Esmolol

Allgemeines

Esmolol wird für die Behandlung spezieller Herzrhythmusstörungen eingesetzt, und zwar für Herzrasen, das von Punkten über den Herzkammern ausgeht.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aufheben
  • Herzschlag verlangsamen
  • Pumpleistung des Herzens vermindern
  • Blutdruck senken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Esmolol im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Esmolol nicht verwendet werden?

Esmolol darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schwerer Verlangsamung des Herzschlags (auf weniger als 50 Schläge pro Minute)
  • Ausfall des Sinusknotens als Haupttaktgeber des Herzens
  • schwerer Störung der Reizleitung im Herzen (am AV-Knoten und ohne Herzschrittmacher)
  • Fehlfunktion des AV-Knotens (AV-Block 2. oder 3. Grades)
  • herzbedingtem Schock-Zustand
  • schwerem Bluthochdruck
  • unbehandelter Herzmuskelschwäche
  • unbehandeltem Tumor der Nebennierenrinde (Phäochromozytom), weil dieser übermäßig Stresshormone produziert
  • Lungenhochdruck
  • akutem Asthma-Anfall
  • Körperübersäuerung (metabolische Azidose)
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Esmolol eingesetzt werden bei
  • Diabetikern oder im Fall einer Unterzuckerung
  • niedrigem Blutdruck, weil dieser weiter abfallen kann
  • Patienten mit AV-Block ersten Grades
  • älteren Patienten
  • Patienten mit Angina pectoris, weil sich die Anfälle mehren können
  • Patienten mit Herzrhythmusstörungen (die von oberhalb der Herzkammern ausgehen) und weiteren Risikofaktoren für eine ungenügende Herztätigkeit
  • Patienten mit krampfanfälligen Bronchien, keuchender Atmung und Asthma in der Vorgeschichte
  • bestehender oder überstandener Schuppenflechte, weil sich diese verschlimmern kann
  • Störungen der Durchblutung in Händen, Armen oder Beinen, weil sich diese verschlechtern können

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Über die Anwendung von Esmolol in der Schwangerschaft gibt es nur ungenügende Daten, um mögliche schädliche Effekte zu ermitteln. Es gibt bis jetzt keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Geburtsfehlern beim Menschen. Tierstudien haben einen schädlichen Effekt auf die Fortpflanzung gezeigt; das mögliche Risiko beim Menschen ist unbekannt. Alle Betablocker aber vermindern die Durchblutung des Mutterkuchens. Wenn der Arzt die Behandlung mit Esmolol als notwendig erachtet, wird er eine sorgfältige Überwachung sowohl des Ungeborenen als auch später des Neugeborenen anordnen.

Es ist nicht bekannt, ob Esmolol mit der Muttermilch ausgeschieden wird. Die Anwendung von Esmolol in der Stillzeit wird nicht empfohlen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Zur Anwendung von Esmolol bei Kindern gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Studien, die die Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern nicht bestätigen. Eine Anwendung in dieser Altersgruppe wird nicht empfohlen.

Welche Nebenwirkungen kann Esmolol haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Esmolol. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schwitzen, örtliche Hautzersetzung (wenn der Wirkstoff in das Gewebe gelangt), niedriger Blutdruck, Blutgefäßentzündung.

Häufige Nebenwirkungen:
nervliche Missempfindungen, Konzentrationsschwäche, Schwindel (durch Blutdruckabfall), Schläfrigkeit, Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen, Reaktionen an der Injektionsstelle (Entzündung und Gewebsverhärtung), Essensverweigerung, Schwäche, Müdigkeit, Depressionen, Angst, Verwirrtheit, Aufregung.
an der Infusionsstelle:
Reaktionen, Entzündungen, Verhärtung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Krämpfe, Ohnmacht, Schmeckstörung, Sprechstörungen, zu langsamer Herzschlag, AV-Block, Sehstörungen, Bronchialkrampf, Giemen, Atemnot, verstopfte Nase, Wasser in der Lunge, Geräusche beim Abhören der Lunge, Verdauungsstörungen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Bauchschmerzen, Harnverhalten, Hautrötung, Hautverfärbungen, Schmerzen am Bewegungsapparat, Durchblutungsstörungen (an Händen, Armen oder Beinen), Blässe, fliegende Hitze, Schmerzen im Brustkorb, Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme), Schmerzen, Brennen an der Einstichstelle, Fieber, Schüttelfrost, Denkstörung.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Ausfall der Reizgebung am Sinusknoten, fehlender Herzschlag.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Schuppenflechte.

Besonderheiten:
Beta-Blocker wie Esmolol können einen zu langsamen Herzschlag zur Folge haben. Sinkt der Puls in Ruhe auf weniger als 50 bis 55 Schläge pro Minute und weist der Patient Anzeichen einer Herzverlangsamung auf, muss der Arzt die Dosis vermindern. Beta-Blocker können sowohl die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen als auch die Schwere von allergischen Reaktionen verstärken.

Beim ersten Anzeichen einer bevorstehenden Herzmuskelschwäche wird der Arzt die Behandlung mit Esmolol abbrechen.

Bei Infusionen von Konzentrationen über 20 Milligramm / Milliliter wurden schwerwiegende Venenreizungen und Blutgefäßentzündungen bei Tieren und Menschen beobachtet. Tritt Infusionslösung in dieser Konzentration ins Gewebe aus, kann das zu schweren örtlichen Reaktionen und unter Umständen zur Zerstörung der Haut führen.

Die Anwendung von Esmolol kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Esmolol?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Calciumkanalblocker wie Verapamil und in geringerem Ausmaß Diltiazem beeinflussen die Reizleitung am Herzen und seine Pumpfunktion. Wie auch bei anderen Betablockern wird der Arzt bei Kombination von Esmolol mit Verapamil große Vorsicht bei Patienten mit beeinträchtigter Funktion der Herzkammern walten lassen. Diese Kombination sollte nicht bei Patienten mit Reizleitungsstörungen am Herzen angewendet werden. Deshalb darf Esmolol erst 48 Stunden nach Absetzen von Verapamil verabreicht werden.

Calciumkanalblocker wie Nifedipin können das Risiko eines niedrigen Blutdrucks erhöhen. Bei Patienten mit Herzmuskelschwäche, die mit Calciumkanalblockern behandelt werden, kann die Anwendung von Betablockern zu Herzversagen führen. Deshalb wird der Arzt in einem solchen Fall eine besonders sorgfältige Überwachung anordnen.

Die gleichzeitige Anwendung von Esmolol mit Klasse-I-Antiarrhythmika (beispielsweise Disopyramid und Chinidin) wie auch mit Amiodaron kann die Reizleitung am Herzen vermindern und die Herzkraft abschwächen.

Die gleichzeitige Anwendung von Esmolol und Insulin oder oralen Antidiabetika kann den blutzuckersenkenden Effekt verstärken. Außerdem können Betablocker die Anzeichen einer Unterzuckerung verschleiern.

Wenn ein Patient zu wenig Blut hat oder wenn gleichzeitig blutdrucksenkende Arzneimittel gegeben werden, kann es abgeschwächt zu einem Ausgleich durch schnelleren Herzschlag oder zu einem erhöhten Risiko eines Blutdruckabfalls kommen.

Ein Betablocker vermindert während der Narkoseeinleitung und dem Legen des Beatmungsschlauchs das Risiko von Herzrhythmusstörungen. Der Narkosearzt muss allerdings wissen, ob zusätzlich zu Esmolol ein weiterer Betablocker eingenommen wird. Die blutdrucksenkende Wirkung von Narkosegasen kann durch gleichzeitige Anwendung von Esmolol verstärkt sein. Die Dosierung beider Wirkstoffe muss unter Umständen angepasst werden, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden.

Die Kombination von Esmolol mit bei Operationen gebräuchlichen Schlafmitteln wie Barbituraten kann den blutdrucksenkenden Effekt verstärken. Auch die gleichzeitige Anwendung von trizyklischen Antidepressiva und Phenothiazinen sowie anderen blutdrucksenkenden Arzneimitteln (beispielsweise das Demenz-Mittel Reserpin) kann zu einem zu heftigen Blutdruckabfall führen.

Nicht-steroidale Antirheumatika und Beta-2-Sympathomimetika können den blutdrucksenkenden Effekt von Betablockern abschwächen.

Spezielle Vorsicht ist bei gleichzeitiger Anwendung des Schmerzmittels Floctafenin oder des Psychopharmakons Amisulprid zusammen mit Esmolol geboten.

Die gleichzeitige Anwendung des Blutdrucksenkers Clonidin und Esmolol erhöht das Risiko eines "überschießenden" Bluthochdrucks.

Bei gleichzeitiger Verabreichung des Herzglykosids Digoxin und Esmolol in die Vene gesunder Freiwilliger war zeitweise die Wirkung von Digoxin verstärkt. Die Wirkung des Muskelrelaxans Suxamethonium verlängerte sich um etwa die Hälfte.

Zusammen mit Morphin verabreit erhöht Esmolol die Blutkonzentration.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Treten Anzeichen einer Herzmuskelschwäche auf, muss die Behandlung mit dem Medikament sofort abgebrochen werden.
  • Das Medikament kann bei Diabetikern Anzeichen einer Unterzuckerung verschleiern.
  • Das Medikament muss unbedingt immer in die Vene gegeben werden, um Gewebsschäden zu vermeiden.
  • Die Anwendung des Medikaments kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Esmolol?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Esmolol enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

So wirkt Esmolol

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Esmolol. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Betablocker, Antiarrhythmika, zu welcher der Wirkstoff Esmolol gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Esmolol

Esmolol wird für die Behandlung spezieller Herzrhythmusstörungen eingesetzt, und zwar für Herzrasen, das von Punkten über den Herzkammern ausgeht.

Insbesondere dient der Wirkstoff während und nach Operationen dazu, bei Patienten mit Vorhofflimmern und Vorhofflattern den Herzrhythmus rasch wieder unter Kontrolle zu bringen. Esmolol kann aber auch in allen anderen Situationen eingesetzt werden, welche eine kurzfristige Kontrolle des Herzschlags durch ein schnell wirksames Antiarrhythmikum erfordern. Ebenso kann Esmolol verabreicht werden, wenn während einer Operation Herzrasen und Bluthochdruck auftreten.

Der Wirkstoff ist nicht für einen dauerhaften Gebrauch zugelassen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Esmolol sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Esmolol

Esmolol gehört zur Wirkstoffgruppe der Betablocker und wird überwiegend als Antiarrhythmikum eingesetzt.

Esmolol besetzt am Herzen die Bindungsstellen für die Stress-Hormone Adrenalin und Noradrenalin, welche eine Beschleunigung des Herzschlags und eine Steigerung des Blutdrucks bewirken. Wird der sogenannte Beta-Rezeptor durch Esmolol blockiert, kommt es zu folgenden Effekten:
  • Verlangsamung des Herzschlags
  • Verlängerung der Pause des Haupttaktgebers des Herzens, des Sinusknotens
  • Verzögerung der Reizweiterleitung am Herzen
  • Verminderung der Herzkraft und Verringerung der Pumpleistung
  • Absenkung des Blutdrucks
  • Verminderung der Herzfrequenz bei Ruhe und Belastung

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.