Darifenacin

Allgemeines

Darifenacin wird eingesetzt zur Behandlung von Harninkontinenz. Die Anwendungsgebiete umfassen sowohl die Dranginkontinenz und/oder häufiges Wasserlassen als auch verstärkten Harndrang. Alle drei Beschwerden treten vor allem bei Erwachsenen mit überaktiver Harnblase auf.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Muskarin-Rezeptor blockieren
  • Blasenschließmuskel entkrampfen
  • Reizschwelle der Harnblase heraufsetzen
  • Fassungsvermögen der Harnblase vergrößern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Darifenacin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Darifenacin nicht verwendet werden?

Darifenacin darf nicht angewendet werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Harnverhaltung
  • gestörtem Weitertransport von Mageninhalt
  • unbehandeltem oder schlecht behandelbarem Engwinkelglaukom (Sonderform des Grünen Star)
  • der Muskelerkrankung Myasthenia gravis
  • schwerer Leberfunktionsstörung (Child Pugh C)
  • schwerer Colitis ulcerosa
  • entzündlicher Dickdarmerweiterung (toxisches Megakolon)
  • gleichzeitiger Behandlung mit Substanzen, die den Abbau von Darifenacin im Körper stark behindern.
Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Darifenacin eingesetzt werden bei
  • Patienten mit Störungen der Nervenfunktion
  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie)
  • vorbestehenden Herzerkrankungen
  • Beschwerden verursachender Verlegung der Harnwege
  • Risiko für Harnverhaltung
  • schwerer Verstopfung
  • Patienten, die ein Risiko für eine verlangsamte Magen-Darm-Passage oder für eine Refluxerkrankung haben und/oder dagegen Medikamente einnehmen
  • Verlegungen des Magen-Darm-Kanals wie beispielsweise Krampf des Magenpförtners.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Darifenacin wurde bisher nur bei wenigen Schwangeren angewendet. Tierexperimente haben eine Störung des Geburtsvorgangs gezeigt. Die Anwendung während der Schwangerschaft wird daher nicht empfohlen.

Bei Ratten tritt Darifenacin in die Muttermilch über. Es ist nicht bekannt, ob dies auch beim Menschen der Fall ist. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Der Arzt wird nach einem Vergleich von Nutzen und Risiko entscheiden, ob das Stillen vermieden oder während der Stillzeit auf eine Behandlung verzichtet wird.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Darifenacin wird nicht empfohlen für die Anwendung bei Kindern unter 18 Jahren. Es fehlt an geeigneten Studien zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe.

Welche Nebenwirkungen kann Darifenacin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Darifenacin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Verstopfung, Mundtrockenheit.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, trockene Augen, trockene Nase, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verdauungsstörungen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Harnwegsinfektion, Schlaflosigkeit, unnormale Gedanken, Schwindel, Geschmacksstörung, Benommenheit, Sehstörungen (einschließlich verschwommenes Sehen), Bluthochdruck, Atembeschwerden, Husten, Schnupfen, Blähungen, Durchfall, Mundgeschwüre, Hautausschlag, trockene Haut, Juckreiz, übermäßiges Schwitzen, Harnverhaltung, Harnwegserkrankung, Blasenschmerzen, Erektionsstörung, Scheidenentzündung, Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme) (auch in Armen und Beinen und im Gesicht), Schwäche, erhöhte Leberwerte (ASAT, ALAT), Verletzung.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Gesichtsschwellungen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Darifenacin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Darifenacin wird hauptsächlich von zwei Enzymen abgebaut. Hemmstoffe dieser Enzyme können daher Wirkung und Nebenwirkungen von Darifenacin deutlich verstärken oder auch abschwächen.

Wegen drohender Wirkungsverstärkung sollte Darifenacin nicht mit dem AIDS-Mittel Ritonavir oder den Pilzmitteln Ketoconazol oder Itraconazol kombiniert werden. Auch die gemeinsame Gabe von Ciclosporin (gegen Abstoßungsreaktionen nach Organverpflanzung) und dem Blutdrucksenker Verapamil sollte vermieden werden.

Aus dem gleichen Grund beträgt bei Patienten, die zum Beispiel das Psychopharmakon Paroxetin, das Pilzmittel Fluconazol, das Makrolid-Antibiotikum Erythromycin, das H1-Antihistaminikum Terbinafin, das Magenmittel Cimetidin und Chinidin (gegen Herzrhythmusstörungen) erhalten oder Grapefruitprodukte zu sich nehmen, die empfohlene Darifenacin-Dosis zu Beginn der Behandlung 7,5 Milligramm täglich. Wird sie gut vertragen, kann sie der Arzt für einen besseren Behandlungserfolg bis auf 15 Milligramm täglich erhöhen.

Substanzen, die die abbauenden Enzyme aktivieren, wie das Tuberkulose-Mittel Rifampicin, die Antiepileptika Carbamazepin und Phenobarbital sowie Johanniskraut (gegen Depressionen), erniedrigen wahrscheinlich die Blutkonzentrationen von Darifenacin und verringern seine Wirkung.

Darifenacin selbst kann aber auch die Wirkung anderer Substanzen verändern. Vorsicht ist daher geboten bei der Kombination von Darifenacin mit dem Antiarrhythmikum Flecainid, dem Neuroleptikum Thioridazin oder trizyklischen Antidepressiva wie Imipramin. Hier kann es schnell zu Überdosierungen kommen. Auch eine Behandlung mit dem Herzglykosid Digoxin muss vom Arzt zu Beginn und bei der Beendigung einer Darifenacin-Behandlung sowie bei einer Änderung der Darifenacin-Dosis sorgfältig kontrolliert werden.

Werden während der Anwendung von Darifenacin Wirkstoffe eingesetzt, die ebenfalls ähnlich wie Muskarinrezeptor-Antagonisten wirken, kommt es zu stärker ausgeprägten Wirkungen und Nebenwirkungen. Zu solchen Substanzen gehören die gegen häufigen Harndrang eingesetzten Stoffe Oxybutynin, Tolterodin und Flavoxat. Gleiches gilt für die gemeinsame Anwendung von Parkinson-Mitteln und trizyklischen Antidepressiva.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Kommt es zu Schwellungen der Zunge oder des Rachens oder Atemproblemen, muss die Behandlung sofort beendet werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Darifenacin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Darifenacin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Darifenacin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Darifenacin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Muscarinrezeptor-Antagonisten, zu welcher der Wirkstoff Darifenacin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Darifenacin

Darifenacin wird eingesetzt zur Behandlung von Harninkontinenz. Die Anwendungsgebiete umfassen sowohl die Dranginkontinenz und/oder häufiges Wasserlassen als auch verstärkten Harndrang. Alle drei Beschwerden treten vor allem bei Erwachsenen mit überaktiver Harnblase auf.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Darifenacin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Darifenacin

Wie viele andere Reaktionen, die man der Verdauung und Ausscheidung zurechnen kann, wird auch das Harnlassen durch einen Teil des unbewussten Nervensystems (Parasymapthikus) gesteuert. Der Nervenbotenstoff Acetylcholin dockt dabei an die sogenannten Muskarin-Rezeptoren an und löst dadurch im Gewebe die Reaktionen aus. An der Harnblase erzeugt Acetylcholin eine höhere Empfindlichkeit der Blase für inneren Druck und eine höhere Aktivität der Harnblasenmuskulatur.

Darifenacin gehört zur Wirkstoffgruppe der Muskarinrezeptor-Antagonisten. Es wirkt somit am Muskarin-Rezeptor als Gegenspieler des Acetylcholins und blockiert sehr gezielt einen speziellen Typ dieser Rezeptoren, den Muskarin-M3-Rezeptor. Dieser Rezeptor-Typ ist der wichtigste, der die Zusammenziehung der Harnblasenmuskulatur kontrolliert.

Studien mit Darifenacin bei Patienten mit unwillkürlichen Blasenkrämpfen konnten zeigen, dass der Wirkstoff die Aufnahmefähigkeit der Blase steigert, die Reizschwelle erhöht und die Häufigkeit von Zusammenziehungen des Blasenschließmuskels verringert.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.