Atomoxetin

Allgemeines

Der Wirkstoff wird zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab sechs Jahren, Jugendlichen und bei Erwachsenen eingesetzt. Er darf nur als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms verwendet werden. Die Behandlung muss von einem Arzt begonnen werden, der über ein entsprechendes Fachwissen in der Behandlung von ADHS verfügt. Solche sind Kinderärzte, Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein Psychiater.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wirkung von Noradrenalin aufheben
  • Weiterleitung von Nervenreizen erschweren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Atomoxetin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Atomoxetin nicht verwendet werden?

Atomoxetin darf nicht eingesetzt werden bei

  • einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schwerwiegenden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (schwerer Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche, Angina pectoris, angeborenen Herzfehler, Erkrankungen des Herzmuskels, Herzinfarkt, möglicherweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen), der Blutgefäße (arterielle Durchblutungsstörungen) oder bei einer Störung der Durchblutung des Gehirns (Blutgefäßriss, Schlaganfall), die durch einen Anstieg von Blutdruck oder Puls verschlimmert werden können
  • Anwendung eines Antidepressivums aus der Wirkstoffgruppe der MAO-Hemmer
  • Patienten mit einer Sonderform des grünen Stars, dem Engwinkelglaukom, da Atomoxetin bei ihnen in klinischen Studien eine krankhafte Pupillenerweiterung verursachte
  • Entwicklung einer Gelbsucht oder durch Laborwerte belegter Leberschädigung. Hier muss der Wirkstoff sofort abgesetzt und die Behandlung darf nicht wieder aufgenommen werden.

Nur mit besonderer ärztlicher Vorsicht sollte Atomoxetin eingesetzt werden bei

  • Patienten mit Neigung zu niedrigem Blutdruck wegen der Gefahr eines weiteren Blutdruckabfalls
  • EKG-Veränderungen wie einer angeborenem langen QT-Zeit oder einer Verlängerung derselben in der Familie
  • Patienten, die nicht ausreichend wachsen oder nicht ausreichend an Gewicht zunehmen. Hier ist besonders eine Langzeitbehandlung mit dem Wirkstoff riskant
  • Selbstmordgedanken oder -neigung, weil sich diese durch die Behandlung verstärken können
  • Psychosen und Übersteigung (Manie), ebenso wie Aggressionen, Gefühlsschwankungen und Epilepsie, da die Krankheitszeichen durch Atomoxetin verschlimmert werden können.

Hinweis:
Atomoxetin ist nicht zur Behandlung von Depressionen (Episoden einer Major Depression) und/oder Angststörungen geeignet.
 

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Atomoxetin darf während der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden, es sei denn, der Arzt sieht einen Nutzen, der das Risiko für das Kind rechtfertigt.

Atomoxetin und/oder seine Abbauprodukte werden bei Ratten in die Milch ausgeschieden. Es ist nicht bekannt, ob Atomoxetin beim Menschen in die Muttermilch ausgeschieden wird. Aufgrund der unzureichenden Studien dazu dürfen stillende Mütter Atomoxetin nicht anwenden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Atomoxetin darf bei Kindern unter sechs Jahren nicht angewendet werden, da die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe nicht nachgewiesen wurden.

Welche Nebenwirkungen kann Atomoxetin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Atomoxetin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Appetitverminderung, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Häufige Nebenwirkungen:
Appetitlosigkeit, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Hautentzündung, Hautausschlag, Müdigkeit, Antriebsarmut, Gewichtsverlust, Blutdruckerhöhung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Selbstmordneigung, Selbstmordversuche, Aggression, Feindseligkeit, Gefühlsschwankungen, Schlafstörungen, Ohnmacht, Zittern, Migräne, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, Herzrasen (Sinustachykardie), Juckreiz, vermehrte Schweißabsonderung, allergische Reaktionen, Kraftlosigkeit.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Psychosen (einschließlich Wahnvorstellungen), Aufregung, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen (QT-Intervall-Verlängerung), Durchblutungsstörungen von Fingern und Zehen (Raynaud-Syndrom), Blut-Leberwert-Erhöhung, Gelbsucht, Leberentzündung, Harnverzögerung, Harnverhalt, krankhafte Penissteifigkeit (Priapismus), Penisschmerzen, Hodenschmerzen.

Besonderheiten:
In Studien mit Kindern und Erwachsenen zeigten Atomoxetin-Patienten im Vergleich zu Placebo eine Erhöhung des Pulsschlages sowie Anstiege des Blutdrucks. Der Zustand von Herz und Blutgefäßen muss daher regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Die Werte von Blutdruck und Puls sind nach jeder Dosisveränderung und dann mindestens alle sechs Monate zu erfassen und auszuwerten. Bei Patienten, die während ihrer Atomoxetin-Behandlung Beschwerden bekommen, die auf eine Herzerkrankung hindeuten, muss umgehend eine Untersuchung durch einen Herzspezialisten erfolgen.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Atomoxetin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Atomoxetin darf nicht in Kombination mit Antidepressiva aus der Wirkstoffgruppe der MAO-Hemmer angewendet werden. Die Therapie mit einem MAO-Hemmer muss seit mindestens zwei Wochen beendet sein, bevor Atomoxetin angewendet werden darf. Auch Atomoxetin muss mindestens zwei Wochen lang abgesetzt sein, bevor die Behandlung mit einem MAO-Hemmer begonnen wird.

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wie Fluoxetin und Paroxetin (gegen Depressionen), das Herzmittel Chinidin und das Pilzmittel Terbinafin behindern den Abbau von Atomoxetin, steigern seine Wirkung und verstärken das Risiko von Herzrhythmusstörungen. Bei Kombination mit solchen Wirkstoffen muss der Arzt eine Dosisanpassung vornehmen und Dosissteigerungen besonders langsam angehen. Dies gilt besonders für Menschen, die Atomoxetin sowieso schon verzögert verstoffwechseln.

Werden Asthma-Patienten mit hohen Dosen von Beta-2-Sympathomimetika (besonders Salbutamol) in Form von Asthma-Spray, zum Einnehmen oder als Spritzen behandelt, ist Atomoxetin vorsichtig anzuwenden, da es die Wirkung von Salbutamol auf das Herzkreislaufsystem verstärkt. Es kann zu Herzklopfen und Bluthochdruck kommen.

Alle Wirkstoffe mit Effekten auf den Herzrhythmus sind zusammen mit Atomoxetin riskant. Neuroleptika, Antiarrhythmika der Klassen IA und III, die Antibiotika Moxifloxacin und Erythromycin, das Drogen-Ersatzmittel Methadon, Mefloquin (gegen Malaria), Trizyklische Antidepressiva und Lithium (gegen Depressionen) oder das Magenmittel Cisaprid können zusammen mit Atomoxetin Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Gleiches gilt für Wirkstoffe wie Entwässerungsmittel aus der Gruppe der Thiazide, die den Mineralhaushalt im Blut stören.

Direkt oder indirekt blutdrucksteigernde Wirkstoffe (wie beispielsweise Salbutamol) dürfen in Kombination mit Atomoxetin nur mit Vorsicht eingesetzt werden, da sich ein übermäßiger Blutdruckansteig ergeben kann. Umgekehrt kann Atomoxetin den Effekt von Blutdrucksenkern aufheben.

Atomoxetin kann schon alleine Krampfanfälle des Gehirns hervorrufen. Bei Kombination mit Antidepressiva, Neuroleptika, Mefloquin, Bupropion (zur Raucherentwöhnung und gegen Depressionen) oder Tramadol (opioides Schmerzmittel) steigt dieses Risiko zusätzlich.

Substanzen mit einer Wirkung auf den Nervenbotenstoff Noradrenalin sollten bei gleichzeitiger Anwendung von Atomoxetin nur vorsichtig eingesetzt werden. Die Wirkungen können sich nämlich nachteilig ergänzen. Beispiele sind hier Antidepressiva wie Imipramin, Venlafaxin und Mirtazapin oder schleimhautabschwellende Mittel wie Pseudoephedrin oder Phenylephrin.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Entscheidung über die Anwendung des Medikaments darf nur nach einer sehr sorgfältigen ärztlichen Beurteilung des Kindes oder Jugendlichen erfolgen.
  • Das Medikament darf nur im Rahmen einer Behandlung mit zusätzlichen nicht-medikamentösen Methoden eingesetzt werden.
  • Die Behandlung mit dem Medikament darf nur von einem Arzt begonnen und überwacht werden, der mit ADHS Erfahrung hat.
  • Bei Leberfunktionsstörungen muss die Dosierung je nach Krankheitsstärke auf die Hälfte oder ein Viertel vermindert werden.
  • Blutdruck und Puls müssen regelmäßig kontrolliert werden. Die Werte sind nach jeder Dosisveränderung und dann mindestens alle sechs Monate zu erfassen und dem Arzt zu zeigen.
  • Bei Anzeichen von Herzbeschwerden ist sofort ein Herzspezialist zu befragen.
  • Das Medikament darf bei Erwachsenen nur dann zum Einsatz kommen, wenn diese nachweislich schon in der Jugend an ADHs litten und die Krankheit mindestens mittelgradig die Lebensqualität einschränkt.
  • Autofahren oder Maschinenbedienung kann durch die Einschränkung der Leistungsfähigkeit durch das Medikament gefährlich sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Atomoxetin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Atomoxetin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 

 

So wirkt Atomoxetin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Atomoxetin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Alpha-Sympathomimetika, zu welcher der Wirkstoff Atomoxetin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Atomoxetin

Der Wirkstoff wird zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern ab sechs Jahren, Jugendlichen und bei Erwachsenen eingesetzt. Er darf nur als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms verwendet werden. Die Behandlung muss von einem Arzt begonnen werden, der über ein entsprechendes Fachwissen in der Behandlung von ADHS verfügt. Solche sind Kinderärzte, Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder ein Psychiater.

Bei Erwachsenen muss bestätigt werden, dass ADHS-Symptome bereits in der Kindheit vorhanden waren. Eine Bestätigung durch Angehörige oder den Hausarzt ist wünschenswert. Eine Behandlung darf nicht begonnen werden, wenn nicht sicher ist, dass schon in der Kindheit ADHS-Beschwerden vorhanden waren. Die Diagnose kann nicht aufgrund des ausschließlichen aktuellen Vorhandenseins von nur einem oder mehreren ADHS-Anzeichen gestellt werden. Zudem müssen die ADHS-Beschwerden zumindest mittelschwer sein, sodaß sie mindestens zwei unterschiedliche Bereiche des täglichen Lebens (Beruf, Ausbildung, Beziehungen) mittelgradig beeinträchtigen.

Vor der Verschreibung ist es notwendig, den Patienten auf Beschwerden an Herz und Blutgefäßen hin zu untersuchen einschließlich der Erfassung von Blutdruck und Puls.

Ein umfassendes Behandlungsprogramm schließt typischerweise psychologische,
pädagogische und soziale Maßnahmen ein. Es dient der Stabilisierung von Kindern mit Verhaltensstörungen wie kurze Aufmerksamkeitsspanne, Ablenkbarkeit, Gefühlsschwankungen, Sprunghaftigkeit, mäßige bis starke Überaktivität, gering ausgeprägte nervliche Störungen und unnormale Befunde der Hirntätigkeit (mittels EEG belegt). Das Lernen kann, muss aber nicht, beeinträchtigt sein.

Eine Therapie ist nicht bei allen Patienten mit ADHS notwendig. Zur Entscheidung über die Anwendung des Wirkstoffs wird der Arzt den Schweregrad sowie die Beeinträchtigung im Verhältnis zum Alter und der Beschwerdedauer des Patienten sehr sorgfältig abwägen.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Atomoxetin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Atomoxetin

Atomoxetin gehört zur Wirkstoffgruppe der Alpha-Sympathomimetika. Es hemmt ausschließlich im Gehirn den Einfluss des Nervenbotenstoffes Noradrenalin. So weit man heute weiß, verhindert der Wirkstoff die Übertragung von Noradrenalin von einer Nervenfaser auf die andere. Dies bewirkt Atomoxetin durch die Blockade eines Eiweißes, das den Noradrenalin-Transport vermittelt. Durch die verminderte Noradrenalin-Wirkung wird die Weiterleitung von Nervenreizen erschwert oder unterbunden. Auf andere Nervenbotenstoffe wie Serotonin oder Dopamin und deren Andockstellen an den Nerven hat Atomoxetin keine direkte Wirkung. Atomoxetin wird im Körper in zwei Abbauprodukte verwandelt: 4-Hydroxyatomoxetin und N-Desmethylatomoxetin. Nur 4-Hydroxyatomoxetin hat eine vergleichbare Wirkung wie Atomoxetin, wird aber schnell weiter abgebaut.

Atomoxetin gehört nicht zur Gruppe der Wirkstoffe mit anregender Wirkung auf die Seele (Psychostimulanzien) und ist kein Amphetaminderivat. Daher zeigt es in klinischen Studien auch kein Sucht- oder Abhängigkeitspotential.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.