) raten.

Es ist nicht bekannt, ob Dasabuvir und seine Stoffwechselprodukte in die menschliche Muttermilch übergehen, wie es im Tierversuch der Fall war. Aufgrund des Risikos unerwünschter Reaktionen beim gestillten Säugling wird der Arzt enscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung zu unterbrechen ist. Dabei wird er den Nutzen der Mutter wie des Kindes gegeneinander abwägen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Dasabuvir ist bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht erwiesen. Die Anwendung in dieser Altersgruppe liegt im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Dasabuvir haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Dasabuvir. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei gemeinsamer Anwendung mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir und Ribavirin
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schlaflosigkeit, Übelkeit, Juckreiz, Schwäche, Erschöpfung.

Häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut.

Bei gemeinsamer Anwendung mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir
Häufige Nebenwirkungen:
Juckreiz.

Besonderheiten:
Bei der Behandlung mit dem Wirkstoff kann es, besonders wenn er nicht zusammen mit Interferon eingesetzt wurde, zur Reaktivierung einer Hepatitis-B-Infektion kommen. Der Mechanismus ist derzeit nicht bekannt. In der Regel trat die Hepatitis-B-Reaktivierung innerhalb von vier bis acht Wochen nach Behandlungs­beginn auf. Damit verbunden kann auch ein erhöhtes Risiko für Leberzell-Krebs sein. Treten bei einem Patienten während der Behandlung Zeichen einer Leberschädigung wie Müdigkeit, Schwäche, Appetit­losigkeit, Übelkeit und Erbrechen, gelbe Haut oder gelbe Augenbindehäute auf, muss er sich an einen Arzt wenden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Dasabuvir?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Aufgrund der vorgeschriebenen Kombination mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir gelten für Dasabuvir auch deren Wechselwirkungen.

Die Wirkstoffkombination hemmt ein bestimmtes Enzym -System, das am Abbau und der Ausscheidung vieler anderer Substanzen beteiligt ist. Bei ihnen kann es so zu erhöhten Konzentrationen kommen, die schwere Nebenwirkungen auslösen. Daher darf die Kombination nicht zusammen mit folgenden Wirkstoffen eingesetzt werden:
  • Alfuzosin, das gegen gutartige Prostatavergrößerung eingesetzt wird
  • den Antiarrhythmika Amiodaron und Chinidin
  • den H1-Antihistaminika Astemizol und Terfenadin
  • dem Magenmittel Cisaprid
  • dem Gichtmittel Colchicin (bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörung)
  • den Mutterkornalkaloiden Ergotamin, Dihydroergotamin, Ergometrin und Methylergometrin
  • Fusidinsäure, einem Antibiotikum zur äußerlichen Anwendung
  • den Statinen Lovastatin, Simvastatin, Atorvastatin
  • der Einnahme der Psychopharmaka Midazolam und Triazolam und der Anwendung von Pimozid und Quetiapin
  • dem Antiasthmatikum Salmeterol
  • Sildenafil, wenn es zur Behandlung von Lungenhochdruck dient
  • dem Blutverdünner Ticagrelor.
Auf der anderen Seite können aber auch einige Substanzen selbst die Enzyme hemmen und damit bei der Kombination und Dasabuvir zu unerwünschter Wirkungssteigerung und Nebenwirkungen führen. Folgende dürfen daher nicht gleichzeitig eingesetzt werden:
  • die Antibiotika Clarithromycin, Telithromycin
  • Cobicistat, das zur Wirkungsverstärkung virenhemmender Mittel eingesetzt wird
  • das in Deutschland nicht erhältliche Entwässungsmittel Conivaptan
  • die Virenhemmer Indinavir, Lopinavir + Ritonavir, Saquinavir, Tipranavir
  • die Pilzmittel Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol, Voriconazol
  • Gemfibrozil (gegen Fettstoffwechselstörungen).
Durch Förderung der Enzymaktivität durch andere Wirkstoffe kann es zu Wirkungsverlust bei Dasabuvir sowie Ombitasvir und Paritaprevir kommen. Daher dürfen folgende Wirkstoffe nicht zusammen mit ihnen eingesetzt werden:Patientinnen, die die "Pille" oder Vaginalringe mit Ethinylestradiol anwenden, müssen auf eine andere Verhütungsmethode umstellen. Die Kombination vermindert die Hormonwirkung so, dass die für die Behandlung vorgeschriebene sichere Verhütung nicht mehr gewährleistet ist. Dies gilt jedoch nicht für "Minipillen", die ausschließlich Gestagene enthalten.

Bei der Anwendung von Dasabuvir und Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir mit Glukokortikoiden muss der Arzt bei der Verschreibung große Vorsicht walten lassen. Fluticason oder andere Glukokortikoide zur Inhalation können so in der Wirkung gesteigert werden, dass sie sich auf den ganzen Körper auswirkt und den Hormonhaushalt stört. Insbesondere bei langfristiger Anwendung muss der Arzt dieses Risiko gegen den möglichen Nutzen abwägen.

Weitere Substanzen, die nur mit Vorsicht gleichzeitig mit Dasabuvir und der Kombination angewendet werden dürfen sind
  • Sulfasalazin (gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)
  • die Blutdrucksenker Amlodipin, Diltiazem, Nifedipin, Valsartan und Verapamil
  • das Herzglykosid Digoxin
  • das Antibiotikum Erythromycin
  • die Blutverdünner Warfarin und Dabitragan
  • das in Deutschland nicht erhältliche Antiepileptikum Mephenytoin
  • das Antidepressivum Trazodon
  • das Gichtmittel Colchicin (bei sonst gesunden Patienten)
  • das H1-Antihistaminikum Fexofenadin
  • das Entwässerungsmittel Furosemid
  • Virenhemmer wie Atazanavir, Atazanavir + Ritonavir, Darunavir, Darunavir + Ritonavir, Rilpvirin
  • die Statine Rosuvastatin, Pravastatin
  • die Immunologika Ciclosporin, Imatinib, Tacrolimus
  • das orale Antidiabetikum Repaglinid
  • die säurehemmenden Mittel (Antazida) Esomeprazol, Lansoprazol und Omeprazol
  • das Beruhigungsmittel Alprazolam
  • das Schilddrüsenhormon Levothyroxin.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament darf nur von einem Arzt begonnen und überwacht werden, der erfahren in der Therapie der Leberentzündung ist.
  • Treten während der Behandlung Zeichen einer Leberschädigung wie Müdigkeit, Schwäche, Appetit­losigkeit, Übelkeit und Erbrechen, gelbe Haut oder gelbe Augenbindehäute auf, muss sofort ein Arzt befragt werden.
  • Da es sehr häufig zu Erschöpfung kommt, können Autofahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Dasabuvir?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Dasabuvir enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Dasabuvir

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Dasabuvir. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe virenhemmende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Dasabuvir gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Dasabuvir

Dasabuvir wird nur in Kombination mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung der chronischen Leberentzündung vom Typ C (Hepatitis C) bei Erwachsenen angewendet. In den klinischen Studien wurden Sicherheit und Wirksamkeit von Dasabuvir nur in Kombination mit Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir mit oder ohne Ribavirin nachgewiesen. Die Anwendung des Wirkstoffs zusammen mit anderen virenhemmenden Mitteln wurde nicht untersucht und kann deshalb nicht empfohlen werden.

Von dem Erreger der Hepatitis C gibt es verschiedene Stämme, die sogenannten Genotypen. Die Wirksamkeit von Dasabuvir bei Hepatitis-Patienten mit Stämmen eines anderen Genotyps als Genotyp 1 ist nicht erwiesen. Der Wirkstoff sollte bei ihnen daher nicht eingesetzt werden.

Hat ein Patient sowohl eine Infektion mit Hepatitis B- wie Hepatitis C-Viren, besteht die Gefahr einer wiederaufflammenden Leberentzündung durch Hepatitis B-Viren, wenn der Wirkstoff ohne Kombination mit Interferon eingesetzt wird.

Der Arzt wird also vor Beginn der Therapie einen Test auf Hepatitis B durchführen und bei positivem Ergebnis zunächst diese Infektion behandeln.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Dasabuvir sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Dasabuvir

Dasabuvir gehört zur Wirkstoffgruppe der virenhemmenden Mittel. Der Wirkstoff hemmt ein Emzym (HCV-RNA-Polymerase), das von entscheidender Bedeutung für die Virusvermehrung ist. Ohne dieses Enzym kann sich das Erbgut des Hepatitis C-Virus nicht verdoppeln, um auf zwei neue Viren verteilt zu werden.

Durch die gleichzeitige Anwendung von Dasabuvir und Ombitasvir + Paritaprevir + Ritonavir werden drei direkt auf das Hepatitis C-Virus wirkende Stoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen kombiniert. Das hat den Vorteil, dass sie das Virus an mehreren Stufen im Lebenszyklus angreifen. Außerdem erhöht es die Sicherheit der Wirkung, da das Virus nicht gegen alle drei Substanzen gleichzeitig unempfindlich (resistent) sein wird.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.