Hilft Schlafentzug wirklich bei Depressionen?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Gedrückte Stimmung, Ängste und Selbstzweifel: Eine Depression zeigt sich auf viele verschiedene Weisen. Häufig klagen die Betroffenen auch über Schlafstörungen. Dass aber ausgerechnet ein Schlafentzug gegen eine Depression helfen soll, klingt widersprüchlich. Was ist dran an dieser Behauptung?

Viele depressive Menschen klagen weniger über eine tiefe Traurigkeit als über ein Gefühl der emotionalen Leere. Die Antriebslosigkeit erschwert ihr Leben: Selbst alltägliche Aufgaben werden zum Hindernis; was vor Kurzem noch ein Hobby war, wird nun zur Belastung. Verschiedene Formen der Depression bringen mannigfaltige Beschwerden mit sich und verlaufen zeitlich unterschiedlich. Behandelt wird meist sowohl mit Medikamenten als auch mit psychotherapeutischen Methoden. Die Medikamente sollen ein mögliches Ungleichgewicht an Botenstoffen im Gehirn beheben – die Psychotherapie dagegen zielt in erster Linie darauf, dass die Betroffenen wieder lernen, ihr Leben aktiv zu gestalten und negative Denkmuster hinter sich zu lassen.

In der Tat setzen Therapeuten zusätzlich zu Medikamenten und Psychotherapie als unterstützendes Verfahren auch den Schlafentzug ein. Diese "Wachtherapie" schafft es als einziges Behandlungsverfahren gegen Depression, bei mehr als der Hälfte der Betroffenen schon am nächsten Tag die Stimmung deutlich zu verbessern. Das Prinzip der Wachtherapie: Der Patient verzichtet eine ganze Nacht auf Schlaf (vollständiger Schlafentzug) oder steht gegen 1 Uhr nachts auf und bleibt dann fortlaufend wach (teilweiser Schlafentzug). Forscher vermuten, dass das Wachbleiben die Konzentration bestimmter Botenstoffe im Gehirn verändert und so die Stimmung günstig beeinflusst. Selbst kurze Nickerchen würden den Erfolg gefährden – deshalb müssen die Patienten ihre Therapie streng befolgen.

Damit der positive Effekt des Schlafentzugs länger anhält, wird ein sogenannter Teilschlafentzug angeschlossen: In der zweiten Nachthälfte darf nicht mehr geschlafen werden. So bleibt die Stimmung gehoben und ein rascher Rückfall in eine Depression verzögert sich oder bleibt aus.

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)

Thomas Kresser (ehem. Chefredakteur)



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