HIV-PrEP
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HIV-PrEP – Vor HIV wirksam schützen

Mit HIV infizieren sich weltweit noch immer viele Menschen, wobei die Zahl der Neuinfektionen seit zehn Jahren nur noch leicht ansteigt. Das liegt zum einen an zahlreichen Aufklärungskampagnen und Verhütungsmitteln, aber auch an der Möglichkeit, sich mithilfe der HIV-PrEP bereits im Vorfeld medikamentös vor einer HIV-Infektion zu schützen. Erfahren Sie hier mehr über die HIV-Prophylaxe.

Was ist HIV-PrEP?

Der Begriff HIV-PrEP oder kurz PrEP bedeutet Präexpositionsprophylaxe und bezeichnet eine medikamentöse Behandlung zur Vorbeugung einer HIV-Infektion. Sie zählt neben Kondomen sowie Femidomen und der HIV-Therapie zu den Safer-Sex-Methoden und verhindert, dass Menschen sich bei Kontakt mit einer HIV-positiven Person anstecken.

Diese Form der HIV-Prophylaxe ist eine noch relativ neue Methode der HIV-Prävention. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Einsatz der PrEP seit 2012; zunächst nur für Paare mit mindestens einem HIV-positivem Partner (serodiskordante Partner) und für homosexuell aktive Männer. Seit 2014 gilt die Empfehlung auch für Personen, die Drogen über Spritzen injizieren, Transgender-Personen und Inhaftierte. In Deutschland und Österreich sind zu diesem Zweck die beiden Wirkstoffe Tenofovir sowie Emtricitabin (TDF/FTC) zugelassen.

HIV steht im Englischen für „Human Immunodeficiency Virus“ und meint spezielle Virus-Typen, die in besonderem Maße das menschliche Immunsystem angreifen und damit schwächen. Das Virus befällt und zerstört dabei bestimmte Immunzellen. Eine HIV-Infektion führt sehr häufig zu AIDS (engl.: Acquired Immunodeficiency Syndrome) – eine erworbene Immunschwäche, die ohne Behandlung für viele Betroffene lebensbedrohlich und oft tödlich ist.

Das HI-Virus wird vorrangig beim Geschlechtsverkehr von einer Person auf die andere übertragen, aber auch durch den Kontakt mit HIV-infiziertem Blut. Das ist beispielsweise beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen möglich. Auch im Zuge einer Schwangerschaft, Geburt oder während des Stillens kann eine HIV-positive Mutter das Virus auf ihr Kind übertragen.

In Deutschland steckten sich laut Robert Koch-Institut im Jahr 2019 etwa 2.600 Menschen mit HIV an; die Zahl der insgesamt mit dem HI-Virus Infizierten belief sich in dem Jahr auf etwa 90.700. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl der Neuinfektionen nur leicht angestiegen und betraf nicht nur Männer, die sich durch einen gleichgeschlechtlichen Kontakt angesteckten: Es infizierten sich auch etwas mehr Menschen durch heterosexuellen Verkehr.

Wie funktioniert die HIV-Prophylaxe?

Die HIV-PrEP verhindert, dass sich die HI-Viren im Körper und in den Immunzellen vermehren und ausbreiten, sodass sich AIDS gar nicht erst entwickeln kann. Patient*innen nehmen hierfür eine Kombi-Tablette, die die beiden Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovir enthält. Beide Substanzen stammen ursprünglich aus der HIV-Therapie und kommen im Zuge der antiretroviralen Therapie (ART) nach einer Ansteckung mit HIV zum Einsatz. Studien zeigten jedoch, dass sie auch prophylaktisch wirken.

Die beiden Wirkstoffe gelangen über das Blut insbesondere in die Schleimhautzellen wie die des Darms und des Genitalbereichs bei Frauen. Dort wirken sie einem Befall durch HI-Viren entgegen, sodass sich diese nach Eindringen in den Körper nicht in den Schleimhautzellen vermehren können.

Wie erfolgt die Einnahme?

Um eine hohe und verlässliche Schutzwirkung zu erreichen, ist es wichtig, dass eine ausreichende Menge des Wirkstoffes im Blut und letztlich in den Schleimhäuten vorhanden ist. Nach ärztlicher Empfehlung ist das Medikament daher vor dem Geschlechtsverkehr einmal täglich oral einzunehmen. Im Normalfall ist eine kontinuierliche Anwendung für den Zeitraum der HIV-Prophylaxe vorgesehen. Dieser Zeitraum umfasst die Zeit, in der ein erhöhtes Ansteckungsrisiko mit HIV besteht. Für viele Betroffene bedeutet das, dass sie das Medikament nicht ein Leben lang einnehmen, sondern nur in einer bestimmten Lebensphase.

Die Einstellung des Medikaments erfolgt immer in Absprache mit der*dem behandelnden Ärztin*Arzt und wird regelmäßig überprüft.

Vorteilhaft ist es, wenn die Tablette immer zur selben Zeit eingenommen wird. Zur Erinnerung hilft es manchen Personen, die Einnahme an eine tägliche Routine zu knüpfen wie das Zähneputzen oder direkt nach dem Aufstehen.

Die Häufigkeit und die genaue Dosis der Medikation variieren jedoch und lassen sich daher individuell anpassen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Person nur gelegentlich sexuellen Kontakt mit HIV-Positiven hat und sich entsprechend schützen möchte. Dann ist es möglich, die Tabletten auch nur zu diesen Zeiten und rund um die sexuellen Ereignisse einzunehmen. Allerdings entspricht das nicht den Richtlinien, für die das Medikament zugelassen ist, weshalb es sich um einen sogenannten Off-Label-Gebrauch (nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch) handelt. Dieser wird nur in Ausnahmefällen erwogen, da eine ausreichende Schutzwirkung nicht garantiert ist.

Wann tritt eine Wirkung ein?

Wann genau eine verlässliche Schutzwirkung eintritt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Studien deuten jedoch darauf hin, dass es bis zu einer Woche andauert – zwei Tage bei Männern und sieben Tage bei Frauen. Nehmen Betroffene die Pille korrekt ein, liegt die Schutzwirkung bei bis zu 99 Prozent; das Risiko für eine Ansteckung mindert sich um bis zu 86 Prozent.

Da der genaue Zeitpunkt, ab dem die volle Schutzwirkung besteht, nicht eindeutig bestimmbar ist, empfehlen Fachleute, in den ersten Tagen nach Therapiebeginn noch weitere Schutzmaßnahmen zu treffen. So sollten Kondome oder Femidome beim Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Person verwendet werden.

Wer übernimmt die Kosten der HIV-PrEP?

Seit September 2019 haben alle gesetzlich Versicherten, die ein nachweislich hohes Ansteckungsrisiko aufweisen, Anspruch auf eine HIV-PrEP. Die HIV-Präexpositionsprophylaxe ist für diese Risikogruppe Bestandteil der Kassenleistungen. Im Anspruch sind die Beratung, notwendige Untersuchungen und die Versorgung mit den nötigen Medikamenten enthalten.

Ein Kassenrezept für die PrEP darf allerdings nur eine*ein Ärztin*Arzt ausstellen, die*der auf HIV spezialisiert ist. Interessierte sollten im ärztlichen Gespräch klären, ob das für sie infrage kommt und erhalten dann nähere Informationen.

Für Personen, bei denen kein entsprechend hohes Infektionsrisiko nachgewiesen ist, ist die HIV-Prophylaxe nicht kostenfrei. Ebenso gelten bei privaten Krankenkassen eigene Regelungen. Die jeweilige Krankenkasse kann zu den Vorgaben beraten. Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die PrEP nicht, kann es auch über ein Privatrezept in der Apotheke gekauft werden. Das Rezept erhalten Betroffene nach einem ausführlichen Beratungsgespräch in der ärztlichen Praxis.

Für wen ist die HIV-PrEP?

Die HIV-Prophylaxe ist für HIV-negative Personen ab einem Alter von 16 Jahren – auch Schwangere – gedacht, die ein erhöhtes Infektionsrisiko für HIV aufweisen. Dazu zählen:

  • Personen, die mit mindestens einer HIV-positiven Person Geschlechtsverkehr haben (in festen oder wechselnden Partnerschaften), deren Virenlast hoch ist (> 200 RNA-Kopien pro Milliliter Serum).
  • Männer, die sexuellen Kontakt mit anderen Männern haben (MSM), sowie Transgender-Personen, die in den letzten drei bis sechs Monaten Analverkehr ohne Kondom hatten und in den nächsten Monaten haben werden.
  • Personen, die sexuellen Kontakt mit Menschen haben, bei denen wahrscheinlich eine nicht-diagnostizierte HIV-Infektion vorliegt.
  • Personen, die Drogen ohne sterile Spritzbestecke injizieren.
  • Personen, die sich innerhalb der letzten 12 Monate mit einer Geschlechtskrankheit infiziert haben.

Ausschlaggebend dafür, ob ein kassenärztlicher Anspruch auf eine PrEP besteht, ist die Höhe des jeweiligen Risikos einer Infektion. Die WHO legt der Empfehlung eine Inzidenz von über drei pro 100 Personen pro Jahr zugrunde. Mit einer Inzidenz von etwa 0,1 Prozent liegt in der deutschen Allgemeinbevölkerung ein relativ niedriges Infektionsrisiko vor. Für manche Personen jedoch, deren Sexualpartner*innen HIV-positiv sind und eine hohe Viruslast aufweisen, beträgt die Inzidenz mitunter zehn Prozent und ist damit deutlich erhöht (substanziell). Das Infektionsrisiko wird daher immer individuell geprüft.

Für wen kommt die PrEP nicht infrage?

Für Personen, bei denen eine HIV-Infektion oder auch eine wiederholte (replikative) beziehungsweise chronische Hepatitis-B-Infektion (HBV) oder eine Nierenfunktionsstörung vorliegt, ist die PrEP-Behandlung nicht geeignet.

Vor dem Beginn einer PrEP-Behandlung wird daher zunächst abgeklärt, ob eine HIV-Infektion besteht. Der letzte Negativ-Nachweis darf nicht älter als 14 Tage sein, wobei der HIV-Test vier Wochen nach Behandlungsstart wiederholt wird.

Um zu überprüfen, ob eine Hepatitis-B-Infektion vorliegt, entnehmen die behandelnden Mediziner*innen Blutproben und bestimmen die HBV-Immunität.

Eine Funktionsstörung der Niere lässt sich ausschließen, in dem die Filterleistung (Filtrationsrate) der Nieren gemessen wird. Aufschluss geben dabei die Kreatinin-Werte im Serum.

Komplikationen bei HIV-Prophylaxe

Die HIV-PrEP ist sehr effektiv und stellt eine äußerst wirksame Methode zur Vorbeugung einer HIV-Infektion dar. Im Allgemeinen sind die Wirkstoffe gut verträglich, weshalb es nur bei wenigen Personen zu Nebenwirkungen oder Komplikationen kommt.

Studien zeigten, dass der Wirkstoff Tenofovir (TDF) teilweise nierenschädigend sein kann und bei einigen wenigen Personen Nierenfunktionsstörungen hervorrief. Auch eine abnehmende Knochendichte war bei einzelnen Menschen zu beobachten.

In seltenen Fällen besteht eine Resistenz gegenüber den Wirkstoffen TDF/FTC, wodurch die PrEP unwirksam ist und es unter Umständen zu einer HIV-Infektion trotz Behandlung kommt.

Dies kann ebenfalls passieren, wenn das Medikament nicht korrekt eingenommen wird. Ratsam ist es daher, die Tablette wie verschrieben zu nehmen.

Regelmäßige Checks wichtig

Aufgrund des allgemein hohen Infektionsrisikos der Betroffenen und der möglichen Nebenwirkungen der PrEP sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Daher sind HIV-Tests und Blutuntersuchungen alle drei bis sechs Monate vorgesehen. In der Regel finden diese Gesundheits-Checks im Rahmen der PrEP-Beratungen statt.

Die PrEP schützt nur vor HIV

Auch wenn die HIV-PrEP ein effektives und wirksames Verfahren zur Vorbeugung einer HIV-Infektion ist, ersetzt sie nicht die anderen Safer-Sex-Methoden. Kondome beispielsweise schützen nicht nur vor HIV, sondern auch vor anderen übertragbaren Geschlechtskrankheiten wie Syphilis, Chlamydien oder Hepatitis. Ein wichtiger Bestandteil der PrEP ist daher auch die Aufklärung über andere Geschlechtskrankheiten und die Beratung zu entsprechenden Schutzmaßnahmen.