Cobicistat

Allgemeines

Cobicistat wird eingesetzt, um die Wirkung virenhemmender Mittel wie beispielsweise Atazanavir oder Darunavir zu verstärken. Damit behandelt man Erwachsene, die mit dem Humanen Immundefizienzvirus 1 (HIV-1), dem Erreger von AIDS, infiziert sind.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Abbau virenhemmender Mittel hemmen
  • Wirkungszeit anderer Medikamente verlängern
  • Wirkung anderer Medikamente verstärken

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Cobicistat im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Cobicistat nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Cobcistat nicht eingesetzt werden.

Die gleichzeitige Anwendung mit den folgenden Wirkstoffen ist verboten, da sie zu schwerwiegenden und/oder lebensbedrohlichen Ereignissen oder zum Verlust von deren Wirkung führen kann:Eine Behandlung mit Cobicistat darf bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen (Kreatinin-Clearance unter 70 Milliliter/Minute) nicht begonnen werden, wenn für einen oder mehrere gleichzeitig angewendete virenhemmende Mittel eine nierenfreundlichere Dosierung erforderlich ist. Dies kann der Fall sein bei Emtricitabin, Lamivudin, Tenofovir oder Adefovir.

Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child Pugh-Klasse C) wurde Cobicistat nicht in Studien untersucht. Daher wird die Anwendung bei diesen Patienten nicht empfohlen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Cobicistat bei Schwangeren vor. Obwohl Tierexperimente keine Hinweise auf direkte oder indirekte Schädlichkeit für die Mutter und das ungeborene Kind zeigten, darf der Wirkstoff während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine Behandlung mit Cobicistat zusammen mit Atazanavir oder Darunavir aufgrund der Erkrankung der Schwangeren erforderlich ist.

Es ist nicht bekannt, ob Cobicistat oder seine Stoffwechselprodukte beim Menschen in die Muttermilch übergehen, wie es bei Tieren der Fall ist. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher soll der Wirkstoff während der Stillzeit nicht angewendet werden. Um eine Übertragung des AIDS-Erregers auf das Kind zu vermeiden, sollten infizierte Frauen ihre Kleinkinder nicht stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Cobicistat bei Kindern und Jugendlichen im Alter bis unter 18 Jahren ist nicht durch Studien erwiesen. Der Einsatz in dieser Altersgruppe liegt im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Cobicistat haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Cobicistat. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufig:
Gelbsucht (auch der Augen), Übelkeit.

Häufig:
Blutzucker-Überschuss, vermehrter Appetit, Schlaflosigkeit, lebhafte Träume, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Benommenheit, Schmeckstörung, Erbrechen, Durchfall, Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, Mundtrockenheit, Bilirubin-Überschuss im Blut, Hautausschlag, Müdigkeit.

Gelegentlich:
Depressionen, Schlafstörungen, Juckreiz, Muskelschmerzen, Nierensteine, Blut im Urin, Eiweiß im Urin, Fieber, Schwäche.

Welche Wechselwirkungen zeigt Cobicistat?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei gleichzeitiger Gabe der virenhemmenden Mittel Efavirenz, Etravirin und Nevirapin können infolge der verringerten Konzentration von Cobicistat im Blut auch die Blutkonzentrationen von Atazanavir und Darunavir absinken. Das kann zu einem Verlust von deren Wirkung sowie zur Entwicklung einer Resistenz führen. Auch die Plasmakonzentration von Atazanavir, Darunavir oder Boceprevir kann sich durch die gleichzeitige Anwendung der Wirkstoffe verringern, weshalb sie nicht empfohlen wird. Werden der Viren-Blocker Maraviroc und Cobicistat gleichzeitig eingesetzt, sollte Maraviroc zweimal täglich in einer Dosierung von 150 Milligramm angewendet werden.

Auch die Wirkung der Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol, Posaconazol und Fluconazol wird von Cobicistat beeinflusst. Bei gleichzeitiger Anwendung von Ketoconazol und Itraconazol sollte die Tageshöchstdosis 200 Milligramm nicht überschritten werden. Für die Dauer der gleichzeitigen Anwendung sind besondere ärztliche Vorsicht und eine intensive Überwachung geboten. Voriconazol sollte nur angewendet werden, wenn der Arzt den möglichen Nutzen größer einschätzt als die mit der nicht vorhersehbaren Wirkung verbundenen Risiken.

Die gleichzeitige Anwendung von Cobicistat und dem Tuberkulose-Mittel Rifabutin wird nicht empfohlen. Wenn die Kombination erforderlich ist, beträgt die empfohlene Dosis Rifabutin 150 Milligramm, dreimal pro Woche an festen Tagen. Eine verstärkte ärztliche Überwachung auf Rifabutin-typische Nebenwirkungen einschließlich Mangel an Neutrophilen Blutzellen und Augenentzündungen ist wichtig. Weitere Dosisverringerungen von Rifabutin sind wahrscheinlich sinnlos, da die Wirkung unsicher wird und das Risiko von Resistenzen steigt.

Die Konzentration des Makrolid-Antibiotikums Clarithromycin im Körper kann bei gleichzeitiger Anwendung von Cobicistat erhöht sein. Für die Anwendung zusammen mit Atazanavir oder Darunavir mit Cobicistat wird der Arzt andere Antibiotika in Betracht ziehen. Bei seinen Dosierungsempfehlungen wird er sich an den Vorschriften für Atazanavir oder Darunavir orientieren.

Cobicistat erhöht die Konzentration der monoklonalen Antikörper Dasatinib und Nilotinib sowie der Zytostatika Vinblastin und Vincristin im Körper, was deren Nebenwirkungen möglicherweise verstärkt.

Die gleichzeitige Anwendung von Fluticason (inhaliert oder als Nasenspray) wird der Arzt nur empfehlen, wenn der mögliche Nutzen die Risiken für den Patienten überwiegt. Es werden normalerweise andereGlukokortikoide eingesetzt.

Diabetikern, die gleichzeitig zu dem oralen Antidiabetikum Metformin Cobicistat einnehmen, wird eine besonders sorgfältige Blutzucker-Überwachung empfohlen. Möglicherweise muss der Arzt die Metformin-Dosis verändern.

Für Empfehlungen bei gleichzeitiger Anwendung der "Pille" (auch der Minipille und Implantaten) mit Atazanavir/Cobicistat oder Darunavir/Cobicistat liegen keine Studien vor. Es ist eine andere Form der Empfängnisverhütung anzuwenden.

Die Antiarrhythmika Disopyramid, Flecainid, Lidocain, Mexiletin und Propafenon dürfen nur mit besonderer ärztlicher Vorsicht zusammen mit Cobicistat eingenommen werden und der Arzt wird diese Patienten besonders regelmäßig untersuchen.

Die Blutkonzentration des Herglykosids Digoxin ist bei gleichzeitiger Anwendung von Cobicistat erhöht. Zu Beginn wird der Arzt Digoxin in der niedrigsten Dosierung verschreiben. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, wird er die Dosis dann langsam steigern, wobei die Blutkonzentration ständig überwacht wird.

Bei gleichzeitiger Anwendung der Blutdrucksenker Metoprolol, Timolol, Amlodipin, Diltiazem, Felodipin, Nicardipin, Nifedipin und Verapamil mit Cobicistat wird der Arzt die Wirkung und Nebenwirkungen sorgfältig überwachen.

Die gleichzeitige Anwendung von Bosentan (gegen Lungenhochdruck) und Cobicistat kann zu einer verringerten Konentration von Cobicistat im Blut führen. Daher wird die gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen.

Die Konzentration der Blutverdünner Dabitragan, Warfarin und Rivaroxaban kann durch gleichzeitige Anwendung von Cobicistat beeinflusst werden. Bei Dabitragan und Warfarin ist eine Kombination unter strenger Überwachung der Blutgerinnung möglich. Die gleichzeitige Anwendung von Rivaroxaban und Cobicistat wird nicht empfohlen.

Die gleichzeitige Anwendung des Antiasthmatikums Salmeterol und Cobicistat kann zu erhöhten Blutkonzentrationen von Salmeterol führen. Diese jedoch können mit schwerwiegenden und/oder lebensbedrohlichen Nebenwirkungen einhergehen, weswegen die gleichzeitige Anwendung nicht empfohlen wird.

Es ist zu erwarten, dass sich die Blutkonzentrationen der bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzten Statine Atorvastatin, Pitavastatin, Fluvastatin, Pravastatin und Rosuvastatin erhöhen, wenn sie gleichzeitig mit Atazanavir/Cobicistat oder Darunavir/Cobicistat angewendet werden. Nur wenn es der Arzt als unbedingt notwendig erachtet, sollten Atorvastatin und Pitavastatin gleichzeitig mit Cobicistat eingesetzt werden. Dann sind niedrige Dosierungen zu wählen und eine sorgfältige ärztliche Überwachung ist nötig.

Die gleichzeitige Anwendung von Cobicistat und Sildenafil zur Behandlung von Lungenhochdruck ist verboten. Wird dafür Tadalafil eingesetzt, darf es nur mit besonderer ärztlicher Vorsicht und einer möglichen Dosisverringerung geschehen.
Bei der Behandlung von Erektionsstörungen dürfen bei gleichzeitiger Anwendung von Cobicistat folgende Höchstdosierungen nicht überschritten werden: In 48 Stunden nicht mehr als 25 Milligramm Sildenafil, in 72 Stunden nicht mehr als 2,5 Milligramm Vardenafil oder 10 Milligramm Tadalafil.

Antidepressiva vom Typ der Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer müssen bei gleichzeitiger Anwendung von Cobicistat vom Arzt vorsichtig bis zur Wirkung in der Dosis gesteigert werden.

Wechselwirkungen von Cobicistat mit Ciclosporin, Sirolimus und Tacrolimus (alle gegen Organabstoßungen) wurden nicht untersucht. Die Blut-Konzentrationen dieser Unterdrücker der körpereigenen Abwehr können bei gleichzeitiger Anwendung von Cobicistat erhöht sein, weswegen der Arzt den Patienten besonders sorgfältig überwachen wird.

Die gleichzeitige Anwendung von Neuroleptika wie Perphenazin, Risperidon und Thioridazin mit Cobicistat kann zu erhöhten Blut-Konzentrationen der Neuroleptika führen. Deshalb wird sie der Arzt meist mit verminderter Dosierung verschreiben.

Auch bei Beruhigungs- und Schlafmitteln wie Buspiron, Clorazepat, Diazepam, Estazolam, Flurazepam und Zolpidem kann eine Dosisverminderung erforderlich sein, wenn sie zusammen mit Cobicistat eingenommen werden.

Die Blut-Konzentration des Gichtmittels Colchicin kann bei gleichzeitiger Anwendung mit Cobicistat erhöht und damit eine Verminderung der Colchicindosis erforderlich sein. Bei Patienten mit Nieren- oder Leberfunktionsstörung sollte Cobicistat nicht gleichzeitig mit Colchicin angewendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Therapie mit dem Medikament sollte nur durch einen Arzt begonnen werden, der in der AIDS-Behandlung erfahren ist.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Cobicistat?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Cobicistat enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Cobicistat

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Cobicistat. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Cobicistat gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Cobicistat

Cobicistat wird eingesetzt, um die Wirkung virenhemmender Mittel wie beispielsweise Atazanavir oder Darunavir zu verstärken. Damit behandelt man Erwachsene, die mit dem Humanen Immundefizienzvirus 1 (HIV-1), dem Erreger von AIDS, infiziert sind.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Cobicistat sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Cobicistat

Cobicistat hemmt ein Enzymsystem, das am Abbau der virenhemmenden Mittel Atazanavir oder Darunavir maßgeblich beteiligt ist. Cobicistat steigert die Konzentration der virenhemmenden Mittel im Körper, da ihre Verstoffwechselung gehemmt wird. So werden die virenhemmenden Mittel in höherem Maße in das Blut aufgenommen und haben eine deutlich verlängerte Wirkungszeit.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.