Dabrafenib

Allgemeines

Dabrafenib wird als alleiniger Wirkstoff zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses bei erwachsenen Patienten eingesetzt. Voraussetzung ist, dass der Krebs nicht chirurgisch entfernt werden kann oder schon Tochtergeschwulste gebildet hat. Zudem müssen die Krebszellen eine bestimmte Veränderung im Erbgut (BRAF-V600-Mutation) zeigen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Vermehrung von Krebszellen verhindern
  • Wachstum von Hautkrebs hemmen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Dabrafenib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Dabrafenib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff und bei B-RAF-Kinasen, die nicht krebsverursachend verändert sind, darf Dabrafenib nicht angewendet werden.

Da Dabrafenib den Herzrhythmus verändern kann, wird der Wirkstoff nicht empfohlen für Patienten mit nicht behebbaren Störungen des Mineralhaushalts (einschließlich Magnesium), mit Long-QT-Syndrom oder bei Patienten, die Wirkstoffe einnehmen, die bekanntermaßen eine QT-Verlängerung erzeugen können.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch einen Arzt und unter seiner Kontrolle darf Dabrafenib bei Patienten eingesetzt werden, welche eine schwer eingeschränkte Nierenfunktion oder mäßige bis schwere Leberfunktionsstörungen aufweisen.

Auch der Einsatz bei nicht-europäischen Patienten muss mit Vorsicht erfolgen, da es keine Studien mit solchen Bevölkerungsgruppen gibt.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis vier Wochen nach Beendigung der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Dabrafenib kann die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel ("Pille") verringern, daher sollten andere Methoden wie Kondome oder Pessare zum Einsatz kommen.

Aus Tierversuchen weiß man, dass bei einer Behandlung von Männern mit Dabrafenib das Risiko einer verminderten Samenproduktion besteht. Diese kann auch dauerhaft sein.

Es wurden keine Studien mit der Anwendung von Dabrafenib bei Schwangeren unternommen. Tierexperimente haben eine ungünstige Wirkung auf die Entwicklung der Ungeborenen und Missbildung ergeben. Dabrafenib darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Arzt stellt den möglichen Nutzen für die Mutter über das mögliche Risiko für das Kind.

Es ist nicht bekannt, ob Dabrafenib in die Muttermilch übergeht, was aber nicht ausgeschlossen werden kann. Der Arzt wird entscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Dabrafenib zu unterbrechen ist. Dabei wird er sowohl den Nutzen des Stillens für das Kind als auch den Nutzen der Therapie für die Mutter berücksichtigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Dabrafenib bei Kindern und Jugendlichen (unter 18 Jahre) ist bisher noch nicht durch Studien erwiesen.

Tierexperimente haben bei Tierjungen unerwünschte Wirkungen von Dabrafenib gezeigt, die bei erwachsenen Tieren nicht beobachtet wurden. Deshalb darf die Gabe an Kinder nur unter strengster Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt erfolgen.

Welche Nebenwirkungen kann Dabrafenib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Dabrafenib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
gutartige Tumore (von den obersten Haut- oder Schleimhautschichten ausgehend), verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Husten, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verdickung der Hornschicht, Haarausfall, Hautausschlag, Missempfindungen an Hand- und Fußflächen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Fieber, Erschöpfung, Schüttelfrost, Schwäche.

Häufige Nebenwirkungen:
bestimmte Hautkrebs-Formen (Plattenepithelkarzinom, Basalzellkarzinom), schuppiger Hautausschlag, Saitenwarzen, Phosphatmangel im Blut, Blutzucker-Überschuss, Verstopfung, trockene Haut, Juckreiz, horniger Hautausschlag, Hautschäden, Hautrötung, Grippe-artige Erkrankung, Verringerung der Lungenleistung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
neu entstehender schwarzer Hautkrebs, Überempfindlichkeit, örtlich begrenzte Entzündung des Unterhautfettgewebes, Augapfelentzündung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Nierenversagen, akutes Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen (QT-Verlängerung).

Besonderheiten:
Bei Patienten mit schwerwiegendem Fieber, das nicht auf eine Infektion zurückzuführen ist, wird der Arzt die Therapie mit Dabrafenib unterbrechen oder die Dosis vermindern sowie allgemeine fiebersenkende Maßnahmen dagegen ergreifen.

Um frühzeitig Nebenwirkungen auf die Haut oder andere bösartige Veränderungen am Körper zu erkennen, sollten die Patienten vor Beginn der Therapie mit Dabrafenib, monatlich während der Behandlung und bis zu sechs Monate danach von Ärzten begutachtet werden.

Die Nierenfunktion muss während der Behandlung mit Dabrafenib überwacht werden. Dazu wird der Kreatinin-Wert regelmäßig gemessen. Falls der Kreatinin-Wert ansteigt, sollte die Therapie mit Dabrafenib unterbrochen werden.

Bei verändertem Sehvermögen, Lichtscheu oder Augenschmerzen ist sofort ein Augenarzt aufzusuchen.

Etwa ein Prozent der mit Dabrafenib behandelten Patienten erlitt eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Ungeklärte Bauchschmerzen sollten daher umgehend untersucht werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Dabrafenib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Dabrafenib wird von einem Enzymsystem abgebaut, das von vielen Wirkstoffen in der Aktivität beeinflusst wird. Dadurch kann eine Hemmung zu erhöhten Konzentrationen an Dabrafenib und mehr Nebenwirkungen führen. Das ist der Fall bei den Pilzmitteln Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol und Posaconazol, den virenhemmenden Mitteln Ritonavir, Saquinavir und Atazanavir, den Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin sowie dem Antidepressivum Nefazodon.

Eine Aktivierung des Enzymsystems durch die Antiepileptika Phenytoin, Carbamazepin und Phenobarbital, das Tuberkulose-Mittel Rifampicin oder Johanniskraut (gegen Depressionen) kann die Wirkung hingegen schmälern.

Dabrafenib fördert selbst die Aktivität des oben genannten Enzymsystems. Daher ist bei Kombination mit anderen Wirkstoffen bei ihnen mit einer verminderten Wirksamkeit zu rechnen. Dazu gehören unter anderem:
  • opioide Schmerzmittel wie Fentanyl, Methadon
  • Antibiotika wie Clarithromycin, Doxycyclin
  • andere Zytostatika wie Cabazitaxel
  • Gerinnungshemmer wie Acenocoumarol, Warfarin
  • Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenytoin, Primidon, Valproinsäure
  • Neuroleptika wie Haloperidol
  • Calciumkanalblocker (zur Blutdrucksenkung) wie Diltiazem, Felodipin, Nicardipin, Nifedipin, Verapamil
  • Herzglykoside wie Digoxin
  • Glukokortikoide wie Dexamethason, Methylprednisolon
  • virenhemmene Mittel wie Amprenavir, Atazanavir, Darunavir, Delavirdin, Efavirenz, Fosamprenavir, Indinavir, Lopinavir, Nelfinavir, Saquinavir, Tipranavir
  • hormonelle Verhütungsmittel ("Pille")
  • Schlafmittel wie Diazepam, Midazolam, Zolpidem
  • Mittel zur Unterdrückung des Immunsystems wie Cyclosporin, Tacrolimus, Sirolimus
  • Statine wie Atorvastatin, Simvastatin (zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen).
Die Löslichkeit von Dabrafenib ist abhängig vom Säuregrad im Magen. Säurehemmende Mittel und Protonenpumpenhemmer, die die Magensäuremenge begrenzen, können die Löslichkeit von Dabrafenib verringern und damit seine Aufnahme in den Körper behindern. Wegen dieses Risikos sollte die Einnahme solcher Wirkstoffe während der Behandlung mit Dabrafenib vermieden werden.

Auch die Nahrung hat einen Einfluss auf die Aufnahme von Dabrafenib in den Körper. Daher sollte der Wirkstoff mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nur von einem in der Anwendung von Krebsmitteln erfahrenen Arzt begonnen und überwacht werden.
  • Während und bis vier Wochen nach Beendigung der Behandlung ist eine zuverlässige, nicht hormonelle Verhütungsmethode anzuwenden.
  • Vor und regelmäßig während der Behandlung haben ärztliche Kontrollen von Herz- und Lungenfunktion sowie des Hautzustandes zu erfolgen.
  • Die Nierenfunktion muss während der Behandlung mit Dabrafenib ärztlich überwacht werden.
  • Bei ungeklaren Bauchschmerzen sollte sofort ein Arzt befragt werden.
  • Bei verändertem Sehvermögen, Lichtscheu oder Augenschmerzen ist sofort ein Augenarzt aufzusuchen.
  • Bei schwerwiegendem Fieber, das nicht auf eine Infektion zurückzuführen ist, wird der Arzt die Therapie unterbrechen oder die Dosis vermindern.
  • Die Fähigkeit zum Autofahren und Bedienen von Maschinen kann möglicherweise durch Abgeschlagenheit und Augenprobleme beeinträchtigt sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Dabrafenib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Dabrafenib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Dabrafenib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Dabrafenib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Dabrafenib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Dabrafenib

Dabrafenib wird als alleiniger Wirkstoff zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses bei erwachsenen Patienten eingesetzt. Voraussetzung ist, dass der Krebs nicht chirurgisch entfernt werden kann oder schon Tochtergeschwulste gebildet hat. Zudem müssen die Krebszellen eine bestimmte Veränderung im Erbgut (BRAF-V600-Mutation) zeigen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Dabrafenib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Dabrafenib

Wachstum und Vermehrung aller Zellen werden von bestimmten Eiweißen gesteuert, deren Bauplan im Ergbut der Zelle verankert ist. Veränderungen an diesen Eiweißen oder eine Änderung in ihrer Aktivität können zu unkontrolliertem Wachstum und Vermehrung führen - also zu Krebs.

Zu diesen Eiweißen gehören zum Beispiel die Protein-Kinasen, speziell die RAF-Kinasen, von den es die drei Untergruppen A-RAF, B-RAF und C-RAF gibt. Sie binden an besondere Rezeptoren und spielen, wenn sie überaktiv sind, bei festen Tumoren wie Nierenkrebs, Leberkrebs, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs, schwarzem Hautkrebs und Schilddrüsenkrebs eine entscheidende Rolle. Diese Enzyme zu blockieren bedeutet, das Wachstum des Krebsgeschwürs aufzuhalten.

Dabrafenib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zystostatika. Es ist ein Hemmstoff der veränderten und dadurch krebsauslösenden B-RAF-Kinasen (BRAF-Mutation), die sich schätzungsweise bei etwa 60 Prozent aller Formen des schwarzen Hautkrebses finden. Um zu testen, ob Dabrafenib wirksam sein wird, werden Tumorzellen entnommen und auf die BRAF-Mutation untersucht.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.