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Zyanose (Blausucht)

Letzte Änderung:
Zuletzt bearbeitet von Astrid Clasen • Medizinredakteurin

Bei einer Zyanose (im Volksmund auch Blausucht genannt) sind Haut und Schleimhäute (z.B. Augenbindehaut) bläulich verfärbt. Die Betroffenen haben typischerweise blaue Lippen und Fingernägel. Ursache für die Blaufärbung der Haut und Schleimhäute ist ein Sauerstoffmangel im Blut.

Definition

Wie kommt die Blaufärbung zustande?

Die Haut sieht bei Zyanose bläulich aus, weil sich der eigentlich rote Blutfarbstoff Hämoglobin bei Sauerstoffmangel blau-violett verfärbt: Das Blut ändert dadurch seine Farbe und schimmert nicht mehr hellrot, sondern bläulich durch die Haut.

Harmlos oder Krankheitssymptom?

Hinter einer Zyanose können relativ harmlose Gründe stecken: Wenn nur die äußersten Körperteile (wie Finger,  Zehen, Nase, Ohren) vor allem bei Kälte bläulich verfärbt sind, kann das daran liegen, dass der Blutfluss infolge einer Fehlregulation in den kleinsten Blutgefäßen (sog. Kapillaren) gestört ist. Mediziner bezeichnen dies als funktionelle Akrozyanose. Eine Behandlung ist dann nicht unbedingt notwendig.

Eine Zyanose kann aber auch ein Symptom für verschiedene Erkrankungen sein, vor allem für Herz- und Lungenerkrankungen. Darum sollte man den Grund für eine Blausucht in jedem Fall von einem Arzt abklären lassen.

Welche Formen von Zyanose gibt es?

Je nachdem, ob der Grund für die Zyanose in Herz oder Lunge zu finden ist, unterscheiden Mediziner folgende Formen der Blausucht:

Beide Formen – kardiale und pulmonale Zyanose – können auch miteinander kombiniert vorliegen.

Daneben kann man die Zyanose auch in zentrale und periphere Formen unterteilen – je nachdem, in welchen Blutgefäßen der Sauerstoffgehalt des Blutes vermindert ist.

Eine zentrale Zyanose liegt vor, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut, das durch die Arterien strömt, vermindert ist. Die Blausucht betrifft Haut und Schleimhäute. Typische Gründe hierfür sind:

Eine periphere Zyanose ist gekennzeichnet durch einen verminderten Sauerstoffgehalt im Blut, das durch Venen und Kapillaren fließt. Im arteriellen Blut ist der Sauerstoffgehalt hingegen normal. Die Blausucht macht sich nur an der Haut (an sog. peripheren Körperteilen wie Händen oder Füßen) bemerkbar – Schleimhäute sind nicht betroffen. Mögliche Auslöser sind:

Ob jemand eine periphere oder eine zentrale Zyanose hat, verrät die Zunge:

  • Ist sie rosig, spricht das für die periphere Form der Blausucht,
  • ist sie bläulich, handelt es sich um eine zentrale Zyanose.

Ursachen

Eine Zyanose (Blausucht) kann viele verschiedene Ursachen haben. Dabei muss einer Blaufärbung der Haut und Schleimhäute nicht unbedingt eine schwerwiegende Störung zugrunde liegen: Wenn kurzzeitig und vorübergehend zum Beispiel blaue Lippen und Fingernägel bei starker Kälte auftreten, kann dies Zeichen einer kältebedingten Minderdurchblutung sein.

Auch wer sich in großer Höhe aufhält, kann infolge des geringen Sauerstoffgehalts in der Umgebungsluft eine Zyanose entwickeln: Dies ist Anzeichen der Höhenkrankheit – dann gilt es, den Aufstieg sofort abzubrechen oder zum nächsten Rastplatz abzusteigen, um die Symptome abklingen zu lassen.

Weitere mögliche Ursachen für eine Zyanose sind zum Beispiel:

Als wichtigste Ursachen der Zyanose gelten jedoch Herz- und Lungenerkrankungen oder die Kombination daraus.

Eine sogenannte kardiale Zyanose kann zum Beispiel durch folgende Herzkrankheiten entstehen:

Eine sogenannte pulmonale Zyanose infolge einer Lungenerkrankung kann unter anderem entstehen durch:

Diagnose

Bei einer Zyanose (Blausucht) gilt: ab zum Arzt und die Ursache abklären lassen! Das gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsenn jeden Alters gleichermaßen.

Bei Zyanose spielt die Blickdiagnose eine wesentliche Rolle: Die auffällige Blaufärbung der Haut und Schleimhäute lässt leicht auf eine Blausucht schließen. Um die Ursache für die Blaufärbung herauszufinden und damit die Diagnose zu sichern, erfasst der Arzt zunächst die Krankengeschichte (sog. Anamnese) Hierzu stellt er einige Fragen, zum Beispiel:

Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, um die Ursache der Zyanose weiter einzugrenzen. Dabei schaut sich der Arzt die Haut und Schleimhäute genau an, hört Herz und Lungen ab und entnimmt eine Blutprobe.

Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs ist bei Zyanose sinnvoll, um Form, Größe und Zustand von Herz und Lungen zu beurteilen und Hinweise auf Erkrankungen zu erhalten. Im Elektrokardiogramm (EKG) erkennt der Arzt, ob möglicherweise Herzschäden vorliegen.

Besonders wenn eine Zyanose bei bereits bekannten Herz- oder Lungenerkrankungen neu auftritt, kann eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) oder eine Lungenfunktionsprüfung ratsam sein.

Je nach Befund sind zusätzliche Untersuchungen notwendig, um die Ursache der Zyanose abzuklären: Dazu gehören unter anderem:

Therapie

Nicht jede Zyanose (Blausucht) macht unbedingt eine Therapie notwendig. Da die Blaufärbung der Haut und Schleimhäute jedoch auch Anzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung sein kann, ist es in jedem Fall wichtig, ihre Ursache so schnell wie möglich ärztlich abklären zu lassen.

Oft liegt einer Zyanose eine Erkrankung des Herzens oder der Lunge zugrunde, die den Sauerstoffgehalt im Blut senkt, zum Beispiel:

Da die Auslöser der Zyanose so vielfältig sein können, reichen die Behandlungsmöglichkeiten entsprechend von Allgemeinmaßnahmen (wie Bettruhe) über Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen.

Zusätzlich zur Therapie der Grunderkrankung ist es für Menschen mit einer Zyanose oft ratsam, Sauerstoff einzuatmen (z.B. über eine Nasensonde). Das gleicht den Sauerstoffmangel, der die Blausucht hervorruft, wieder aus.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Zyanose (Blaufärbung der Haut und Schleimhäute)":

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 1.2.2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie e.V. (DGPK): Abklärung einer Zyanose im Kindes- und Jugendalter. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 023/002 (Stand: 31.8.2013)

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013

Letzte inhaltliche Prüfung: 02.02.2017
Letzte Änderung: 26.06.2020