Frau mit Maske zum Schutz vor Corona.
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Schützt Vitamin D vor Corona?

Ein Vitamin-D-Mangel führt zu einem schweren Covid-19-Verlauf, Vitamin-D-Gaben senken das Sterberisiko. So die Behauptung, die immer wieder auftaucht. Sollen wir nun also alle vorsorglich Vitamin-D-Tabletten nehmen, um uns gegen das Coronavirus zu wappnen? So einfach ist das leider nicht. Wie es wirklich ist, lesen Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Vitamin D und woher bekommen wir es?

Was wir als Vitamin D bezeichnen, ist eigentlich eine ganze Gruppe fettlöslicher Vitamine: die sogenannten Calciferole. Diese sind wichtig für die Knochen, die Muskelkraft und das Immunsystem.

Wir beziehen Vitamin D nur zu 10-20 Prozent aus der Nahrung, zum Beispiel aus fettem Fisch. Den größten Teil bildet der Körper im Gegensatz zu anderen Vitaminen selbst in der Haut aus Vitamin-D-Vorstufen, die im Körper vorhanden sind. Dazu benötigt er jedoch Sonnenlicht. Deshalb nennt man Vitamin D auch das “Sonnenvitamin“.

Der Körper speichert Vitamin D im Fettgewebe und setzt es dort bei Bedarf frei. Deshalb haben wir im Winter nicht automatisch Vitamin-D-Mangel, wenn wir im Sommer ausreichend viel Tageslicht abbekommen haben. Ein Vitamin-D-Mangel betrifft aus diesem Grund vor allem Menschen, die das Haus nicht oder nicht oft verlassen können, zum Beispiel alte und pflegebedürftige Menschen.

Lesetipp: Verhindert Sonnenschutz die Bildung von Vitamin D?

Vitamin D und Covid-19: Die Studienlage

Im Laufe der Pandemie fiel auf, dass Covid-19 bei Menschen mit Vitamin-D-Mangel häufig schwerer verlief. Auch Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und schwerem Covid-19-Verlauf hin. Eine Studie ergab beispielsweise, dass in den Ländern, in denen die Menschen eine niedrige Vitamin-D-Konzentration haben, die Sterblichkeit infolge von Covid-19 höher war.

Paradoxerweise waren das die Mittelmeerländer. Denn zum einen ist dort die Nahrung weniger reich an Vitamin D. Zum anderen haben die Menschen dort dunklere Haut. Dunklere Haut muss länger der Sonne ausgesetzt sein, um ausreichend Vitamin D zu bilden. Menschen mit dunkler Haut, die in nordischen Ländern leben, haben deshalb ein erhöhtes Risiko für Vitamin-D-Mangel.

In einer weiteren Studie wollen spanische Forscher herausgefunden haben, dass Menschen mit Covid-19 weniger häufig auf die Intensivstation mussten und seltener starben, wenn sie ein bestimmtes Vitamin-D-Präparat bekamen. Auf fünf von acht Covid-19-Stationen bekamen alle Covid-19-Patienten mit schweren Vorerkrankungen und/oder schweren Symptomen das Mittel. Aus dieser Gruppe mussten insgesamt weniger Patienten auf die Intensivstation als aus der Kontrollgruppe, die kein Vitamin D bekam.

Die vorveröffentlichte Studie ist allerdings sehr umstritten und wurde mittlerweile wegen methodischer Mängel zurückgezogen. Unter anderem, weil es keine Placebogruppe zum Vergleich gab. Die Ärzte wussten, welche Patienten Vitamin-D bekommen hatten und dieses Wissen könnte ihre Entscheidung darüber beeinflusst haben, ob ein Patient auf die Intensivstation verlegt wird.

Dennoch klingt der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und einem schweren Covid-19-Verlauf zunächst eindeutig. Zumal Vitamin D wichtig für das Immunsystem ist und Entzündungsprozesse mitreguliert.

Fazit aus der Studienlage

Einen Zusammenhang gibt es. Aber: Einen Vitamin-Mangel haben häufig alte Menschen, die ohnehin zur Risikogruppe gehören. Auch können bestimmte Vorerkrankungen zu einem Vitamin-D-Mangel führen, die ebenfalls das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhen. Hinzu kommt, dass Vitamin-D-Mangel eine Begleiterscheinung von entzündlichen Erkrankungen sein kann. Dazu gehört auch Covid-19. Ein Vitamin-D-Mangel muss also nicht die Ursache für einen schweren Covid-19-Verlauf sein, er kann auch die Folge sein. Dennoch kann es sinnvoll sein, Menschen mit einem nachgewiesenen Mangel und erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf Vitamin-D-Präparate zu verabreichen.

Wer sollte wann Vitamin-D-Präparate nehmen?

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) spricht sich gegen eine routinemäßige Einnahme von Vitamin D zur Prophylaxe und Behandlung von Covid-19 aus. Sie empfiehlt eine Vitamin-D-Gabe nur für Menschen, die tatsächlich einen nachgewiesenen Mangel haben. Dieser Empfehlung schließt sich auch das Robert-Koch-Institut an. Die Begründung: Bei Menschen mit ausreichender Vitamin-D-Konzentration hat eine Vitamin-D-Gabe keinen positiven Effekt. Eine zu hohe Dosis könnte sich sogar negativ auswirken. Sinnvoll wäre es demnach, sich bei Verdacht auf Vitamin-D-Mangel daraufhin untersuchen und den Arzt darüber entscheiden zu lassen. Abzuraten ist von einer Einnahme von Vitamin D auf eigene Faust.

Kann man Vitamin D überdosieren?

Während der Körper von sich aus nicht zu viel Vitamin D produzieren und/oder speichern kann, kann durch eine zu hohe Einnahme von Vitamin D in Pillenform eine Art Vergiftung entstehen. Akut kann diese zu einem erhöhten Kalziumspiegel und zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen. Einer neuen Studie zufolge könnte eine zu hohe Vitamin-D-Konzentration eine erhöhte Sturzgefahr bei gebrechlichen Menschen zur Folge haben. Da Vitamin D im Körper gespeichert wird, ist auch eine schleichende Überdosierung möglich. Wer Vitamin D künstlich zu sich nimmt, sollte die Dosis von 20 Mikrogramm pro Tag nicht überschreiten.

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