Eine Flasche und ein Glas mit Ingwersaft
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Ingwer-Shot: Hilft er wirklich bei Erkältungen?

Ein Ingwer-Shot am Morgen gilt nicht nur als Wachmacher, sondern auch als Wunderwaffe in der Erkältungszeit. Immunsystem-Power können wir in der Corona-Pandemie gut gebrauchen – gerade jetzt, wenn der Winter loslegt. Aber sind Ingwer-Shots wirklich so effektiv, wie uns die Hersteller glauben lassen? Und kann man das Trendgetränk nicht viel günstiger selbst herstellen?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Wer gesund leben will, kommt um Ingwer-Shots nicht herum. Oder? Inzwischen findet man den hochkonzentrierten Ingwersaft nicht mehr nur in hippen Großstadt-Cafés, sondern auch in jedem Supermarkt und natürlich online. Kostenpunkt: Rund 3 Euro pro 100 Milliliter. Und das nicht nur ein Mal. Den Kunden wird nämlich dazu geraten, sich möglichst täglich einen "Kurzen" zu kippen. Nur so könne der bestmögliche Effekt erzielt werden. Wir haben den angeblichen Immunsystem-Booster genau unter die Lupe genommen und verraten Ihnen ein einfaches Rezept, mit dem Sie Ihren Geldbeutel schonen.

Woraus bestehen Ingwer-Shots?

Je nach Hersteller können die Inhaltsstoffe der Ingwer-Shots variieren. Anders, als man annehmen würde, ist nicht etwa der Ingwer Hauptbestandteil. Die scharfe Knolle macht gerade einmal 20 bis 30 Prozent des Drinks aus. Der Anteil an Apfelsaft ist hingegen doppelt so hoch.

Trotzdem ist auf den kleinen Flaschen von "Ingwer-Shots mit Apfel" die Rede, und nicht etwa von "Apfel-Shots mit Ingwer". Zugegeben, das ohnehin schon scharfe Getränk wäre bei einem höheren Ingweranteil vermutlich kaum genießbar. Dennoch wird dem Verbraucher auf den ersten Blick vermittelt, dass es sich vor allem um Ingwersaft handelt.

Zusätzlich zu Apfel- und Ingwersaft sind in der Regel auch Zitronen- und Orangensaft sowie Süßungsmittel und Konservierungsstoffe enthalten.

Ingwer: Wirklich so gesund?

Ingwer hat einen guten Ruf. Der scharfen Knolle werden viele gesundheitliche Effekte nachgesagt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet man die Gewürzpflanze bereits seit mehr als 2000 Jahren, und auch heute noch werden in Apotheken und Drogerien verschiedenste Produkte verkauft, die Ingwer enthalten. Im Jahr 2018 wurde Ingwer sogar zur Heilpflanze des Jahres gewählt.

Der Ingwer-Wurzelstock enthält unter anderem Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen, Kalium, Calcium, Phosphor und Magnesium. Aus medizinischer Sicht sind aber vor allem zwei Gruppen von Bedeutung: die ätherischen Öle und die Scharfstoffe (Gingerole), die für den typisch scharfen Ingwergeschmack verantwortlich sind.

Vor allem im Netz kursieren zahlreiche Mythen rund um die gesundheitliche Wirkung der "Wunderknolle". So soll ein regelmäßiger Verzehr von Ingwer nicht nur das Immunsystem stärken und erkältungsbedingten Infekten vorbeugen, sondern auch den Stoffwechsel anregen und so beim Abnehmen helfen. Auch wird der Knolle eine schmerzlindernde Funktion bei Erkrankungen wie Rheuma nachgesagt.

Ingwer im Faktencheck

Einzig wissenschaftlich nachgewiesen ist allerdings der positive Effekt von Ingwer auf den Magen- und Darmbereich. So können die in der Knolle enthaltenen Scharfstoffe gegen Übelkeit und Erbrechen sowie bei Reisekrankheit helfen. Denn Übelkeit wird durch Serotoninrezeptoren ausgelöst. Die Scharfstoffe im Ingwer blockieren genau diese Rezeptoren. Äußerlich angewendet soll Ingwer gegen Schmerzen helfen. Viele empfinden die Wärmewirkung, die von den Gingerolen ausgeht, als wohltuend.

Allerdings ist Ingwer nicht für jeden gleich gut verträglich. Bei Menschen mit einem empfindlichen Magen können die Gingerole nämlich eine Reizwirkung entfalten.

Die anderen gesundheitlichen Effekte, die man der Ingwerknolle nachsagt, konnten bislang nicht nachgewiesen werden. So ist noch nicht ausreichend erforscht, ob Ingwer wirklich eine entzündungshemmende Wirkung hat, das Immunsystem stärkt und Erkältungen vorbeugen kann. Zwar haben einzelne Tier- und Zellstudien gezeigt, dass Ingwer zu einem gewissen Grad Entzündungen und Schmerzen hemmen kann. Inwieweit dies einen nennenswerten Unterschied bei der Vorbeugung von Infekten macht, ist allerdings unklar. Auch ist nicht nachgewiesen, dass Ingwer beim Abnehmen hilft.

Übrigens: Ingwer ist als Wundermittel gegen erkältungsbedingte Infekte zwar durchgefallen. Dafür gab eine Studie aber kürzlich Aufschluss über ein anderes Hausmittel, das wirksam gegen Erkältungen hilft: Honig. Hier erfahren Sie mehr.

Rezept: Ingwer Shots lieber selber machen

Wer den hochkonzentrierten Saft gerne trinkt und seiner Verdauung etwas Gutes tun möchte, sollte lieber auf die Selfmade-Variante zurückgreifen, anstatt im Supermarkt ein halbes Vermögen zu bezahlen.

⌛ 5 Minuten

Zutaten für fünf Ingwer-Shots:

  • 100 g Ingwer
  • 3 reife Zitronen (geschält)
  • 3 EL Honig (für die vegane Variante: Agavendicksaft)
  • Kurkuma (optional)

Außerdem:

  • ein Entsafter (alternativ eine Küchenmaschine mit Pürierfunktion oder Pürierstab)
  • kleine verschließbare Flaschen (30-50 ml)

Zubereitung

  1. Ingwer in kleine Stücke schneiden und in den Mixer geben. Die Knolle muss nicht geschält werden, sofern die Schale unbehandelt und gründlich abgewaschen ist.
  2. Zitronen schälen und zusammen mit Honig und Kurkuma ebenfalls hinzugeben. Alles gründlich durchmixen, bis eine gleichmäßige Flüssigkeit ohne Stückchen entsteht.
  3. Saft in kleine Flaschen füllen und im Kühlschrank aufbewahren. Gut gekühlt halten sich die Shots etwa zwei bis drei Wochen. Tipp zur längeren Haltbarkeit: Flüssigkeit in Eiswürfelformen füllen und die Shots einfrieren.

Gesunde Knolle, aber kein Heilmittel

Laut aktueller Studienlage ist Ingwer keine Heilpflanze. Dass die scharfe Knolle ein Immun-Booster ist, konnte bislang nicht ausreichend belegt werden – und somit sind Ingwer-Shots auch kein Garant gegen Infektionen, so sehr man sich das angesichts der Corona-Pandemie auch wünschen würde.

Trotzdem spricht nichts gegen einen selbstgemachten Ingwer-Shot am Morgen – sei es, um den Magen zu beruhigen oder einfach für den scharf-fruchtigen Kickstart in den Tag.