Jemand zieht eine Spitze mit AstraZeneca auf
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Kapillarlecksyndrom bei AstraZeneca

Zu den offiziellen Nebenwirkungen des Covid-19-Impstoffs Vaxzevria von AstraZeneca zählt nun auch das Kapillarlecksyndrom. Die sehr seltene Gefäßerkrankung ist lebensbedrohlich. Wer bereits einmal daran erkrankt ist, darf von nun an nicht mehr mit AstraZeneca geimpft werden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Kapillarlecksyndrom als Nebenwirkung

In einem Rote-Hand-Brief informieren das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Hersteller AstraZeneca darüber, dass in sehr seltenen Fällen ein Kapillarlecksyndrom (Capillary-Leak-Syndrom, CLS) als Folge der Impfung mit Vaxzevria auftreten kann. Mit Rote-Hand-Briefen teilen Pharmaunternehmen in Deutschland Arzneimittelrisiken oder weitere wichtige Informationen mit.

PEI und AstraZeneca folgen damit einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA), die sechs Fälle von CLS in Zusammenhang mit der Impfung untersucht hat. Einer der Betroffenen hat die Komplikation nicht überlebt.

Das Kapillarlecksyndrom oder Clarkson-Syndrom ist eine Entzündungsreaktion, bei der aus den kleinsten Blutgefäßen (Kapillaren) vor allem in Armen und Beinen Blutplasma austritt. In der Folge kommt es zu Ödemen, Blutdruckabfall und Bluteindickung. Möglicherweise drohen Organversagen und Schock. Dieser Zustand ist potenziell lebensgefährlich. Behandeln lassen sich bislang nur die Symptome.

In der Allgemeinbevölkerung tritt CLS extrem selten auf, in der Literatur sind weniger als 500 Fälle beschrieben. Die tatsächlichen Fälle liegen Schätzungen zufolge jedoch darüber.

Das sind die Konsequenzen

Die Hälfte der betroffenen Geimpften hatte der EMA zufolge bereits früher schon einmal CLS. Aus diesem Grund soll der Impfstoff nicht mehr an Personen mit einer entsprechenden Krankheitsvorgeschichte verabreicht werden. Dazu soll von nun an im Anamnesebogen vor der Impfung nach einem bereits aufgetretenen Kapillarlecksyndrom gefragt werden.

Aufgrund von in seltenen Fällen als Nebenwirkung aufgetretenen Hirnvenenthrombosen in Zusammenhang mit Vaxzevria wird das Vakzin bereits nur noch für Menschen empfohlen, die älter sind als 60 Jahre. Diese Nebenwirkung tritt vermehrt bei jungen Menschen auf.

Da das Clarkson-Syndrom eine äußerst seltene Nebenwirkung ist – sie tritt nach bisherigem Kenntnisstand bei etwa einer von fünf Millionen mit AstraZeneca geimpften Personen auf – wird AstraZeneca jedoch weiterhin an andere Personen verimpft.

Bei folgenden Symptomen sollten Geimpfte ärztliche Hilfe suchen, um ein Kapillarlecksyndrom auszuschließen:

  • rasch fortschreitende Schwellung von Armen und Beinen,
  • plötzliche Gewichtszunahme,
  • Schwächegefühl.