Flugangst: Ein Mann sitzt im Flugzeug und fühlt sich unwohl.
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Flugangst: Was hilft gegen Aviophobie?

Menschen mit Flugangst haben eine so starke Angst vorm Fliegen, dass ihr Leben dadurch beeinträchtigt ist. Abfinden muss sich hiermit aber niemand: Mithilfe einer Therapie können Betroffene ihre Flugangst überwinden. Welche Ursachen hinter Aviophobie stecken und welche Tipps die Flugphobie lindern können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Flugangst

Nach jetzigem Wissensstand können verschiedene Ursachen hinter Flugangst stecken: Oft entsteht Aviophobie in der Kindheit durch Imitationslernen. Dazu kommt es, wenn etwa die Eltern ebenfalls Flugangst haben und dies offen zeigen. Auch die Angst vor Kontrollverlust, schlimme Erfahrungen und eine ängstliche Grundhaltung können Flugangst fördern. 

Doch, können sie: Flugangst lässt sich gut behandeln, etwa durch eine Verhaltenstherapie. Besonders erfolgsversprechend ist eine Konfrontationsbehandlung: Betroffene stellen sich ihrer Angst, oft zunächst in Etappen. Ein erster Schritt kann eine bloße Besichtigung eines Flughafens oder ein Flugsimulator sein. 

Typisch sind körperliche Symptome wie starkes Schwitzen, Zittern, Schwindel und Übelkeit. Auch Bauch- und Kopfschmerzen können eintreten. Bei einigen Betroffenen kommt es bereits bei der Buchung zu Beschwerden: Sie leiden Wochen vor Abflug unter Albträumen oder anderen Schlafproblemen.

Was ist Aviophobie?

Der Begriff Flugangst (Aviophobie) beschreibt eine objektiv unbegründete Angst vor dem Fliegen. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer gewissen Furcht vor dem Fliegen, die – wie viele andere Sorgen in verschiedenen Situationen des täglichen Lebens – verständlich und normal ist. Flugangst ist eine Angststörung, genauer eine Phobie. Per Definition unterteilt man Phobien in drei Gruppen:

  1. Agoraphobie (Angst vor bestimmten Orten oder Situationen, z. B. öffentlichen Plätzen oder Menschenmengen)
  2. Soziale Phobie (übertriebene Angst vor anderen Menschen)
  3. Spezifische (isolierte) Phobie (Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer speziellen Situation)

Die Flugangst ist eine spezifische Phobie. Charakteristisch hierfür ist, dass die Angstzustände  ausschließlich oder überwiegend durch ganz bestimmte, eigentlich ungefährliche Situationen entstehen. Menschen mit Flugangst, denen beispielsweise vor allem die Flughöhe oder ein möglicher Flugzeugabsturz Angst macht, haben also nicht automatisch in anderen Situationen Höhenangst oder Angst beim Autofahren – auch wenn sie wissen, dass die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Autounfall zu erleben, größer ist.

Spezifische Phobien gelten per Definition erst dann als krankhaft, wenn sich die Betroffenen durch die Angst in ihrem Leben beeinträchtigt fühlen. 

Ursachen von Flugangst

Worin genau eine Flugangst ihre Ursachen hat, ist nicht bekannt: Für die Entstehung von Angststörungen wie der krankhaften Angst vor dem Fliegen kommen viele verschiedene Erklärungen infrage.

Schlechte Erfahrung als Ursprung für Flugangst

Rund 33 Prozent aller Menschen mit Flugangst geben als Ursache ein unangenehmes Erlebnis während eines Flugs an, wie zum Beispiel Turbulenzen. Allerdings erleben die meisten Menschen mit Aviophobie ihre erste Angstattacke während eines normal verlaufenden Flugs, woraus sich anschließend eine immer schlimmer werdende Angststörung entwickelt.

Fachleute vermuten, dass auch Katastrophenfilme zur Angst vor dem Fliegen beitragen und Horrorszenarien im Kopf auslösen können. Ein geringer Prozentsatz der Betroffenen ist noch nie geflogen und hat Angst vor dem Unbekannten.

Kontrollverlust: eine Ursache von Flugangst

Menschen, die grundsätzlich ein starkes Kontrollbedürfnis haben, neigen besonders zu Flugangst. Denn sitzen sie erst einmal in der Maschine, haben sie keinerlei Kontrolle mehr über den Verlauf des Fluges. Das Gefühl des Ausgeliefertseins erschwert es, Vertrauen zu entwickeln. Die Unfähigkeit, die vermeintliche Kontrolle abzugeben, findet sich bei Betroffenen meist auch in anderen Lebensbereichen.

Vermeidungsverhalten als Teufelskreis

Eine Flugangst kann durch einen Lernprozess entstehen, der nach und nach zu der Fehlreaktion "Angst vorm Fliegen" führt: Zu Beginn des Lernprozesses steht ein Flug, der mit schlechten Erfahrungen, etwa starken Turbulenzen oder Unruhen, verbunden ist. Wegen der dadurch entstandenen Angstgefühle entwickelt sich ein Vermeidungsverhalten: Die erlernte Angst vor dem Fliegen hält die Betroffenen davon ab, sich der angstauslösenden Situation erneut auszusetzen. Damit erhalten die Betroffenen ihre Flugphobie jedoch aufrecht.

Ursprung oft in der Kindheit

Allerdings müssen erlernten Phobien wie der Flugangst keine eigenen Erfahrungen zugrunde liegen – die Angststörung kann auch dadurch entstehen, dass jemand das Angstverhalten eines anderen Menschen miterlebt: Dieses sogenannte Imitationslernen (soziales Lernen) gilt vor allem als möglicher Auslöser für spezifische Phobien, zu denen – neben der Aviophobie – beispielsweise die Angst vor Tieren oder vor engen Räumen gehört. Beobachtet ein Kind zum Beispiel, wie seine Mutter im Flugzeug Panik bekommt, kann es durch Imitationslernen ebenfalls Angst vor dem Fliegen entwickeln. Diese Entstehungsweise von Ängsten kann ein Grund dafür sein, dass Phobien in manchen Familien gehäuft auftreten.

Erbliche Veranlagung für Flugangst

Daneben kommen für die familiäre Häufung von Angststörungen auch erbliche Ursachen infrage. Ein biologischer Faktor, der als möglicher Auslöser für Phobien gilt, ist das autonome Nervensystem: Es reguliert und kontrolliert die Funktionen der inneren Organe (z. B. Herz, Atmung). Bei Menschen mit einer Phobie können verschiedenste Reize das autonome Nervensystem besonders schnell erregen, sodass sich Angstsymptome rasch ausbilden können. Diese Eigenschaft des autonomen Nervensystems ist offenbar angeboren.

Auch individuelle Faktoren wie

  • Stress,
  • mangelnde Erfahrung
  • oder eine ängstliche Grundhaltung

können die Entstehung einer Aviophobie begünstigen.

Wie äußert sich Flugangst?

Flugangst ist eine Angststörung, deren Symptome von leichtem Unbehagen bis zu Panikattacken reichen können. Betroffene empfinden die Situationen, in denen ihre Phobie zu einer Panikattacke führt, häufig als lebensbedrohlich. Die Erkenntnis, dass andere das Fliegen nicht als gefährlich oder bedrohlich betrachten, kann ihre Ängste nicht mildern.

Oft treten die ersten Symptome der Flugangst schon auf, sobald der Flug gebucht ist – auch, wenn bis zum eigentlichen Flugtermin noch Wochen vergehen. Typisch sind zum Beispiel

  • Albträume,
  • Schlafstörungen,
  • Gereiztheit
  • und ein allgemein hohes Stressempfinden.

Die Flugangst kann sich auf unterschiedliche Vorstellungen konzentrieren: Während einige Aviophobiker*innen Sicherheitsbedenken haben und befürchten, das Flugzeug könne abstürzen, empfinden andere die fehlende Fluchtmöglichkeit und die Enge als bedrohlich. Allerdings ist das persönliche Erleben der Angst bei einer Aviophobie nicht unbedingt das größte Problem – vielen Betroffenen machen vor allem die mit der Angststörung verbundenen körperlichen Symptome zu schaffen.

Dabei bestimmt unter anderem das Ausmaß der Flugangst, welche körperlichen Symptome auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind. Häufig löst eine Aviophobie folgende Beschwerden aus:

Typisches Symptom für eine ausgeprägte Aviophobie ist zudem das Vermeidungsverhalten. Viele Betroffene umgehen ihre Angst vorm Fliegen, indem sie Flugreisen meiden und – wenn möglich – auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen. Diese Vermeidungsstrategie führt in der Regel dazu, dass sich die Angst weiter verstärkt. Teilweise versuchen Betroffene auch, ihren Angstreflex durch Alkohol oder Betäubungsmittel zu bekämpfen.

Diagnose von Flugangst

Bei einer Flugangst ist zur Diagnose ein ausführliches Gespräch notwendig, in dem der*die Arzt*Ärztin die bestehenden Angstsymptome erfasst. Entscheidend für die Diagnose der Angststörung ist, wie stark die Symptome ausgeprägt sind und wie lange sie anhalten.

Dokumentation in Angsttagebüchern

Als wichtiges diagnostisches Hilfsmittel bei Verdacht auf Flugangst kommen häufig sogenannte Angsttagebücher zum Einsatz. Das Verhalten und die körperlichen Symptome von Menschen mit Flugangst allein reichen nicht aus, um eine Aviophobie zu diagnostizieren und von anderen Angstformen zu unterscheiden.

Mithilfe der in einem Angsttagebuch gesammelten Informationen können Fachleute jedoch abgrenzen, ob es sich bei der Phobie tatsächlich um eine reine Flugangst handelt oder ob eine andere Angsterkrankung vorliegt – wie zum Beispiel eine Klaustrophobie (Angst in oder vor geschlossenen Räumen). Zudem dienen die im Angsttagebuch gesammelten Informationen darüber, wie oft, in welchen Situationen und wie stark die Flugangst innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgetreten ist, auch dazu, die Therapie individuell zu planen.

Wie lässt sich Flugangst überwinden?

Bei Flugangst ist eine frühzeitige Therapie für jede Person ratsam, die privat und beruflich nicht auf Flugreisen verzichten kann und möchte. Bleibt die Angst vorm Fliegen unbehandelt, verstärkt sie sich in der Regel. So ist es mit der Zeit immer schwieriger, die Flugangst zu überwinden. Scheuen Sie sich also nicht, bei Flugangst professionelle Hilfe zu suchen – zum Beispiel in Form einer Therapie.

Auf keinen Fall empfehlenswert ist es, ohne ärztliche Anweisung Beruhigungsmittel gegen die Flugangst einzunehmen oder die Flugangst gar mit Alkohol zu bekämpfen. Wie die Behandlung im Einzelnen aussieht, hängt davon ab, wie stark die Aviophobie ausgeprägt ist.

Entspannungstechniken

Gezielte Entspannungsübungen können helfen, beim Fliegen keine Angst mehr zu haben, oder zumindest die Symptome der Aviophobie zu mildern. Die Techniken sollten bereits im Vorfeld trainiert werden, sodass Betroffene im Bedarfsfall darauf zurückgreifen können.

  • Vor allem die progressive Muskelentspannung nach Jacobson kann dazu beitragen, die Flugangst zu bewältigen.
  • Auch Atemübungen können entspannen und so gegen Flugangst helfen.
  • Hingegen ist autogenes Training nicht immer ein geeignetes Mittel gegen Flugangst, da das Gefühl des Ausgeliefertseins durch die Übungen zunehmen kann.

Diese Übungen können auch im Rahmen einer Therapie zur Anwendung kommen: Mithilfe der sogenannten systematischen Desensibilisierung lernen Betroffene in mehreren Phasen, zunächst ihrer Angst auf den Grund zu gehen und diese dann durch verschiedene Entspannungstechniken zu überwinden.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie gilt zur Bewältigung von Flugangst als besonders erfolgversprechend. Zahlreiche Studien bestätigen, dass Betroffene ihre Aviophobie insbesondere mithilfe der sogenannten Konfrontationstherapie überwinden können. Bei dieser Therapieform geht es darum, sich mit den angstauslösenden Situationen und Objekten zu konfrontieren, statt sie zu meiden. Durch diese Konfrontation sollen Phobiker*innen merken, dass die befürchteten Konsequenzen ausbleiben und ihre Gedanken nicht rational sind. Dabei sind unterschiedliche Vorgehensweisen möglich:

  • Zum einen kann man schrittweise vorgehen: Betroffene halten sich zunächst lediglich am Flughafen auf, nehmen etwa an einer Flughafentour teil, ohne gleich fliegen zu müssen.
  • Zum anderen können Sie sich sofort der intensivsten Angstsituation aussetzen.

Auch bieten sich bei Flugangst spezielle Seminare zur Verhaltenstherapie an, um die Angst vor dem Fliegen abzubauen. Derlei Seminare werden von vielen Fluggesellschaften angeboten. Dabei vermitteln die Seminarleitenden zunächst die theoretischen Hintergründe des Fliegens. So lernen die Betroffenen, dass sie rational keine Angst vor dem Fliegen haben müssen. Im Anschluss an das Flugangst-Seminar steht dann ein Flug auf dem Plan.

Auch ein Flugsimulator oder die bloße Besichtigung eines Flugzeugs kann Teil der Konfrontationstherapie sein und Phobiker*innen die Angst vor dem Fliegen nehmen.

Ablenkung und weitere Tipps gegen Flugangst

Vielen Menschen mit leichterer Flugangst hilft es auch, sich während des Flugs gezielt abzulenken, so zum Beispiel durch Lesen, Gespräche mit Sitznachbar*innen, Musik oder Filmen. Grundsätzlich kann es helfen, sich den Flug so angenehm wie möglich zu gestalten:

  • Betroffene können ihre phobische Angst mindern, indem sie einen Sitzplatz über den Tragflächen reservieren. Hier sind die Bewegungen des Flugzeugs am wenigsten zu spüren.
  • Stress lässt sich vermeiden, indem Phobiker*innen gut organisiert und vor allem rechtzeitig am Flughafen sind.
  • Bequeme Kleidung und eine vertraute Person können zur Beruhigung beitragen.

Bei einigen Fluggesellschaften gibt es zudem die Option, eine medizinische Reisebegleitung dazuzubuchen. So haben Betroffene eine ausgebildete Fachkraft an ihrer Seite.

Medikamente und Heilpflanzen gegen Flugangst?

Grundsätzlich können Erkrankte auch Medikamente zur Flugangstbewältigung einnehmen – zu empfehlen ist dies aber nur unter ärztlicher Aufsicht und wenn andere Therapien gescheitert sind.

Wenn bis zum Flugtag noch mehrere Wochen Zeit vergehen, bietet es sich an, über einen längeren Zeitraum beruhigend wirkende pflanzliche Mittel wie Johanniskraut oder Baldrian gegen die Flugangst einzunehmen. Bleibt die Aviophobie dadurch unverändert bestehen, können Betroffene auf Medikamente mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat zurückgreifen (verfügbar in Form von Tabletten, Zäpfchen, Kaugummis oder Injektionslösungen).

Flugangst: Typischer Verlauf

Die Flugangst tritt in der Regel im Verlauf der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter auf – ebenso wie jede andere spezifische Phobie. Wie sich die Angst vor dem Fliegen weiterentwickelt, hängt vor allem davon ab, ob und wie schnell die Betroffenen professionelle Hilfe gegen ihre Flugangst suchen:

Treten die Angstzustände zum ersten Mal auf, kann sich die Flugangst ohne geeignete Behandlung im weiteren Verlauf immer mehr verstärken. Die Betroffenen entwickeln eine Angst vor der Angst – und viele meiden das Fliegen schließlich ganz. Dieses Vermeidungsverhalten bestimmt auch, wie stark die Aviophobie das Leben beeinträchtigt.

Wer die richtigen Gegenmaßnahmen ergreift, hat allerdings gute Chancen, seine Ängste zu überwinden. Dabei gilt allgemein: Je früher die Betroffenen den Angstkreislauf unterbrechen, desto eher gelingt es ihnen, die Aviophobie hinter sich zu lassen und Urlaubs- oder Geschäftsreisen mit dem Flugzeug wieder gelassen entgegenblicken zu können.