Venlafaxin AbZ 75 mg Hartkapseln, retardiert

Hersteller: AbZ-Pharma
Wirkstoff: Venlafaxin
Darreichnungsform: Retardkapsel
Rezeptpflichtig

Wirkung

Venlafaxin AbZ 75 mg Hartkapseln, retardiert enthalten den Wirkstoff Venlafaxin. Zu beachten ist außerdem die besondere Wirkung von Venlafaxin AbZ 75 mg Hartkapseln, retardiert.

Der Wirkstoff wird angewendet, um Depressionen behandeln und das wiederholte Auftreten depressiver Phasen zu verhindern.

Des weiteren dient der Wirkstoff der Therapie allgemeiner Angststörungen, der Angst vor sozialen Kontakten und der Behandlung von Panikattacken, mit und ohne Platzangst.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Venlafaxin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Antidepressiva, selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (sSNRI), zu welcher der Wirkstoff Venlafaxin gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • depressive Erkrankungen, einschließlich Depressionen mit begleitenden Angstzuständen
  • Vorbeugen vor dem Wiederauftreten depressiver Erkrankungen
  • Angststörungen im Umgang mit anderen Menschen
  • Panikzustände, insbesondere außerhalb der eigenen Wohnung

Dosierung

Für eine individuelle Behandlung steht das Präparat in den Stärken 37,5, 75 und 150 Milligramm zur Verfügung.

Die Dosis zu Beginn der Behandlung beträgt einmal täglich 75 Milligramm und kann vom Arzt bei Bedarf auf einmal täglich 150 bis 225 Milligramm erhöht werden. Die Tageshöchstdosis ist 375 Milligramm. Wird ein rascher Wirkungseintritt erforderlich, kann die Anfangsdosis von 75 bis 150 Milligramm täglich alle zwei bis drei Tage um 75 Milligramm bis auf 300 Milligramm erhöht werden.

Bei Leber- und Nierenfunktionsstörungen muss eine entsprechende Dosisverringerung stattfinden, die vom Arzt individuell bestimmt wird. Er wird auch die Dosis für die Dauerbehandlung in Abhängigkeit von dem Erfolg und der Verträglichkeit ermitteln. Bei älteren Patienten ist bei einer Dosiserhöhung besondere Sorgfalt geboten, ansonsten ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Die Einnahme sollte zu den Mahlzeiten erfolgen.

Nach Anwendung über mehr als sechs Wochen muss für ein Ende der Therapie die Dosis schrittweise langsam verringert werden.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Eisen(III)-oxid (E 172)
  • Hypromellose
  • Magnesiumstearat
  • Titandioxid (E 171)
  • Ammoniummethacrylat-Copolymer (Typ B)
  • Basisches Butylmethacrylat-Copolymer
  • Gelatine
  • Natriumdodecylsulfat

Nebenwirkungen

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Übelkeit, Mundtrockenheit, vermehrtes Schwitzen (einschließlich Nachtschweiß)

Häufige Nebenwirkungen:
verminderter Appetit, Verwirrtheit, Persönlichkeitsstörung, Orgasmus-Unfähigkeit, Abnahme der Libido, Nervosität, Schlaflosigkeit, ungewöhnliche Trauminhalte, Schläfrigkeit, Zittern, nervliche Missempfindungen, Bluthochdruck, Sehstörungen einschließlich verschwommenem Sehen, Pupillenerweiterung, Störung des Scharfsehens, Ohrensausen, Herzklopfen, Blutdruckanstieg, Blutgefäßerweiterung (meist Hitzewallungen), Gähnen, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, verzögertes Wasserlassen, zu häufiges Wasserlassen, Störungen der Regelblutung (verbunden mit verstärkter Blutung oder unregelmäßiger Blutung), Ejakulationsstörungen, Erektionsstörung, Schwäche, Erschöpfung, Schüttelfrost, erhöhte Cholesterin-Werte.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Wahnvorstellungen, Realitätsverlust, Aufregung, Orgasmusstörungen (bei der Frau), Teilnahmslosigkeit, leichte Manie, Zähneknirschen, Sitzunruhe, Zappeligkeit, Ohnmacht, Muskelkrampf, beeinträchtigte Bewegungssteuerung, beeinträchtigte Balance, Geschmacksveränderungen, Herzrasen, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Atemprobleme, Magen-Darm-Blutung, Blutgefäßschwellung, Lichtüberempfindlichkeitsreaktion, kleinflächige Hautblutung, Ausschlag, Haarausfall, Harnverhalt, Gewichtszunahme, Gewichtsabnahme.

Seltene Nebenwirkungen:
Manie, Krampfanfälle, Harninkontinenz.

Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:
Blutbildveränderungen (einschließlich Fehlen von Granulozyten, Blutarmut (aplastische Anämie), Mangel an Neutrophilen, an Blutplättchen und allen Blutzellen), allergischer Schock, Störungen des Wasserhaushaltes, Natriummangel im Blut, Selbstmorgedanken und -versuche, Delirium, Aggression, malignes neuroleptisches Syndrom, Serotonin-Syndrom, Bewegungsstörungen einschließlich (auch verzögert einsetzender) ungewollter Bewegungen, Grüner Star (Engwinkelglaukom), Schwindel, Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern, von den Kammern ausgehendes Herzrasen einschließlich Torsade de pointes), niedriger Blutdruck, Blutungen (auch Schleimhautblutungen), Lungenfunktionsstörung durch Überschuss an unreifen Blutzellen, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Leberentzündung, Leberwertveränderungen, schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme, toxische epidermale Nekrolyse), Juckreiz, Nesselsucht, Muskelgewebezerfall (Rhabdomyolyse), QT-Verlängerung im EKG, verlängerte Blutungsdauer, Erhöhung der Konzentration des Hormons Prolactin im Blut.

Besonderheiten:
Zu Behandlungsbeginn kann es zu quälender Unruhe und Rastlosigkeit von Körpergliedmaßen (Akathisie) kommen. Für betroffene Patienten kann eine Dosiserhöhung schädlich sein.

Treten während der Behandlung Krampfanfälle auf, ist die Therapie mit dem Wirkstoff zu beenden.

Bei plötzlichem Absetzen des Wirkstoffes, bei einer Dosisverringerung oder auch beim zu schnellen Absetzen mit schrittweiser Verringerung der Dosis kann es zu Müdigkeit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Gehirnkrämpfen, Benommenheit, Schwindel, Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Angst, Nervosität, Erregung, Verwirrtheit, (leichter) Manie, nervlichen Missempfindungen, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall und Schwitzen kommen. Diese Beschwerden klingen meist innerhalb von zwei Wochen ab, können aber auch zwei bis drei Monate und länger anhalten. Eine Beendigung der Behandlung sollte daher nur mit langsamer Dosisverminderung über Wochen oder Monate hin erfolgen.

10% der mit Venlafaxin behandelten Patienten klagen über Mundtrockenheit. Diese kann das Risiko für Karies erhöhen. Daher ist während der Behandlung eine gute Zahnpflege sehr wichtig.

Neuere Studien haben nachgewiesen, dass die Arbeit der knochenauf- und abbauenden Zellen durch Substanzen aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer besonders bei Langzeitanwendung nachteilig beeinflusst wird. So kann es vermehrt zu Knochenbrüchen, beziehungsweise der Entwicklung einer Osteoporose kommen. Möglicherweise gilt dies auch für Venlafaxin.

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Einnahme von antidepressiven Medikamenten von Typ der MAO-Hemmer kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Daher muss nach Absetzen einer Therapie mit MAO-Hemmern mindestens 14 Tage Abstand zum Beginn der Einnahme des Wirkstoffs eingehalten werden. Andererseits sollten MAO-Hemmer erst sieben Tage nach Ende einer Venlafaxin-Therapie angewendet werden. Der MAO-Hemmer Linezolid darf gar nicht zum Einsatz kommen.

Wie bei anderen Wirkstoffen, die wie der Nervenbotenstoff Serotonin wirken, kann auch die Behandlung mit Venlafaxin ein Serotonin-Syndrom, einen möglicherweise lebensbedrohlichen Zustand, auslösen. Er ist durch Bewußtseinstrübungen, Fieber, Herz-Kreislaufbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen gekennzeichnet. Insbesondere wird vor der gleichzeitigen Einnahme anderer, ähnlich wirkender Substanzen gewarnt. Dazu gehören: Triptane (gegen Migräne), die Antidepressiva-Gruppen SSRI, SNRI, Lithium und auch Johanniskraut, der Appetitzügler Sibutramin, die Schmerzmittel Fentanyl, Penthidin, Pentazocin, Tapentadol und Tramadol, das Hustenmittel Dextromethorphan und Methadon, das zum Drogenentzug dient. Auch von der gleichzeitigen Anwendung von Vorstufen des Serotonin wie dem Schlafmittel Tryptophan wird abgeraten.

Die Kombination mit anderen, auf das Gehirn wirkenden Substanzen darf nur mit ärztlicher Vorsicht erfolgen. Auf das Trinken von Alkohol sollte während der Behandlung mit Venlafaxin verzichtet werden.

Manche Wirkstoffe hemmen den Abbau von Venlafaxin im Körper und führen zu mehr Nebenwirkungen. Bei folgenden Kombinationspartnern muss der Arzt Vorsicht walten lassen: den AIDS-Mitteln Atazanavir, Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir und Saquinavir, den Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin sowie den Pilzmitteln Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol und Voriconazol.

Wegen Wechselwirkungen, die in ihrer Bedeutung nicht ganz klar sind, sollte der Arzt vorsichtig sein, wenn der Patient außer Venlafaxin die Psychopharmaka Haloperidol und Risperidon sowie den Betablocker Metoprolol erhält.

Wie bei anderen selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (sSRI) sollte Venlafaxin bei Patienten, die Blutverdünner (Antikoagulanzien) und Thrombozytenaggregationshemmer einnehmen, vorsichtig angewendet werden. Bei gleichzeitiger Behandlung ist die Kontrolle der Gerinnung durch einen Arzt erforderlich.

Gegenanzeigen

Bei Überempfindlichkeit gegen Venlafaxin darf der Wirkstoff nicht eingenommen werden.

Venlafaxin darf nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern eingenommen werden. Bei Therapiewechsel zwischen MAO-Hemmern und Venlafaxin sollten mindestens 14 Tage zwischen den Therapien vergehen.

Die (depressiven) Patienten sollten besonders bei Beginn der Therapie sowie bei Änderung der Dosis sorgfältig wegen einer erhöhten Selbstmordgefahr beobachtet werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-/Risiko-Bewertung durch einen Arzt und unter seiner Kontrolle darf Venlafaxin angewendet werden bei:
  • hohem Risiko für Selbstmord, da sich dieses möglicherweise erhöht
  • Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck oder Patienten mit einem Risiko für Grünen Star (akutes Engwinkelglaukom), weil der Wirkstoff die Pupille erweitert
  • Bluthochdruck, weil sich dieser verschlimmern kann
  • Patienten, deren Gesundheitszustand durch eine Beschleunigung des Herzschlages beeinträchtigt werden könnte, weil Venlafaxin diesen verstärkt
  • kürzlich zurückliegendem Herzinfarkt, schweren Herzrhythmusstörungen oder schlecht behandelbarer Herzerkrankung, weil es dazu keine Studien mit Venlafaxin gibt
  • Krampfanfällen in der Vorgeschichte, da während der Behandlung mit Venlafaxin vereinzelt Krampfanfälle beobachtet wurden
  • älteren Patienten, solchen mit Mangel an Blutvolumen oder mit Austrocknung, weil diese eine erhöhte Gefahr für einen Blut-Natriummangel haben
  • erhöhter Blutungsneigung, weil sich diese durch den Wirkstoff verstärken kann
  • Depressionen mit Phasen von Übersteigerung in der eigenen oder familiären Vorgeschichte, weil diese Phasen sich verstärken können
  • Patienten mit Aggression in der Vorgeschichte, weil sich diese durch Venlafaxin verstärken kann
  • Patienten mit Diabetes mellitus, weil eine Veränderung der Dosierungen an Insulin oder oralen Antidiabetika notwendig werden kann.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Anwendung von Venlafaxin in der Schwangerschaft kann beim Neugeborenen zu einem erhöhten Blutdruck in der Lunge (pulmonale Hypertonie) führen. Im Tierexperiment wurde das Ungeborene geschädigt. Daher sollte Venlafaxin in dieser Zeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung durch einen Arzt eingenommen werden.

Venlafaxin und sein aktives Stoffwechselprodukt gehen in die Muttermilch über. Deshalb sollte während der Einnahme dieses Wirkstoffs möglichst nicht gestillt werden. Wird dennoch gestillt, ist der Säugling durch einen Arzt auf gesteigerte Erregbarkeit, Schlaflosigkeit und schlechte Nahrungsaufnahme zu überwachen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Wirkstoff nicht geeignet.

Warnhinweise

  • Das Reaktionsvermögen kann durch das Medikament so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt besonders im Zusammenwirken mit Alkohol.
  • Das Medikament ist nicht für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren geeignet.
  • Wegen erhöhter Selbstmordgefahr sollte zu Beginn einer Behandlung nur die kleinstmögliche Tablettenzahl verordnet und der Patient sorgfältig vom Arzt und den Angehörigen überwacht werden.
  • Treten bei Patienten Krampfanfälle auf, sollte das Medikament abgesetzt werden.
  • Eine Therapie mit dem Medikament sollte nicht plötzlich beendet werden, sondern über Wochen bis Monate langsam zurückgefahren werden, um Entzugssymptome wie Schwindel, Zittern, Angst, Herzklopfen und Übelkeit zu vermeiden.
  • Schwer Depressive und junge Erwachsene unter 30 Jahren haben ein besonderes Selbstmordrisiko und müssen deshalb sorgfältig überwacht werden.
  • Das Medikament kann unter Umständen zu einem erhöhten Risiko von Knochenbrüchen führen.
  • Während der Therapie ist wegen der erhöhten Kariesgefahr auf eine gute Zahnpflege zu achten.
  • Das Medikament darf erst 14 Tage nach Ende einer Therapie mit MAO-Hemmern angewendet werden. Diese selbst dürfen erst sieben Tage nach Ende der Therapie mit dem Medikament eingesetzt werden.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Retardkapseln)
100 Stück Retardkapseln
75 Milligramm Venlafaxin

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Venlafaxin AbZ 75 mg Hartkapseln, retardiert sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Venlafaxin (ggf. auch Generika).


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.