Man sieht eine Frau, die eine Tasse in der Hand hält und sich an den Hals fasst.
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Postnasal-Drip-Syndrom

Das Postnasal-Drip-Syndrom führt typischerweise zu Beschwerden wie Schleim im Rachen, häufigem Räuspern und Reizhusten. Es gilt als eine der häufigsten Ursachen für chronischen Husten. Erfahren Sie mehr darüber, wie es zum Postnasal-Drip-Syndrom kommen kann und wie die Behandlung aussieht.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Postnasal-Drip-Syndrom

Nase und Nebenhöhlen sind mit Schleimhäuten ausgekleidet. Dass dort Schleim produziert wird, ist erst mal nichts Ungewöhnliches. Tatsächlich ist dieser sogar sehr wichtig, denn er hilft dabei, die Atemwege feucht zu halten. Der Schleim hält außerdem kleine Partikel oder Erreger wie Viren und Bakterien, die dort hängenbleiben, fest. Sie können mit dem Schleim über den Rachen in den säurehaltigen Magen oder auch durch Niesen oder Naseschnauben zum Teil wieder aus der Nase abtransportiert werden. Gelingt das mit Erregern rechtzeitig, kann das Infektionen sogar oft verhindern.

Solange sich die Schleimproduktion im normalen Rahmen bewegt, merken wir davon in der Regel kaum etwas. Der Schleim fließt von der hinteren Nase in den Rachen ab und wird einfach mitgeschluckt. Das kann sich jedoch schnell ändern, sobald die Nase mehr Schleim als gewöhnlich produziert oder dieser zäher als sonst ist. Der ständig nachtröpfelnde Schleim staut sich dann im Rachen und macht sich unangenehm bemerkbar. In diesem Fall spricht man von einem Postnasal-Drip-Syndrom, was übersetzt so viel wie “Träufeln der hinteren Nase“ bedeutet.

Gelangt der abfließende Schleim auch in die unteren Atemwege und ruft dort Beschwerden wie Husten oder gar eine akute Bronchitis hervor, spricht man vom sinubronchialen Syndrom (englische Bezeichnung: Upper Airway Cough Syndrome). Das Postnasal-Drip-Syndrom zählt mit zu den häufigsten Ursachen für chronischen Husten und Schleim im Hals. Zum Teil werden die Begriffe sinubronchiales Syndrom und Postnasal-Drip-Syndrom gleichbedeutend verwendet.

Das Postnasal-Drip-Syndrom ist im Grunde jedoch keine eigenständige Erkrankung. Vielmehr ist es ein Symptomkomplex, der als Folge verschiedener anderer Erkrankungen entsteht, die mit einem übermäßigen Schleimfluss im Nasenrachenraum einhergehen können.

Mögliche Ursachen für solch eine übermäßige Schleimproduktion können zum Beispiel sein:

Auch während der Schwangerschaft kann sich ein Postnasal-Drip-Syndrom entwickeln. Ursache ist hier ein sogenannter Schwangerschaftsschnupfen (Schwangerschaftsrhinitis). Die hormonellen Veränderungen in der Schwangerschaft wirken sich auch auf die Nasenschleimhäute aus und führen dazu, dass sie stärker durchblutet und überempfindlich für Reize werden. Als Folge reagieren diese rasch über und die Nase schwillt zu oder beginnt zu laufen. Läuft der Schleim dabei auch in den Rachen ab, kann es außerdem zu einem Postnasal-Drip-Syndrom kommen.

Zum Teil ist die Ursache eines Postnasal-Drip-Syndroms jedoch gar nicht, dass zu viel Schleim in der Nase produziert wird, sondern dass dieser nicht gut aus dem Rachen abtransportiert wird. Bei Schluckstörungen etwa kann sich Schleim oder Speichel im Rachen ansammeln und sich ähnlich anfühlen wie beim Postnasal-Drip-Syndrom. Solche Schluckstörungen können sich unter anderem mit zunehmendem Alter entwickeln, aber auch, wenn Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt (Reflux). Beim sogenannten stillen Reflux, wenn also der Säurerückfluss keine weiteren Beschwerden wie etwa Sodbrennen verursacht, wird der Zusammenhang zum Schleim im Rachen oft erst spät erkannt.

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Postnasal-Drip-Syndrom: Symptome

Wer das Postnasal-Drip-Syndrom hat, hat häufig das Gefühl von Schleim im Hals und dadurch oft das Gefühl, sich ständig räuspern zu müssen. Möglicherweise fühlt sich der Hals auch kratzig oder sogar wund an oder man hat ein Fremdkörper- oder Kloßgefühl im Hals.

Der abfließende Schleim kann beim Postnasal-Drip-Syndrom zudem Symptome wie einen (teils chronischen) Reizhusten auslösen, der sich nachts beziehungsweise im Liegen oft verschlimmert. Beim Weg von der Nase in Richtung Atemwege passiert der Schleim auch die Stimmbänder und kann dadurch Heiserkeit hervorrufen.

Die Nase fühlt sich bei Menschen mit Postnasal-Drip-Syndrom häufig verstopft beziehungsweise zugeschwollen an. Ab und zu läuft die Nase aber auch, sodass man sich häufiger die Nase putzen muss.

Blockiert der abfließende Schleim die Ohrtrompete und stört dadurch die Luftzufuhr vom Nasenrachen zum Mittelohr, kann es unter Umständen zu einer Mittelohrentzündung und dadurch zu Ohrenschmerzen kommen.

Ebenso kann sich eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) entwickeln, wenn der Schleim den Verbindungsgang von der Nase zu den Nebenhöhlen verlegt.

Postnasal-Drip-Syndrom: Diagnose

Beim Postnasal-Drip-Syndrom geben in der Regel die typischen Symptome, wie das Gefühl, ständig Schleim im Rachen zu haben, sich oft räuspern zu müssen oder Reizhusten, und die Krankengeschichte erste Hinweise auf die Diagnose. Da das Postnasal-Drip-Syndrom genaugenommen keine eigenständige Erkrankung ist, sondern die Folge einer oder mehrerer anderer Erkrankungen, gilt es, möglichst die tatsächlichen Ursachen herauszufinden.

Nach dem Arztgespräch werden deshalb meist Nase und Rachen auf Krankheitsanzeichen hin untersucht. Von Interesse ist dabei unter anderem, ob

  • es Anzeichen einer akuten oder chronischen Infektion der Nase oder der Nebenhöhlen gibt.
  • es bekannte oder möglicherweise neu aufgetretene Allergien gibt.
  • eine Schwangerschaft vorliegt.
  • die Beschwerden sich bei kalter oder trockener Luft verstärken.
  • es Anzeichen für Magenprobleme wie eine Refluxkrankheit oder stillen Reflux gibt.
  • Medikamente eingenommen werden, die zu Beschwerden wie einem Reizhusten als Nebenwirkung beitragen könnten (z. B. ACE-Hemmer).

Um die Ursachen genau abzuklären, können verschiedene Untersuchungen notwendig sein. Infrage kommen zum Beispiel

Postnasal-Drip-Syndrom: Behandlung

Beim Postnasal-Drip-Syndrom richtet sich die Behandlung vor allem nach den vermuteten Ursachen und erfordert oft die Zusammenarbeit von Ärzten und Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen (z. B. Gastroenterologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde). Hauptziel ist es letztlich, die Belüftung der Nase beziehungsweise der Nebenhöhlen zu verbessen und möglicherweise aufgestaute Sekrete abfließen zu lassen. In vielen Fällen ist die Behandlung langwierig und kann einige Wochen bis Monate dauern.

Steht das Postnasal-Drip-Syndrom mit einer Allergie im Zusammenhang, können Allergiemittel helfen. Infrage kommen zum Beispiel Antihistaminika oder Glukokortikoide, letztere meist in Form von Nasenspray. Diese Mittel sollen dabei helfen, den allergischen und entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken und die infolge der allergischen Reaktion überaktiven Nasenschleimhäute zu beruhigen und abschwellen zu lassen.

Je nach Allergieauslöser kommt außerdem eine Hyposensibilisierung in Betracht. Durch diese Form der Therapie soll der Körper weniger empfindlich auf die ursächlichen Allergene reagieren.

Abschwellende Nasensprays sollte man hingegen eher meiden oder nicht länger als 10 Tage anwenden. Denn bei längerer Anwendung können diese selbst zum Problem werden.

Lesetipp: Abschwellende Nasensprays – Vorsicht, Gewöhnungseffekt

Im Falle einer Allergie (Sinusitis) können schleimlösende Medikamente (sog. Sekretolytika) helfen. Idealerweise in Kombination mit einem Glukokortikoid-Nasenspray, damit die Zuführungsgänge zu den Nebenhöhlen abschwellen und sich eventuell lösender Schleim auch abfließen kann. Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Sinusitis, kommen gegebenenfalls auch Antibiotika infrage.

Regelmäßige Nasenspülungen (sog. Nasendusche) mit einer isotonen Salzlösung oder der regelmäßige Gebrauch von salzhaltigem Nasenspray können dabei helfen, die Nase zu befeuchten. Ob beziehungsweise wie gut diese Methoden bei der Heilung einer Nasennebenhöhlenentzündung helfen, ist jedoch wissenschaftlich nicht gut belegt.

Das Inhalieren von Wasserdampf wirkt sowohl auf Nasenschleimhäute als auch auf die Bronchien beruhigend. Bei starkem Reizhusten können vorübergehend Hustenstiller ratsam sein.

Damit der Schleim beim Schlafen nicht in den Hals läuft, kann es helfen, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen.

Führen eine verkrümmte Nasenscheidewand oder verdickte Nasenmuscheln immer wieder zu Problemen mit den Nebenhöhlen, können auch operative Eingriffe eine Option sein. In der Regel ist das jedoch nicht nötig.