Doppelbilder / Doppeltsehen (Diplopie)

Veröffentlicht von: Stefan Schweiger (28. Dezember 2017)

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Bei einer Diplopie (Doppeltsehen) sieht der Betroffene Doppelbilder – was sehr beängstigend sein kann. Normalerweise führt das Gehirn die vom linken und rechten Auge wahrgenommenen Bilder zu einem räumlichen Bild zusammen. Bei Diplopie ist dieser Vorgang gestört: Es entstehen Doppelbilder. Die Ursachen des Doppeltsehens sind vielfältig.

Doppelbilder entstehen meist, wenn die Achsen der beiden Augen nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen, sodass das Gehirn die Sinneswahrnehmungen nicht zu einem Bild verschmelzen kann (sog. binokulare Diplopie). Wenn ein Auge zugehalten wird, sind die Doppelbilder verschwunden.

Binokulare Doppelbilder können unterschiedliche Ursachen haben. Manchmal kommt es aber auch zu Doppelbildern, die nur von einem Auge ausgelöst werden. Sie entstehen, wenn das einfallende Licht an Hornhaut oder Linse unregelmäßig bricht. Ärzte sprechen dann von einer monokularen Diplopie.

Das menschliche Auge ist ein empfindliches Sinnesorgan. Um den eigentlichen Sehvorgang zu verstehen, lohnt es sich, den Aufbau des Auges einmal näher zu betrachten: Das Licht, das beim Sehen auf das Auge trifft, gelangt durch die Hornhaut, Pupille, Linse und den Glaskörper auf die Netzhaut (Retina). Hornhaut und Linse bündeln dabei den Lichtstrahl. Über die Pupille reguliert das Auge, wie viel Licht tatsächlich auf die Netzhaut gelangt. Hierzu zieht sich die Regenbogenhaut, die um die Pupille herum liegt, zusammen. Bei starkem Lichteinfall wird die Pupille dadurch ganz klein. Ist es dunkel, vergrößert sie sich hingegen.

Anatomie: Aufbau des gesundes Auges © iStock

Anatomie: Aufbau des gesundes Auges

Auf der Netzhaut befinden sich spezielle Sinneszellen – die Stäbchen und die Zapfen. Die Stäbchen sind für das Schwarz-Weiß-Sehen zuständig, die Zapfen für Farbtöne. Das einfallende Licht reizt diese Sinneszellen nun unterschiedlich stark. Die Stäbchen und Zapfen erzeugen daraufhin verschiedene Nervensignale. Auf der Netzhaut entsteht ein Bild, das zunächst auf dem Kopf steht. Über den Sehnerv gelangen diese Nervenimpulse nun zur Sehrinde im Gehirn. Das Gehirn wertet die Signale schließlich aus und dreht das Bild um 180 Grad.

Doppelbilder: Gestörter Sehvorgang

Beim Doppeltsehen ist dieser komplexe Sehvorgang gestört. Woher die Diplopie im Einzelfall kommt, muss der Arzt mithilfe verschiedener Tests herausfinden.

Wenn eine Diplopie plötzlich auftritt und länger anhält, sollten Sie die Ursache der Doppelbilder in jedem Fall ärztlich abklären lassen!

Doppelbilder: Vielfältige Ursachen

In den meisten Fällen kommen die Doppelbilder dadurch zustande, dass die Achsen beider Augen nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen. In diesem Fall verschwinden die Doppelbilder, wenn ein Auge zugehalten wird.

Bei Doppelbildern kommen diese Ursachen infrage:

  • endokrine Orbitopathie, eine immunologisch bedingte Erkrankung der Augenhöhle

Manchmal gehen Doppelbilder auch nur von einem Auge aus. Mögliche Ursache ist dann zum Beispiel ein grauer Star (Katarakt).

Doppelbilder: Diagnose beim Augenarzt

Um bei Diplopie (Doppeltsehen) die richtige Diagnose stellen zu können, ist eine augenärztliche und / oder neurologische Untersuchung notwendig. Die sogenannte Doppelbildprüfung besteht aus verschiedenen Tests. Dabei prüft der Arzt unter anderem

  • die Augenbeweglichkeit,
  • die Funktionalität der äußeren Augenmuskeln (Hess-Schirm-Test),
  • die Reflexe der Hornhaut (Taschenlampen-Test) sowie
  • die Fähigkeit der Augen, einen bestimmten Punkt zu fixieren.

Je nachdem, welche Ursache der Augenarzt hinter der Diplopie vermutet, führt er zur genauen Diagnose zusätzliche Untersuchungen durch, zum Beispiel:

Therapie: Behandlung je nach Ursache

Bei Diplopie (Doppeltsehen) richtet sich die Therapie nach der zugrunde liegenden Ursache. Bakterielle Entzündungen und Infektionen im Kopf- und Augenbereich behandelt der Augenarzt gegebenenfalls mit Antibiotika.

Durchblutungsstörungen, Blutgerinnsel oder ein Schlaganfall als Ursachen für Diplopie erfordern eine sofortige ärztliche Therapie. Sind Kopfverletzungen und Tumoren für die Doppelbilder verantwortlich, ist unter Umständen ein operativer Eingriff notwendig.

Resümee:

Die Behandlung der Diplopie ist so vielseitig wie ihre Ursachen.

Schielen kann der Augenarzt durch sogenannte Prismenbrillen oder -folien ausgleichen, die er auf eine vorhandene Brille aufklebt. Falls das Schielen zu den Doppelbildern führt, kann auch eine Operation der Augenmuskeln sinnvoll sein. Bestimmte Lähmungen der Augenmuskeln hingegen lassen sich auch medikamentös behandeln.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Doppelbilder / Doppeltsehen (Diplopie)":

Onmeda-Lesetipps:

Sehstörungen: Vielfältiges Symptom
Schielen: Therapien gegen Silberblick
Skotom: Was ein Gesichtsfeldausfall ist
Expertenforum Augenheilkunde: Tauschen Sie sich mit anderen Lesern aus und stellen Sie Ihre Fragen an unsere Expertin PD Dr. Anja Liekfeld

Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): www.augeninfo.de (Abrufdatum: 28.12.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 28.12.2017)

Burk, A., Burk, R.: Checkliste Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

Pressemitteilung des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA): Warum Alkohol uns doppelt sehen lässt (9.2.2012)

Hahn, G.: Kurzlehrbuch Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2012

Grehn, F.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2012

Aktualisiert am: 28. Dezember 2017

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