Etoposid

Allgemeines

Etoposid wird zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt. In Kombination mit anderen Zytostatika dient es der Therapie des fortgeschrittenen, kleinzelligen und nicht-kleinzelligen Bronchialkrebses zur Verbesserung der Lebensqualität (nicht mehr zur Heilung). Es wird auch bei Morbus Hodgkin und mäßig bis stark bösartigen Non-Hodgkin-Lymphomen (besondere Formen des Lymphdrüsenkrebses) angewendet, nachdem andere Therapien nur mangelhaft angeschlagen haben oder der Krebs wiederkehrte.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Etoposid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Etoposid nicht verwendet werden?

Etoposid darf nicht bei Patienten angewendet werden, die überempfindlich gegen Etoposid, Podophyllotoxin und dessen chemische Verwandte sind oder
schwere Leber- und/oder Nierenschäden haben.

Nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Etoposid eingesetzt werden bei
  • Gefahr von Herzinfarkt
  • verringerter Funktion des Knochenmarks
  • gestörter Funktion von Leber oder Nieren, aber nur dann, wenn die Störung auf das Grundleiden zurückzuführen ist
  • Patienten mit Gicht, da der Wirkstoff einen akuten Anfall auslösen kann
  • niedrigem Gehalt des Blutes an Eiweiß (Serumalbumin), weil dies das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.
Hinweis:
Für die Behandlung mit dem Wirkstoff muss sichergestellt sein, dass eine schwere Infektion und/oder Blutung rasch und wirksam behandelt werden kann. Bestehende Infektionen sollten vor Beginn der Therapie bekämpft werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Frauen dürfen während einer Behandlung mit Etoposid nicht schwanger werden und der Wirkstoff sollte auch während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden. Ist die Behandlung in dieser Zeit unumgänglich, muss eine medizinische Beratung über das mit der Behandlung verbundene Risiko von schädigenden Wirkungen für das Kind erfolgen.

Auch das Stillen ist während der Anwendung von Etoposid verboten.

Etoposid kann auf das Erbgut schädigend wirken. Männer, die mit Etoposid behandelt werden, sollten daher während der Behandlung und bis zu sechs Monate danach kein Kind zeugen. Außerdem kann sich eine dauerhafte Unfruchtbarkeit einstellen, für die bei Kinderwunsch vor Therapiebeginn mit einer Spermakonservierung vorgesorgt werden sollte.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff ist auch für die Krebsbehandlung bei Kindern geeignet, muss aber am Körpergewicht orientiert dosiert werden.

Welche Nebenwirkungen kann Etoposid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Etoposid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Hemmung der Knochenmarksfunktion mit Mangel an weißen Blutkörperchen und Blutplättchen, Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mundschleimhautentzündung, Speiseröhrenentzündung, Haarausfall.

Häufige Nebenwirkungen:
Ermüdung, Schläfrigkeit, Überempfindlichkeitsreaktionen (mit Schüttelfrost, Fieber, Herzrasen, Bronchialkrämpfen, Atemnot, Blutdruckabfall), Durchfall, Leberfunktionsstörungen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Erkrankungen der Körpernerven (periphere Nerven), vorübergehender Blutdruckabfall (nach schneller Gabe in die Vene), Hautausschlag, Nesselsucht, Verfärbung der Haut, Juckreiz.

Seltene Nebenwirkungen:
Schluckstörungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Fieber, Krampfanfälle, Sehverlust, Entzündung des Sehnervs, Lungenentzündung (interstitielle Pneumonie) Umbau von Lungengewebe (pulmonale Fibrose), Geschmacksbeeinträchtigung, Blutgefäßentzündung (bei sehr schneller Infusion).

Vereinzelte Nebenwirkungen:
akuter Blutkrebs (vor allem bei Kombination mit anderen Zytostatika), Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt.

Nebenwirkungen ohne Häufigkeitsangabe:
Anstieg von Harnsäure im Blut.

Besonderheiten:
Bei einem möglichen Auftreten allergischer Reaktionen wird der Arzt die Behandlung mit Etoposid sofort absetzen.

Infolge des raschen Zerfalls von Zellen kann der Harnsäure-Wert im Blut ansteigen. Dies wird der Arzt insbesondere bei Gicht-Patienten mit dem Gichtmittel Allopurinol behandeln, um einen Gichtanfall zu verhindern.

Welche Wechselwirkungen zeigt Etoposid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Durch zusätzliche Verabreichung von Substanzen, die auf die Funktion des Knochenmarks hemmend wirken, wie beispielsweise Stickstoff-Lost, Cyclophosphamid, 5-Fluoruracil, Vinblastin, Adriamycin, Cisplatin und andere, kann die Giftigkeit von Etoposid für das Knochenmark erheblich steigen.

Die Entzündungshemmer Phenylbutazon, Natriumsalicylat und Acetylsalicylsäure können die Wirkung von Etoposid steigern, da sie den Wirkstoff aus seiner Bindung an Bluteiweiß verdrängen. Seinerseits verdrängt Etoposid den Blutverdünner Warfarin aus seiner Eiweißbindung und kann damit die Blutungsneigung verstärken.

Gleichzeitige Verabreichung von hohen Dosen des Immunologikums Ciclosporin führen bei eingenommenem Etoposid zu einer deutlichen Verstärkung von Wirkung und Nebenwirkungen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Überempfindlichkeitsreaktionen ist die Behandlung sofort zu beenden.
  • Um den sehr häufigen Entzündungen der Mundschleimhaut vorzubeugen, ist eine besondere Mundpflege erforderlich.
  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nur durch Ärzte erfolgen, die in der Krebsbehandlung erfahren sind.
  • Übelkeit und Erbrechen sowie akute Überempfindlichkeitsreaktionen mit Blutdruckabfall können indirekt zu einer Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit und der Bedienung von Maschinen führen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Etoposid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Etoposid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Etoposid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Etoposid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Etoposid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Etoposid

Etoposid wird zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt. In Kombination mit anderen Zytostatika dient es der Therapie des fortgeschrittenen, kleinzelligen und nicht-kleinzelligen Bronchialkrebses zur Verbesserung der Lebensqualität (nicht mehr zur Heilung). Es wird auch bei Morbus Hodgkin und mäßig bis stark bösartigen Non-Hodgkin-Lymphomen (besondere Formen des Lymphdrüsenkrebses) angewendet, nachdem andere Therapien nur mangelhaft angeschlagen haben oder der Krebs wiederkehrte.

In Kombination - aber auch alleine - wird Etoposid eingesetzt zur Behandlung von Blutkrebs (akute myeloische Leukämie) bei Patienten, für die eine intensive Therapie mit Zerstörung des Knochenmarks nicht geeignet ist.

Als alleinigen Wirkstoff wendet man Etoposid zur Behandlung von Hodenkrebs an, der nicht auf andere Mittel anspricht oder wiedergekehrt ist sowie von Eierstockkrebs, wenn Standardtherapien mit platinhaltigen Wirkstoffen (beispielsweise Cisplatin, Oxaliplatin) versagt haben. Im letzteren Fall kann Etoposid allerdings nur zur Verbesserung der Lebensqualität, nicht mehr zur Heilung dienen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Etoposid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Etoposid

Etoposid gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika. Der Wirkstoff ist eine Abwandlung eines Naturstoffes, des Podophyllotoxins. Podophyllotoxin stammt aus einer Gruppe giftiger Berberitzengewächse, den Fußblättern (Podophyllum), manchmal auch Maiäpfel genannt.

Etoposid entfaltet seine zellabtötende Aktivität, indem es den Vorgang der Zellteilung stört. Damit sich eine Zelle teilen kann, wächst sie zunächst, dann verdoppelt sich ihr Erbgut, die DNA. An dieser Verdopplung ist ein Enzym, die Topoisomerase II, beteiligt. Etoposid hemmt dieses Enzym. Dadurch wird die Zellteilung gestoppt, es kommt zu Brüchen in den DNA-Strängen und die Zellen sterben ab (Apoptose). Etoposid in hohen Konzentrationen wirkt auch abtötend auf ruhende, sich nicht teilende Zellen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.