Amisulprid

Allgemeines

Amisulprid wird bei Psychosen wie der Schizophrenie eingesetzt, um Wahnvorstellungen, Denkstörungen, unbegründetes Misstrauen und Feindseligkeit aufgrund von Wahnideen zu bekämpfen. Amisulprid bessert außerdem ein verflachtes und verarmtes Gefühlsleben, öffnet die Patienten wieder für soziale Kontakte und holt sie aus ihrer aufgrund von Misstrauen und Furcht selbst auferlegten Isolierung.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wahnvorstellungen behandeln
  • Feindseligkeit und Misstrauen reduzieren
  • Gefühlsarmut verringern
  • Neigung zu sozialen Kontakten fördern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Amisulprid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Amisulprid nicht verwendet werden?

Amisulprid darf nicht geben werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • hormonabhängigen oder Hormon-produzierenden Krebsformen wie Brustkrebs, beziehungsweise Tumore der Hirnanhangdrüse oder der Nebennierenrinde
  • stark eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatitnin-Ckearance unter zehn Milliliter/Minute)
  • Patienten über 65 Jahren.
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner ständigen Kontrolle darf Amisulprid angewendet werden, wenn der Patient an Parkinson-Krankheit, Herzrhythmusstörungen oder epileptischen Krampfanfällen leidet.

Besteht ein Hinweis, dass der Patient auf Neuroleptika schon außergewöhnlich reagiert hat (Fieber, Bewegungsunfähigkeit, Krampfanfall), sollte das Medikament nur im Notfall und unter ärztlicher Aufsicht (Klinik) gegeben werden.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es wurden keine Studien zur Unbedenklichkeit der Anwendung von Amisulprid in der Schwangerschaft durchgeführt. Im Tierversuch zeigten sich Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörungen bei den Ungeborenen. Deshalb sollte Amisulprid während der Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Mütter, die im letzten Schwangerschaftsdrittel den Wirkstoff einnehmen, gefährden ihre Neugeborenen durch Nebenwirkungen wie Bewegungsstörungen und Entzugserscheinungen. Diese können sich in Aufregung, Muskelverspannungen oder -schlaffheit, Zittern, Schläfrigkeit, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme äußern. Solche Neugeborene müssen sorgfältig ärztlich überwacht werden.

Es ist nicht bekannt, ob Amisulprid in die Muttermilch übergeht. Daher sollte vor der Behandlung mit Amisulprid abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Mit Amisulprid wurden bisher kaum Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren behandelt, entsprechend gibt es kein ausreichendes Wissen über mögliche Auswirkungen auf Kinder. Der Wirkstoff sollte daher in dieser Altersgruppe nicht angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Amisulprid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Amisulprid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Schlafstörungen, Angst, Aufregung, Zittern, Bewegungsunruhe, steife Muskeln, vermehrter Speichelfluss.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Schläfrigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, trockener Mund, Schwellungen der Brüste, Brustschmerz, Zyklusstörungen, Ausbleiben der Regel, Impotenz (vorübergehend).

Seltene Nebenwirkungen:
unwillkürliche Bewegungen und Anspannung der Kiefer-, Hals- und Augenmuskeln, Krampfanfälle, Blutdruckabfall, verlangsamter Herzschlag, allergische Reaktionen, Leberentzündung (kurzzeitig).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Zuckungen an der Zunge und im Gesicht (noch Monate nach Beginn der Therapie oder sogar nach Absetzen des Medikamentes).

Vereinzelte Nebenwirkungen:
Herzrhythmusstörungen, malignes neuroleptisches Syndrom mit Fieber, Bewegungsstarre, Kreislaufkollaps, Bewusstseinsstörungen.

Besonderheiten:
Der Verlauf eines malignen neuroleptischen Syndroms kann auch in einzelnen Symptomen (als Vorstufen) sehr dramatisch sein.

Welche Wechselwirkungen zeigt Amisulprid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Amisulprid darf nicht gleichzeitig eingenommen werden mit
  • bestimmten Wirkstoffen, die schwerwiegende Herzrhythmusstörungen auslösen können. Dazu gehören Chinidin, Disopyramid, Mexiletin, Flecainid, Propafenon, Amiodaron und Sotalol, die Neuroleptika Thioridazin und Sultoprid, das Antimalariamittel Halofantrin, Pilzmittel wie Ketoconazol, verschiedene Antibiotika wie Pentamidin, Sparfloxacin und Erythromycin (bei Gabe in die Vene: i.v.), das Magen-Darm-Mittel Cisaprid, der Calciumkanalblocker Bepridil, das durchblutungsfördernde Mittel Vincamin (i.v.) und Dopamin-Abkömmlinge wie Levodopa.
  • Alkohol, da die Auswirkungen auf das Gehirn gegenseitig verstärkt werden.
  • Ebenfalls gegenseitige Wirkungsverstärkungen ergeben sich mit: Betäubungsmitteln, Narkosemitteln, Barbituraten, Benzodiazepinen und anderen Angstlösern, Blutdrucksenkern wie Clonidin und Mitteln mit solchen (Neben)Wirkungen, außerdem mit Wirkstoffen, die die Reizleitung am Herzen beeinflussen können ,wie Betablocker, Calciumkanalblocker (Diltiazem und Verapamil), Clonidin, Guanfacin, Herzglykoside, kaliumspiegelsenkende Arzneimittel wie Diuretika, Abführmittel, Amphotericin B, Glukokortikoide und das ähnlich wirkende Tetracosactid, Neuroleptika wie Pimozid und Haloperidol, tri- und tetrazyklischen Antidepressiva, Lithium und bestimmte H1-Antihistaminika wie Astemizol und Terfenadin.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Blutbild und Herzfunktion (EKG) müssen besonders zu Anfang der Behandlung oft vom Hausarzt kontrolliert werden.
  • Bei Fieber, Brustschmerzen oder Herzbeschwerden ist sofort ein Arzt aufzusuchen.
  • Das Reaktionsvermögen kann durch die Einnahme des Medikaments so weit herabgesetzt sein, dass Autofahren oder das Führen von Maschinen gefährlich werden.
  • Das Medikament kann durch seinen muskelentspannenden Effekt vermehrt zu Stürzen führen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Amisulprid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Amisulprid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Amisulprid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Amisulprid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Neuroleptika, zu welcher der Wirkstoff Amisulprid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Amisulprid

Amisulprid wird bei Psychosen wie der Schizophrenie eingesetzt, um Wahnvorstellungen, Denkstörungen, unbegründetes Misstrauen und Feindseligkeit aufgrund von Wahnideen zu bekämpfen. Amisulprid bessert außerdem ein verflachtes und verarmtes Gefühlsleben, öffnet die Patienten wieder für soziale Kontakte und holt sie aus ihrer aufgrund von Misstrauen und Furcht selbst auferlegten Isolierung.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Amisulprid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Amisulprid

Amisulprid gehört zu der Wirkstoffgruppe der Neuroleptika. Dies sind Substanzen, die durch Veränderung der Konzentrationen von Botenstoffen im Gehirn in die Nerventätigkeit und damit die Wahrnehmung und das Gefühlsleben eingreifen. Die meisten (typischen) Neuroleptika wirken auf den Botenstoff Dopamin und seine entprechenden Rezeptoren.

Amisulprid als atypisches Neuroleptikum wirkt außerdem noch hemmend auf andere Botenstoffe und deren Bindungsstellen im Gehirn, unter anderem auf Serotonin. Es kommt zu wesentlich weniger Nebenwirkungen als bei den typischen Neuroleptika. Besonders die Bewegungsstörungen, aber auch Müdigkeit treten deutlich seltener auf.

Als atypisches Neuroleptikum hat Amisulprid zwei Wirkungen:
  • Es nimmt Einfluss auf die "Positiv-Symptomatik", das heißt, es wirkt dämpfend auf die Wahnvorstellungen.
  • Auch die "Negativ-Symptomatik" wird verringert. Das heißt, dem sozialen Rückzug, der Isolation, der Antriebsminderung und der Abflachung der Gefühle des Patienten wird entgegengewirkt.


Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.